Lot Nr. 555 -


Lancelot Theodore Turpin de Crisse


(Paris 1782-1859)
Der Palazzo Donn'Anna von einer Grotte bei Posilippo aus gesehen, monogrammiert, datiert T. T. 1824, Öl auf Holz, 23 x 18,5 cm (Darstellungsgröße 23 x 17,5 cm), gerahmt, (Rei)

Die Liebe zur Kunst und zu Italien teilte Lancelot Théodore Comte de Turpin de Crissé mit seinem Vater, Henri Roland Lancelot, Marquis de Turpin de Crissé, der sich neben seiner Militärlaufbahn auch als Amateurmaler versuchte und mit seinem Rom-Ansichten einigen Erfolg hatte. Aufgrund seiner politischen Rolle im Ancien Régime sah er sich gezwungen 1789 nach Amerika auszuwandern und verstarb noch vor 1800 in Philadelphia.
So wuchs Lancelot Théodore bei einer Tante nahe Anjou auf. Sein Patenonkel Comte de Choiseul-Gouffier (1752-1817) förderte ihn schon früh und ermöglichte ihm Reisen in die Schweiz und 1808 erstmals nach Italien. Im folgenden Jahr gelang es Turpin de Crissé die Aufmerksamkeit der Kaiserin Josephine Bonaparte zu erregen, die ihm den Titel eines Kammherrn verlieh. Es folgen gemeinsame Reisen nach Savoyen und Italien im Jahr 1810.
Turpin de Crissé war ein Mann vieler Talente und etablierte sich nicht nur als Maler, sondern auch als Kunstkenner und Schriftsteller: 1816 wurde Turpin de Crissé Mitglied des Institut de France, ab 1824 Inspecteur des Départment des Beaux-Arts und im folgenden Jahr Ritter der Ehrenlegion.

Der Blick aus einer Grotte auf den Palazzo Donn’Anna entstand wohl auf seiner dritten Italienreise, wie das Monogramm T. T. 1824 auf der Felswand rechts verrät. Die cremefarbene Grundierung der Holztafel ist an den Seitenrändern noch sichtbar, mit Bleistiftlinien hat Turpin de Crissé den Bildausschnitt verengt, sodass ein stärkeres Hochformat entstand.
Basierend auf den Erfahrungen und Eindrücken seiner Italienreisen in den Jahren 1808, 1818 und 1824 publizierte er 1828 seine „Souvenirs du Golfe de Naples“ – Einen prachtvollen Reisebericht im Folio-Format mit 47 Stahlstichen nach seinen eigenen Skizzen und Gemälden. Auf dem Frontispiz stellt er sich selbst als Reisenden, Italienkenner und Gelehrten vor: wir sehen ihn inmitten von antiken Ruinen und Kunstgegenständen, den Mantel lässig über eine Amphore rechts geworfen, an der auch die Zeichenmappe lehnt, während er – auf einen Mauerrest gestützt – im Begriff ist zu zeichnen.

Das vorliegende Gemälde diente wohl als Vorlage für den Stahlstich Nr. 42 in dieser reich bebilderten Publikation. In der Angabe unter den Illustrationen unterschied er deutlich, ob die Vorlage „Dessiné“ oder wie in unserem Fall „Peint par le Cte. Turpin de C.“ war.
In der dazugehörigen Textpassage empfiehlt er dem Reisenden in einer starken, bildreichen Sprache die Grotten bei Posilippo als willkommenen Zufluchtsort vor der brütenden Sommerhitze:
„Quand les rayons d‘un soleil brûlant, tombant à plomb sur les larges fragments de lave polie don-t les rues sont pavées, forcent le voyageur le plus intrépide à chercher un abri; lorsque ses yeux, fatigués de la poussiêre et du reflet des bàtiments, lui font désirer la fraîcheur et l’ombre, il peut aller se réfugier alors dans l’une des sombres cavernes que les feux soutterains ou les anciens peuples du Labour ont jadis creusées dans les flancs du Pausilippe.“
Turpin de Crissé zeigt sich stark beeindruckt von den Ruinen des Palazzo Donn’Anna, einer Villa aus dem 15. Jahrhundert im Fischerort Mergellina zu Füßen der Hügel von Posilippo. Er schildert die späktakuläre Lage direkt am Wasser und ihren malerischen, ruinösen Verfall: „S’arretera sous les voùtes de ce vaste edifice ruiné, connu sous le nom de Palais de la Reine Jeanne ou plutot de Donn’Anna, ou dans d’autres Villas, abandonnés et battues par les flots“.

Expertin: Mag. Dimitra Reimüller Mag. Dimitra Reimüller
+43-1-515 60-355

19c.paintings@dorotheum.at

23.10.2019 - 17:00

Schätzwert:
EUR 10.000,- bis EUR 15.000,-

Lancelot Theodore Turpin de Crisse


(Paris 1782-1859)
Der Palazzo Donn'Anna von einer Grotte bei Posilippo aus gesehen, monogrammiert, datiert T. T. 1824, Öl auf Holz, 23 x 18,5 cm (Darstellungsgröße 23 x 17,5 cm), gerahmt, (Rei)

Die Liebe zur Kunst und zu Italien teilte Lancelot Théodore Comte de Turpin de Crissé mit seinem Vater, Henri Roland Lancelot, Marquis de Turpin de Crissé, der sich neben seiner Militärlaufbahn auch als Amateurmaler versuchte und mit seinem Rom-Ansichten einigen Erfolg hatte. Aufgrund seiner politischen Rolle im Ancien Régime sah er sich gezwungen 1789 nach Amerika auszuwandern und verstarb noch vor 1800 in Philadelphia.
So wuchs Lancelot Théodore bei einer Tante nahe Anjou auf. Sein Patenonkel Comte de Choiseul-Gouffier (1752-1817) förderte ihn schon früh und ermöglichte ihm Reisen in die Schweiz und 1808 erstmals nach Italien. Im folgenden Jahr gelang es Turpin de Crissé die Aufmerksamkeit der Kaiserin Josephine Bonaparte zu erregen, die ihm den Titel eines Kammherrn verlieh. Es folgen gemeinsame Reisen nach Savoyen und Italien im Jahr 1810.
Turpin de Crissé war ein Mann vieler Talente und etablierte sich nicht nur als Maler, sondern auch als Kunstkenner und Schriftsteller: 1816 wurde Turpin de Crissé Mitglied des Institut de France, ab 1824 Inspecteur des Départment des Beaux-Arts und im folgenden Jahr Ritter der Ehrenlegion.

Der Blick aus einer Grotte auf den Palazzo Donn’Anna entstand wohl auf seiner dritten Italienreise, wie das Monogramm T. T. 1824 auf der Felswand rechts verrät. Die cremefarbene Grundierung der Holztafel ist an den Seitenrändern noch sichtbar, mit Bleistiftlinien hat Turpin de Crissé den Bildausschnitt verengt, sodass ein stärkeres Hochformat entstand.
Basierend auf den Erfahrungen und Eindrücken seiner Italienreisen in den Jahren 1808, 1818 und 1824 publizierte er 1828 seine „Souvenirs du Golfe de Naples“ – Einen prachtvollen Reisebericht im Folio-Format mit 47 Stahlstichen nach seinen eigenen Skizzen und Gemälden. Auf dem Frontispiz stellt er sich selbst als Reisenden, Italienkenner und Gelehrten vor: wir sehen ihn inmitten von antiken Ruinen und Kunstgegenständen, den Mantel lässig über eine Amphore rechts geworfen, an der auch die Zeichenmappe lehnt, während er – auf einen Mauerrest gestützt – im Begriff ist zu zeichnen.

Das vorliegende Gemälde diente wohl als Vorlage für den Stahlstich Nr. 42 in dieser reich bebilderten Publikation. In der Angabe unter den Illustrationen unterschied er deutlich, ob die Vorlage „Dessiné“ oder wie in unserem Fall „Peint par le Cte. Turpin de C.“ war.
In der dazugehörigen Textpassage empfiehlt er dem Reisenden in einer starken, bildreichen Sprache die Grotten bei Posilippo als willkommenen Zufluchtsort vor der brütenden Sommerhitze:
„Quand les rayons d‘un soleil brûlant, tombant à plomb sur les larges fragments de lave polie don-t les rues sont pavées, forcent le voyageur le plus intrépide à chercher un abri; lorsque ses yeux, fatigués de la poussiêre et du reflet des bàtiments, lui font désirer la fraîcheur et l’ombre, il peut aller se réfugier alors dans l’une des sombres cavernes que les feux soutterains ou les anciens peuples du Labour ont jadis creusées dans les flancs du Pausilippe.“
Turpin de Crissé zeigt sich stark beeindruckt von den Ruinen des Palazzo Donn’Anna, einer Villa aus dem 15. Jahrhundert im Fischerort Mergellina zu Füßen der Hügel von Posilippo. Er schildert die späktakuläre Lage direkt am Wasser und ihren malerischen, ruinösen Verfall: „S’arretera sous les voùtes de ce vaste edifice ruiné, connu sous le nom de Palais de la Reine Jeanne ou plutot de Donn’Anna, ou dans d’autres Villas, abandonnés et battues par les flots“.

Expertin: Mag. Dimitra Reimüller Mag. Dimitra Reimüller
+43-1-515 60-355

19c.paintings@dorotheum.at


Käufer Hotline Mo.-Fr.: 09.00 - 18.00
kundendienst@dorotheum.at

+43 1 515 60 200
Auktion: Gemälde des 19. Jahrhunderts
Datum: 23.10.2019 - 17:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 12.10. - 23.10.2019