Lot Nr. 18


Jacob de Backer


(Antwerpen um 1555 – 1585/90)
Taufe Christi,
Öl auf Holz, 75,5 x 107,5 cm, gerahmt

Provenienz:
Weiss Gallery, London;
Privatsammlung, England, bis 2018

Wir danken Luuk Pijl, der die Zuschreibung auf Grundlage einer hochaufgelösten Fotografie bestätigt hat, für seine Hilfe bei der Katalogisierung des vorliegenden Gemäldes. Ein Gutachten vom 18. Juli 2019 liegt vor.

Dieses schön erhaltene Gemälde ist um 1580 zu datieren. Es stammt zur Gänze von der Hand des Antwerpener Meisters Jacob de Backer, der sich zu dieser Zeit am Zenit seiner Schaffenskraft befand.

Das vorliegende Gemälde ist eine monumentale Darstellung der Taufe Christi. Die Begebenheit wird mit Varianten in drei Evangelien berichtet (Matthäus 3, 13–17; Markus 1, 9–13 und Lukas 3, 21–22). Es wird erzählt, dass Jesus von Nazareth zum Jordan hinunterging, wo er von Johannes dem Täufer getauft wurde. Den Evangelien zufolge kniet Johannes während der Zeremonie am Flussufer und trägt sein traditionelles Gewand aus Kamelhaar, doch hier ist er in einem schönen roten Umhang dargestellt. Matthäus zufolge weigerte sich Johannes der Täufer zunächst, den Ritus vorzunehmen, doch Christus bestand darauf und wurde getauft. Christus steht aufrecht in einem Lendenschurz fast bis zu den Oberschenkeln im Fluss, die Hand in einem Gestus der Demut und Frömmigkeit über die Brust gelegt. Vor ihm liegt der abgestreifte Mantel. Während der Zeremonie öffnet sich oben der Himmel, und der Heilige Geist steigt in Gestalt der Taube herab, wie in den Evangelien nach Matthäus und Markus nachzulesen ist. Die Begebenheit hat als einer der fünf Meilensteine der in den Evangelien berichteten Lebensgeschichte Christi zahlreiche Künstler ersten Ranges angeregt. Am bekanntesten sind heute die Darstellungen von Piero della Francesca, El Greco, Rubens und Goya.

Biografische Informationen über Jacob de Backer sind äußerst spärlich, was ihn zu einem der rätselhaftesten Maler des 16. Jahrhunderts macht. Es wird vermutet, dass er um 1555 geboren wurde und um 1585 starb. Er war einer der wichtigsten Meister des Manierismus im Antwerpen des 16. Jahrhunderts und nimmt einen fixen Platz zwischen den Generationen von Frans Floris und Rubens ein. Er war in den 1570er-Jahren und in der ersten Hälfte der 1580er-Jahre tätig. Ungeachtet der Tatsache, dass er sehr früh im Alter von 30 Jahren starb, war er ein sehr fruchtbarer Künstler.

Karel van Mander, die unverzichtbare Informationsquelle zur Malerei des 16. Jahrhundert, berichtet in seinem 1604 in Haarlem erschienenen Schilder-Boeck (fol. 231/32), dass de Backer als Knabe von seinem Vater – ebenfalls ein Maler, der aufgrund einer bevorstehenden Gerichtsverhandlung aus Antwerpen fliehen musste – zurückgelassen wurde. Van Mander zufolge arbeitete der junge Jacob de Backer mehrere Jahre in der Werkstatt eines aus Italien stammenden Malers und Kunsthändlers namens Antonio van Palermo (1503/13 – vor 1589). Später trat er in die Werkstatt von Hendrick van Steenwijck dem Älteren (1550–1603) ein. Van Mander behauptet, dass Palermo ihn so schindete, dass der junge de Backer im Alter von 30 Jahren in den Armen der Tochter des Meisters verstarb. Zumal van Mander andeutet, dass dies vor langer Zeit geschehen war, hatte der Vorfall vermutlich stattgefunden, bevor van Steenwijck 1586 aus Antwerpen wegging. Stimmt diese Annahme, ist der Zeitpunkt von de Backers Tod vor 1586 anzusiedeln.

Über die Ausbildung des Künstlers weiß man wenig. Merkwürdigerweise gibt es keinen Eintrag seiner Person als Meister der Antwerpener Lukasgilde. Während sein Werk großen Einfluss des römischen und florentinischen Manierismus und insbesondere des Stils Giorgio Vasaris verrät, gibt es keinen Hinweis, dass de Backer Italien je besucht hätte, im Gegensatz zu vielen seiner flämischen Zeitgenossen. Zudem stand sein Schaffen stark unter dem Eindruck der vielfigurigen Kompositionen Frans Floris’. Viele seiner Bildfindungen beschäftigen sich mit komplexen allegorischen Inhalten. Dies wurde als Beweis für eine humanistische Bildung des Künstlers gewertet sowie dafür, dass seine Auftraggeber aus Antwerpens gebildeten Schichten kamen. Leider ließen sich bis dato keine bei Karel van Mander im Schilder-Boeck erwähnten Gemälde mit Sicherheit identifizieren; dazu kommt, dass die Gemälde und Zeichnungen, die man dem Meister zugeschrieben hat, nicht signiert sind.

Nur drei Bilder lassen sich über ihre Provenienz bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen. Es handelt sich um zwei Versionen des Jüngsten Gerichts – eine entstanden für das Grabmal des Antwerpener Künstlerkollegen Pieter Goetkind, die andere für das Grabmal des berühmten Antwerpener Druckers und Verlegers Christoph Plantin, der 1589 starb. Die sich aktuell in der Antwerpener Kathedrale befindliche Fassung stammt von Plantins Grabmal. Man ist heute der Auffassung, dass die Seitenflügel von einem anderen Künstler ausgeführt wurden. Die Fassung für das Grabmal von Goetkind ist möglicherweise mit jenem Jüngsten Gericht (um 1583) identisch, das bei Christie’s, New York, am 28. Januar 2015 als Lot 107 (für US$ 220.000) versteigert wurde. Diese beiden Varianten der Umsetzung des Jüngsten Gerichts hält man für die Originale, auf denen die zahlreichen bekannten Kopien beruhen. Eine Serie mit den Sieben Todsünden wurde 1594 von Cosimo Masi, dem Sekretär Alessandro Farneses, in Antwerpen erworben und nach Italien gebracht. Diese Bilder befinden sich heute im Museo di Capodimonte in Neapel.

Experte: Damian Brenninkmeyer Damian Brenninkmeyer
+43 1 515 60 403

damian.brenninkmeyer@dorotheum.at

22.10.2019 - 17:00

Erzielter Preis: **
EUR 75.300,-
Schätzwert:
EUR 40.000,- bis EUR 60.000,-

Jacob de Backer


(Antwerpen um 1555 – 1585/90)
Taufe Christi,
Öl auf Holz, 75,5 x 107,5 cm, gerahmt

Provenienz:
Weiss Gallery, London;
Privatsammlung, England, bis 2018

Wir danken Luuk Pijl, der die Zuschreibung auf Grundlage einer hochaufgelösten Fotografie bestätigt hat, für seine Hilfe bei der Katalogisierung des vorliegenden Gemäldes. Ein Gutachten vom 18. Juli 2019 liegt vor.

Dieses schön erhaltene Gemälde ist um 1580 zu datieren. Es stammt zur Gänze von der Hand des Antwerpener Meisters Jacob de Backer, der sich zu dieser Zeit am Zenit seiner Schaffenskraft befand.

Das vorliegende Gemälde ist eine monumentale Darstellung der Taufe Christi. Die Begebenheit wird mit Varianten in drei Evangelien berichtet (Matthäus 3, 13–17; Markus 1, 9–13 und Lukas 3, 21–22). Es wird erzählt, dass Jesus von Nazareth zum Jordan hinunterging, wo er von Johannes dem Täufer getauft wurde. Den Evangelien zufolge kniet Johannes während der Zeremonie am Flussufer und trägt sein traditionelles Gewand aus Kamelhaar, doch hier ist er in einem schönen roten Umhang dargestellt. Matthäus zufolge weigerte sich Johannes der Täufer zunächst, den Ritus vorzunehmen, doch Christus bestand darauf und wurde getauft. Christus steht aufrecht in einem Lendenschurz fast bis zu den Oberschenkeln im Fluss, die Hand in einem Gestus der Demut und Frömmigkeit über die Brust gelegt. Vor ihm liegt der abgestreifte Mantel. Während der Zeremonie öffnet sich oben der Himmel, und der Heilige Geist steigt in Gestalt der Taube herab, wie in den Evangelien nach Matthäus und Markus nachzulesen ist. Die Begebenheit hat als einer der fünf Meilensteine der in den Evangelien berichteten Lebensgeschichte Christi zahlreiche Künstler ersten Ranges angeregt. Am bekanntesten sind heute die Darstellungen von Piero della Francesca, El Greco, Rubens und Goya.

Biografische Informationen über Jacob de Backer sind äußerst spärlich, was ihn zu einem der rätselhaftesten Maler des 16. Jahrhunderts macht. Es wird vermutet, dass er um 1555 geboren wurde und um 1585 starb. Er war einer der wichtigsten Meister des Manierismus im Antwerpen des 16. Jahrhunderts und nimmt einen fixen Platz zwischen den Generationen von Frans Floris und Rubens ein. Er war in den 1570er-Jahren und in der ersten Hälfte der 1580er-Jahre tätig. Ungeachtet der Tatsache, dass er sehr früh im Alter von 30 Jahren starb, war er ein sehr fruchtbarer Künstler.

Karel van Mander, die unverzichtbare Informationsquelle zur Malerei des 16. Jahrhundert, berichtet in seinem 1604 in Haarlem erschienenen Schilder-Boeck (fol. 231/32), dass de Backer als Knabe von seinem Vater – ebenfalls ein Maler, der aufgrund einer bevorstehenden Gerichtsverhandlung aus Antwerpen fliehen musste – zurückgelassen wurde. Van Mander zufolge arbeitete der junge Jacob de Backer mehrere Jahre in der Werkstatt eines aus Italien stammenden Malers und Kunsthändlers namens Antonio van Palermo (1503/13 – vor 1589). Später trat er in die Werkstatt von Hendrick van Steenwijck dem Älteren (1550–1603) ein. Van Mander behauptet, dass Palermo ihn so schindete, dass der junge de Backer im Alter von 30 Jahren in den Armen der Tochter des Meisters verstarb. Zumal van Mander andeutet, dass dies vor langer Zeit geschehen war, hatte der Vorfall vermutlich stattgefunden, bevor van Steenwijck 1586 aus Antwerpen wegging. Stimmt diese Annahme, ist der Zeitpunkt von de Backers Tod vor 1586 anzusiedeln.

Über die Ausbildung des Künstlers weiß man wenig. Merkwürdigerweise gibt es keinen Eintrag seiner Person als Meister der Antwerpener Lukasgilde. Während sein Werk großen Einfluss des römischen und florentinischen Manierismus und insbesondere des Stils Giorgio Vasaris verrät, gibt es keinen Hinweis, dass de Backer Italien je besucht hätte, im Gegensatz zu vielen seiner flämischen Zeitgenossen. Zudem stand sein Schaffen stark unter dem Eindruck der vielfigurigen Kompositionen Frans Floris’. Viele seiner Bildfindungen beschäftigen sich mit komplexen allegorischen Inhalten. Dies wurde als Beweis für eine humanistische Bildung des Künstlers gewertet sowie dafür, dass seine Auftraggeber aus Antwerpens gebildeten Schichten kamen. Leider ließen sich bis dato keine bei Karel van Mander im Schilder-Boeck erwähnten Gemälde mit Sicherheit identifizieren; dazu kommt, dass die Gemälde und Zeichnungen, die man dem Meister zugeschrieben hat, nicht signiert sind.

Nur drei Bilder lassen sich über ihre Provenienz bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen. Es handelt sich um zwei Versionen des Jüngsten Gerichts – eine entstanden für das Grabmal des Antwerpener Künstlerkollegen Pieter Goetkind, die andere für das Grabmal des berühmten Antwerpener Druckers und Verlegers Christoph Plantin, der 1589 starb. Die sich aktuell in der Antwerpener Kathedrale befindliche Fassung stammt von Plantins Grabmal. Man ist heute der Auffassung, dass die Seitenflügel von einem anderen Künstler ausgeführt wurden. Die Fassung für das Grabmal von Goetkind ist möglicherweise mit jenem Jüngsten Gericht (um 1583) identisch, das bei Christie’s, New York, am 28. Januar 2015 als Lot 107 (für US$ 220.000) versteigert wurde. Diese beiden Varianten der Umsetzung des Jüngsten Gerichts hält man für die Originale, auf denen die zahlreichen bekannten Kopien beruhen. Eine Serie mit den Sieben Todsünden wurde 1594 von Cosimo Masi, dem Sekretär Alessandro Farneses, in Antwerpen erworben und nach Italien gebracht. Diese Bilder befinden sich heute im Museo di Capodimonte in Neapel.

Experte: Damian Brenninkmeyer Damian Brenninkmeyer
+43 1 515 60 403

damian.brenninkmeyer@dorotheum.at


Käufer Hotline Mo.-Fr.: 09.00 - 18.00
old.masters@dorotheum.at

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Auktion: Alte Meister I
Datum: 22.10.2019 - 17:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 12.10. - 22.10.2019


** Kaufpreis inkl. Käufergebühr und Mehrwertsteuer

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