Lot Nr. 59


Antonio de Bellis und Viviano Codazzi und/oder Antonio de Michele


(Rodio del Cilento 1610?–1656/58 Neapel)
(Bergamo um 1604–1670 Rom)
(Neapel, tätig um 1647)
Piscina Probatica,
Öl auf Leinwand, 212,5 x 171 cm, gerahmt

Provenienz:
vermutlich San Diego all’Ospedaletto, Neapel (bis 1784);
Sammlung Pagano, Neapel;
europäische Privatsammlung

Literatur:
N. Spinosa, La pittura napoletana del ‘600: 889 illustrazioni in bianco e nero e diciannove tavole a colori, Mailand 1984, Abb. 199 (als Antonio de Bellis);
G. de Vito, Ritrovamenti e precisazioni a seguito della prima edizione della mostra del 600 napoletano, in: Ricerche sul ‘600 napoletaNr. Saggi vari in memoria di Raffaello Causa, 1984, S. 13, S. 59, Abb. 41 (als Antonio de Bellis);
N. Spinosa, Civiltà del Seicento a Napoli, Neapel 1984, Bd. I, S. 236, ohne Abb. (als Antonio de Bellis);
B. Daprà, Antonio de Bellis, in: B. Daprà (Hg.), Tra luci e ombre: la pittura a Napoli da Battistello Caracciolo a Luca Giordano, Ausstellungskatalog, Neapel 1996, S. 43, ohne Abb. (als Antonio de Bellis);
N. Spinosa, Il Maestro dell’Annuncio ai pastori, Bartolomeo Bassante, Antonio de Bellis o Bernardo Cavallino? Riflessioni e dubbi sul primo seicento a Napoli, in: Scritti in memoria di Raffaello Causa. Saggi e documenti per la storia dell’arte 1994–1995, Neapel 1996, S. 251, ohne Abb. (als Antonio de Bellis);
S. Causa, La strategia dell’attenzione: pittori a Napoli nel primo Seicento, Neapel 2007, S. 145, Abb. 79 (als Antonio de Bellis);
G. Wiedmann, Francesco Guarini e Antonio De Bellis „tutti discepoli del Cavalier Massimo Stanzione“, in: M. A. Pavone (Hg.), Francesco Guarini. Nuovi contributi, Neapel 2012, Bd. 1, S. 57, ohne Abb. (als Antonio de Bellis)

Wir danken Riccardo Lattuada, der die Zuschreibung des vorliegenden Gemäldes nach dessen Prüfung im Original bestätigt hat, für seine Hilfe bei der Katalogisierung des vorliegenden Lots. Lattuada datiert das Werk um 1644–1646.

Das vorliegende Gemälde stellt eines der im Johannesevangelium (5, 1–17) beschriebenen Wunder Christi dar: jene Begebenheit, als er einen Lahmen heilte, der selbst nicht in der Lage war, in das heilende Wasser des Teiches von Bethesda einzutauchen.

Das Thema ist in der neapolitanischen Malerei der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts ungewöhnlich. Die Komposition steht in Zusammenhang mit Giovanni Lanfrancos Fresko in der Kirche Santissimi Apostoli in Neapel. Die Gemeinsamkeiten der beiden Werke hat als Erster Stefano Causa (siehe Literatur) bemerkt. Die Gestalt des einen Badenden bezieht sich auf eine ähnliche Figur in einer Zeichnung von de Bellis für eine der Episoden der Lebensgeschichte des heiligen Karl Borromäus in der Kirche San Carlo alle Mortelle, Neapel (1636–1640). Am linken Bildrand sind zwei Apostel darstellt; bei dem einen, der sich dem Betrachter zuwendet, könnte es sich um de Bellis’ Selbstporträt handeln, wie de Vito (siehe Literatur) beobachtet hat. Die beiden Figuren gleichen einem ihnen entsprechenden Paar auf dem Bild Josef wird von seinen Brüdern verkauft von Francesco Guarino und seiner Werkstatt in der Kirche Sant’Andrea in Solofra.

Die eindrucksvolle Hintergrundarchitektur des vorliegenden Gemäldes wurde Viviano Codazzi zugeschrieben. Es scheint, dass sie vor den Figuren gemalt wurde, was der üblichen Vorgangsweise bei der Zusammenarbeit von Architektur- und Figurenmalern entsprach. David Marshall hält einen weiteren Kandidaten, nämlich Antonio de Michele, als Mitarbeiter de Bellis’ für möglich, zumal deren Zusammenarbeit in Inventarverzeichnissen dokumentiert ist (Schreiben an Lattuada vom 23. September 2017).

Aufgrund des großen Formats und der beeindruckenden räumlichen Gestaltung vermutet Lattuada, dass das Gemälde als Altarbild für die Kirche San Diego all’Ospedaletto bestimmt war und dass es den Einsturz der Decke bei einem Erdbeben 1784 überlebte. Tatsächlich berichten mehrere Quellen, dass es in der Kirche Gemälde von „Cavalier Massimo und weitere von Andrea Vaccaro, Antonio de Bellis, Michele Fracanzano, Scipione da Salerno und anderen“ [„Cavalier Massimo, gli altri di Andrea Vaccaro, Antonio de Bellis, Michele Fracanzano, Scipione da Salerno e d’altri“] gab.

Aus kürzlich aufgetauchten dokumentarischen Hinweisen ist bekannt, dass de Bellis um 1610 in Rodio del Cilento geboren wurde (siehe G. Porzio, Novità e conferme per Antonio de Bellis, in: Bollettino d’arte, 2015, 8, 100, Nr. 25, S. 101–110). Lattuada nimmt an, dass die Piscina Probatica Mitte der 1640er-Jahre und damit in de Bellis’ Reifezeit ausgeführt wurde; es zeigen sich Anklänge an die neuen barocken Tendenzen, die in den späten 1630er-Jahren in Neapel aufkamen.

22.10.2019 - 17:00

Schätzwert:
EUR 40.000,- bis EUR 60.000,-

Antonio de Bellis und Viviano Codazzi und/oder Antonio de Michele


(Rodio del Cilento 1610?–1656/58 Neapel)
(Bergamo um 1604–1670 Rom)
(Neapel, tätig um 1647)
Piscina Probatica,
Öl auf Leinwand, 212,5 x 171 cm, gerahmt

Provenienz:
vermutlich San Diego all’Ospedaletto, Neapel (bis 1784);
Sammlung Pagano, Neapel;
europäische Privatsammlung

Literatur:
N. Spinosa, La pittura napoletana del ‘600: 889 illustrazioni in bianco e nero e diciannove tavole a colori, Mailand 1984, Abb. 199 (als Antonio de Bellis);
G. de Vito, Ritrovamenti e precisazioni a seguito della prima edizione della mostra del 600 napoletano, in: Ricerche sul ‘600 napoletaNr. Saggi vari in memoria di Raffaello Causa, 1984, S. 13, S. 59, Abb. 41 (als Antonio de Bellis);
N. Spinosa, Civiltà del Seicento a Napoli, Neapel 1984, Bd. I, S. 236, ohne Abb. (als Antonio de Bellis);
B. Daprà, Antonio de Bellis, in: B. Daprà (Hg.), Tra luci e ombre: la pittura a Napoli da Battistello Caracciolo a Luca Giordano, Ausstellungskatalog, Neapel 1996, S. 43, ohne Abb. (als Antonio de Bellis);
N. Spinosa, Il Maestro dell’Annuncio ai pastori, Bartolomeo Bassante, Antonio de Bellis o Bernardo Cavallino? Riflessioni e dubbi sul primo seicento a Napoli, in: Scritti in memoria di Raffaello Causa. Saggi e documenti per la storia dell’arte 1994–1995, Neapel 1996, S. 251, ohne Abb. (als Antonio de Bellis);
S. Causa, La strategia dell’attenzione: pittori a Napoli nel primo Seicento, Neapel 2007, S. 145, Abb. 79 (als Antonio de Bellis);
G. Wiedmann, Francesco Guarini e Antonio De Bellis „tutti discepoli del Cavalier Massimo Stanzione“, in: M. A. Pavone (Hg.), Francesco Guarini. Nuovi contributi, Neapel 2012, Bd. 1, S. 57, ohne Abb. (als Antonio de Bellis)

Wir danken Riccardo Lattuada, der die Zuschreibung des vorliegenden Gemäldes nach dessen Prüfung im Original bestätigt hat, für seine Hilfe bei der Katalogisierung des vorliegenden Lots. Lattuada datiert das Werk um 1644–1646.

Das vorliegende Gemälde stellt eines der im Johannesevangelium (5, 1–17) beschriebenen Wunder Christi dar: jene Begebenheit, als er einen Lahmen heilte, der selbst nicht in der Lage war, in das heilende Wasser des Teiches von Bethesda einzutauchen.

Das Thema ist in der neapolitanischen Malerei der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts ungewöhnlich. Die Komposition steht in Zusammenhang mit Giovanni Lanfrancos Fresko in der Kirche Santissimi Apostoli in Neapel. Die Gemeinsamkeiten der beiden Werke hat als Erster Stefano Causa (siehe Literatur) bemerkt. Die Gestalt des einen Badenden bezieht sich auf eine ähnliche Figur in einer Zeichnung von de Bellis für eine der Episoden der Lebensgeschichte des heiligen Karl Borromäus in der Kirche San Carlo alle Mortelle, Neapel (1636–1640). Am linken Bildrand sind zwei Apostel darstellt; bei dem einen, der sich dem Betrachter zuwendet, könnte es sich um de Bellis’ Selbstporträt handeln, wie de Vito (siehe Literatur) beobachtet hat. Die beiden Figuren gleichen einem ihnen entsprechenden Paar auf dem Bild Josef wird von seinen Brüdern verkauft von Francesco Guarino und seiner Werkstatt in der Kirche Sant’Andrea in Solofra.

Die eindrucksvolle Hintergrundarchitektur des vorliegenden Gemäldes wurde Viviano Codazzi zugeschrieben. Es scheint, dass sie vor den Figuren gemalt wurde, was der üblichen Vorgangsweise bei der Zusammenarbeit von Architektur- und Figurenmalern entsprach. David Marshall hält einen weiteren Kandidaten, nämlich Antonio de Michele, als Mitarbeiter de Bellis’ für möglich, zumal deren Zusammenarbeit in Inventarverzeichnissen dokumentiert ist (Schreiben an Lattuada vom 23. September 2017).

Aufgrund des großen Formats und der beeindruckenden räumlichen Gestaltung vermutet Lattuada, dass das Gemälde als Altarbild für die Kirche San Diego all’Ospedaletto bestimmt war und dass es den Einsturz der Decke bei einem Erdbeben 1784 überlebte. Tatsächlich berichten mehrere Quellen, dass es in der Kirche Gemälde von „Cavalier Massimo und weitere von Andrea Vaccaro, Antonio de Bellis, Michele Fracanzano, Scipione da Salerno und anderen“ [„Cavalier Massimo, gli altri di Andrea Vaccaro, Antonio de Bellis, Michele Fracanzano, Scipione da Salerno e d’altri“] gab.

Aus kürzlich aufgetauchten dokumentarischen Hinweisen ist bekannt, dass de Bellis um 1610 in Rodio del Cilento geboren wurde (siehe G. Porzio, Novità e conferme per Antonio de Bellis, in: Bollettino d’arte, 2015, 8, 100, Nr. 25, S. 101–110). Lattuada nimmt an, dass die Piscina Probatica Mitte der 1640er-Jahre und damit in de Bellis’ Reifezeit ausgeführt wurde; es zeigen sich Anklänge an die neuen barocken Tendenzen, die in den späten 1630er-Jahren in Neapel aufkamen.


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Auktion: Alte Meister I
Datum: 22.10.2019 - 17:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 12.10. - 22.10.2019