Lot Nr. 10


Lucas Cranach der Jüngere Werkstatt


(Wittenberg 1515–1586 Weimar),
Bildnis von Martin Luther mit bloßem Haupt im schwarzen Mantel und mit einem Buch in der Hand,
mit dem Zeichen der geflügelten Schlange und datiert 1546 Mitte links,
Öl auf Holz, 62,2 x 47,6 cm, gerahmt

Provenienz:
Findlay Galleries, Chicago (als Lucas Cranach der Ältere);
dort erworben durch Ruth McClymonds Maitland (1885–1958), Los Angeles, 1944;
im Erbgang an ihre Tochter Flora Maitland Dean und ihren Schwiegersohn John Gilbert Dean, Rhode Island;
Weitergabe im Erbgang;
Auktion, Sotheby’s, New York, 27. Januar 2006, Lot 266 (als Lucas Cranach der Jüngere und Werkstatt);
dort erworben durch den jetzigen Besitzer

Ausgestellt:
Los Angeles, Art Galleries of the University of California; San Francisco, Palace of the Legion of Honor, California Collects: North and South, 20. Januar – 6. April 1958, Nr. 4 (als Lucas Cranach der Ältere);
Los Angeles, Art Galleries of the University of California, Ruth McC. Maitland Collection, 5. Oktober – 1. November 1959 (als Lucas Cranach der Ältere);
Providence, Rhode Island School of Design, 1980, als Leihgabe;
Trento, Museo del diocesano tridentino, L’uomo del concilio, 4. April – 26. Juli 2009, Nr. 9 (als Lucas Cranach der Jüngere)

Literatur:
California Collections: North and South, Ausstellungskatalog, Los Angeles 1958, Nr. 4, mit Abb. (als Lucas Cranach der Ältere);
R. Pancheri, D. Primerano, L’uomo del concilio. Il cardinale Giovanni Morone tra Roma e Trento nell’età di Michelangelo, Ausstellungskatalog, Trento 2009, S. 170f., Nr. 9 (als Lucas Cranach der Jüngere)

Das vorliegende Gemälde ist im Digital Corpus Cranach unter Nr. CC-POR-510-106 verzeichnet (mit einer Zuschreibung an Lucas Cranach den Älteren oder seine Werkstatt).

Dem Lot liegen Fotokopien von Briefen Max Friedländers (1927) und W. R. Valentiners (1944) bei, in denen das Werk Lucas Cranach dem Älteren zugewiesen wird.

Das vorliegende Gemälde stellt Martin Luther (1483–1546) als Halbfigur dar. Er ist dunkel gekleidet, einzig der scharlachrote Streifen seines Kragens bildet ein Farbtupfer. Der Porträtierte hält ein kleines Buch in Händen, eine Anspielung auf die Bibelübersetzung oder auf eine seiner eigenen Schriften. Mit festem Blick hebt sich Luther vom hellblauen Hintergrund ab, was seine massive Gestalt unterstreicht.

Das Porträt gehört zu einer Reihe von Bildern mit Darstellungen Luthers des 16. Jahrhunderts. Sie zeigen Luther mehrheitlich als Priester oder Doktor der Theologie; auf anderen ist er mit seiner Frau Katharina von Bora zu sehen, auf weiteren ist er auf dem Sterbebett wiedergegeben.

Die Vorlage für das vorliegende Gemälde stammt von Lucas Cranach dem Älteren, einem der ersten deutschen Künstler, die sich in den Dienst der protestantischen Reformation stellten. Der Maler freundete sich mit Luther an und fungierte sogar als dessen Trauzeuge. Er malte Luthers erstes Porträt 1520; in der Folge entstanden Prototypen für zahlreiche weitere Bildnisse. Das vorliegende Gemälde beruht auf einer Urfassung, die 1546, in Luthers Todesjahr, in Cranachs Werkstatt in Wittenberg entstand und von der weitere Fassungen bekannt sind. Eine davon befindet sich im Catharijnecovent Museum in Utrecht; ähnliche Versionen finden sich in der Klassik Stiftung Weimar, im Lutherhaus in Wittenberg, im Fogg Art Museum, Harvard/Cambridge, Massachusetts und im Philadelphia Museum of Art.

Cranachs Werkstatt spezialisierte sich auf die serienmäßige Produktion dieses Porträttypus in unterschiedlichen Formaten. Die Repliken sind in der Regel mit dem Entstehungsjahr der Urfassung datiert sind, ungeachtet vom tatsächlichen Jahr ihrer Ausführung. Cranach vertraute die Werkstattleitung zu einem guten Teil seinem Sohn Lucas an, der sie 1550 ganz übernahm. Davor ist es nicht möglich, Werke mit Sicherheit dem jüngeren Cranach zuzuschreiben. Tatsächlich entsprachen alle Werke, die Cranachs Werkstatt verließen, stilistisch und qualitativ den Maßstäben des Vaters und wurden mit dem Markenzeichen der geflügelten Schlange versehen.

Technischer Bericht von Gianluca Poldi:

Trotzdem die Tafel gedünnt und parkettiert wurde, wobei durch die Bewegung des hölzernen Bildträgers bedingte kleine Verluste aufzufüllen waren, ist der Gesamtzustand gut, mit den für Tafelbilder aus der Cranach-Werkstatt typischen Krakeluren.

In der Infrarotreflektografie zeigt sich eine dünne Unterzeichnung im Bereich des Kopfes, die höchstwahrscheinlich mit spitzer schwarzer Kreide ausgeführt wurde. Mehrere schraffierte Passagen dienen dazu, die Form des Gesichts sowie die kleinen Schatten oder Halbschatten herauszuarbeiten. Schraffuren bestehen aus vier bis sechs kurzen parallelen Linien, um die Schattenbereiche, über welche schließlich die finale Farbe gelegt wird, anzudeuten. Manche schwarze Umrisse der Unterzeichnung wirken recht freihändig ausgeführt und bestehen aus mehr als einer Linie, etwa sichtbar im Bereich des Halses, während andere Partien, etwa Augen und Nase, mit einer einzigen sicheren Linie ausgeführt sind.

Die Hauttöne, die, wie nichtinvasive spektroskopische und mikroskopische Untersuchungen ergeben haben, aus mit Zinnober und braunem Ocker vermischtem Bleiweiß bestehen, sind sorgfältig mit Lasuren eines Kohlepartikel enthaltenden schwarzen Pigments schattiert. Die Korngröße des Zinnobers ist überaus fein, und auch der mit Bleiweiß vermischte Azurit im Hintergrund ist fein vermahlen. Der eigenartige Blauton ist dem Vorhandensein kleiner grüner Kupferpartikel geschuldet, möglicherweise grüner Verunreinigungen des Minerals wie Malachit. Das leuchtende Zinnober kommt auch im Kragen sowie an der oberen Kante des Buches zum Einsatz, das der Dargestellte in Händen hält, wo es in das für die Seiten verwendete Bleizinngelb übergeht.

22.10.2019 - 17:00

Schätzwert:
EUR 100.000,- bis EUR 150.000,-

Lucas Cranach der Jüngere Werkstatt


(Wittenberg 1515–1586 Weimar),
Bildnis von Martin Luther mit bloßem Haupt im schwarzen Mantel und mit einem Buch in der Hand,
mit dem Zeichen der geflügelten Schlange und datiert 1546 Mitte links,
Öl auf Holz, 62,2 x 47,6 cm, gerahmt

Provenienz:
Findlay Galleries, Chicago (als Lucas Cranach der Ältere);
dort erworben durch Ruth McClymonds Maitland (1885–1958), Los Angeles, 1944;
im Erbgang an ihre Tochter Flora Maitland Dean und ihren Schwiegersohn John Gilbert Dean, Rhode Island;
Weitergabe im Erbgang;
Auktion, Sotheby’s, New York, 27. Januar 2006, Lot 266 (als Lucas Cranach der Jüngere und Werkstatt);
dort erworben durch den jetzigen Besitzer

Ausgestellt:
Los Angeles, Art Galleries of the University of California; San Francisco, Palace of the Legion of Honor, California Collects: North and South, 20. Januar – 6. April 1958, Nr. 4 (als Lucas Cranach der Ältere);
Los Angeles, Art Galleries of the University of California, Ruth McC. Maitland Collection, 5. Oktober – 1. November 1959 (als Lucas Cranach der Ältere);
Providence, Rhode Island School of Design, 1980, als Leihgabe;
Trento, Museo del diocesano tridentino, L’uomo del concilio, 4. April – 26. Juli 2009, Nr. 9 (als Lucas Cranach der Jüngere)

Literatur:
California Collections: North and South, Ausstellungskatalog, Los Angeles 1958, Nr. 4, mit Abb. (als Lucas Cranach der Ältere);
R. Pancheri, D. Primerano, L’uomo del concilio. Il cardinale Giovanni Morone tra Roma e Trento nell’età di Michelangelo, Ausstellungskatalog, Trento 2009, S. 170f., Nr. 9 (als Lucas Cranach der Jüngere)

Das vorliegende Gemälde ist im Digital Corpus Cranach unter Nr. CC-POR-510-106 verzeichnet (mit einer Zuschreibung an Lucas Cranach den Älteren oder seine Werkstatt).

Dem Lot liegen Fotokopien von Briefen Max Friedländers (1927) und W. R. Valentiners (1944) bei, in denen das Werk Lucas Cranach dem Älteren zugewiesen wird.

Das vorliegende Gemälde stellt Martin Luther (1483–1546) als Halbfigur dar. Er ist dunkel gekleidet, einzig der scharlachrote Streifen seines Kragens bildet ein Farbtupfer. Der Porträtierte hält ein kleines Buch in Händen, eine Anspielung auf die Bibelübersetzung oder auf eine seiner eigenen Schriften. Mit festem Blick hebt sich Luther vom hellblauen Hintergrund ab, was seine massive Gestalt unterstreicht.

Das Porträt gehört zu einer Reihe von Bildern mit Darstellungen Luthers des 16. Jahrhunderts. Sie zeigen Luther mehrheitlich als Priester oder Doktor der Theologie; auf anderen ist er mit seiner Frau Katharina von Bora zu sehen, auf weiteren ist er auf dem Sterbebett wiedergegeben.

Die Vorlage für das vorliegende Gemälde stammt von Lucas Cranach dem Älteren, einem der ersten deutschen Künstler, die sich in den Dienst der protestantischen Reformation stellten. Der Maler freundete sich mit Luther an und fungierte sogar als dessen Trauzeuge. Er malte Luthers erstes Porträt 1520; in der Folge entstanden Prototypen für zahlreiche weitere Bildnisse. Das vorliegende Gemälde beruht auf einer Urfassung, die 1546, in Luthers Todesjahr, in Cranachs Werkstatt in Wittenberg entstand und von der weitere Fassungen bekannt sind. Eine davon befindet sich im Catharijnecovent Museum in Utrecht; ähnliche Versionen finden sich in der Klassik Stiftung Weimar, im Lutherhaus in Wittenberg, im Fogg Art Museum, Harvard/Cambridge, Massachusetts und im Philadelphia Museum of Art.

Cranachs Werkstatt spezialisierte sich auf die serienmäßige Produktion dieses Porträttypus in unterschiedlichen Formaten. Die Repliken sind in der Regel mit dem Entstehungsjahr der Urfassung datiert sind, ungeachtet vom tatsächlichen Jahr ihrer Ausführung. Cranach vertraute die Werkstattleitung zu einem guten Teil seinem Sohn Lucas an, der sie 1550 ganz übernahm. Davor ist es nicht möglich, Werke mit Sicherheit dem jüngeren Cranach zuzuschreiben. Tatsächlich entsprachen alle Werke, die Cranachs Werkstatt verließen, stilistisch und qualitativ den Maßstäben des Vaters und wurden mit dem Markenzeichen der geflügelten Schlange versehen.

Technischer Bericht von Gianluca Poldi:

Trotzdem die Tafel gedünnt und parkettiert wurde, wobei durch die Bewegung des hölzernen Bildträgers bedingte kleine Verluste aufzufüllen waren, ist der Gesamtzustand gut, mit den für Tafelbilder aus der Cranach-Werkstatt typischen Krakeluren.

In der Infrarotreflektografie zeigt sich eine dünne Unterzeichnung im Bereich des Kopfes, die höchstwahrscheinlich mit spitzer schwarzer Kreide ausgeführt wurde. Mehrere schraffierte Passagen dienen dazu, die Form des Gesichts sowie die kleinen Schatten oder Halbschatten herauszuarbeiten. Schraffuren bestehen aus vier bis sechs kurzen parallelen Linien, um die Schattenbereiche, über welche schließlich die finale Farbe gelegt wird, anzudeuten. Manche schwarze Umrisse der Unterzeichnung wirken recht freihändig ausgeführt und bestehen aus mehr als einer Linie, etwa sichtbar im Bereich des Halses, während andere Partien, etwa Augen und Nase, mit einer einzigen sicheren Linie ausgeführt sind.

Die Hauttöne, die, wie nichtinvasive spektroskopische und mikroskopische Untersuchungen ergeben haben, aus mit Zinnober und braunem Ocker vermischtem Bleiweiß bestehen, sind sorgfältig mit Lasuren eines Kohlepartikel enthaltenden schwarzen Pigments schattiert. Die Korngröße des Zinnobers ist überaus fein, und auch der mit Bleiweiß vermischte Azurit im Hintergrund ist fein vermahlen. Der eigenartige Blauton ist dem Vorhandensein kleiner grüner Kupferpartikel geschuldet, möglicherweise grüner Verunreinigungen des Minerals wie Malachit. Das leuchtende Zinnober kommt auch im Kragen sowie an der oberen Kante des Buches zum Einsatz, das der Dargestellte in Händen hält, wo es in das für die Seiten verwendete Bleizinngelb übergeht.


Käufer Hotline Mo.-Fr.: 09.00 - 18.00
old.masters@dorotheum.at

+43 1 515 60 403
Auktion: Alte Meister I
Datum: 22.10.2019 - 17:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 12.10. - 22.10.2019