Lot Nr. 39


Bartolomeo Passerotti


(Bologna 1529–1592)
Der heilige Bartholomäus,
Öl auf Leinwand, 143 x 80 cm, gerahmt

Provenienz:
Auktion, Porro, Mailand, 12. Mai 2005, Lot 9 (als Bartolomeo Passerotti);
Privatsammlung, Turin

Literatur:
F. Biferali, Una „inesorabile esattezza di osservazione“. Un inedito „San Bartolomeo“ del Passarotti, in: Notizie da Palazzo Albani, XXXVI–XXXVII, 2007/2008, S. 79–87

Das vorliegende Gemälde zeigt den heiligen Bartholomäus als aufrecht stehende Ganzfigur im Stil der Antike gekleidet; in seiner Linken hält er sein traditionelles Attribut des Häutungsmessers als Anspielung auf sein Martyrium, in seiner Rechten befindet sich ein Buch. Vom Kolorit des kühlen, metallischen Farbregisters her handelt es sich um ein typisches Werk Bartolomeo Passerottis, das dem Erbe der toskanisch-römischen Schule geschuldet ist, wobei die sorgfältig studierte Anatomie und die die Figur aufladende skulpturale Spannung auf Michelangelo zurückgehen.

Mit leicht geneigtem Haupt scheint der heilige Bartholomäus auf den Betrachter zuzugehen, fast, als würde er ihn in einen heiligen Raum bitten. Diese Merkmale der Darstellung des Heiligen lassen an andere Werke Passerottis denken, etwa an die Kreuzigung mit den Heiligen Paulus und Franziskus und Stiftern in der Collezioni Communali d’Arte di Bologna sowie an das Gemälde Der heilige Antonius von Padua in der Kirche Santa Caterina dei Cappuccini in Parma. Das letztgenannte Werk ist in die 1570er-Jahre zu datieren und Biferali zufolge (siehe Literatur) im selben Zeitraum entstanden wie das vorliegende Bild. Biferali weist außerdem auf Gemeinsamkeiten zwischen dem vorliegenden Gemälde und der Vorzeichnung des Heiligen in der École Nationale Supérieure des Beaux-Arts in Paris hin (Inv.-Nr. 2372; siehe A. Ghirardi, Bartolomeo Passerotti pittore (1529–1592), Rimini 1990, S. 230f.). Insbesondere die Darstellung der dicken Haarlocken des Heiligen und des Faltenwurfs sind vergleichbar.

Passerotti hatte die Figur des heiligen Bartholomäus bereits in einem Stich nach einer Zeichnung von Taddeo Zuccari dargestellt (siehe Ghirardi 1990, S. 30), der vermutlich während seines frühen Studienaufenthalts in Rom in den 1550er-Jahren entstand. Der dort dargestellte Heilige ist der Gestalt des vorliegenden Gemäldes hinsichtlich der skulpturalen Qualität der Figur, der Kleidung all’ antica und der Art und Weise, wie er das Messer hält, vergleichbar.

Bartolomeo Passerotti verbrachte den Großteil seiner Schaffenszeit in Bologna, wo man ihn für seine Fähigkeiten als Porträtist weithin rühmte. Sein religiöses Schaffen stand im Einklang mit manieristischen Gestaltungsprinzipien und hielt in seiner Interpretation an der Doktrin des Konzils von Trient fest. 1566 wurde Gabriele Paleotti, einer der glühendsten Verfechter der tridentinischen Doktrin in Bezug auf die bildende Kunst, zum Bischof von Bologna ernannt. In seinem Discorso intorno alle immagini sacre et profane hielt er u. a. fest, dass ein Gemälde dem Kanon von Realismus, Einfachheit und ikonografischer Klarheit zu entsprechen hatte und dass es in kräftigen Farben gemalt sein sollte – allesamt Eigenschaften, die auf Passerottis Schaffen und auch auf das vorliegende Bild zutreffen.

22.10.2019 - 17:00

Schätzwert:
EUR 40.000,- bis EUR 60.000,-

Bartolomeo Passerotti


(Bologna 1529–1592)
Der heilige Bartholomäus,
Öl auf Leinwand, 143 x 80 cm, gerahmt

Provenienz:
Auktion, Porro, Mailand, 12. Mai 2005, Lot 9 (als Bartolomeo Passerotti);
Privatsammlung, Turin

Literatur:
F. Biferali, Una „inesorabile esattezza di osservazione“. Un inedito „San Bartolomeo“ del Passarotti, in: Notizie da Palazzo Albani, XXXVI–XXXVII, 2007/2008, S. 79–87

Das vorliegende Gemälde zeigt den heiligen Bartholomäus als aufrecht stehende Ganzfigur im Stil der Antike gekleidet; in seiner Linken hält er sein traditionelles Attribut des Häutungsmessers als Anspielung auf sein Martyrium, in seiner Rechten befindet sich ein Buch. Vom Kolorit des kühlen, metallischen Farbregisters her handelt es sich um ein typisches Werk Bartolomeo Passerottis, das dem Erbe der toskanisch-römischen Schule geschuldet ist, wobei die sorgfältig studierte Anatomie und die die Figur aufladende skulpturale Spannung auf Michelangelo zurückgehen.

Mit leicht geneigtem Haupt scheint der heilige Bartholomäus auf den Betrachter zuzugehen, fast, als würde er ihn in einen heiligen Raum bitten. Diese Merkmale der Darstellung des Heiligen lassen an andere Werke Passerottis denken, etwa an die Kreuzigung mit den Heiligen Paulus und Franziskus und Stiftern in der Collezioni Communali d’Arte di Bologna sowie an das Gemälde Der heilige Antonius von Padua in der Kirche Santa Caterina dei Cappuccini in Parma. Das letztgenannte Werk ist in die 1570er-Jahre zu datieren und Biferali zufolge (siehe Literatur) im selben Zeitraum entstanden wie das vorliegende Bild. Biferali weist außerdem auf Gemeinsamkeiten zwischen dem vorliegenden Gemälde und der Vorzeichnung des Heiligen in der École Nationale Supérieure des Beaux-Arts in Paris hin (Inv.-Nr. 2372; siehe A. Ghirardi, Bartolomeo Passerotti pittore (1529–1592), Rimini 1990, S. 230f.). Insbesondere die Darstellung der dicken Haarlocken des Heiligen und des Faltenwurfs sind vergleichbar.

Passerotti hatte die Figur des heiligen Bartholomäus bereits in einem Stich nach einer Zeichnung von Taddeo Zuccari dargestellt (siehe Ghirardi 1990, S. 30), der vermutlich während seines frühen Studienaufenthalts in Rom in den 1550er-Jahren entstand. Der dort dargestellte Heilige ist der Gestalt des vorliegenden Gemäldes hinsichtlich der skulpturalen Qualität der Figur, der Kleidung all’ antica und der Art und Weise, wie er das Messer hält, vergleichbar.

Bartolomeo Passerotti verbrachte den Großteil seiner Schaffenszeit in Bologna, wo man ihn für seine Fähigkeiten als Porträtist weithin rühmte. Sein religiöses Schaffen stand im Einklang mit manieristischen Gestaltungsprinzipien und hielt in seiner Interpretation an der Doktrin des Konzils von Trient fest. 1566 wurde Gabriele Paleotti, einer der glühendsten Verfechter der tridentinischen Doktrin in Bezug auf die bildende Kunst, zum Bischof von Bologna ernannt. In seinem Discorso intorno alle immagini sacre et profane hielt er u. a. fest, dass ein Gemälde dem Kanon von Realismus, Einfachheit und ikonografischer Klarheit zu entsprechen hatte und dass es in kräftigen Farben gemalt sein sollte – allesamt Eigenschaften, die auf Passerottis Schaffen und auch auf das vorliegende Bild zutreffen.


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Auktion: Alte Meister I
Datum: 22.10.2019 - 17:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 12.10. - 22.10.2019