Lot Nr. 20


Bartolomeo Veneto


(dokumentiert 1502–1531 in Turin)
Brustbild eines bärtigen Mannes mit pelzbesetztem Mantel und Schwert vor einer Landschaft,
Öl und Tempera auf Holz, 59 x 48 cm, gerahmt

Provenienz:
Sammlung Rutherford Stuyvesant (1843–1909), New York;
E. & A. Silberman Galleries, New York;
Auktion, Sotheby’s, New York, 11. Januar 1996, Lot 53 (als Bartolomeo Veneto);
Privatsammlung, USA;
Auktion, Sotheby’s, New York, 27. Januar 2005, Lot 163 (als Bartolomeo Veneto);
europäische Privatsammlung

Ausgestellt:
San Diego, Timken Museum of Art, The Portraits of Bartolomeo Veneto, 3. Mai – 11. August 2002, Nr. 2;
South Hadley, Massachusetts, Mount Holyoke College Art Museum, The Intimate Baroque, Small Paintings from the John Ritter Collection, 2. März – 1. August 2004, Nr. 1

Literatur:
B. Berenson, Venetian Painting in America. The Fifteenth Century, New York 1916, S. 242f., Abb. 100 (als Marco Basaiti);
S. Reinach, Répertoire de Peintures du Moyen Âge et de la Renaissance (1280–1580), Paris 1905–1923, Bd. VI, S. 312, Nr. 3 (als Marco Basaiti);
R. van Marle, The Development of the Italian Schools of Painting, Den Haag 1923–1938, Bd. XVII (1935), S. 509 (als Marco Basaiti);
B. Berenson, Italian Pictures of the Renaissance. Venetian School, London 1957, Bd. I, S. 122 (als Alessandro Oliverio);
F. Heinemann, Giovanni Bellini e i belliniani, Venedig 1962, S. 300, Nr. MB 91 (als Marco Basaiti);
M. G. Ciardi Dupré Dal Poggetto, Alessandro Oliverio, in: I pittori bergamaschi dal XIII al XIX secolo. Il Cinquecento, I, Bergamo 1975, S. 476, Nr. 11 (nicht als Oliverio oder Basaiti, vermutlich von Francesco Bissolo);
A. Tempestini, I pittori bergamaschi del primo Cinquecento, in: Antichità Viva, XV, Nr. 5, 1976, S. 63, Anm. 27 (als Bartolomeo Veneto, lt. Eberhardt);
L. Pagnotta, Bartolomeo Veneto, in: Allgemeines Künstler Lexikon aller Zeiten und Völker, hg. von K. G. Saur, Bd. VII, München und Leipzig 1992, S. 297 (als Bartolomeo Veneto);
L. Pagnotta, Bartolomeo Veneto. L’opera completa, Florenz 1997, S. 180f., Kat.-Nr. 11, Abb. 49 (als Bartolomeo Veneto);
L. Pagnotta, The Portraits of Bartolomeo Veneto, Ausstellungskatalog, Seattle 2002, S. 14, Taf. 3; S. 62, Nr. 2 (als Bartolomeo Veneto)

Das vorliegende Gemälde gehört der venezianischen Tradition halbfiguriger Porträts an, die von Gentile und Giovanni Bellini sowie von Antonello da Messina während dessen Aufenthalts in Venedig Mitte der 1470er-Jahre begründet wurde. Es handelt sich hier um eines der wenigen erhaltenen Porträts von Bartolomeo Veneto, die sich nach wie vor in einer Privatsammlung befinden.

Die knapp oberhalb der Taille abgeschnittene Darstellung, bei der die Hand auf innovative Art und Weise eingebunden ist, geht auf flämische Vorbilder zurück, die durch die Kunst Giorgiones und Lorenzo Lottos sowie durch Alvise Vivarini vermittelt wurden, welcher zu den Ersten gehörte, die diese kompositorische Neuerung übernahmen (siehe Pagnotta 1997). In der minutiösen Beschreibung der Details, insbesondere der Kleidung mit der kostbar bestickten Hemdborte und dem weichen Pelzkragen des Mantels, kommt eine Bewunderung für flämische Vorbilder zum Ausdruck, die wohl auch vom Beispiel Gentile Bellinis herrührt.

In der skulpturalen Beschreibung der Züge des Dargestellten und der Neigung zur Geometrisierung der Formen, wie sie vor allem bei der Wiedergabe der Hand zu erkennen ist, zeigt sich eine Nähe zum Stil Marco Basaitis (Pagnotta 1997). Das Gemälde wurde erstmals von Berenson (1907) veröffentlicht, der wie nach ihm Van Marle und F. Heinemann eine Zuschreibung an Marco Basaiti und eine Datierung nach 1520 vorschlug. Letzterer revidierte später seine Meinung zugunsten einer Autorenschaft von Alessandro Oliverio (1957). Beide Zuschreibungen wurden danach zugunsten Bartolomeo Venetos verworfen (H. J. Eberhardt, Tempestini 1976; Pagnotta 1993). Laut Laura Pagnotta, die sich auf den Künstler spezialisiert hat, ist eine Entstehungszeit des vorliegenden Gemäldes Ende der ersten Dekade des 16. Jahrhunderts anzunehmen (Pagnotta 1997).

Das vorliegende Gemälde ist anderen frühen Porträts Bartolomeo Venetos vergleichbar, etwa seinem Jüngling in München (Alte Pinakothek, Bayerische Staatsgemäldesammlungen; siehe Pagnotta 2002, S. 14, Abb. 17), dem Porträt eines eleganten Herrn in der National Gallery of Art, Washington, und dem Bildnis der Beata Beatrice II. d’Este im Snite Museum of Art, South Bend. Diese Werke weisen eine große Nähe hinsichtlich der halbfigurigen Darstellung und des leicht gedrehten Kopfes (Dreiviertelporträt) sowie des eindringlichen und dennoch ausweichenden Blicks des Dargestellten in Richtung Betrachter auf; auch die feine und genaue Beschreibung der Gesichtszüge des Dargestellten ist vergleichbar (Pagnotta 1997). Der niedrig angesetzte Horizont lässt den Kopf des Dargestellten vor dem breiten Himmel oberhalb der Landschaft hervortreten, was wiederum dem Landschaftshintergrund der Beata Beatrice II. d’Este in South Bend sehr nahe ist (Pagnotta 1997, 2002).

22.10.2019 - 17:00

Schätzwert:
EUR 100.000,- bis EUR 150.000,-

Bartolomeo Veneto


(dokumentiert 1502–1531 in Turin)
Brustbild eines bärtigen Mannes mit pelzbesetztem Mantel und Schwert vor einer Landschaft,
Öl und Tempera auf Holz, 59 x 48 cm, gerahmt

Provenienz:
Sammlung Rutherford Stuyvesant (1843–1909), New York;
E. & A. Silberman Galleries, New York;
Auktion, Sotheby’s, New York, 11. Januar 1996, Lot 53 (als Bartolomeo Veneto);
Privatsammlung, USA;
Auktion, Sotheby’s, New York, 27. Januar 2005, Lot 163 (als Bartolomeo Veneto);
europäische Privatsammlung

Ausgestellt:
San Diego, Timken Museum of Art, The Portraits of Bartolomeo Veneto, 3. Mai – 11. August 2002, Nr. 2;
South Hadley, Massachusetts, Mount Holyoke College Art Museum, The Intimate Baroque, Small Paintings from the John Ritter Collection, 2. März – 1. August 2004, Nr. 1

Literatur:
B. Berenson, Venetian Painting in America. The Fifteenth Century, New York 1916, S. 242f., Abb. 100 (als Marco Basaiti);
S. Reinach, Répertoire de Peintures du Moyen Âge et de la Renaissance (1280–1580), Paris 1905–1923, Bd. VI, S. 312, Nr. 3 (als Marco Basaiti);
R. van Marle, The Development of the Italian Schools of Painting, Den Haag 1923–1938, Bd. XVII (1935), S. 509 (als Marco Basaiti);
B. Berenson, Italian Pictures of the Renaissance. Venetian School, London 1957, Bd. I, S. 122 (als Alessandro Oliverio);
F. Heinemann, Giovanni Bellini e i belliniani, Venedig 1962, S. 300, Nr. MB 91 (als Marco Basaiti);
M. G. Ciardi Dupré Dal Poggetto, Alessandro Oliverio, in: I pittori bergamaschi dal XIII al XIX secolo. Il Cinquecento, I, Bergamo 1975, S. 476, Nr. 11 (nicht als Oliverio oder Basaiti, vermutlich von Francesco Bissolo);
A. Tempestini, I pittori bergamaschi del primo Cinquecento, in: Antichità Viva, XV, Nr. 5, 1976, S. 63, Anm. 27 (als Bartolomeo Veneto, lt. Eberhardt);
L. Pagnotta, Bartolomeo Veneto, in: Allgemeines Künstler Lexikon aller Zeiten und Völker, hg. von K. G. Saur, Bd. VII, München und Leipzig 1992, S. 297 (als Bartolomeo Veneto);
L. Pagnotta, Bartolomeo Veneto. L’opera completa, Florenz 1997, S. 180f., Kat.-Nr. 11, Abb. 49 (als Bartolomeo Veneto);
L. Pagnotta, The Portraits of Bartolomeo Veneto, Ausstellungskatalog, Seattle 2002, S. 14, Taf. 3; S. 62, Nr. 2 (als Bartolomeo Veneto)

Das vorliegende Gemälde gehört der venezianischen Tradition halbfiguriger Porträts an, die von Gentile und Giovanni Bellini sowie von Antonello da Messina während dessen Aufenthalts in Venedig Mitte der 1470er-Jahre begründet wurde. Es handelt sich hier um eines der wenigen erhaltenen Porträts von Bartolomeo Veneto, die sich nach wie vor in einer Privatsammlung befinden.

Die knapp oberhalb der Taille abgeschnittene Darstellung, bei der die Hand auf innovative Art und Weise eingebunden ist, geht auf flämische Vorbilder zurück, die durch die Kunst Giorgiones und Lorenzo Lottos sowie durch Alvise Vivarini vermittelt wurden, welcher zu den Ersten gehörte, die diese kompositorische Neuerung übernahmen (siehe Pagnotta 1997). In der minutiösen Beschreibung der Details, insbesondere der Kleidung mit der kostbar bestickten Hemdborte und dem weichen Pelzkragen des Mantels, kommt eine Bewunderung für flämische Vorbilder zum Ausdruck, die wohl auch vom Beispiel Gentile Bellinis herrührt.

In der skulpturalen Beschreibung der Züge des Dargestellten und der Neigung zur Geometrisierung der Formen, wie sie vor allem bei der Wiedergabe der Hand zu erkennen ist, zeigt sich eine Nähe zum Stil Marco Basaitis (Pagnotta 1997). Das Gemälde wurde erstmals von Berenson (1907) veröffentlicht, der wie nach ihm Van Marle und F. Heinemann eine Zuschreibung an Marco Basaiti und eine Datierung nach 1520 vorschlug. Letzterer revidierte später seine Meinung zugunsten einer Autorenschaft von Alessandro Oliverio (1957). Beide Zuschreibungen wurden danach zugunsten Bartolomeo Venetos verworfen (H. J. Eberhardt, Tempestini 1976; Pagnotta 1993). Laut Laura Pagnotta, die sich auf den Künstler spezialisiert hat, ist eine Entstehungszeit des vorliegenden Gemäldes Ende der ersten Dekade des 16. Jahrhunderts anzunehmen (Pagnotta 1997).

Das vorliegende Gemälde ist anderen frühen Porträts Bartolomeo Venetos vergleichbar, etwa seinem Jüngling in München (Alte Pinakothek, Bayerische Staatsgemäldesammlungen; siehe Pagnotta 2002, S. 14, Abb. 17), dem Porträt eines eleganten Herrn in der National Gallery of Art, Washington, und dem Bildnis der Beata Beatrice II. d’Este im Snite Museum of Art, South Bend. Diese Werke weisen eine große Nähe hinsichtlich der halbfigurigen Darstellung und des leicht gedrehten Kopfes (Dreiviertelporträt) sowie des eindringlichen und dennoch ausweichenden Blicks des Dargestellten in Richtung Betrachter auf; auch die feine und genaue Beschreibung der Gesichtszüge des Dargestellten ist vergleichbar (Pagnotta 1997). Der niedrig angesetzte Horizont lässt den Kopf des Dargestellten vor dem breiten Himmel oberhalb der Landschaft hervortreten, was wiederum dem Landschaftshintergrund der Beata Beatrice II. d’Este in South Bend sehr nahe ist (Pagnotta 1997, 2002).


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old.masters@dorotheum.at

+43 1 515 60 403
Auktion: Alte Meister I
Datum: 22.10.2019 - 17:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 12.10. - 22.10.2019