Lot Nr. 526


Osman Hamdi Bey


(Istanbul 1842-1910)
Dame turque de Constantinople, signiert, datiert Hamdy. Bey.1881, Öl auf Leinwand, 120 x 60 cm, gerahmt, (GG)

Provenienz:
Privatsammlung Italien.

Vergleiche:
Sotheby's 30.05.2008, Los 100.

Das prachtvolle Ganzkörperbildnis einer Türkin aus dem Jahr 1881 zählt zweifellos zu Hamdi Beys Meisterstücken. „Dame turque de Constantinople“ blickt den Betrachter direkt durch den durchscheinenden orientalischen Schleier (yaşmak) an. Über dem Unterkleid (anteri) trägt sie einen Ausgehmantel (ferace), dessen dunkle Farbe den förmlichen türkischen Stil widerspiegelt und Traditionsbewusstsein zum Ausdruck bringt. Die Porträtierte steht auf einem reich gemusterten Kazak­Teppich, für den möglicherweise ein Stück aus der Sammlung des Künstlers als Vorlage gedient hat. Ein edler, goldbestickter Stoff bildet den Hintergrund.

Hamdi Bey gilt als erster türkischer Maler, der sich den westlichen Malstil aneignete. Im gegenwärtigen Bild treffen traditionelle türkische Werte auf die neueste Pariser Mode. So war es damals in Konstantinopel durchaus en vogue, Kleider in Paris zu bestellen oder in Pera, einem Stadtteil auf der europäischen Seite der Metropole, schneidern zu lassen.

Hamdi Bey wurde von seinem Vater, dem Großwesir Ibrahim Edhem Pasha, von 1860 bis 1869 zum Studium der Rechtswissenschaften nach Paris geschickt. Er brach seine juristische Ausbildung jedoch ab und wandte sich der Malerei zu. So wurde er Schüler Gustave Boulangers und arbeitete in dessen Atelier. Seinen ersten Auftritt im Pariser Salon hatte er nicht als Maler, sondern als Gemalter: Eines von zwei Gemälden, die Boulanger 1865 im Salon ausstellte, trug den Titel „Bildnis von Hamdi Bey“. Ein Jahr später war der Porträtierte selbst als Künstler in der Ausstellung vertreten.
Im Paris der frühen 1860er­Jahre übte auch der Maler Jean­Léon Gérôme großen Einfluss auf Hamdi Bey aus. Der junge osmanische Künstler studierte die opulenten Gemälde des berühmten orientalistischen Malers an der École des Beaux­Arts, wo Gérôme 1864 als Professor der Malerei unterrichtete. So waren denn zwei Künstler – Boulanger und Gérôme – für die künstlerische Laufbahn Hamdi Beys maßgeblich.

1867 besuchte Sultan Abdülaziz die Pariser Weltausstellung, bei der drei Werke Hamdi Beys gezeigt und mit Medaillen prämiert wurden. In den 1860er­Jahren galt Hamdi Bey als der führende osmanische Maler in Paris. Er heiratete die Französin Marie, die 1869 mit ihm nach Konstantinopel zurückging. Umgehend wurde er jedoch nach Bagdad entsandt, wo er in die Dienste des frisch bestellten Statthalters trat. 1881 ernannte Sultan Abdul Hamid II. ihn zum Direktor des „Museums des Imperiums“ in Konstantinopel, 1883 zum Leiter der Konstantinopler Kunstschule. 1882 gründete Hamdi Bey darüber hinaus das Sanayi-i Nefise Mektebi (Institut für Schöne Künste), damit junge Osmanen nicht nach Europa reisen mussten, um Kunst zu studieren

Hamdi Bey stellte weiterhin eigene Arbeiten international aus und erhielt zahlreiche Auszeichnungen. Er war nicht nur ein ausgezeichneter Musiker und leidenschaftlicher Dichter, sondern genoss auch hohes Ansehen als Archäologe: 1887 entdeckte er in Sidon im Libanon den soge­nannten Alexander­Sakrophag und ließ ihn nach Konstantinopel in das neu errichtete Museum des Topkapı­Palasts überstellen, das 1891 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde.

Hamdi Bey war auch ein versierter Musiker und ein guter Dichter und Schriftsteller. Er war eine treibende Kraft im türkischen Kulturleben in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und gilt heute als der Maler der modernen Türkei, als Brückenbauer zwischen Orient und Okzident.

Eine größere Version des Bildes, das nun zur Versteigerung gelangt, wurde am 30. Mai 2008 bei Sotheby’s in London veräußert. „Dame turque de Constantinople“ befand sich bisher in Privatbesitz und war der Öffentlichkeit stets verborgen geblieben.

Experte: Gautier Gendebien Gautier Gendebien
+39-334-777 1603

Gautier.Gendebien@dorotheum.it

23.10.2019 - 17:00

Schätzwert:
EUR 1.500.000,- bis EUR 1.800.000,-

Osman Hamdi Bey


(Istanbul 1842-1910)
Dame turque de Constantinople, signiert, datiert Hamdy. Bey.1881, Öl auf Leinwand, 120 x 60 cm, gerahmt, (GG)

Provenienz:
Privatsammlung Italien.

Vergleiche:
Sotheby's 30.05.2008, Los 100.

Das prachtvolle Ganzkörperbildnis einer Türkin aus dem Jahr 1881 zählt zweifellos zu Hamdi Beys Meisterstücken. „Dame turque de Constantinople“ blickt den Betrachter direkt durch den durchscheinenden orientalischen Schleier (yaşmak) an. Über dem Unterkleid (anteri) trägt sie einen Ausgehmantel (ferace), dessen dunkle Farbe den förmlichen türkischen Stil widerspiegelt und Traditionsbewusstsein zum Ausdruck bringt. Die Porträtierte steht auf einem reich gemusterten Kazak­Teppich, für den möglicherweise ein Stück aus der Sammlung des Künstlers als Vorlage gedient hat. Ein edler, goldbestickter Stoff bildet den Hintergrund.

Hamdi Bey gilt als erster türkischer Maler, der sich den westlichen Malstil aneignete. Im gegenwärtigen Bild treffen traditionelle türkische Werte auf die neueste Pariser Mode. So war es damals in Konstantinopel durchaus en vogue, Kleider in Paris zu bestellen oder in Pera, einem Stadtteil auf der europäischen Seite der Metropole, schneidern zu lassen.

Hamdi Bey wurde von seinem Vater, dem Großwesir Ibrahim Edhem Pasha, von 1860 bis 1869 zum Studium der Rechtswissenschaften nach Paris geschickt. Er brach seine juristische Ausbildung jedoch ab und wandte sich der Malerei zu. So wurde er Schüler Gustave Boulangers und arbeitete in dessen Atelier. Seinen ersten Auftritt im Pariser Salon hatte er nicht als Maler, sondern als Gemalter: Eines von zwei Gemälden, die Boulanger 1865 im Salon ausstellte, trug den Titel „Bildnis von Hamdi Bey“. Ein Jahr später war der Porträtierte selbst als Künstler in der Ausstellung vertreten.
Im Paris der frühen 1860er­Jahre übte auch der Maler Jean­Léon Gérôme großen Einfluss auf Hamdi Bey aus. Der junge osmanische Künstler studierte die opulenten Gemälde des berühmten orientalistischen Malers an der École des Beaux­Arts, wo Gérôme 1864 als Professor der Malerei unterrichtete. So waren denn zwei Künstler – Boulanger und Gérôme – für die künstlerische Laufbahn Hamdi Beys maßgeblich.

1867 besuchte Sultan Abdülaziz die Pariser Weltausstellung, bei der drei Werke Hamdi Beys gezeigt und mit Medaillen prämiert wurden. In den 1860er­Jahren galt Hamdi Bey als der führende osmanische Maler in Paris. Er heiratete die Französin Marie, die 1869 mit ihm nach Konstantinopel zurückging. Umgehend wurde er jedoch nach Bagdad entsandt, wo er in die Dienste des frisch bestellten Statthalters trat. 1881 ernannte Sultan Abdul Hamid II. ihn zum Direktor des „Museums des Imperiums“ in Konstantinopel, 1883 zum Leiter der Konstantinopler Kunstschule. 1882 gründete Hamdi Bey darüber hinaus das Sanayi-i Nefise Mektebi (Institut für Schöne Künste), damit junge Osmanen nicht nach Europa reisen mussten, um Kunst zu studieren

Hamdi Bey stellte weiterhin eigene Arbeiten international aus und erhielt zahlreiche Auszeichnungen. Er war nicht nur ein ausgezeichneter Musiker und leidenschaftlicher Dichter, sondern genoss auch hohes Ansehen als Archäologe: 1887 entdeckte er in Sidon im Libanon den soge­nannten Alexander­Sakrophag und ließ ihn nach Konstantinopel in das neu errichtete Museum des Topkapı­Palasts überstellen, das 1891 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde.

Hamdi Bey war auch ein versierter Musiker und ein guter Dichter und Schriftsteller. Er war eine treibende Kraft im türkischen Kulturleben in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und gilt heute als der Maler der modernen Türkei, als Brückenbauer zwischen Orient und Okzident.

Eine größere Version des Bildes, das nun zur Versteigerung gelangt, wurde am 30. Mai 2008 bei Sotheby’s in London veräußert. „Dame turque de Constantinople“ befand sich bisher in Privatbesitz und war der Öffentlichkeit stets verborgen geblieben.

Experte: Gautier Gendebien Gautier Gendebien
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+43 1 515 60 200
Auktion: Gemälde des 19. Jahrhunderts
Datum: 23.10.2019 - 17:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 12.10. - 23.10.2019