Lot Nr. 41


Domenikos Theotokopoulos, gen. El Greco Werkstatt


(Heraklion 1541–1614 Toledo),
Der heilige Martin mit dem Bettler,
Öl auf Leinwand, 106,5 x 63,5 cm, gerahmt

Provenienz:
Kunsthandel, Madrid;
Sammlung Ifigenia Syngros, Athen, 1908;
Durand Ruel, Rom;
Sammlung Contini-Bonacossi, Florenz;
europäische Privatsammlung

Literatur:
R. Longhi, A. Mayer, Gli antichi pittori spagnoli della collezione Contini-Bonacossi, Rom 1930, S. 30, Kat.-Nr. 41, Taf. XXXIII–XXXIV (als „El Greco zugeschrieben“);
V. Magnoni, Il Greco, Florenz 1931, S. 59f., 74 sowie Abb. S. 49 (als „El Greco zugeschrieben“);
M. Legendre, A. Hartmann, Domenico Theotocopouli dit El Greco, Paris 1937, Abb. S. 462 (als „El Greco zugeschrieben“);
J. Camon Aznar, Dominico Greco, Madrid 1950, Bd. II, S. 702f., S. 1383, Nr. 526 (als „El Greco zugeschrieben“, vermutlich mit falscher Abbildung veröffentlicht);
H. E. Wethey, El Greco and His School, Princeton 1962, Bd. I, Abb. 121, Bd. II, S. 248, Nr. X-405 (als „Jorge Manuel zugeschrieben“);
G. Manzini, T. Frati, L’opera completa del Greco, Mailand 1978, S. 109, Kat.-Nr. 105 Cc3 (als „El Greco zugeschrieben“);
M. B. Cossìo, El Greco, Madrid, 1984, S. 288, Nr. 285

Das Bildthema des heiligen Martin mit dem Bettler wurde von Domenikos Theotokopoulos, gen. El Greco, und seiner Werkstatt mehrfach dargestellt. Als Urfassung der Komposition gilt das mit „doménikos theotokópoulos epoiei“ signierte Leinwandbild, das für den linken Flügel des Altarbildes der Kapelle des San José in Toledo entstanden ist und von Martín Ramírez zwischen 1597 und 1599 in Auftrag gegeben wurde (193,5 x 103 cm; heute in der National Gallery of Art, Washington, und davor in der Sammlung Widener). Bei dem Washingtoner Bild hat sich El Greco von der traditionellen Ikonografie zugunsten einer gelängten Darstellung der Figuren verabschiedet, die vor allem in der mageren Gestalt des Bettlers deutlich wird. Der heilige Ritter trägt eine reich geschmückte spanische Rüstung des 16. Jahrhunderts: sie zeigt den für Toledo typischen Schmuck der damasquinada und unterstreicht die Nacktheit des neben Martin stehenden Bettlers. Der weit unten liegende Blickwinkel, von dem aus die Figuren betrachtet werden, betont die Herrlichkeit des Reiters gegenüber dem Bettler zusätzlich. Die Protagonisten des Gemäldes heben sich vom Himmel ab, der von fantastischen Wolkenformationen belebt wird. Im unteren Hintergrund ist ein merkwürdiges Rad am Flusslauf des Tajo zu sehen. In der Tat hat El Greco seiner Bildfindung dieses Detail hinzugefügt, weil er seine Bewunderung für den gefeierten italienischen Erfinder Janello Torriani zum Ausdruck bringen wollte, der das sogenannte Artificio de Juanelo ersonnen hatte, ein komplexes mechanisches System, um die Festung am höchsten Punkt der Stadt Toledo aus dem Tajo mit Wasser zu versorgen.

Das vorliegende Gemälde wurde als eigenhändiges Werk El Grecos eingestuft, das möglicherweise unter Mitarbeit der Werkstatt entstanden ist. Mehrere Kunsthistoriker sehen seine Entstehung im späten Cinquecento oder frühen Seicento. Wethey hält das Bild hingegen für ein Werk von Jorge Manuel Theotokopoulos, dem Sohn El Grecos. Doch verrät das Werk deutlich die Arbeitsweise der Werkstatt und der Hand des Künstlers, was darauf hinweist, dass es zu El Grecos Lebzeiten entstanden ist, als dieser Seite an Seite mit seinen Gehilfen arbeitete. Auch die Farben entsprechen jenen der von El Greco verwendeten Palette. Francisco Pacheco del Río, ein Künstler, der El Greco 1611 in Toledo einen Besuch abstattete, erinnerte sich, wie er in der Werkstatt des Künstlers viele kleinformatige Werke mit denselben Bildthemen der größeren Gemälde sah, die der Künstler für unterschiedliche Auftraggeber angefertigt hatte. Es entsprach der üblichen Vorgangsweise El Grecos, erfolgreiche Kompositionen selbst zu vervielfältigen, wie etwa die unterschiedlichen Fassungen des Heiligen Franziskus belegen.

Abgesehen von dem vorliegenden Gemälde sind noch vier weitere Fassungen des für San José in Toledo entstandenen Prototyps bekannt. Diese Werke befinden sich in öffentlichen Sammlungen und werden als Originale oder Werkstattarbeiten, die unter Beteiligung des Meisters entstanden sind, eingestuft. Die Replik der Sammlung Andrew Mellon wird ebenfalls in der National Gallery of Art in Washington D. C. aufbewahrt (Camón Aznar hält diese für ein Werk Jorge Manuels, während Wethey sie als eine nach 1600 entstandene, Werkstattreproduktion einschätzt); die Fassung des Art Institute of Chicago ist mit „doménikos theotokó [poulos epoiei]“ signiert; eine weitere Version befindet sich im John and Mable Ringling Museum of Art, Saratoga; und schließlich gibt es noch den Heiligen Martin der ehemaligen königlich rumänischen Sammlung in Bukarest.

22.10.2019 - 17:00

Erzielter Preis: **
EUR 247.300,-
Schätzwert:
EUR 80.000,- bis EUR 120.000,-

Domenikos Theotokopoulos, gen. El Greco Werkstatt


(Heraklion 1541–1614 Toledo),
Der heilige Martin mit dem Bettler,
Öl auf Leinwand, 106,5 x 63,5 cm, gerahmt

Provenienz:
Kunsthandel, Madrid;
Sammlung Ifigenia Syngros, Athen, 1908;
Durand Ruel, Rom;
Sammlung Contini-Bonacossi, Florenz;
europäische Privatsammlung

Literatur:
R. Longhi, A. Mayer, Gli antichi pittori spagnoli della collezione Contini-Bonacossi, Rom 1930, S. 30, Kat.-Nr. 41, Taf. XXXIII–XXXIV (als „El Greco zugeschrieben“);
V. Magnoni, Il Greco, Florenz 1931, S. 59f., 74 sowie Abb. S. 49 (als „El Greco zugeschrieben“);
M. Legendre, A. Hartmann, Domenico Theotocopouli dit El Greco, Paris 1937, Abb. S. 462 (als „El Greco zugeschrieben“);
J. Camon Aznar, Dominico Greco, Madrid 1950, Bd. II, S. 702f., S. 1383, Nr. 526 (als „El Greco zugeschrieben“, vermutlich mit falscher Abbildung veröffentlicht);
H. E. Wethey, El Greco and His School, Princeton 1962, Bd. I, Abb. 121, Bd. II, S. 248, Nr. X-405 (als „Jorge Manuel zugeschrieben“);
G. Manzini, T. Frati, L’opera completa del Greco, Mailand 1978, S. 109, Kat.-Nr. 105 Cc3 (als „El Greco zugeschrieben“);
M. B. Cossìo, El Greco, Madrid, 1984, S. 288, Nr. 285

Das Bildthema des heiligen Martin mit dem Bettler wurde von Domenikos Theotokopoulos, gen. El Greco, und seiner Werkstatt mehrfach dargestellt. Als Urfassung der Komposition gilt das mit „doménikos theotokópoulos epoiei“ signierte Leinwandbild, das für den linken Flügel des Altarbildes der Kapelle des San José in Toledo entstanden ist und von Martín Ramírez zwischen 1597 und 1599 in Auftrag gegeben wurde (193,5 x 103 cm; heute in der National Gallery of Art, Washington, und davor in der Sammlung Widener). Bei dem Washingtoner Bild hat sich El Greco von der traditionellen Ikonografie zugunsten einer gelängten Darstellung der Figuren verabschiedet, die vor allem in der mageren Gestalt des Bettlers deutlich wird. Der heilige Ritter trägt eine reich geschmückte spanische Rüstung des 16. Jahrhunderts: sie zeigt den für Toledo typischen Schmuck der damasquinada und unterstreicht die Nacktheit des neben Martin stehenden Bettlers. Der weit unten liegende Blickwinkel, von dem aus die Figuren betrachtet werden, betont die Herrlichkeit des Reiters gegenüber dem Bettler zusätzlich. Die Protagonisten des Gemäldes heben sich vom Himmel ab, der von fantastischen Wolkenformationen belebt wird. Im unteren Hintergrund ist ein merkwürdiges Rad am Flusslauf des Tajo zu sehen. In der Tat hat El Greco seiner Bildfindung dieses Detail hinzugefügt, weil er seine Bewunderung für den gefeierten italienischen Erfinder Janello Torriani zum Ausdruck bringen wollte, der das sogenannte Artificio de Juanelo ersonnen hatte, ein komplexes mechanisches System, um die Festung am höchsten Punkt der Stadt Toledo aus dem Tajo mit Wasser zu versorgen.

Das vorliegende Gemälde wurde als eigenhändiges Werk El Grecos eingestuft, das möglicherweise unter Mitarbeit der Werkstatt entstanden ist. Mehrere Kunsthistoriker sehen seine Entstehung im späten Cinquecento oder frühen Seicento. Wethey hält das Bild hingegen für ein Werk von Jorge Manuel Theotokopoulos, dem Sohn El Grecos. Doch verrät das Werk deutlich die Arbeitsweise der Werkstatt und der Hand des Künstlers, was darauf hinweist, dass es zu El Grecos Lebzeiten entstanden ist, als dieser Seite an Seite mit seinen Gehilfen arbeitete. Auch die Farben entsprechen jenen der von El Greco verwendeten Palette. Francisco Pacheco del Río, ein Künstler, der El Greco 1611 in Toledo einen Besuch abstattete, erinnerte sich, wie er in der Werkstatt des Künstlers viele kleinformatige Werke mit denselben Bildthemen der größeren Gemälde sah, die der Künstler für unterschiedliche Auftraggeber angefertigt hatte. Es entsprach der üblichen Vorgangsweise El Grecos, erfolgreiche Kompositionen selbst zu vervielfältigen, wie etwa die unterschiedlichen Fassungen des Heiligen Franziskus belegen.

Abgesehen von dem vorliegenden Gemälde sind noch vier weitere Fassungen des für San José in Toledo entstandenen Prototyps bekannt. Diese Werke befinden sich in öffentlichen Sammlungen und werden als Originale oder Werkstattarbeiten, die unter Beteiligung des Meisters entstanden sind, eingestuft. Die Replik der Sammlung Andrew Mellon wird ebenfalls in der National Gallery of Art in Washington D. C. aufbewahrt (Camón Aznar hält diese für ein Werk Jorge Manuels, während Wethey sie als eine nach 1600 entstandene, Werkstattreproduktion einschätzt); die Fassung des Art Institute of Chicago ist mit „doménikos theotokó [poulos epoiei]“ signiert; eine weitere Version befindet sich im John and Mable Ringling Museum of Art, Saratoga; und schließlich gibt es noch den Heiligen Martin der ehemaligen königlich rumänischen Sammlung in Bukarest.


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old.masters@dorotheum.at

+43 1 515 60 403
Auktion: Alte Meister I
Datum: 22.10.2019 - 17:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 12.10. - 22.10.2019


** Kaufpreis inkl. Käufergebühr und Mehrwertsteuer

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