Lot Nr. 49


Werner Berg *


(Wuppertal-Elberfeld 1904–1981 St. Veit im Jauntal/Kärnten)
„Asternstrauß auf Kärntnerdecke“, 1948, monogrammiert W. B., Öl auf Leinwand, 84 x 70 cm, gerahmt

Werner Berg, Gemälde, Verlag Johannes Heyn, Klagenfurt 1994, S. 265, WV-Nr. 328, mit Abb.

Provenienz:
Privatsammlung, Kärnten

Wenn ich gefragt werde, warum ich in meiner Malerei an dem Gegenstand festhalte, so muß ich verdattert gestehen, daß dieses Warum niemals für mich bestanden hat. Die wirklichen künstlerischen Entscheidungen stehen jenseits solcher Fragen und Fragwürdigkeiten…
…Der Expressionismus gab mir einst Anstoß und Impuls. Vom Explosiven und Beschwörenden, vom Schweifenden, Dräuenden, wolkenhaft Dunklen, all diesen deutschen Gefahren, ging die Tendenz immer mehr zu Beherrschung, Ordnung, Klarheit. Die Möglichkeiten eines Malers, der so dem gegenständlichen verhaftet bleibt, sind durchaus unbegrenzt. Immer wieder kommt es zuletzt auf Begabung und Begnadung an, auf die Kraft, die Intensität und die Intelligenz des Gestaltenden. Versagen die, so liegt es am Subjekt, dem Maler, und nie am Objekt, dem Gegenstand.
Werner Berg/Bekenntnis zum Gegenständlichen

Formkritisch ist die Malerei Werner Bergs in den Jahren 1947 bis 1949 deshalb bemerkenswert, weil sich in ihr ein Verhältnis von Linie – als Flächenkontur – und Farbe ankündigt, das bestehen bleibt und einer steten Klärung unterzogen wird. Die Linie hat als Kontur die Aufgabe, die Art der Figuration genau zu bestimmen und als spannungserzeugendes Element gegen die Fläche zu stehen (Kandinsky: Punkt und Linie zur Fläche). Das bei Gauguin, Paula Modersohn-Becker und Gabriele Münter im Ansatz zu finden, noch zeichnerisch aufgefaßt ist, wird hier zu einem bewußt eingesetzten Gegenpart zur Farbfläche. Und diese antwortet auf den Kontur, in dem sie aus dessen empfindsam gezogenen Verlauf die Modelierung – oder „Modulierung der Farbe“, wie Cézanne feststellte – ableitet und zugleich so von der „Gegenstandsfarbe“ abstrahiert, daß die imaginativ determinierte psychische Stimmung, die das Bild haben soll, möglichst klar zum Ausdruck kommt.
Heimo Kuchling/Stil-und formkritische Bemerkungen zum Werkverzeichnis
Alle Texte aus der angeführten Literatur

Expertin: Mag. Elke Königseder Mag. Elke Königseder
+43-1-515 60-358

elke.koenigseder@dorotheum.at

04.06.2019 - 17:00

Schätzwert:
EUR 80.000,- bis EUR 130.000,-

Werner Berg *


(Wuppertal-Elberfeld 1904–1981 St. Veit im Jauntal/Kärnten)
„Asternstrauß auf Kärntnerdecke“, 1948, monogrammiert W. B., Öl auf Leinwand, 84 x 70 cm, gerahmt

Werner Berg, Gemälde, Verlag Johannes Heyn, Klagenfurt 1994, S. 265, WV-Nr. 328, mit Abb.

Provenienz:
Privatsammlung, Kärnten

Wenn ich gefragt werde, warum ich in meiner Malerei an dem Gegenstand festhalte, so muß ich verdattert gestehen, daß dieses Warum niemals für mich bestanden hat. Die wirklichen künstlerischen Entscheidungen stehen jenseits solcher Fragen und Fragwürdigkeiten…
…Der Expressionismus gab mir einst Anstoß und Impuls. Vom Explosiven und Beschwörenden, vom Schweifenden, Dräuenden, wolkenhaft Dunklen, all diesen deutschen Gefahren, ging die Tendenz immer mehr zu Beherrschung, Ordnung, Klarheit. Die Möglichkeiten eines Malers, der so dem gegenständlichen verhaftet bleibt, sind durchaus unbegrenzt. Immer wieder kommt es zuletzt auf Begabung und Begnadung an, auf die Kraft, die Intensität und die Intelligenz des Gestaltenden. Versagen die, so liegt es am Subjekt, dem Maler, und nie am Objekt, dem Gegenstand.
Werner Berg/Bekenntnis zum Gegenständlichen

Formkritisch ist die Malerei Werner Bergs in den Jahren 1947 bis 1949 deshalb bemerkenswert, weil sich in ihr ein Verhältnis von Linie – als Flächenkontur – und Farbe ankündigt, das bestehen bleibt und einer steten Klärung unterzogen wird. Die Linie hat als Kontur die Aufgabe, die Art der Figuration genau zu bestimmen und als spannungserzeugendes Element gegen die Fläche zu stehen (Kandinsky: Punkt und Linie zur Fläche). Das bei Gauguin, Paula Modersohn-Becker und Gabriele Münter im Ansatz zu finden, noch zeichnerisch aufgefaßt ist, wird hier zu einem bewußt eingesetzten Gegenpart zur Farbfläche. Und diese antwortet auf den Kontur, in dem sie aus dessen empfindsam gezogenen Verlauf die Modelierung – oder „Modulierung der Farbe“, wie Cézanne feststellte – ableitet und zugleich so von der „Gegenstandsfarbe“ abstrahiert, daß die imaginativ determinierte psychische Stimmung, die das Bild haben soll, möglichst klar zum Ausdruck kommt.
Heimo Kuchling/Stil-und formkritische Bemerkungen zum Werkverzeichnis
Alle Texte aus der angeführten Literatur

Expertin: Mag. Elke Königseder Mag. Elke Königseder
+43-1-515 60-358

elke.koenigseder@dorotheum.at


Käufer Hotline Mo.-Fr.: 09.00 - 18.00
kundendienst@dorotheum.at

+43 1 515 60 200
Auktion: Klassische Moderne
Datum: 04.06.2019 - 17:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 25.05. - 04.06.2019