Lot Nr. 38


Albert Paris Gütersloh *


(Wien 1887–1973)
„Stilleben mit Figur und Schleier“, 1922, monogrammiert PG, Öl auf Leinwand, 50 x 49 cm, gerahmt, auf der Rückseite ein Klebezettel mit dem Titel

Im Katalog verzeichnet und abgebildet:
Heribert Hutter: A. P. Gütersloh, Beispiele, Jugend und Volk, 1977, S. 130/1922/3

Ausgestellt:
Museum am Ostwall Dortmund, Die Wiener Schule des Phantastischen Realismus, 7.10.–2.12.1979, Nr. 194

Provenienz:
Privatsammlung, Schweiz (aus Heribert Hutter, Beispiele)
Österreichischer Kunsthandel, im Privatbesitz seit ca. 25 Jahren

Wer von den Hervorbringungen meiner Hand nichts als die Bildwerke kennt, oder nichts als die Schriften, wird, wiewohl dem Belesenen Namensgleichheit auffällt, den Maler nicht für den Schriftsteller halten. Denn: ich selber erkenne schreibend mich nicht wieder, und malend liegt meines Wesens andere Hemisphäre mir in unzugänglichem Dunkel. Nie unterstützten meine Talente einander, nie bemühn sie sich ums Selbe, stets setzt der abwesenden Neigung die herrschende ihren Fuß – wahrlich in effigie – auf den Nacken. Was immer ich treibe, verdecke ich ein im Augenblicke Nichtgetriebenes. Und doch bin ich mit der Größe des geworfenen Schattens immer, wenngleich im unfruchtbaren Besitze, dessen auch, was ruht. Und ich habe mit dem ganzen Selbstbewusstsein teil an dem, was eben den heilenden Schlaf tut. Und wie die nimmer ruhende Sonne, erfreue auch ich mich der Entlassung der Müden. Doch bleib ich selbst in ewiger Bewegung. Mit Regelmäßigkeit durch meine einander feindlichen Häuser zu ziehen, gilt mir für höchstes Rechttun.

Aus: Albert Paris Gütersloh, Bekenntnisse eines modernen Malers, 1926

Geboren als Conrad Kiehtreiber, sein erstes Pseudonym Albert Matthäus verwendete er als Schauspieler ab 1904 (spielte auch unter Max Reinhardt am Deutschen Theater in Berlin).
1909 stellt er erstmals auf der „Internationalen Kunstschau“ in Wien aus.
Ausstellungen beim Hagenbund und in der Wiener Secession auch in Deutschland, Italien und Frankreich folgen.
Kunstkritiker in Paris, zurück in Wien wird er Schüler von Gustav Klimt und gehört dessen Kreis mit Josef Hoffmann und Egon Schiele der ihn auch 1918 portraitiert hat, an.
1911 erscheint der Roman „Die tanzende Törin“
1922 offizielle Änderung seines Namens – aus Kiehtreiber wird Albert Paris Gütersloh
Verleihung des Theodor-Fontana Preis für Kunst und Literatur.
1926 erscheint sein autobiographisches Werk „Bekenntnisse eines modernen Malers“…

Expertin: Mag. Elke Königseder Mag. Elke Königseder
+43-1-515 60-358

elke.koenigseder@dorotheum.at

04.06.2019 - 17:00

Schätzwert:
EUR 30.000,- bis EUR 45.000,-

Albert Paris Gütersloh *


(Wien 1887–1973)
„Stilleben mit Figur und Schleier“, 1922, monogrammiert PG, Öl auf Leinwand, 50 x 49 cm, gerahmt, auf der Rückseite ein Klebezettel mit dem Titel

Im Katalog verzeichnet und abgebildet:
Heribert Hutter: A. P. Gütersloh, Beispiele, Jugend und Volk, 1977, S. 130/1922/3

Ausgestellt:
Museum am Ostwall Dortmund, Die Wiener Schule des Phantastischen Realismus, 7.10.–2.12.1979, Nr. 194

Provenienz:
Privatsammlung, Schweiz (aus Heribert Hutter, Beispiele)
Österreichischer Kunsthandel, im Privatbesitz seit ca. 25 Jahren

Wer von den Hervorbringungen meiner Hand nichts als die Bildwerke kennt, oder nichts als die Schriften, wird, wiewohl dem Belesenen Namensgleichheit auffällt, den Maler nicht für den Schriftsteller halten. Denn: ich selber erkenne schreibend mich nicht wieder, und malend liegt meines Wesens andere Hemisphäre mir in unzugänglichem Dunkel. Nie unterstützten meine Talente einander, nie bemühn sie sich ums Selbe, stets setzt der abwesenden Neigung die herrschende ihren Fuß – wahrlich in effigie – auf den Nacken. Was immer ich treibe, verdecke ich ein im Augenblicke Nichtgetriebenes. Und doch bin ich mit der Größe des geworfenen Schattens immer, wenngleich im unfruchtbaren Besitze, dessen auch, was ruht. Und ich habe mit dem ganzen Selbstbewusstsein teil an dem, was eben den heilenden Schlaf tut. Und wie die nimmer ruhende Sonne, erfreue auch ich mich der Entlassung der Müden. Doch bleib ich selbst in ewiger Bewegung. Mit Regelmäßigkeit durch meine einander feindlichen Häuser zu ziehen, gilt mir für höchstes Rechttun.

Aus: Albert Paris Gütersloh, Bekenntnisse eines modernen Malers, 1926

Geboren als Conrad Kiehtreiber, sein erstes Pseudonym Albert Matthäus verwendete er als Schauspieler ab 1904 (spielte auch unter Max Reinhardt am Deutschen Theater in Berlin).
1909 stellt er erstmals auf der „Internationalen Kunstschau“ in Wien aus.
Ausstellungen beim Hagenbund und in der Wiener Secession auch in Deutschland, Italien und Frankreich folgen.
Kunstkritiker in Paris, zurück in Wien wird er Schüler von Gustav Klimt und gehört dessen Kreis mit Josef Hoffmann und Egon Schiele der ihn auch 1918 portraitiert hat, an.
1911 erscheint der Roman „Die tanzende Törin“
1922 offizielle Änderung seines Namens – aus Kiehtreiber wird Albert Paris Gütersloh
Verleihung des Theodor-Fontana Preis für Kunst und Literatur.
1926 erscheint sein autobiographisches Werk „Bekenntnisse eines modernen Malers“…

Expertin: Mag. Elke Königseder Mag. Elke Königseder
+43-1-515 60-358

elke.koenigseder@dorotheum.at


Käufer Hotline Mo.-Fr.: 09.00 - 18.00
kundendienst@dorotheum.at

+43 1 515 60 200
Auktion: Klassische Moderne
Datum: 04.06.2019 - 17:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 25.05. - 04.06.2019