Lot Nr. 63


Marino Marini *


(Pistoia 1901–1980 Viareggio)
Piccolo cavaliere, 1949, eine Variante, Keramik, bemalt und glasiert, Höhe 39,4 cm

Edition von 4 Exemplaren + 1 Variante. Das Werk ist ein Unikat

Zu diesem Werk liegt eine vom Künstler signierte Echtheitsbestätigung vor.

Provenienz:
Sammlung Lorenzo Papi, Florenz
Sammlung Attilio Bacci, Mailand
Europäische Privatsammlung

Literatur:
G. di San Lazzaro, P. Waldberg & H. Read, Marino Marini, Complete Works, New York, 1970, Nr. 251, mit Abb.
C. Pirovano, Marino Marini, Scultore, Mailand 1972, Nr. 257, mit Abb.
M. Meneguzzo, Marino Marini Cavalli e Cavalieri, Mailand, 1997, Nr. 46, mit Abb.
Fondazione Marino Marini (Hrsg.), Marino Marini. Catalogo ragionato della scultura, Mailand 1998, Nr. 325 (Abb. ein anderes Exemplar)

„Das Bild des Reiters hat durch die Jahrhunderte einen eher epischen Charakter bewahrt.
Es ging darum, einen Sieger zu ehren wie etwa Marc Aurel [...]. Aber die Natur dieser Beziehungen, die so lange schon zwischen Mensch und Pferd bestehen [...] hat sich in den letzten fünfzig Jahren grundlegend geändert:

Das Pferd ist in seinen ökonomischen und militärischen Funktionen von der Maschine ersetzt worden, von Traktor, Auto und Panzer.“

Marino Marini

Die Reiterfiguren, die „Cavalieri“, haben in den fünfziger Jahren den internationalen Ruhm Marino Marinis begründet – also ein höchst unmodernes Thema mit dem erdrückenden Gewicht einer uralten ikonographischen Tradition.
Doch Marino gibt keine Triumphmonumente, keine Machtsymbole. Der Reiter ist für ihn eine tragische Figur.
Er sieht ihn stellvertretend für das Drama der Menschheit. Augenfällig ist der Bezug, den Marinis Reiter mit dem düsteren Existenzbefund der Nachkriegszeit teilen.
Die frühen Reiterfiguren vermitteln noch relative Ausgewogenheit: Der Mensch beherrscht das Tier und ist klar von ihm geschieden (wie im vorliegenden Werk).
In der Folgezeit verschmilzt der Reiter zunehmend mit der Kreatur, er wird immer ohnmächtiger. Schließlich ist das Pferd, wie bei der Bekehrung Sauls, zu Boden gestürzt, der Reiter nach hinten zurückgeworfen. Harte Kanten und unruhige Oberflächenbehandlung verstärken den disharmonischen Gesamteindruck.

München, Residenz, März – April 1984, Marino Marini, Plastiken, Bilder, Zeichnungen, Ausst.-Kat.

Expertin: Mag. Patricia Pálffy Mag. Patricia Pálffy
+43-1-515 60-386

patricia.palffy@dorotheum.at

04.06.2019 - 17:00

Schätzwert:
EUR 80.000,- bis EUR 120.000,-

Marino Marini *


(Pistoia 1901–1980 Viareggio)
Piccolo cavaliere, 1949, eine Variante, Keramik, bemalt und glasiert, Höhe 39,4 cm

Edition von 4 Exemplaren + 1 Variante. Das Werk ist ein Unikat

Zu diesem Werk liegt eine vom Künstler signierte Echtheitsbestätigung vor.

Provenienz:
Sammlung Lorenzo Papi, Florenz
Sammlung Attilio Bacci, Mailand
Europäische Privatsammlung

Literatur:
G. di San Lazzaro, P. Waldberg & H. Read, Marino Marini, Complete Works, New York, 1970, Nr. 251, mit Abb.
C. Pirovano, Marino Marini, Scultore, Mailand 1972, Nr. 257, mit Abb.
M. Meneguzzo, Marino Marini Cavalli e Cavalieri, Mailand, 1997, Nr. 46, mit Abb.
Fondazione Marino Marini (Hrsg.), Marino Marini. Catalogo ragionato della scultura, Mailand 1998, Nr. 325 (Abb. ein anderes Exemplar)

„Das Bild des Reiters hat durch die Jahrhunderte einen eher epischen Charakter bewahrt.
Es ging darum, einen Sieger zu ehren wie etwa Marc Aurel [...]. Aber die Natur dieser Beziehungen, die so lange schon zwischen Mensch und Pferd bestehen [...] hat sich in den letzten fünfzig Jahren grundlegend geändert:

Das Pferd ist in seinen ökonomischen und militärischen Funktionen von der Maschine ersetzt worden, von Traktor, Auto und Panzer.“

Marino Marini

Die Reiterfiguren, die „Cavalieri“, haben in den fünfziger Jahren den internationalen Ruhm Marino Marinis begründet – also ein höchst unmodernes Thema mit dem erdrückenden Gewicht einer uralten ikonographischen Tradition.
Doch Marino gibt keine Triumphmonumente, keine Machtsymbole. Der Reiter ist für ihn eine tragische Figur.
Er sieht ihn stellvertretend für das Drama der Menschheit. Augenfällig ist der Bezug, den Marinis Reiter mit dem düsteren Existenzbefund der Nachkriegszeit teilen.
Die frühen Reiterfiguren vermitteln noch relative Ausgewogenheit: Der Mensch beherrscht das Tier und ist klar von ihm geschieden (wie im vorliegenden Werk).
In der Folgezeit verschmilzt der Reiter zunehmend mit der Kreatur, er wird immer ohnmächtiger. Schließlich ist das Pferd, wie bei der Bekehrung Sauls, zu Boden gestürzt, der Reiter nach hinten zurückgeworfen. Harte Kanten und unruhige Oberflächenbehandlung verstärken den disharmonischen Gesamteindruck.

München, Residenz, März – April 1984, Marino Marini, Plastiken, Bilder, Zeichnungen, Ausst.-Kat.

Expertin: Mag. Patricia Pálffy Mag. Patricia Pálffy
+43-1-515 60-386

patricia.palffy@dorotheum.at


Käufer Hotline Mo.-Fr.: 09.00 - 18.00
kundendienst@dorotheum.at

+43 1 515 60 200
Auktion: Klassische Moderne
Datum: 04.06.2019 - 17:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 25.05. - 04.06.2019