Lot Nr. 557


Johann Adam Klein


(Nürnberg 1792-1875 München)
Pferdeschwemme in Neapel, signiert, datiert J. A. Klein 1821, Öl auf Holz, 16 x 20 cm, gerahmt, (Rei)

Provenienz:
Privatsammlung Deutschland.

Vergleiche:
Friedrich von Boetticher, Malerwerke des 19. Jahrhunderts, Hofheim am Taunus 1979, Bd. I,2 S. 721, Nr. 26.;
Johann Adam Klein: handschriftliche Autobiographie aus dem Jahr 1833, in: Romantische Entdeckungen. Johann Adam Klein (1792-1875), Gemälde, Zeichnungen, Druckgraphik, hrsg. von Jutta Tschoeke, Ausst.-Kat. Museen der Stadt Nürnberg, Nürnberg 2006, S. 314-322.;
Mathias Mende: Italien lockt!, in: Ausst.-Kat. Nürnberg 2006, S. 53-60.

Johann Adam Kleins große Stärke war die Darstellung von Tieren, besonders von Pferden verschiedenster Rassen und in unterschiedlichsten Situationen. Der aus Nürnberg stammende Künstler erhielt seine erste Ausbildung bei dem Kupferstecher Ambrosius Gabler in Nürnberg, ab 1811 studierte er jedoch an der Akademie in Wien. In der Zeit der napoleonischen Kriege übten die Soldaten mit ihren Uniformen, Pferden und Fuhrwerken große Faszination auf ihn aus.
Von 1816 an unternahm er gemeinsam mit Johann Christoph Erhard und Heinrich Reinhold Studienreisen in die Alpen nahe Salzburg und das Berchtesgadener Land. Klein ist vor allem für sein umfangreiches druckgraphisches Oeuvre bekannt, begann aber ab 1816/17 auch im Medium der Ölmalerei zu arbeiten. Klein folgt 1819 seinen Freunden Erhard und Reinhold nach Rom, wo sie sich schnell in die dortige, deutschsprachige Künstlerszene integrieren. Im Gegensatz zu Reinhold und Erhard konnte Klein während seinem Italienaufenthalt von einigen Ersparnissen aus vorherigen Jahren zehren und hatte so keinerlei materielle Sorgen.
Wie Klein mehrfach in seiner Autobiographie betont, ging er nie ohne Skizzenbuch aus dem Haus, „welches nach meiner Gewohnheit nie in der Tasche fehlen durfte“. So konstatiert er 1833 stolz, er habe auf seinen Studienreisen bisher bereits 52 Skizzenbücher gesammelt. (zitiert nach Ausst. Kat. Nürnberg 2006, S. 322)
Es ist davon auszugehen, dass das Motiv der Pferdeschwemme in Neapel ebenfalls diesem zeichnerischen Fundus entstammt und auf eine Reise nach Neapel zurückgeht, die er im Sommer 1820 unternimmt. Mit von der Partie sind der Maler Franz Ludwig Catel und die Bildhauer Johann Nepomuk Haller und Rudolf Schadow (der Bruder Friedrich Wilhelm Schadows).
In seiner Autobiographie, die Klein über ein Jahrzehnt später aus Anlass der Aufnahme in die Königliche Akademie in Berlin 1833 verfasste, berichtet er in knappem Ton aber mit vielen Orts- und Namensangaben angereichert, von seinen zahlreichen Studienreisen durch Süddeutschland, Österreich und Italien. Über die Reise nach Neapel 1820 schreibt er Folgendes:
„Wir verließen Rom am 29. Juli und unsere Reise, die Hitze abgerechnet, war sehr angenehm und ohne Abenteuer. In Terracina betrat ich zum ersten Mal das Ufer des Mittelländischen Meeres, und den 4. Tag sahen wir in Molo di Gaeta den Gipfel des Vesuvs rauchen. Das äußerst lebhafte neapolitanische Volk beschäftigte mich fortwährend, und ich sammelte Studien, soviel es bei der großen Hitze nur möglich war. Mit Freund Catel machte ich Ausflüge nach Sorrent, nach der Insel Ischia und Procida, bestieg mit Vogel und einigen, andern Freunden den Vesuv am 1. September, welcher gerade zu dieser Zeit glühende Asche und Steine auswarf, daher wir uns dem großen Krater nicht nähern durften. Doch hatten wir am kleinen Krater schon genug Rauch und Schwefeldampf geschluckt und den Ascheregen gefühlt. Wir kamen um Mitternacht wieder in Neapel an und es reut mich nicht, diese zwar sehr mühsame und teils auch gefährliche Partie mitgemacht zu haben. Die Seebäder waren auch meiner Gesundheit besonders zuträglich, und ich befand mich immer sehr wohl!
So verstrichen äußerst angenehm 2 Monate.“ (zitiert nach Ausst. Kat. Nürnberg 2006, S. 320).
Wie er selbst berichtet, faszinierte ihn auch in Italien vor allem das Treiben des einfachen Volkes, das er mit großer Ausdauer in Skizzen festhielt. Das vorliegende Los, wie die Signatur und Bezeichnung J. A. Klein Roma 1821 verrät, entstand wohl im Nachklang der Reise zurück im römischen Atelier. Ein sehr ähnliches Motiv mit einer Pferdeschwemme in Neapel findet sich auch in Friedrich von Bötticher, Malerwerke des 19. Jahrhunderts, verzeichnet (Bd. I,2, S. 721, Nr. 26.). Dennoch stellt das Motiv und die sommerlich heitere, südliche Atmosphäre mit der strahlend blauen Farbigkeit eine Besonderheit in Kleins Werk dar und lässt uns als Betrachter an seiner Begeisterung für das Strandleben in Neapel teilhaben.

Expertin: Mag. Dimitra Reimüller Mag. Dimitra Reimüller
+43-1-515 60-355

19c.paintings@dorotheum.at

23.10.2019 - 17:00

Schätzwert:
EUR 8.000,- bis EUR 12.000,-

Johann Adam Klein


(Nürnberg 1792-1875 München)
Pferdeschwemme in Neapel, signiert, datiert J. A. Klein 1821, Öl auf Holz, 16 x 20 cm, gerahmt, (Rei)

Provenienz:
Privatsammlung Deutschland.

Vergleiche:
Friedrich von Boetticher, Malerwerke des 19. Jahrhunderts, Hofheim am Taunus 1979, Bd. I,2 S. 721, Nr. 26.;
Johann Adam Klein: handschriftliche Autobiographie aus dem Jahr 1833, in: Romantische Entdeckungen. Johann Adam Klein (1792-1875), Gemälde, Zeichnungen, Druckgraphik, hrsg. von Jutta Tschoeke, Ausst.-Kat. Museen der Stadt Nürnberg, Nürnberg 2006, S. 314-322.;
Mathias Mende: Italien lockt!, in: Ausst.-Kat. Nürnberg 2006, S. 53-60.

Johann Adam Kleins große Stärke war die Darstellung von Tieren, besonders von Pferden verschiedenster Rassen und in unterschiedlichsten Situationen. Der aus Nürnberg stammende Künstler erhielt seine erste Ausbildung bei dem Kupferstecher Ambrosius Gabler in Nürnberg, ab 1811 studierte er jedoch an der Akademie in Wien. In der Zeit der napoleonischen Kriege übten die Soldaten mit ihren Uniformen, Pferden und Fuhrwerken große Faszination auf ihn aus.
Von 1816 an unternahm er gemeinsam mit Johann Christoph Erhard und Heinrich Reinhold Studienreisen in die Alpen nahe Salzburg und das Berchtesgadener Land. Klein ist vor allem für sein umfangreiches druckgraphisches Oeuvre bekannt, begann aber ab 1816/17 auch im Medium der Ölmalerei zu arbeiten. Klein folgt 1819 seinen Freunden Erhard und Reinhold nach Rom, wo sie sich schnell in die dortige, deutschsprachige Künstlerszene integrieren. Im Gegensatz zu Reinhold und Erhard konnte Klein während seinem Italienaufenthalt von einigen Ersparnissen aus vorherigen Jahren zehren und hatte so keinerlei materielle Sorgen.
Wie Klein mehrfach in seiner Autobiographie betont, ging er nie ohne Skizzenbuch aus dem Haus, „welches nach meiner Gewohnheit nie in der Tasche fehlen durfte“. So konstatiert er 1833 stolz, er habe auf seinen Studienreisen bisher bereits 52 Skizzenbücher gesammelt. (zitiert nach Ausst. Kat. Nürnberg 2006, S. 322)
Es ist davon auszugehen, dass das Motiv der Pferdeschwemme in Neapel ebenfalls diesem zeichnerischen Fundus entstammt und auf eine Reise nach Neapel zurückgeht, die er im Sommer 1820 unternimmt. Mit von der Partie sind der Maler Franz Ludwig Catel und die Bildhauer Johann Nepomuk Haller und Rudolf Schadow (der Bruder Friedrich Wilhelm Schadows).
In seiner Autobiographie, die Klein über ein Jahrzehnt später aus Anlass der Aufnahme in die Königliche Akademie in Berlin 1833 verfasste, berichtet er in knappem Ton aber mit vielen Orts- und Namensangaben angereichert, von seinen zahlreichen Studienreisen durch Süddeutschland, Österreich und Italien. Über die Reise nach Neapel 1820 schreibt er Folgendes:
„Wir verließen Rom am 29. Juli und unsere Reise, die Hitze abgerechnet, war sehr angenehm und ohne Abenteuer. In Terracina betrat ich zum ersten Mal das Ufer des Mittelländischen Meeres, und den 4. Tag sahen wir in Molo di Gaeta den Gipfel des Vesuvs rauchen. Das äußerst lebhafte neapolitanische Volk beschäftigte mich fortwährend, und ich sammelte Studien, soviel es bei der großen Hitze nur möglich war. Mit Freund Catel machte ich Ausflüge nach Sorrent, nach der Insel Ischia und Procida, bestieg mit Vogel und einigen, andern Freunden den Vesuv am 1. September, welcher gerade zu dieser Zeit glühende Asche und Steine auswarf, daher wir uns dem großen Krater nicht nähern durften. Doch hatten wir am kleinen Krater schon genug Rauch und Schwefeldampf geschluckt und den Ascheregen gefühlt. Wir kamen um Mitternacht wieder in Neapel an und es reut mich nicht, diese zwar sehr mühsame und teils auch gefährliche Partie mitgemacht zu haben. Die Seebäder waren auch meiner Gesundheit besonders zuträglich, und ich befand mich immer sehr wohl!
So verstrichen äußerst angenehm 2 Monate.“ (zitiert nach Ausst. Kat. Nürnberg 2006, S. 320).
Wie er selbst berichtet, faszinierte ihn auch in Italien vor allem das Treiben des einfachen Volkes, das er mit großer Ausdauer in Skizzen festhielt. Das vorliegende Los, wie die Signatur und Bezeichnung J. A. Klein Roma 1821 verrät, entstand wohl im Nachklang der Reise zurück im römischen Atelier. Ein sehr ähnliches Motiv mit einer Pferdeschwemme in Neapel findet sich auch in Friedrich von Bötticher, Malerwerke des 19. Jahrhunderts, verzeichnet (Bd. I,2, S. 721, Nr. 26.). Dennoch stellt das Motiv und die sommerlich heitere, südliche Atmosphäre mit der strahlend blauen Farbigkeit eine Besonderheit in Kleins Werk dar und lässt uns als Betrachter an seiner Begeisterung für das Strandleben in Neapel teilhaben.

Expertin: Mag. Dimitra Reimüller Mag. Dimitra Reimüller
+43-1-515 60-355

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Käufer Hotline Mo.-Fr.: 09.00 - 18.00
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Auktion: Gemälde des 19. Jahrhunderts
Datum: 23.10.2019 - 17:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 12.10. - 23.10.2019