Lot Nr. 32 -


Paul Cézanne


(Bouches du Rhone 1839–1906)
L’Allée des Marronniers au Jas de Bouffan, ca. 1890–1895, Aquarell, Gouache auf Montgolfier Bütten, 48,8 x 32,7 cm, gerahmt

Das Werk wurde als Leihgabe für folgende Ausstellung beantragt:
Luxembourg & Dayan Ltd London, Reconstructing Cézanne: Sequence and process in Paul Cézannes works on paper, 01.10.–10.12.2019

Provenienz:
Nachlass Paul Cézanne, Galerie Bernheim-Jeune, Paris, 1907
Sammlung Alphonse Kann (1870 – 1948), Saint-Germain-en-Laye,
27. Jänner 1910
Sammlung Max Silberberg (1878 – ca. 1942), Breslau, bis 1935
dessen Zwangsversteigerung, Paul Graupe, Berlin, 23. März 1935, Los 32
Sammlung Carl Roesch (1884 – 1979), Diessenhofen, Schweiz
Seitdem im Erbgang – Privatsammlung, Schweiz, bis 2018
Das Werk wurde nach einem Vergleich mit den Erben von Greta Silberberg und mit ihrer Zustimmung verkauft.

Literatur:
Auktion 141, Paul Graupe Berlin, 23.3.1935, Gemälde und Zeichnungen des 19. Jahrhunderts aus einer bekannten schlesischen Privatsammlung und aus verschiedenem Privatbesitz, Kat.-Nr. 32, mit Abb.
Lionello Venturi, Cézanne, son Art, son Oeuvre, 2 Bde, Paris 1936 – Nachdruck: Alan Wofsy fine arts, San Francisco 1989, Kat.-Nr. 956, Taf. 291
Rewald, John, Paul Cézanne: The Watercolors, A Catalogue Raisonné, Boston/London, 1983, Nr. 321, mit Abb.

„Man behandle die Natur gemäß Zylinder, Kugel und Kegel und bringe das Ganze in die richtige Perspektive, so daß jede Seite eines Objekts, einer Fläche nach einem zentralen Punkt führt.“
Brief von Paul Cézanne an Émile Bernard, Aix-en-Provence, 15. April 1904

„Je reste le primitif de la voie que j’ai découverte”
(Ich bleibe der Primitive des Weges, den ich entdeckt habe)
(Émile Bernard, Souvenirs sur Paul Cézanne et lettres inédites,
Mercure de France Nr. 247/ 248, Paris 1907, S. 385ff/ S. 606ff)

Mit seinen Zeitgenossen Vincent van Gogh und Paul Gauguin zählt Paul Cézanne zu den Gründervätern der modernen Kunst. (Julius Maier-Gräfe, Entwicklungsgeschichte der modernen Kunst, Berlin 1904) Im Vergleich zu den Impressionisten legte Paul Cézanne bei der Gestaltung seiner Arbeiten sein Hauptaugenmerk wieder auf den kompositorischen Aspekt seines Werkes und auf das Eigengesetzliche in der Malerei – la peinture pour elle-même. Die Betrachtung Cézannes von der Natur - Man behandle die Natur gemäß Zylinder, Kugel und Kegel und bringe das Ganze in die richtige Perspektive, so daß jede Seite eines Objekts, einer Fläche nach einem zentralen Punkt führt - unterstreicht seinen Ansatz des harmonischen Aufbaus seiner Kompositionen, was bei dem Werk L‘Allée des Marronniers au Jas de Bouffan deutlich erkennbar ist. Mit gleichmäßigem Pinselstrich wird das Auge des Betrachters in die Kastanien-Allee hineingeführt, die leicht räumliche Verzerrung betont dabei das essentiell flächige der Bildebene. Das Werk L‘Allée des Marronniers au Jas de Bouffan, führt uns die „sensation optique“ des Raumes vor Augen, die Paul Cézanne rein durch den gezielten Einsatz von Linie und Farbe geschaffen hat. Er war davon überzeugt, dass sich Zeichnung und Farben in ihrer Wertigkeit in nichts unterscheiden und dass es damit auch keine klare, traditionelle Trennung von Linien und Farben gibt. „Zeichnung und Modellierung verwirklichen sich beide im Akt des Farbauftrags, durch die Kontraste und Beziehungen zwischen den Farbtönen.“ (Fred Leeman, Malen „nach“ Cézanne, in: Ausstellungskatalog Cézanne, Aufbruch in die Moderne, Ostfildern-Ruit 2004, S. 172f)
Der Eindruck struktureller Harmonie entsteht in dem Aquarell L‘Allée des Marronniers au Jas de Bouffan hauptsächlich durch die von Paul Cézanne eingesetzten linearen Mittel, die er bei diesem Werk in unterschiedlichen Dichtegraden, von zartem Grau bis zu tief Schwarz nuanciert. Die relativ dunkel gestalteten Äste vorne links und die breiten Waagerechten im Inneren der Allee, betonen die Tiefe und verstärken die Raumillusion. In seinem Brief an Émile Bernard vom 15. April 1904 schreibt Paul Cézanne von der wesentlichen Funktion der Fluchtlinien für die Schaffung von Räumlichkeit. „Die zu diesem Horizont senkrecht stehenden Linien geben die Tiefe… Soll ein Gemälde reizvoll sein, so ist die Räumlichkeit unabdingbar, weil die Natur für uns Menschen mehr in der Tiefe als in der Fläche liegt. … Imitation und sogar ein bißchen Illusion schaden nichts, wenn die Kunst da ist“ (ebd.)

Schlagworte:
Paul Cézanne, Paul Cezanne

Expertin: Dr. Petra Maria Schäpers Dr. Petra Maria Schäpers
+49-211-210 77 47

petra.schaepers@dorotheum.de

04.06.2019 - 17:00

Schätzwert:
EUR 280.000,- bis EUR 350.000,-

Paul Cézanne


(Bouches du Rhone 1839–1906)
L’Allée des Marronniers au Jas de Bouffan, ca. 1890–1895, Aquarell, Gouache auf Montgolfier Bütten, 48,8 x 32,7 cm, gerahmt

Das Werk wurde als Leihgabe für folgende Ausstellung beantragt:
Luxembourg & Dayan Ltd London, Reconstructing Cézanne: Sequence and process in Paul Cézannes works on paper, 01.10.–10.12.2019

Provenienz:
Nachlass Paul Cézanne, Galerie Bernheim-Jeune, Paris, 1907
Sammlung Alphonse Kann (1870 – 1948), Saint-Germain-en-Laye,
27. Jänner 1910
Sammlung Max Silberberg (1878 – ca. 1942), Breslau, bis 1935
dessen Zwangsversteigerung, Paul Graupe, Berlin, 23. März 1935, Los 32
Sammlung Carl Roesch (1884 – 1979), Diessenhofen, Schweiz
Seitdem im Erbgang – Privatsammlung, Schweiz, bis 2018
Das Werk wurde nach einem Vergleich mit den Erben von Greta Silberberg und mit ihrer Zustimmung verkauft.

Literatur:
Auktion 141, Paul Graupe Berlin, 23.3.1935, Gemälde und Zeichnungen des 19. Jahrhunderts aus einer bekannten schlesischen Privatsammlung und aus verschiedenem Privatbesitz, Kat.-Nr. 32, mit Abb.
Lionello Venturi, Cézanne, son Art, son Oeuvre, 2 Bde, Paris 1936 – Nachdruck: Alan Wofsy fine arts, San Francisco 1989, Kat.-Nr. 956, Taf. 291
Rewald, John, Paul Cézanne: The Watercolors, A Catalogue Raisonné, Boston/London, 1983, Nr. 321, mit Abb.

„Man behandle die Natur gemäß Zylinder, Kugel und Kegel und bringe das Ganze in die richtige Perspektive, so daß jede Seite eines Objekts, einer Fläche nach einem zentralen Punkt führt.“
Brief von Paul Cézanne an Émile Bernard, Aix-en-Provence, 15. April 1904

„Je reste le primitif de la voie que j’ai découverte”
(Ich bleibe der Primitive des Weges, den ich entdeckt habe)
(Émile Bernard, Souvenirs sur Paul Cézanne et lettres inédites,
Mercure de France Nr. 247/ 248, Paris 1907, S. 385ff/ S. 606ff)

Mit seinen Zeitgenossen Vincent van Gogh und Paul Gauguin zählt Paul Cézanne zu den Gründervätern der modernen Kunst. (Julius Maier-Gräfe, Entwicklungsgeschichte der modernen Kunst, Berlin 1904) Im Vergleich zu den Impressionisten legte Paul Cézanne bei der Gestaltung seiner Arbeiten sein Hauptaugenmerk wieder auf den kompositorischen Aspekt seines Werkes und auf das Eigengesetzliche in der Malerei – la peinture pour elle-même. Die Betrachtung Cézannes von der Natur - Man behandle die Natur gemäß Zylinder, Kugel und Kegel und bringe das Ganze in die richtige Perspektive, so daß jede Seite eines Objekts, einer Fläche nach einem zentralen Punkt führt - unterstreicht seinen Ansatz des harmonischen Aufbaus seiner Kompositionen, was bei dem Werk L‘Allée des Marronniers au Jas de Bouffan deutlich erkennbar ist. Mit gleichmäßigem Pinselstrich wird das Auge des Betrachters in die Kastanien-Allee hineingeführt, die leicht räumliche Verzerrung betont dabei das essentiell flächige der Bildebene. Das Werk L‘Allée des Marronniers au Jas de Bouffan, führt uns die „sensation optique“ des Raumes vor Augen, die Paul Cézanne rein durch den gezielten Einsatz von Linie und Farbe geschaffen hat. Er war davon überzeugt, dass sich Zeichnung und Farben in ihrer Wertigkeit in nichts unterscheiden und dass es damit auch keine klare, traditionelle Trennung von Linien und Farben gibt. „Zeichnung und Modellierung verwirklichen sich beide im Akt des Farbauftrags, durch die Kontraste und Beziehungen zwischen den Farbtönen.“ (Fred Leeman, Malen „nach“ Cézanne, in: Ausstellungskatalog Cézanne, Aufbruch in die Moderne, Ostfildern-Ruit 2004, S. 172f)
Der Eindruck struktureller Harmonie entsteht in dem Aquarell L‘Allée des Marronniers au Jas de Bouffan hauptsächlich durch die von Paul Cézanne eingesetzten linearen Mittel, die er bei diesem Werk in unterschiedlichen Dichtegraden, von zartem Grau bis zu tief Schwarz nuanciert. Die relativ dunkel gestalteten Äste vorne links und die breiten Waagerechten im Inneren der Allee, betonen die Tiefe und verstärken die Raumillusion. In seinem Brief an Émile Bernard vom 15. April 1904 schreibt Paul Cézanne von der wesentlichen Funktion der Fluchtlinien für die Schaffung von Räumlichkeit. „Die zu diesem Horizont senkrecht stehenden Linien geben die Tiefe… Soll ein Gemälde reizvoll sein, so ist die Räumlichkeit unabdingbar, weil die Natur für uns Menschen mehr in der Tiefe als in der Fläche liegt. … Imitation und sogar ein bißchen Illusion schaden nichts, wenn die Kunst da ist“ (ebd.)

Schlagworte:
Paul Cézanne, Paul Cezanne

Expertin: Dr. Petra Maria Schäpers Dr. Petra Maria Schäpers
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+43 1 515 60 200
Auktion: Klassische Moderne
Datum: 04.06.2019 - 17:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 25.05. - 04.06.2019