Lot Nr. 564


Friedrich Wilhelm von Schadow


(Berlin 1788-1862 Düsseldorf)
"Pieta", Öl auf Leinwand, 34 x 47 cm, (Darstellungsgröße 32,5x 44 cm, im Halbrund), rückseitig Ausstellungsetikett"Ausstellung für christliche Kunst, Düsseldorf 1909, sowie am Keilrahmen alt bezeichnet Jean (Hans) Pullem, Düsseldorf, gerahmt, (Rei)

Provenienz:
Sammlung des Künstlers Hans Pullem (1877-1951), Düsseldorf;
Privatsammlung Deutschland.

Ausgestellt:
Ausstellung für christliche Kunst, Düsseldorf 1909, Nr. 762.

Vergleiche:
Friedrich von Boetticher, Malerwerke des 19. Jahrhunderts, Hofheim am Taunus 1979, Bd. II,2 S. 527, Nr. 45.
Cordula Grewe, Wilhelm Schadow. Werkverzeichnis, hrsg. von Bettina Baumgärtel und Hans Paffrath, Michael Imhof Verlag 2017, Nr. 66, S. 150-152.

Beigabe Katalog "Ausstellung für christliche Kunst, Düsseldorf 1909"

Im Jahr 1909 wurden gleich zwei Gemälde mit dem Bildthema der Pieta von Friedrich Wilhelm von Schadow auf der „Ausstellung für christliche Kunst“ in Düsseldorf gezeigt – ein Entwurf in Form eines Bozzettos in Öl auf Leinwand, sowie die fertige Ausführung monumentalen Ausmaßes. Im historischen Ausstellungskatalog, der diesem Los als Beigabe mitgegeben wird, sind sie untern den Nummern 614a (S. 37) und 762 (S. 34) verzeichnet.
Bei dem hier vorgestellten Werk handelt es sich um den Bozzetto, der als Nr. 762 zu identifizieren ist. Als dessen Besitzer wird im Katalog der Maler Jean Pullem in Düsseldorf genannt. Dies stimmt überein mit der alten., handschriftlichen Bezeichnung auf der Rückseite des Rahmens oben rechts: „Besitz von Maler Jean (überschrieben mit Hans) Pullem“. Der Entwurfscharakter zeigt sich vor allem an der Bleistiftvorzeichnung, die an manchen Stellen, beispielsweise auf dem Oberkörper Christi, durchscheint.

Die fertige Ausführung, mit den stolzen Maßen von 161 x 214 cm, befindet sich heute in der Andreaskirche in Düsseldorf und ist in der Schatzkammer auf der Empore zu besichtigen. Schadow hatte sie selbst der Pfarrgemeinde gestiftet und bemerkt dazu in einem Brief aus dem Jahr 1860: „Ich habe vor meiner Krankheit eine Mater Dolorosa gemalt, als meinen Schwanengesang, und habe sie der Andreas Pfarrkirche (…) geschenkt, deren Pfarrer mein Beichtvater ist.“ Die Entstehung des Werkes wird von Cordula Grewe, der Verfasserin des Werkverzeichnisses, in das Jahr 1853 datiert (Cordula Grewe, Wilhelm Schadow. Werkverzeichnis, S. 150). Es ist ein Spätwerk Schadows, das durch seine melancholische Grundstimmung und dunkle Farbigkeit aus dem gewohnten Stil des Künstlers heraussticht.
Anders als die großformatige Ausführung hat der Bozzetto einen intimeren Charakter und führt uns nahe an Schadows Entwurfsprozess heran. Die letzten Lebensjahre des Künstlers waren von nachlassender Sehkraft und infolgedessen Depressionen überschattet. Nicht umsonst bezeichnet er selbst dieses letzte religiöse Werk als seinen Schwanengesang. Vor diesem Hintergrund gewinnt das Bildthema der Beweinung eine weitere, persönliche Bedeutungsebene hinzu.

Expertin: Mag. Dimitra Reimüller Mag. Dimitra Reimüller
+43-1-515 60-355

19c.paintings@dorotheum.at

23.10.2019 - 17:00

Schätzwert:
EUR 12.000,- bis EUR 15.000,-

Friedrich Wilhelm von Schadow


(Berlin 1788-1862 Düsseldorf)
"Pieta", Öl auf Leinwand, 34 x 47 cm, (Darstellungsgröße 32,5x 44 cm, im Halbrund), rückseitig Ausstellungsetikett"Ausstellung für christliche Kunst, Düsseldorf 1909, sowie am Keilrahmen alt bezeichnet Jean (Hans) Pullem, Düsseldorf, gerahmt, (Rei)

Provenienz:
Sammlung des Künstlers Hans Pullem (1877-1951), Düsseldorf;
Privatsammlung Deutschland.

Ausgestellt:
Ausstellung für christliche Kunst, Düsseldorf 1909, Nr. 762.

Vergleiche:
Friedrich von Boetticher, Malerwerke des 19. Jahrhunderts, Hofheim am Taunus 1979, Bd. II,2 S. 527, Nr. 45.
Cordula Grewe, Wilhelm Schadow. Werkverzeichnis, hrsg. von Bettina Baumgärtel und Hans Paffrath, Michael Imhof Verlag 2017, Nr. 66, S. 150-152.

Beigabe Katalog "Ausstellung für christliche Kunst, Düsseldorf 1909"

Im Jahr 1909 wurden gleich zwei Gemälde mit dem Bildthema der Pieta von Friedrich Wilhelm von Schadow auf der „Ausstellung für christliche Kunst“ in Düsseldorf gezeigt – ein Entwurf in Form eines Bozzettos in Öl auf Leinwand, sowie die fertige Ausführung monumentalen Ausmaßes. Im historischen Ausstellungskatalog, der diesem Los als Beigabe mitgegeben wird, sind sie untern den Nummern 614a (S. 37) und 762 (S. 34) verzeichnet.
Bei dem hier vorgestellten Werk handelt es sich um den Bozzetto, der als Nr. 762 zu identifizieren ist. Als dessen Besitzer wird im Katalog der Maler Jean Pullem in Düsseldorf genannt. Dies stimmt überein mit der alten., handschriftlichen Bezeichnung auf der Rückseite des Rahmens oben rechts: „Besitz von Maler Jean (überschrieben mit Hans) Pullem“. Der Entwurfscharakter zeigt sich vor allem an der Bleistiftvorzeichnung, die an manchen Stellen, beispielsweise auf dem Oberkörper Christi, durchscheint.

Die fertige Ausführung, mit den stolzen Maßen von 161 x 214 cm, befindet sich heute in der Andreaskirche in Düsseldorf und ist in der Schatzkammer auf der Empore zu besichtigen. Schadow hatte sie selbst der Pfarrgemeinde gestiftet und bemerkt dazu in einem Brief aus dem Jahr 1860: „Ich habe vor meiner Krankheit eine Mater Dolorosa gemalt, als meinen Schwanengesang, und habe sie der Andreas Pfarrkirche (…) geschenkt, deren Pfarrer mein Beichtvater ist.“ Die Entstehung des Werkes wird von Cordula Grewe, der Verfasserin des Werkverzeichnisses, in das Jahr 1853 datiert (Cordula Grewe, Wilhelm Schadow. Werkverzeichnis, S. 150). Es ist ein Spätwerk Schadows, das durch seine melancholische Grundstimmung und dunkle Farbigkeit aus dem gewohnten Stil des Künstlers heraussticht.
Anders als die großformatige Ausführung hat der Bozzetto einen intimeren Charakter und führt uns nahe an Schadows Entwurfsprozess heran. Die letzten Lebensjahre des Künstlers waren von nachlassender Sehkraft und infolgedessen Depressionen überschattet. Nicht umsonst bezeichnet er selbst dieses letzte religiöse Werk als seinen Schwanengesang. Vor diesem Hintergrund gewinnt das Bildthema der Beweinung eine weitere, persönliche Bedeutungsebene hinzu.

Expertin: Mag. Dimitra Reimüller Mag. Dimitra Reimüller
+43-1-515 60-355

19c.paintings@dorotheum.at


Käufer Hotline Mo.-Fr.: 09.00 - 18.00
kundendienst@dorotheum.at

+43 1 515 60 200
Auktion: Gemälde des 19. Jahrhunderts
Datum: 23.10.2019 - 17:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 12.10. - 23.10.2019