Lot Nr. 70 -


Hendrik van Balen und Jan Brueghel II.


(Antwerpen 1575–1632)
(Antwerpen 1601–1678)
Diana und ihre Nymphen nach der Jagd, von Satyrn belauscht,
Öl auf Kupfer, 29 x 41 cm, gerahmt

Wir danken Klaus Ertz, der die Zuschreibung des vorliegenden Gemäldes an Jan Brueghel II. (Landschaft und Tiere) bestätigt hat. Für die Figuren sieht Ertz Hendrik van Balen und seine Werkstatt verantwortlich. Er datiert das Bild in die 1620er-Jahre. Ein schriftliches Gutachten liegt vor.

Ertz schreibt: „Das zu begutachtende Gemälde […] ist mir im Original bekannt. Nach gründlicher Beschäftigung mit diesem Bild bin ich überzeugt, dass die Figuren von Diana mit ihren Nymphen, die Satyrn und der kleine Amor links im Hintergrund von dem flämischen Figurenmaler Hendrik van Balen stammen, die Landschaft, die toten Tiere und die Jagdgegenstände dagegen von dem Malerkollegen Jan Brueghel dem Jüngeren gemalt worden sind. Die fünf großen Figuren im Vordergrund sind von Hendrik van Balen selbst ausgeführt, die Figuren im Hintergrund unter seiner Anleitung von Mitarbeitern aus seinem Atelier. Der Erhaltungszustand dieses Gemäldes ist als sehr gut zu bezeichnen. Die Farben des Bildes sind dick und pastos aufgetragen und machen einen leuchtenden und strahlenden Eindruck. Die in mehreren Arbeitsgängen aufgetragenen, übereinanderliegenden Lasuren sind in gutem Zustand vorzufinden und geben diesem Gemälde seine eigentümliche Plastizität. Die Farben sind flüssig und breit in schnellem Strich aufgetragen […]. Diese Kupfertafel ist ein weiterer Beleg für die Zusammenarbeit der beiden flämischen Maler Hendrik van Balen und Jan Brueghel der Jüngere. Dieser lernte van Balen im Atelier seines Vaters, Jan Brueghel des Älteren, kennen. Die Zusammenarbeit von Jan dem Jüngeren und van Balen begann bereits vor der Italienreise des jungen Jan um 1620, die uns durch Gemälde, an denen beide gearbeitet haben, überliefert ist. Aber erst nachdem der Vater 1625 gestorben war und Jan der Jüngere dessen Atelier übernahm, wurde diese Zusammenarbeit intensiver. Im Tagebuch von Jan II. sind ab 1626 die ersten Gemälde verzeichnet, die unter Mitwirkung beider Maler entstanden sind. Van Balen wurde für Jan den Jüngeren zum wichtigsten Mitarbeiter, der wesentlichen Anteil daran hatte, dass der Jüngere mit dem übernommenen Atelier des Vaters schnell in Antwerpen Fuß fassen konnte. Diese sehr fruchtbare Zusammenarbeit endete erst mit dem Tode van Balens im Jahre 1632.

Die Vorlage des zu begutachtenden Gemäldes, nach der diese Kupfertafel geschaffen worden ist, stammt von Jan Brueghel dem Älteren und Hendrik van Balen: Diana und ihre Nymphen, von Satyrn belauscht (Dresden, Staatliche Kunstsammlungen, um 1620). Sowohl auf dem Dresdener als auch auf dem zu begutachtenden Gemälde hat van Balen die weiblichen Reize in beeindruckender Vielfalt wiedergegeben. Die Farbigkeit der Bilder wird noch gesteigert durch den Bildträger Kupfer, auf dem das Inkarnat der Körper emaillehaft leuchtet. Der Kontrast der hellen Frauenleiber zu der sie umgebenden Landschaft wird durch die stark farbigen Tücher und vor allen Dingen durch das dunkelrote Tuch im Hintergrund und die lüstern blickenden, grobschlächtig anzuschauenden Satyrn noch gesteigert. Der Betrachter gerät fast in die gleiche voyeuristische Situation wie die beiden Satyrn. Denn in beiden Bildern sitzen Diana und ihre schlafenden Nymphen, von hellem Licht angestrahlt, auf ihrem Grashügel wie Schauspieler auf einer Bühne […].“

Zur Untermauerung der Zuschreibung zieht Ertz folgende Gemeinschaftswerke von Hendrik van Balen und Jan Brueghel II. zum Vergleich heran: Raub der Europa (Wien, Kunsthistorisches Museum, um 1621/22); Dianas Nymphen nach der Jagd (deutscher Privatbesitz, Ende der 1620er-Jahre); Diana und ihre Nymphen beim Bade (französischer Privatbesitz, Ende der 1620er-Jahre); Das Reiherrupfen (deutscher Privatbesitz, 1627).

Noch einmal Ertz: „Das zu begutachtende Gemälde muss nach meiner Überzeugung ebenfalls gegen Ende der 1620er-Jahre gemalt worden sein. In diese Zeit passt der malerisch wirkende, temperamentvolle Pinselstrich, der die eigenständige Entwicklung der Jan’schen Landschaft, die in dieser Zeit beginnt und sich von da an immer mehr vom Vater Jan Brueghel dem Älteren entfernt, deutlich macht.“

Experte: Dr. Alexander Strasoldo Dr. Alexander Strasoldo
+43-1-515 60-556

alexander.strasoldo@dorotheum.at

22.10.2019 - 17:00

Schätzwert:
EUR 60.000,- bis EUR 80.000,-

Hendrik van Balen und Jan Brueghel II.


(Antwerpen 1575–1632)
(Antwerpen 1601–1678)
Diana und ihre Nymphen nach der Jagd, von Satyrn belauscht,
Öl auf Kupfer, 29 x 41 cm, gerahmt

Wir danken Klaus Ertz, der die Zuschreibung des vorliegenden Gemäldes an Jan Brueghel II. (Landschaft und Tiere) bestätigt hat. Für die Figuren sieht Ertz Hendrik van Balen und seine Werkstatt verantwortlich. Er datiert das Bild in die 1620er-Jahre. Ein schriftliches Gutachten liegt vor.

Ertz schreibt: „Das zu begutachtende Gemälde […] ist mir im Original bekannt. Nach gründlicher Beschäftigung mit diesem Bild bin ich überzeugt, dass die Figuren von Diana mit ihren Nymphen, die Satyrn und der kleine Amor links im Hintergrund von dem flämischen Figurenmaler Hendrik van Balen stammen, die Landschaft, die toten Tiere und die Jagdgegenstände dagegen von dem Malerkollegen Jan Brueghel dem Jüngeren gemalt worden sind. Die fünf großen Figuren im Vordergrund sind von Hendrik van Balen selbst ausgeführt, die Figuren im Hintergrund unter seiner Anleitung von Mitarbeitern aus seinem Atelier. Der Erhaltungszustand dieses Gemäldes ist als sehr gut zu bezeichnen. Die Farben des Bildes sind dick und pastos aufgetragen und machen einen leuchtenden und strahlenden Eindruck. Die in mehreren Arbeitsgängen aufgetragenen, übereinanderliegenden Lasuren sind in gutem Zustand vorzufinden und geben diesem Gemälde seine eigentümliche Plastizität. Die Farben sind flüssig und breit in schnellem Strich aufgetragen […]. Diese Kupfertafel ist ein weiterer Beleg für die Zusammenarbeit der beiden flämischen Maler Hendrik van Balen und Jan Brueghel der Jüngere. Dieser lernte van Balen im Atelier seines Vaters, Jan Brueghel des Älteren, kennen. Die Zusammenarbeit von Jan dem Jüngeren und van Balen begann bereits vor der Italienreise des jungen Jan um 1620, die uns durch Gemälde, an denen beide gearbeitet haben, überliefert ist. Aber erst nachdem der Vater 1625 gestorben war und Jan der Jüngere dessen Atelier übernahm, wurde diese Zusammenarbeit intensiver. Im Tagebuch von Jan II. sind ab 1626 die ersten Gemälde verzeichnet, die unter Mitwirkung beider Maler entstanden sind. Van Balen wurde für Jan den Jüngeren zum wichtigsten Mitarbeiter, der wesentlichen Anteil daran hatte, dass der Jüngere mit dem übernommenen Atelier des Vaters schnell in Antwerpen Fuß fassen konnte. Diese sehr fruchtbare Zusammenarbeit endete erst mit dem Tode van Balens im Jahre 1632.

Die Vorlage des zu begutachtenden Gemäldes, nach der diese Kupfertafel geschaffen worden ist, stammt von Jan Brueghel dem Älteren und Hendrik van Balen: Diana und ihre Nymphen, von Satyrn belauscht (Dresden, Staatliche Kunstsammlungen, um 1620). Sowohl auf dem Dresdener als auch auf dem zu begutachtenden Gemälde hat van Balen die weiblichen Reize in beeindruckender Vielfalt wiedergegeben. Die Farbigkeit der Bilder wird noch gesteigert durch den Bildträger Kupfer, auf dem das Inkarnat der Körper emaillehaft leuchtet. Der Kontrast der hellen Frauenleiber zu der sie umgebenden Landschaft wird durch die stark farbigen Tücher und vor allen Dingen durch das dunkelrote Tuch im Hintergrund und die lüstern blickenden, grobschlächtig anzuschauenden Satyrn noch gesteigert. Der Betrachter gerät fast in die gleiche voyeuristische Situation wie die beiden Satyrn. Denn in beiden Bildern sitzen Diana und ihre schlafenden Nymphen, von hellem Licht angestrahlt, auf ihrem Grashügel wie Schauspieler auf einer Bühne […].“

Zur Untermauerung der Zuschreibung zieht Ertz folgende Gemeinschaftswerke von Hendrik van Balen und Jan Brueghel II. zum Vergleich heran: Raub der Europa (Wien, Kunsthistorisches Museum, um 1621/22); Dianas Nymphen nach der Jagd (deutscher Privatbesitz, Ende der 1620er-Jahre); Diana und ihre Nymphen beim Bade (französischer Privatbesitz, Ende der 1620er-Jahre); Das Reiherrupfen (deutscher Privatbesitz, 1627).

Noch einmal Ertz: „Das zu begutachtende Gemälde muss nach meiner Überzeugung ebenfalls gegen Ende der 1620er-Jahre gemalt worden sein. In diese Zeit passt der malerisch wirkende, temperamentvolle Pinselstrich, der die eigenständige Entwicklung der Jan’schen Landschaft, die in dieser Zeit beginnt und sich von da an immer mehr vom Vater Jan Brueghel dem Älteren entfernt, deutlich macht.“

Experte: Dr. Alexander Strasoldo Dr. Alexander Strasoldo
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Auktion: Alte Meister I
Datum: 22.10.2019 - 17:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 12.10. - 22.10.2019