Lot Nr. 65


Lavinia Fontana


(Bologna 1552–1614 Rom)
Christus und die Frau von Samaria am Brunnen,
Öl auf Leinwand, 182 x 123 cm, ungerahmt

Provenienz:
vermutlich Sammlung Giuseppe Pignatelli, Rom, 1647;
vermutlich im Erbgang an dessen Sohn Stefano Pignatelli;
Privatsammlung, Turin;
Kunsthandel Costantino Deligios, Sassari, bis 1994;
europäische Privatsammlung

Dokumentation:
Vermutlich das im posthum erstellten Inventarverzeichnis von Giuseppe Pignatelli vom 19. Mai 1647 erwähnte Gemälde, Archivio di Stato, Rom, 30 Notai Capitolini, Leonardus Bonannus, Bd. 165, f. 283, f. 283v: „Nella sala […] 3. Un’altro con una Sammaritana con cornice negra di Lavinia Fontana alto palmi […] largo […]“ (siehe L. Spezzaferro, A. Giammaria (Hg.), Archivio del Collezionismo Romano, Pisa 2009, S. 441, Nr. 0004).

Wir danken Maria Teresa Cantaro, die die Zuschreibung des vorliegenden Gemäldes nach dessen Prüfung im Original bestätigt hat, für ihre Hilfe bei der Katalogisierung des vorliegenden Lots. Sie datiert das Werk in das Jahr 1607.

In einem Inventarverzeichnis vom 19. Mai 1647 der Residenz von Giuseppe Pignatelli im römischen Stadtteil Pigna taucht ein Gemälde (mit unbekannten Maßen) mit Christus und der Frau von Samaria Lavinia Fontanas auf. Das Inventar, in dem das Gemälde im „Salon“ des Hauses erwähnt wird, umfasste eine Aufstellung der von Giuseppes Sohn, dem dreizehnjährigen Stefano Pignatelli, geerbten Gegenstände. Weder die Abmessungen noch die frühere Provenienz dieser Samariterin werden genannt; eine weitere Fassung dieses Bildthemas von Lavinia Fontana, die heute in der Galleria Nazionale di Capodimonte aufbewahrt wird (Inv-Nr. 84084/IC 182), wurde hingegen 1779 von König Ferdinando di Borbone erworben. Maria Teresa Cantaro ist sich nicht ganz sicher, welches der beiden Gemälde die Urfassung darstellt; zumal das vorliegende Werk das größere ist, geht sie davon aus, dass es jenes ist, welches sich einst in der Sammlung Giuseppe Pignatellis in Rom befand.

Die Aufmerksamkeit der Künstlerin lag insbesondere auf Details wie dem Knoten des Kleides unterhalb der Brust, dem Spiel der dünnen Schichten des Unterhemds der Frau und des schimmernden goldfarbenen Gewandes. Bei dem Haarschmuck, aufwendig mit Bändern und Tüchern verknüpft, handelte es sich möglicherweise um eine echte Gemme, die auf Wunsch des Auftraggebers dargestellt wurde. Der kupferne Wasserkrug und das herabfallende Seil haben beinahe die Wirkung eines Trompe-l’oeil. Diese Einzelheiten verleihen der Darstellung dieser biblischen Episode beinahe eine weltliche Anmutung: Der Naturalismus, der frei von religiösen Untertönen ist, macht die Verwendung in einer kirchlichen Umgebung unwahrscheinlich. Dies legt nahe, dass das Gemälde für das private Heim eines Auftraggebers entstanden ist – ein Umfeld, wie es im Inventarverzeichnis Giuseppe Pignatellis genannt wird, wo sich das Bild in der „sala“ bzw. dem „Salon“ befand.

Lavinia Fontana wurde zuerst unter ihrem Vater, dem manieristischen Maler Prospero Fontana, ausgebildet. Spätestens in den späten 1570er-Jahren stießen ihre Werke in Bologna aufgrund ihrer lebendigen Farbigkeit und ihrer detailreichen Gestaltung von Gewändern und Schmuck auf Bewunderung. In Rom kam sie in den Genuss des Mäzenatentums der Familie von Papst Gregor XIII. (1502–1585). Sie gehörte zu den ersten Frauen, die Figurengemälde für große öffentliche Aufträge ausführte. Sie erlangte den Ruf einer erfolgreichen Porträtistin – sowohl hochrangige Mitglieder des Klerus als auch römische Adelige ließen sich von Lavinia im Gewand biblischer oder mythologischer Helden und Heldinnen malen. Ein Beispiel dafür ist das Porträt der Isabella Ruini als Venus im Musée des Beaux-Arts in Rouen (Inv.-Nr. D.874.15).

22.10.2019 - 17:00

Erzielter Preis: **
EUR 69.050,-
Schätzwert:
EUR 50.000,- bis EUR 70.000,-

Lavinia Fontana


(Bologna 1552–1614 Rom)
Christus und die Frau von Samaria am Brunnen,
Öl auf Leinwand, 182 x 123 cm, ungerahmt

Provenienz:
vermutlich Sammlung Giuseppe Pignatelli, Rom, 1647;
vermutlich im Erbgang an dessen Sohn Stefano Pignatelli;
Privatsammlung, Turin;
Kunsthandel Costantino Deligios, Sassari, bis 1994;
europäische Privatsammlung

Dokumentation:
Vermutlich das im posthum erstellten Inventarverzeichnis von Giuseppe Pignatelli vom 19. Mai 1647 erwähnte Gemälde, Archivio di Stato, Rom, 30 Notai Capitolini, Leonardus Bonannus, Bd. 165, f. 283, f. 283v: „Nella sala […] 3. Un’altro con una Sammaritana con cornice negra di Lavinia Fontana alto palmi […] largo […]“ (siehe L. Spezzaferro, A. Giammaria (Hg.), Archivio del Collezionismo Romano, Pisa 2009, S. 441, Nr. 0004).

Wir danken Maria Teresa Cantaro, die die Zuschreibung des vorliegenden Gemäldes nach dessen Prüfung im Original bestätigt hat, für ihre Hilfe bei der Katalogisierung des vorliegenden Lots. Sie datiert das Werk in das Jahr 1607.

In einem Inventarverzeichnis vom 19. Mai 1647 der Residenz von Giuseppe Pignatelli im römischen Stadtteil Pigna taucht ein Gemälde (mit unbekannten Maßen) mit Christus und der Frau von Samaria Lavinia Fontanas auf. Das Inventar, in dem das Gemälde im „Salon“ des Hauses erwähnt wird, umfasste eine Aufstellung der von Giuseppes Sohn, dem dreizehnjährigen Stefano Pignatelli, geerbten Gegenstände. Weder die Abmessungen noch die frühere Provenienz dieser Samariterin werden genannt; eine weitere Fassung dieses Bildthemas von Lavinia Fontana, die heute in der Galleria Nazionale di Capodimonte aufbewahrt wird (Inv-Nr. 84084/IC 182), wurde hingegen 1779 von König Ferdinando di Borbone erworben. Maria Teresa Cantaro ist sich nicht ganz sicher, welches der beiden Gemälde die Urfassung darstellt; zumal das vorliegende Werk das größere ist, geht sie davon aus, dass es jenes ist, welches sich einst in der Sammlung Giuseppe Pignatellis in Rom befand.

Die Aufmerksamkeit der Künstlerin lag insbesondere auf Details wie dem Knoten des Kleides unterhalb der Brust, dem Spiel der dünnen Schichten des Unterhemds der Frau und des schimmernden goldfarbenen Gewandes. Bei dem Haarschmuck, aufwendig mit Bändern und Tüchern verknüpft, handelte es sich möglicherweise um eine echte Gemme, die auf Wunsch des Auftraggebers dargestellt wurde. Der kupferne Wasserkrug und das herabfallende Seil haben beinahe die Wirkung eines Trompe-l’oeil. Diese Einzelheiten verleihen der Darstellung dieser biblischen Episode beinahe eine weltliche Anmutung: Der Naturalismus, der frei von religiösen Untertönen ist, macht die Verwendung in einer kirchlichen Umgebung unwahrscheinlich. Dies legt nahe, dass das Gemälde für das private Heim eines Auftraggebers entstanden ist – ein Umfeld, wie es im Inventarverzeichnis Giuseppe Pignatellis genannt wird, wo sich das Bild in der „sala“ bzw. dem „Salon“ befand.

Lavinia Fontana wurde zuerst unter ihrem Vater, dem manieristischen Maler Prospero Fontana, ausgebildet. Spätestens in den späten 1570er-Jahren stießen ihre Werke in Bologna aufgrund ihrer lebendigen Farbigkeit und ihrer detailreichen Gestaltung von Gewändern und Schmuck auf Bewunderung. In Rom kam sie in den Genuss des Mäzenatentums der Familie von Papst Gregor XIII. (1502–1585). Sie gehörte zu den ersten Frauen, die Figurengemälde für große öffentliche Aufträge ausführte. Sie erlangte den Ruf einer erfolgreichen Porträtistin – sowohl hochrangige Mitglieder des Klerus als auch römische Adelige ließen sich von Lavinia im Gewand biblischer oder mythologischer Helden und Heldinnen malen. Ein Beispiel dafür ist das Porträt der Isabella Ruini als Venus im Musée des Beaux-Arts in Rouen (Inv.-Nr. D.874.15).


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old.masters@dorotheum.at

+43 1 515 60 403
Auktion: Alte Meister I
Datum: 22.10.2019 - 17:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 12.10. - 22.10.2019


** Kaufpreis inkl. Käufergebühr und Mehrwertsteuer

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