Lot Nr. 39


Max Pechstein *


(Zwickau 1881–1955 Berlin)
Junges Mädchen am Meer, 1923, signiert, datiert HMPechstein 1923, Öl auf Leinwand, 80 x 100,5 cm, gerahmt

Provenienz:
Nachlass des Künstlers
Privatsammlung, London
Auktion Sotheby’s München, 26.10.1988, Los 39
Privatsammlung, München (ca. 1989)
Auktion Christie’s Amsterdam, 18.6.1997, Los 356
Grisebach, Berlin Auktion 104, 29.11.2002, Los 43
Privatsammlung, Berlin

Ausgestellt:
Max Pechstein. Ein Expressionist aus Leidenschaft. Retrospektive, Kunsthalle zu Kiel, Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg, Kunstmuseum Ahlen 2010/11

Literatur:
Aya Soika, Max Pechstein, Das Werkverzeichnis der Ölgemälde, Bd. 2, 1919–1954, München 2011, S. 314, Nr. 1923/34 (Farbabb.)
Exhib. cat. Max Pechstein. Ein Expressionist aus Leidenschaft. Retrospektive, Kunsthalle zu Kiel/ Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg/ Kunstmuseum Ahlen 2010, Kat.-Nr. 160, S. 163 (mit Farbabb.)

Seinen langjährigen Rückzugsort Nidden, an der Kurischen Nehrung, musste Hermann Max Pechstein nach dem ersten Weltkrieg aufgeben, da dieser an Litauen gefallen war. „Im April 1921 machte ich mich allein, nur mit dem nötigsten Material im Rucksack auf die Suche. Ich hatte der Karte nach in Ostpommern eine ähnliche Nehrung zwischen dem Leba-See und der Ostsee ausfindig gemacht. … Wenngleich dort [in Leba] andere Menschen, Fischertypen lebten, so wiesen doch die große Londsker Wanderdüne und das weit ausgebreitete Dünengelände eine gewisse Ähnlichkeit mit der Kurischen Nehrung auf, die mich bewog, hier zu arbeiten.… Ich lernte diese Küste nicht nur schätzen, sondern auch lieben.“ (Max Pechstein, Erinnerungen, Wiesbaden 1963, S. 107f.)
Vornehmlich hält Hermann Max Pechstein in seinen ab 1921 entstandenen Werken die Landschaft um Leba fest. Ihn faszinieren die Reflektionen der Natur und des Himmels in den Seen, die er in weich bewegten Kompositionen, mit spontanem, schnellen Pinselduktus auf die Leinwand bannt. Immer mehr verzichtet er zugunsten einer beruhigteren, natürlicheren Farbgebung, auf die kräftigen Töne des Expressionismus und gelangt zu einer harmonischen Einheit von Form, Inhalt und Farbe.

In die Landschaft, zwischen Wanderdüne und Ostsee platziert Max Pechstein in „Junges Mädchen am Meer“ Marta Möller. Die erst sechzehnjährige Marta, die Tochter von Pechsteins Vermietern, wurde bereits bei seinem ersten Aufenthalt in Leba 1921 sein Modell. Nach seiner Scheidung von seiner ersten Ehefrau Lotte heiratete er Marta im September 1923.
Der Vertrautheit mit seinem Modell, seiner jungen Lebenspartnerin, ist es zu verdanken, dass Max Pechstein hier spontan das augenblicklich Erlebte erfasst, das den suggestiv-optischen Reiz dieser Komposition ausmacht. Max Pechstein schildert einen ganz intimen Moment, in dem Marta ihren nackten Körper scheinbar wieder mit Tuch bedecken möchte. Ihr Blick trifft nicht genau den Künstler, sondern schweift gedankenverloren in die Ferne. Hinter der jungen Frau eröffnet sich für den Betrachter ein weiter Blick über die hügelige Dünenlandschaft auf die in Türkistönen gehaltene, wellenbewegte Ostsee.

Auf sehr subtile Weise greift Max Pechstein bei diesem ruhigen Werk auf die Sehnsucht nach dem Paradies, dem Einklang zwischen Mensch und Natur, zurück, die er bereits in seinen Werken von der Südseeinsel Palau 1914 thematisierte. Mit dem Rückzug nach Leba suchte und fand er erneut das Unmittelbare und Unverfälschte, den Einklang zwischen Mensch und Natur, den er mit diesem Werk in besonders schöner Weise zum Ausdruck zu bringen vermag.

Expertin: Dr. Petra Maria Schäpers Dr. Petra Maria Schäpers
+49-211-210 77 47

petra.schaepers@dorotheum.de

04.06.2019 - 17:00

Schätzwert:
EUR 180.000,- bis EUR 250.000,-

Max Pechstein *


(Zwickau 1881–1955 Berlin)
Junges Mädchen am Meer, 1923, signiert, datiert HMPechstein 1923, Öl auf Leinwand, 80 x 100,5 cm, gerahmt

Provenienz:
Nachlass des Künstlers
Privatsammlung, London
Auktion Sotheby’s München, 26.10.1988, Los 39
Privatsammlung, München (ca. 1989)
Auktion Christie’s Amsterdam, 18.6.1997, Los 356
Grisebach, Berlin Auktion 104, 29.11.2002, Los 43
Privatsammlung, Berlin

Ausgestellt:
Max Pechstein. Ein Expressionist aus Leidenschaft. Retrospektive, Kunsthalle zu Kiel, Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg, Kunstmuseum Ahlen 2010/11

Literatur:
Aya Soika, Max Pechstein, Das Werkverzeichnis der Ölgemälde, Bd. 2, 1919–1954, München 2011, S. 314, Nr. 1923/34 (Farbabb.)
Exhib. cat. Max Pechstein. Ein Expressionist aus Leidenschaft. Retrospektive, Kunsthalle zu Kiel/ Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg/ Kunstmuseum Ahlen 2010, Kat.-Nr. 160, S. 163 (mit Farbabb.)

Seinen langjährigen Rückzugsort Nidden, an der Kurischen Nehrung, musste Hermann Max Pechstein nach dem ersten Weltkrieg aufgeben, da dieser an Litauen gefallen war. „Im April 1921 machte ich mich allein, nur mit dem nötigsten Material im Rucksack auf die Suche. Ich hatte der Karte nach in Ostpommern eine ähnliche Nehrung zwischen dem Leba-See und der Ostsee ausfindig gemacht. … Wenngleich dort [in Leba] andere Menschen, Fischertypen lebten, so wiesen doch die große Londsker Wanderdüne und das weit ausgebreitete Dünengelände eine gewisse Ähnlichkeit mit der Kurischen Nehrung auf, die mich bewog, hier zu arbeiten.… Ich lernte diese Küste nicht nur schätzen, sondern auch lieben.“ (Max Pechstein, Erinnerungen, Wiesbaden 1963, S. 107f.)
Vornehmlich hält Hermann Max Pechstein in seinen ab 1921 entstandenen Werken die Landschaft um Leba fest. Ihn faszinieren die Reflektionen der Natur und des Himmels in den Seen, die er in weich bewegten Kompositionen, mit spontanem, schnellen Pinselduktus auf die Leinwand bannt. Immer mehr verzichtet er zugunsten einer beruhigteren, natürlicheren Farbgebung, auf die kräftigen Töne des Expressionismus und gelangt zu einer harmonischen Einheit von Form, Inhalt und Farbe.

In die Landschaft, zwischen Wanderdüne und Ostsee platziert Max Pechstein in „Junges Mädchen am Meer“ Marta Möller. Die erst sechzehnjährige Marta, die Tochter von Pechsteins Vermietern, wurde bereits bei seinem ersten Aufenthalt in Leba 1921 sein Modell. Nach seiner Scheidung von seiner ersten Ehefrau Lotte heiratete er Marta im September 1923.
Der Vertrautheit mit seinem Modell, seiner jungen Lebenspartnerin, ist es zu verdanken, dass Max Pechstein hier spontan das augenblicklich Erlebte erfasst, das den suggestiv-optischen Reiz dieser Komposition ausmacht. Max Pechstein schildert einen ganz intimen Moment, in dem Marta ihren nackten Körper scheinbar wieder mit Tuch bedecken möchte. Ihr Blick trifft nicht genau den Künstler, sondern schweift gedankenverloren in die Ferne. Hinter der jungen Frau eröffnet sich für den Betrachter ein weiter Blick über die hügelige Dünenlandschaft auf die in Türkistönen gehaltene, wellenbewegte Ostsee.

Auf sehr subtile Weise greift Max Pechstein bei diesem ruhigen Werk auf die Sehnsucht nach dem Paradies, dem Einklang zwischen Mensch und Natur, zurück, die er bereits in seinen Werken von der Südseeinsel Palau 1914 thematisierte. Mit dem Rückzug nach Leba suchte und fand er erneut das Unmittelbare und Unverfälschte, den Einklang zwischen Mensch und Natur, den er mit diesem Werk in besonders schöner Weise zum Ausdruck zu bringen vermag.

Expertin: Dr. Petra Maria Schäpers Dr. Petra Maria Schäpers
+49-211-210 77 47

petra.schaepers@dorotheum.de


Käufer Hotline Mo.-Fr.: 09.00 - 18.00
kundendienst@dorotheum.at

+43 1 515 60 200
Auktion: Klassische Moderne
Datum: 04.06.2019 - 17:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 25.05. - 04.06.2019