Lot Nr. 81 -


Norditalienische Schule, 17. Jahrhundert


Lucretia,
Öl auf Leinwand, 141 x 101 cm, gerahmt

Provenienz:
Sammlung Graf Nils Bielke-Sack, um 1721 (lt. rückseitigem Siegel mit Wappen);
europäische Privatsammlung;
Kunsthandel, Stockholm;
dort erworben durch den jetzigen Besitzer

Mögliche erweiterte Provenienz (lt. Freedberg, siehe mögliche Literatur):
Sammlung Königin Christina von Schweden;
Sammlung Duc d’Orléans;
Auktion, Sammlung Orlèans, 1800, Lot 157;
Sammlung Solly, 1847;
Kunsthandel, London, zuletzt erwähnt 1850

Mögliche Literatur (unter Bezugnahme auf das vorliegende Gemälde):
A.-J. Dezallier d’Argenville, Abregé de la vie des plus fameux peintres, avec leurs portraits gravés en taille-douce, les indications de leurs principaux ouvrages, quelques réflexions sur leurs caractères, et la maniere de connoître les desseins des grands maîtres. Par M*** de l’Académie royale des sciences de Montpellier, Paris 1762, Bd. 1, S. 145 (als del Sarto, Provenienz: „La reine de Suede“);
L.-A. de Bonafous de Fontenai, Galerie du Palais Royal: gravée d‘après les tableaux des différentes écoles qui la composent: avec un abrégé de la vie des peintres & une description historique de chaque tableau / dédiée à S. A. S. Monseigneur le Duc d‘Orléans Premier Prince du Sang par J. Couché / par Mr. l‘Abbé Louis Abel de Bonafous de Fontenai, Paris 1786, pièce n° 130 (abgebildet in einem Stich von Noël Le Mire, als Andrea de Sarto);
A. Réveil, J. Duchesne, Musée de peinture et de sculpture, ou recueil des principaux tableaux, statues et bas-reliefs des collections publiques et particulières de l‘Europe, Paris 1833, Bd. XI, S. 788, Taf. 336 (als Andrea del Sarto);
S. J. Freedberg, Andrea del Sarto, Cambridge, Massachusetts, 1963, S. 230f. (als Bologneser Schule, spätes 16. oder frühes 17. Jahrhundert)

Die vorliegende Bildfindung (möglicherweise das vorliegende Gemälde) war in der Sammlung des Duc d’Orléans und davor in der Sammlung von Königin Christina von Schweden verzeichnet (siehe Freedberg 1963, S. 230).

Die vorliegende Bildfindung (möglicherweise das vorliegende Gemälde) wurde zweimal gestochen und war Andrea del Sarto zugeschrieben. Der Stich von Le Mire (siehe Abb. 1), erschienen 1786, beschreibt das zugrundeliegende Gemälde auf Leinwand:

„LA MORT DE LUCRECE De la Galerie de S. A. S. Monseigneur le Duc d’Orléans. A. P. D. R. ÉCOLE VENITIENNE. Ier TABLEAU D’ANDRÉ DEL-SARTE, Peint sur Toile, ayant de hauteur 4 Pieds 5 Pouces, sur 3 Pieds 3 Pouces de large. Deux Tableaux d’André del-Sarte font partie de la collection de Mgr le Duc d’Orléans. Celui qui représente la mort de Lucrece, sujet trop connu pour qu’il soit necessaire de l’expliquer ici, est très-bien conservé. Le Dessin en est elegant, la couleur suave et argentine; le Peintre n’a rien négligé pour rendre avec vérité les differentes Etoffes dans les acessoires et la draperie de la figure. Le caractère de tête est admirable par l’expression de la douleur.“

Dezallier d’Argenville (siehe Literatur) sagte möglicherweise irrtümlich über das vorliegende Gemälde aus, es wäre auf Holz gemalt. Als Réveil und Duchesne es 1833 in ihrem Katalog veröffentlichten, wiesen sie darauf hin, dass man das Bild von Holz auf Leinwand übertragen hatte (siehe Literatur). Wenn es sich bei der vorliegenden Lucretia um jenes Gemälde handelt, das in der Sammlung Orléan gestochen wurde und das laut Dezallier d’Argenville aus der Sammlung Königin Christinas von Schweden kam, hätte das Bild eine illustre königliche Provenienz aufzuweisen.

Die angegebenen Maße gleichen jenen des vorliegenden Gemäldes, und die Komposition des Stichs steht der Darstellung des Gemäldes nahe.

Die Bildfindung ist auch auf einer Zeichnung von Thomas Rowlandson mit dem Titel „Lucretia, nach Andrea del Sarto“ überliefert; spätes 18. Jahrhundert, Bleistift, Feder und Aquarell, signiert, bezeichnet und betitelt auf dem Recto, 17,8 x 13,7 cm (verkauft bei Christie’s, The Forbes Collection, 20. Februar 2003, Lot 189).

Das Gemälde trägt auf der Rückseite der Leinwand ein Siegel mit dem Wappen der Familien Bielke und Sack. Dies mag den Hinweis auf eine Provenienz des vorliegenden Gemäldes liefern, die eine Verbindung zwischen seiner frühen Geschichte in Schweden und seinem späteren Auftauchen auf dem Pariser Kunstmarkt des frühen 18. Jahrhunderts herstellt.

Graf Niels Bielke heiratete Hedwig Sack 1721 und bewegte sich in frankophilen aristokratischen Kreisen. Die Bielkes waren eine der ältesten Adelsfamilien Schwedens, mit engen Verbindungen zum Königshaus. Gunilla Bielke war Ende des 16. Jahrhunderts schwedische Königin gewesen. Wie Königin Christina konvertierte Niels Bilke zum Katholizismus. Es wäre daher durchaus möglich, dass ein Gemälde wie das vorliegende Werk aus der Sammlung von Königin Christina von Schweden in jene der Familie Bielke gelangt ist.

Niels Bielke lebte in Stockholm und Paris. Sein Vater war Botschafter in Frankreich. Interessanterweise fallen die Pariser Aufenthalte des schwedischen Adeligen mit dem ersten Auftauchen der vorliegenden Komposition auf dem Pariser Kunstmarkt und in der Sammlung Orléans zusammen, wo es mit schwedischer Provenienz geführt wurde (siehe M. K. Schuchard, Emanuel Swedenborg, Secret Agent on Earth and in Heaven: Jacobites, Jews and Freemasons in Early Modern Sweden, Leiden 2012, S. 183).

Bielke ließ sich schließlich in Rom nieder, wo er auf Empfehlung des französischen Königs Ludwig XV. in den päpstlichen Verwaltungsstab aufgenommen wurde. Er wurde Senator und starb 1765 in Rom – ein Schicksal, das dem von Königin Christina nicht ganz unähnlich war. Bielke hatte keine Erben, und sein Tod stellt einen relativ sicheren Terminus ante quem für die Verwendung des Wappens auf der Rückseite des vorliegenden Gemäldes dar.

22.10.2019 - 17:00

Erzielter Preis: **
EUR 27.592,-
Schätzwert:
EUR 25.000,- bis EUR 35.000,-

Norditalienische Schule, 17. Jahrhundert


Lucretia,
Öl auf Leinwand, 141 x 101 cm, gerahmt

Provenienz:
Sammlung Graf Nils Bielke-Sack, um 1721 (lt. rückseitigem Siegel mit Wappen);
europäische Privatsammlung;
Kunsthandel, Stockholm;
dort erworben durch den jetzigen Besitzer

Mögliche erweiterte Provenienz (lt. Freedberg, siehe mögliche Literatur):
Sammlung Königin Christina von Schweden;
Sammlung Duc d’Orléans;
Auktion, Sammlung Orlèans, 1800, Lot 157;
Sammlung Solly, 1847;
Kunsthandel, London, zuletzt erwähnt 1850

Mögliche Literatur (unter Bezugnahme auf das vorliegende Gemälde):
A.-J. Dezallier d’Argenville, Abregé de la vie des plus fameux peintres, avec leurs portraits gravés en taille-douce, les indications de leurs principaux ouvrages, quelques réflexions sur leurs caractères, et la maniere de connoître les desseins des grands maîtres. Par M*** de l’Académie royale des sciences de Montpellier, Paris 1762, Bd. 1, S. 145 (als del Sarto, Provenienz: „La reine de Suede“);
L.-A. de Bonafous de Fontenai, Galerie du Palais Royal: gravée d‘après les tableaux des différentes écoles qui la composent: avec un abrégé de la vie des peintres & une description historique de chaque tableau / dédiée à S. A. S. Monseigneur le Duc d‘Orléans Premier Prince du Sang par J. Couché / par Mr. l‘Abbé Louis Abel de Bonafous de Fontenai, Paris 1786, pièce n° 130 (abgebildet in einem Stich von Noël Le Mire, als Andrea de Sarto);
A. Réveil, J. Duchesne, Musée de peinture et de sculpture, ou recueil des principaux tableaux, statues et bas-reliefs des collections publiques et particulières de l‘Europe, Paris 1833, Bd. XI, S. 788, Taf. 336 (als Andrea del Sarto);
S. J. Freedberg, Andrea del Sarto, Cambridge, Massachusetts, 1963, S. 230f. (als Bologneser Schule, spätes 16. oder frühes 17. Jahrhundert)

Die vorliegende Bildfindung (möglicherweise das vorliegende Gemälde) war in der Sammlung des Duc d’Orléans und davor in der Sammlung von Königin Christina von Schweden verzeichnet (siehe Freedberg 1963, S. 230).

Die vorliegende Bildfindung (möglicherweise das vorliegende Gemälde) wurde zweimal gestochen und war Andrea del Sarto zugeschrieben. Der Stich von Le Mire (siehe Abb. 1), erschienen 1786, beschreibt das zugrundeliegende Gemälde auf Leinwand:

„LA MORT DE LUCRECE De la Galerie de S. A. S. Monseigneur le Duc d’Orléans. A. P. D. R. ÉCOLE VENITIENNE. Ier TABLEAU D’ANDRÉ DEL-SARTE, Peint sur Toile, ayant de hauteur 4 Pieds 5 Pouces, sur 3 Pieds 3 Pouces de large. Deux Tableaux d’André del-Sarte font partie de la collection de Mgr le Duc d’Orléans. Celui qui représente la mort de Lucrece, sujet trop connu pour qu’il soit necessaire de l’expliquer ici, est très-bien conservé. Le Dessin en est elegant, la couleur suave et argentine; le Peintre n’a rien négligé pour rendre avec vérité les differentes Etoffes dans les acessoires et la draperie de la figure. Le caractère de tête est admirable par l’expression de la douleur.“

Dezallier d’Argenville (siehe Literatur) sagte möglicherweise irrtümlich über das vorliegende Gemälde aus, es wäre auf Holz gemalt. Als Réveil und Duchesne es 1833 in ihrem Katalog veröffentlichten, wiesen sie darauf hin, dass man das Bild von Holz auf Leinwand übertragen hatte (siehe Literatur). Wenn es sich bei der vorliegenden Lucretia um jenes Gemälde handelt, das in der Sammlung Orléan gestochen wurde und das laut Dezallier d’Argenville aus der Sammlung Königin Christinas von Schweden kam, hätte das Bild eine illustre königliche Provenienz aufzuweisen.

Die angegebenen Maße gleichen jenen des vorliegenden Gemäldes, und die Komposition des Stichs steht der Darstellung des Gemäldes nahe.

Die Bildfindung ist auch auf einer Zeichnung von Thomas Rowlandson mit dem Titel „Lucretia, nach Andrea del Sarto“ überliefert; spätes 18. Jahrhundert, Bleistift, Feder und Aquarell, signiert, bezeichnet und betitelt auf dem Recto, 17,8 x 13,7 cm (verkauft bei Christie’s, The Forbes Collection, 20. Februar 2003, Lot 189).

Das Gemälde trägt auf der Rückseite der Leinwand ein Siegel mit dem Wappen der Familien Bielke und Sack. Dies mag den Hinweis auf eine Provenienz des vorliegenden Gemäldes liefern, die eine Verbindung zwischen seiner frühen Geschichte in Schweden und seinem späteren Auftauchen auf dem Pariser Kunstmarkt des frühen 18. Jahrhunderts herstellt.

Graf Niels Bielke heiratete Hedwig Sack 1721 und bewegte sich in frankophilen aristokratischen Kreisen. Die Bielkes waren eine der ältesten Adelsfamilien Schwedens, mit engen Verbindungen zum Königshaus. Gunilla Bielke war Ende des 16. Jahrhunderts schwedische Königin gewesen. Wie Königin Christina konvertierte Niels Bilke zum Katholizismus. Es wäre daher durchaus möglich, dass ein Gemälde wie das vorliegende Werk aus der Sammlung von Königin Christina von Schweden in jene der Familie Bielke gelangt ist.

Niels Bielke lebte in Stockholm und Paris. Sein Vater war Botschafter in Frankreich. Interessanterweise fallen die Pariser Aufenthalte des schwedischen Adeligen mit dem ersten Auftauchen der vorliegenden Komposition auf dem Pariser Kunstmarkt und in der Sammlung Orléans zusammen, wo es mit schwedischer Provenienz geführt wurde (siehe M. K. Schuchard, Emanuel Swedenborg, Secret Agent on Earth and in Heaven: Jacobites, Jews and Freemasons in Early Modern Sweden, Leiden 2012, S. 183).

Bielke ließ sich schließlich in Rom nieder, wo er auf Empfehlung des französischen Königs Ludwig XV. in den päpstlichen Verwaltungsstab aufgenommen wurde. Er wurde Senator und starb 1765 in Rom – ein Schicksal, das dem von Königin Christina nicht ganz unähnlich war. Bielke hatte keine Erben, und sein Tod stellt einen relativ sicheren Terminus ante quem für die Verwendung des Wappens auf der Rückseite des vorliegenden Gemäldes dar.


Käufer Hotline Mo.-Fr.: 09.00 - 18.00
old.masters@dorotheum.at

+43 1 515 60 403
Auktion: Alte Meister I
Datum: 22.10.2019 - 17:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 12.10. - 22.10.2019


** Kaufpreis inkl. Käufergebühr und Mehrwertsteuer

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