Lot Nr. 51


Giovanni Francesco Barbieri, gen. Il Guercino


(Cento 1591–1666 Bologna)
Porträt eines Italienischen Mastinos und eines dreifarbigen Spaniels vor einer Wand mit Landschaftsausblick,
Öl auf Leinwand, 98 x 127 cm, gerahmt

Wir danken Nicholas Turner, der die Zuschreibung des vorliegenden Gemäldes bestätigt hat, für seine Hilfe bei der Katalogisierung dieses Lots.

Bei diesem Werk handelt es sich um eines von nur drei Tierbildern Guercinos. Die anderen beiden sind das Porträt des Hundes von Graf Aldrovandi im Norton Simon Museum, Pasadena (Inv.-Nr. F.1984.2.P) und das Porträt eines Mastinos, das sich kürzlich bei Cheffins in Cambridge befand; beide Bilder können um 1625 datiert werden. Die klassischere Kompositionsweise, für die sich der Künstler hier entschied, legt nahe, dass das Bild zwei bis drei Jahre nach den beiden anderen entstanden ist. Alle drei Bilder datieren vor dem Kontobuch des Malers, das 1629 begonnen wurde.

Guercino hat sich hier die große Kontrastwirkung der unterschiedlichen Persönlichkeiten zweier Hunderassen zunutze gemacht. Er hat ihre Verschiedenheit in Statur und Verhalten mit großer Treffsicherheit eingefangen. Der stämmige Mastino blickt dem Betrachter unbeirrt entgegen, während der Spaniel aufgeregt vor ihm hochspringt und sich ohne Erfolg um seine Aufmerksamkeit bemüht. Die beiden sind Gegensätze hinsichtlich Charakter, Farbe und Zeichnung. Auch die unterschiedlichen Halsbänder, die sie tragen, sprechen für ihre höchst divergierenden Lebensweisen. Das schwere Halsband des Mastinos ist aus Metall und hat große abstehende Metallspitzen, die den Zweck hatten, den Hals des Hundes vor den gefährlichen Bissen der Bären und Wölfe zu schützen, wenn er mit seinem Herrn auf der Jagd war. Ein weiterer Hinweis auf das gefahrenvolle Leben des Hundes ist das Fehlen eines Großteils seines rechten Ohrs, das ihm zweifellos bei der Begegnung mit einem wilden Tier abgerissen worden war.

Der au Spaniel scheint sein Leben hingegen in Innenräumen verbracht zu haben, höchstwahrscheinlich als Schoßhund der Damen des Hauses. Sein schwarz-weiß-rotbraunes Fellkleid ist gepflegt, sein quirliger kleiner Körper intakt. Er trägt ein modisches rotes Halsband mit eleganten Goldverzierungen, das weich und locker sitzt. Guercino bringt deutlich zum Ausdruck, dass das bequeme Leben des Spaniels die Antithese zum gefahrenvollen Dasein des Mastinos im Freien ist.

Dieses Gemälde Guercinos ist das einzige bekannte seiner Werke, das zwei Tiere auf einem Bild zeigt. Im Vergleich mit den im Norton Simon Museum und ehemals bei Cheffins befindlichen Einzeldarstellungen von Hunden – wobei der Mastino des letztgenannten Bildes sitzend wiedergegeben ist – erscheint das Hundepaar des vorliegenden Bildes im Verhältnis zum Gesamtbildraum verhältnismäßig kleiner. Da der Schwerpunkt des Bildthemas auf der Interaktion liegt, ging es dem Künstler darum, die Präsenz der Hunde nicht so mächtig wirken zu lassen wie auf den beiden anderen Bildern. Ebenso wie die Protagonisten von Guercinos Historiengemälden erscheinen der Mastino und der dreifarbige Spaniel als Schauspieler auf einer Bühne, auf der jeder seine Rolle spielt. Es ist vielmehr ihre unterschiedliche Psychologie als ihre bloße Existenz, die das Bild beherrscht. Der neutrale Hintergrund der Wand fungiert als Folie für diese außergewöhnliche Darstellung einer Hundebegegnung.

22.10.2019 - 17:00

Schätzwert:
EUR 60.000,- bis EUR 80.000,-

Giovanni Francesco Barbieri, gen. Il Guercino


(Cento 1591–1666 Bologna)
Porträt eines Italienischen Mastinos und eines dreifarbigen Spaniels vor einer Wand mit Landschaftsausblick,
Öl auf Leinwand, 98 x 127 cm, gerahmt

Wir danken Nicholas Turner, der die Zuschreibung des vorliegenden Gemäldes bestätigt hat, für seine Hilfe bei der Katalogisierung dieses Lots.

Bei diesem Werk handelt es sich um eines von nur drei Tierbildern Guercinos. Die anderen beiden sind das Porträt des Hundes von Graf Aldrovandi im Norton Simon Museum, Pasadena (Inv.-Nr. F.1984.2.P) und das Porträt eines Mastinos, das sich kürzlich bei Cheffins in Cambridge befand; beide Bilder können um 1625 datiert werden. Die klassischere Kompositionsweise, für die sich der Künstler hier entschied, legt nahe, dass das Bild zwei bis drei Jahre nach den beiden anderen entstanden ist. Alle drei Bilder datieren vor dem Kontobuch des Malers, das 1629 begonnen wurde.

Guercino hat sich hier die große Kontrastwirkung der unterschiedlichen Persönlichkeiten zweier Hunderassen zunutze gemacht. Er hat ihre Verschiedenheit in Statur und Verhalten mit großer Treffsicherheit eingefangen. Der stämmige Mastino blickt dem Betrachter unbeirrt entgegen, während der Spaniel aufgeregt vor ihm hochspringt und sich ohne Erfolg um seine Aufmerksamkeit bemüht. Die beiden sind Gegensätze hinsichtlich Charakter, Farbe und Zeichnung. Auch die unterschiedlichen Halsbänder, die sie tragen, sprechen für ihre höchst divergierenden Lebensweisen. Das schwere Halsband des Mastinos ist aus Metall und hat große abstehende Metallspitzen, die den Zweck hatten, den Hals des Hundes vor den gefährlichen Bissen der Bären und Wölfe zu schützen, wenn er mit seinem Herrn auf der Jagd war. Ein weiterer Hinweis auf das gefahrenvolle Leben des Hundes ist das Fehlen eines Großteils seines rechten Ohrs, das ihm zweifellos bei der Begegnung mit einem wilden Tier abgerissen worden war.

Der au Spaniel scheint sein Leben hingegen in Innenräumen verbracht zu haben, höchstwahrscheinlich als Schoßhund der Damen des Hauses. Sein schwarz-weiß-rotbraunes Fellkleid ist gepflegt, sein quirliger kleiner Körper intakt. Er trägt ein modisches rotes Halsband mit eleganten Goldverzierungen, das weich und locker sitzt. Guercino bringt deutlich zum Ausdruck, dass das bequeme Leben des Spaniels die Antithese zum gefahrenvollen Dasein des Mastinos im Freien ist.

Dieses Gemälde Guercinos ist das einzige bekannte seiner Werke, das zwei Tiere auf einem Bild zeigt. Im Vergleich mit den im Norton Simon Museum und ehemals bei Cheffins befindlichen Einzeldarstellungen von Hunden – wobei der Mastino des letztgenannten Bildes sitzend wiedergegeben ist – erscheint das Hundepaar des vorliegenden Bildes im Verhältnis zum Gesamtbildraum verhältnismäßig kleiner. Da der Schwerpunkt des Bildthemas auf der Interaktion liegt, ging es dem Künstler darum, die Präsenz der Hunde nicht so mächtig wirken zu lassen wie auf den beiden anderen Bildern. Ebenso wie die Protagonisten von Guercinos Historiengemälden erscheinen der Mastino und der dreifarbige Spaniel als Schauspieler auf einer Bühne, auf der jeder seine Rolle spielt. Es ist vielmehr ihre unterschiedliche Psychologie als ihre bloße Existenz, die das Bild beherrscht. Der neutrale Hintergrund der Wand fungiert als Folie für diese außergewöhnliche Darstellung einer Hundebegegnung.


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+43 1 515 60 403
Auktion: Alte Meister I
Datum: 22.10.2019 - 17:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 12.10. - 22.10.2019