Lot Nr. 48


Abraham Lambertsz. van den Tempel


(Leeuwarden 1622/23–1672 Amsterdam)
Porträt einer Familie als Volumnia mit ihren Kindern vor Coriolanus,
Öl auf Leinwand, 128 x 190 cm, gerahmt

Provenienz:
Sammlung Auguste de Montferrand (1786–1858), Architekt der Isaakskathedrale, Sankt Petersburg (lt. rückseitigem Aufkleber);
Sammlung Graf Wasem[ski?], verkauft im Januar 1896 (lt. rückseitigem Aufkleber);
Privatsammlung, Genua

Wir danken David de Witt, der die Zuschreibung des vorliegenden Gemäldes auf Grundlage einer hochaufgelösten Digitalfotografie bestätigt hat. David de Witt, der kürzlich den Eintrag zu Van den Tempel im bei Saur aufgelegten Künstlerlexikon verfasst hat, hält das vorliegende Gemälde für ein schönes Frühwerk des Künstlers, das vor der Darstellung desselben Bildthemas entstanden ist, welche am 10. November 1997 bei Christie’s, Amsterdam, als Lot 136 zum Verkauf kam. Er datiert das vorliegende Werk um 1648–1650.

Abraham van den Tempel war der Sohn des Malers und Mennonitenpredigers Lambert Jacobsz, der möglicherweise neben seinem Sohn auch Govaert Flinck ausbildete. Der in Leiden und Amsterdam tätige van den Tempel wurde zu einem der führenden holländischen Porträtisten des dritten Viertels des 17. Jahrhunderts. Trotz seines Erfolgs als Künstler betrieb van den Tempel ab 1645 auch einen florierenden Tuchhandel in Leiden, was eine Erklärung für die raffinierte Wiedergabe der Faltenwürfe seiner Bilder sein mag, deren Stofflichkeit er durch dynamische Lichteffekte hervorhob. Zu seinen bedeutenden Aufträgen zählen drei riesige allegorische Szenen in der monumentalen Halle der Tuchmacherinnung in Leiden, die sich immer noch an ihrem ursprünglichen Anbringungsort, heute das Stedelijk Museum de Lakenhal, befinden. Der berühmteste Schüler van den Tempels war Frans van Mieris I.

Nach der von Plutarch in den Parallelbiografien berichteten Lebensgeschichte, die von Shakespeare neu erzählt wurde, war Coriolanus ein römischer Feldherr, der nach Auseinandersetzungen mit den Volkstribunen zu den Volskern, die Rivalen Roms waren, überlief, und mit deren Armee zurückkehrte, um die Stadt zu besetzen. Nachdem es Abgesandten nicht gelungen war, Coriolanus zum Abzug zu bewegen, flehten ihn die Frauen der Stadt, angeführt von seiner Frau Volumnia, an und überzeugten ihn, die Belagerung aufzuheben und die Stadt damit zu retten. Die Geschichte dient als allegorisches Beispiel für die Kraft von Familienbanden. Als Mennonit war van den Tempel wohl Pazifist, doch war das Bildthema vermutlich eher von den Dargestellten gewählt worden, möglicherweise wohlhabenden Glaubensgenossen

22.10.2019 - 17:00

Schätzwert:
EUR 80.000,- bis EUR 120.000,-

Abraham Lambertsz. van den Tempel


(Leeuwarden 1622/23–1672 Amsterdam)
Porträt einer Familie als Volumnia mit ihren Kindern vor Coriolanus,
Öl auf Leinwand, 128 x 190 cm, gerahmt

Provenienz:
Sammlung Auguste de Montferrand (1786–1858), Architekt der Isaakskathedrale, Sankt Petersburg (lt. rückseitigem Aufkleber);
Sammlung Graf Wasem[ski?], verkauft im Januar 1896 (lt. rückseitigem Aufkleber);
Privatsammlung, Genua

Wir danken David de Witt, der die Zuschreibung des vorliegenden Gemäldes auf Grundlage einer hochaufgelösten Digitalfotografie bestätigt hat. David de Witt, der kürzlich den Eintrag zu Van den Tempel im bei Saur aufgelegten Künstlerlexikon verfasst hat, hält das vorliegende Gemälde für ein schönes Frühwerk des Künstlers, das vor der Darstellung desselben Bildthemas entstanden ist, welche am 10. November 1997 bei Christie’s, Amsterdam, als Lot 136 zum Verkauf kam. Er datiert das vorliegende Werk um 1648–1650.

Abraham van den Tempel war der Sohn des Malers und Mennonitenpredigers Lambert Jacobsz, der möglicherweise neben seinem Sohn auch Govaert Flinck ausbildete. Der in Leiden und Amsterdam tätige van den Tempel wurde zu einem der führenden holländischen Porträtisten des dritten Viertels des 17. Jahrhunderts. Trotz seines Erfolgs als Künstler betrieb van den Tempel ab 1645 auch einen florierenden Tuchhandel in Leiden, was eine Erklärung für die raffinierte Wiedergabe der Faltenwürfe seiner Bilder sein mag, deren Stofflichkeit er durch dynamische Lichteffekte hervorhob. Zu seinen bedeutenden Aufträgen zählen drei riesige allegorische Szenen in der monumentalen Halle der Tuchmacherinnung in Leiden, die sich immer noch an ihrem ursprünglichen Anbringungsort, heute das Stedelijk Museum de Lakenhal, befinden. Der berühmteste Schüler van den Tempels war Frans van Mieris I.

Nach der von Plutarch in den Parallelbiografien berichteten Lebensgeschichte, die von Shakespeare neu erzählt wurde, war Coriolanus ein römischer Feldherr, der nach Auseinandersetzungen mit den Volkstribunen zu den Volskern, die Rivalen Roms waren, überlief, und mit deren Armee zurückkehrte, um die Stadt zu besetzen. Nachdem es Abgesandten nicht gelungen war, Coriolanus zum Abzug zu bewegen, flehten ihn die Frauen der Stadt, angeführt von seiner Frau Volumnia, an und überzeugten ihn, die Belagerung aufzuheben und die Stadt damit zu retten. Die Geschichte dient als allegorisches Beispiel für die Kraft von Familienbanden. Als Mennonit war van den Tempel wohl Pazifist, doch war das Bildthema vermutlich eher von den Dargestellten gewählt worden, möglicherweise wohlhabenden Glaubensgenossen


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Auktion: Alte Meister I
Datum: 22.10.2019 - 17:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 12.10. - 22.10.2019