Lot Nr. 559


August Wilhelm Ferdinand Schirmer


(Berlin 1802-1866 Nyon)
"Tassos Haus an der Küste von Sorrent", rückseitig alt betitelt sowie alt bezeichnet "gemalt von Wilh. Schirmer in Berlin" und "Eigenthum des Geheim. Rathes Knoblauch (Halle/Saale)", Öl auf Leiwand, 22,5 x 32 cm, gerahmt, (Rei) 

Provenienz:
Sammlung Geheimrat Carl Hermann Knobloch (1820-1895), Halle/Saale;
Privatsammlung Deutschland.

Vergleiche:
August Wilhelm Ferdinand Schirmer, Torquato Tassos Haus bei Sorrent, Öl auf Leinwand, 42 x 87 cm, Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, Ident. Nr. NG 4/87.

Im vorliegenden Los blicken wir auf die Küste bei Sorrent. Steil über dem Meer aufragend ist rechts das Geburtshaus des berühmten italienischen Dichters Torquato Tasso (1544-1595) zu sehen. Das turbulente Leben des Dichters zwischen Genie und Wahnsinn faszinierte viele Künstler des ausgehenden 18. und frühen 19. Jahrhunderts und inspirierte schon Goethe zu seinem Schauspiel Torquato Tasso.
Auch im Oeuvre des Berliner Landschaftsmalers August Wilhelm Schirmer findet sich die Ansicht des berühmten Geburtshaus Tassos im Golf von Sorrent. Im Jahr 1827 unternahm der junge Künstler seine erste Italienreise, die ihn zunächst nach Rom führte. Durch die finanzielle Unterstützung des preußischen Kronprinzen konnte Schirmer im Hochsommer weiter gen Süden bis Sorrent reisen. Die Inspiration zu diesem Motiv geht also direkt auf den Aufenthalt des Künstlers vor Ort zurück.
Eine größere Version kaufte der Bankier Joachim Heinrich Wilhelm Wagener an, dessen umfangreiche Gemäldesammlung zum Grundstock der Alten Nationalgalerie Berlin geworden ist Das Gemälde ist dort heute unter Ident. Nr. NG 4/87 verzeichnet.
Auf der Akademieausstellung in Berlin 1836 wurde darüber hinaus auch eine kleinere Version des Motives „Tassos Haus in Sorrent“ gezeigt, die in der zeitgenössischen Presse für die leuchtende Farbigkeit und das Blau und Grün des Wassers besonders gelobt wurde: „ein Bildchen, von sehr guter Harmonie. Das hohe und festgebaute, wie verschanzte Haus vorn am Wasser, in matten Steintönen fein spielend, das plane Wasser zu seinen Füssen, blau erglänzend und übergehend in grüne Töne, wie es sich sichtbar entfernt und unter der Luft in den Grund zurückweicht, vereinigen sich zu einem malerischen, angenehmen Anblick.“ (Museum, Blätter für bildende Kunst, Jahrgang IV, Nr. 44, 1836, S. 346). Die Vermutung liegt nahe, dass es sich bei dem vorliegenden Los um eben jenes in Berlin gezeigte Gemälde handelt, das nun wieder der Öffentlichkeit präsentiert werden kann.

Schirmers malerisches Können zeigt sich besonders in den dem weißen Saum der Wellen am Strand, der Transparenz des Wassers, dessen Farbnuancen von seegrün bis tiefviolett changieren und den Glanzlichtern auf den Balkon, der im Streiflicht der untergehenden Sonne liegt. Der Zauber des Bildes entfaltet sich in der Verknüpfung von real Erlebtem und idealisierter Empfindung.

Expertin: Mag. Dimitra Reimüller Mag. Dimitra Reimüller
+43-1-515 60-355

19c.paintings@dorotheum.at

23.10.2019 - 17:00

Schätzwert:
EUR 10.000,- bis EUR 12.000,-

August Wilhelm Ferdinand Schirmer


(Berlin 1802-1866 Nyon)
"Tassos Haus an der Küste von Sorrent", rückseitig alt betitelt sowie alt bezeichnet "gemalt von Wilh. Schirmer in Berlin" und "Eigenthum des Geheim. Rathes Knoblauch (Halle/Saale)", Öl auf Leiwand, 22,5 x 32 cm, gerahmt, (Rei) 

Provenienz:
Sammlung Geheimrat Carl Hermann Knobloch (1820-1895), Halle/Saale;
Privatsammlung Deutschland.

Vergleiche:
August Wilhelm Ferdinand Schirmer, Torquato Tassos Haus bei Sorrent, Öl auf Leinwand, 42 x 87 cm, Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, Ident. Nr. NG 4/87.

Im vorliegenden Los blicken wir auf die Küste bei Sorrent. Steil über dem Meer aufragend ist rechts das Geburtshaus des berühmten italienischen Dichters Torquato Tasso (1544-1595) zu sehen. Das turbulente Leben des Dichters zwischen Genie und Wahnsinn faszinierte viele Künstler des ausgehenden 18. und frühen 19. Jahrhunderts und inspirierte schon Goethe zu seinem Schauspiel Torquato Tasso.
Auch im Oeuvre des Berliner Landschaftsmalers August Wilhelm Schirmer findet sich die Ansicht des berühmten Geburtshaus Tassos im Golf von Sorrent. Im Jahr 1827 unternahm der junge Künstler seine erste Italienreise, die ihn zunächst nach Rom führte. Durch die finanzielle Unterstützung des preußischen Kronprinzen konnte Schirmer im Hochsommer weiter gen Süden bis Sorrent reisen. Die Inspiration zu diesem Motiv geht also direkt auf den Aufenthalt des Künstlers vor Ort zurück.
Eine größere Version kaufte der Bankier Joachim Heinrich Wilhelm Wagener an, dessen umfangreiche Gemäldesammlung zum Grundstock der Alten Nationalgalerie Berlin geworden ist Das Gemälde ist dort heute unter Ident. Nr. NG 4/87 verzeichnet.
Auf der Akademieausstellung in Berlin 1836 wurde darüber hinaus auch eine kleinere Version des Motives „Tassos Haus in Sorrent“ gezeigt, die in der zeitgenössischen Presse für die leuchtende Farbigkeit und das Blau und Grün des Wassers besonders gelobt wurde: „ein Bildchen, von sehr guter Harmonie. Das hohe und festgebaute, wie verschanzte Haus vorn am Wasser, in matten Steintönen fein spielend, das plane Wasser zu seinen Füssen, blau erglänzend und übergehend in grüne Töne, wie es sich sichtbar entfernt und unter der Luft in den Grund zurückweicht, vereinigen sich zu einem malerischen, angenehmen Anblick.“ (Museum, Blätter für bildende Kunst, Jahrgang IV, Nr. 44, 1836, S. 346). Die Vermutung liegt nahe, dass es sich bei dem vorliegenden Los um eben jenes in Berlin gezeigte Gemälde handelt, das nun wieder der Öffentlichkeit präsentiert werden kann.

Schirmers malerisches Können zeigt sich besonders in den dem weißen Saum der Wellen am Strand, der Transparenz des Wassers, dessen Farbnuancen von seegrün bis tiefviolett changieren und den Glanzlichtern auf den Balkon, der im Streiflicht der untergehenden Sonne liegt. Der Zauber des Bildes entfaltet sich in der Verknüpfung von real Erlebtem und idealisierter Empfindung.

Expertin: Mag. Dimitra Reimüller Mag. Dimitra Reimüller
+43-1-515 60-355

19c.paintings@dorotheum.at


Käufer Hotline Mo.-Fr.: 09.00 - 18.00
kundendienst@dorotheum.at

+43 1 515 60 200
Auktion: Gemälde des 19. Jahrhunderts
Datum: 23.10.2019 - 17:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 12.10. - 23.10.2019