Lot Nr. 82


Giuseppe di Guido, gen. Meister von Fontanarosa


(geb. um 1590, tätig in Neapel und Süditalien zwischen den 1620er- und 1640er-Jahren)
Die drei Hebräer im Feuerofen,
Öl auf Leinwand, 183 x 242 cm, gerahmt

Wir danken Gianni Papi, der die Zuschreibung auf Grundlage einer hochaufgelösten Digitalfotografie vorgeschlagen hat, für seine Hilfe bei der Katalogisierung des vorliegenden Gemäldes.

Diese Komposition zeigt die im Buch Daniel berichtete biblische Begebenheit (3, 1–26), als Nebukadnezar drei junge Hebräer bestrafte, die sich weigerten, eine vom König errichtete große goldene Statue anzubeten, vor der alle Untertanen niederknien sollten. Die drei jungen Männer wurden dazu verurteilt, in einem Feuerofen verbrannt zu werden, der um ein Vielfaches heißer geheizt wurde als üblich. Durch göttliches Einschreiten konnten die drei jedoch unversehrt durch die Flammen schreiten, wohingegen ihre Peiniger, die sie ins Feuer geworfen hatten, in den Ofen fielen und bei lebendigem Leib verbrannten.

In Anbetracht der Bildgröße und Vielfigurigkeit der Komposition war dieses Werk zweifellos ein bedeutendes Unterfangen und ein wichtiger Auftrag für den Meister von Fontanarosa, den man glaubhaft als Giuseppe di Guido identifiziert hat (siehe G. Porzio, La scuola di Ribera, Neapel 2014, S. 22–24, 33f., 48–57, 212–216). Der Meister von Fontanarosa (dessen Hilfsname von einem Letzten Abendmahl in der Pfarrkirche von Fontanarosa in der Provinz Avellino herrührt) war ein bedeutender Künstler, der mit Sicherheit in der dritten und vierten Dekade des 17. Jahrhunderts tätig war. Aus einem von Porzio 2014 veröffentlichten Dokument geht hervor, dass Giuseppe di Guido im Jahr 1641 noch am Leben war.

Ein Meisterwerk wie das Letzte Abendmahl in Fontanarosa sowie weitere Werke wie das Martyrium des heiligen Blasius in einer Florentiner Privatsammlung und der Heilige Hieronymus, ebenfalls in einer Privatsammlung, reichen aus, um Giuseppe di Guido eine führende Rolle in der neapolitanischen realistischen Malerei zuzuweisen. Diese Werke verraten eine stilistische Nähe zum Schaffen von Battista Caracciolo (welcher di Guidos Lehrer gewesen sein könnte) sowie zu Filippo Vitale und dem Kreis von Ribera. Dank seiner ganz und gar eigenständigen Malweise unterscheiden sich die Werke dieses Künstlers jedoch deutlich von der Kunst seiner Vorbilder. Sein Werkverzeichnis ist immer noch relativ klein, sodass diese neue Hinzufügung von besonderer Bedeutung ist.

Eine Bestätigung für die Eigenhändigkeit des vorliegenden Gemäldes von Giuseppe di Guido, gen. Meister von Fontanarosa, liefert der Vergleich von bestimmten für sein Werk typischen Figurengruppen: In unserem Fall lassen sich beispielsweise der den jungen Mann ins Feuer werfende Peiniger rechts oder der stehende Soldat, der auf das goldene Standbild des Königs zeigt, in ihrer kompakten Malweise und ihren Gesichtszügen mit den Aposteln im Letzten Abendmahl, den Peinigern im Martyrium des heiligen Blasius und den Aposteln in der Himmelfahrt Mariens in San Giorgio Armeno, Neapel, vergleichen, welche di Guido in Zusammenarbeit mit Teodoro d’Errico (im oberen Abschnitt) schuf.

Die kunstvollen Faltenwürfe mit abgerundeten Kanten – etwa des ockerfarbenen Mantels im Vordergrund des vorliegenden Werks – sind typisch für den Meister von Fontanarosa und tauchen auch in Werken wie Der heilige Johannes der Täufer am Brunnen (unbekannter Aufbewahrungsort) auf, das kürzlich von Porzio (2014) und Viviana Farina (siehe V. Farina, Per Giuseppe di Guido alias il Maestro di Fontanarosa, in: Davanti al naturale. Contributi sul movimento caravaggesco a Napoli, hg. von F. de Luca und G. Papi, Mailand 2017, S. 84–103) veröffentlicht wurde. Die jugendlichen Gesichtszüge des Heiligen lassen auch eine große Nähe zu den drei jungen Hebräern erkennen, sodass davon auszugehen ist, dass auf dasselbe Modell zurückgegriffen wurde. Selbst die Züge der im Profil dargestellten Delilah des Bildes Samson und Delilah in einer römischen Privatsammlung, das von Farina 2017 richtig dem Meister von Fontanarosa zugewiesen wurde, entsprechen nahezu exakt jenen des im Profil nach links dargestellten jungen Mannes im vorliegenden Bild.

Das vorliegende Werk ist in die 1630er-Jahre zu datieren, in zeitliche Nähe zu dem Gemälde des Meisters von Fontanarosa für San Giorgio Armeno, das für das Jahr 1632 belegt ist.

22.10.2019 - 17:00

Schätzwert:
EUR 60.000,- bis EUR 80.000,-

Giuseppe di Guido, gen. Meister von Fontanarosa


(geb. um 1590, tätig in Neapel und Süditalien zwischen den 1620er- und 1640er-Jahren)
Die drei Hebräer im Feuerofen,
Öl auf Leinwand, 183 x 242 cm, gerahmt

Wir danken Gianni Papi, der die Zuschreibung auf Grundlage einer hochaufgelösten Digitalfotografie vorgeschlagen hat, für seine Hilfe bei der Katalogisierung des vorliegenden Gemäldes.

Diese Komposition zeigt die im Buch Daniel berichtete biblische Begebenheit (3, 1–26), als Nebukadnezar drei junge Hebräer bestrafte, die sich weigerten, eine vom König errichtete große goldene Statue anzubeten, vor der alle Untertanen niederknien sollten. Die drei jungen Männer wurden dazu verurteilt, in einem Feuerofen verbrannt zu werden, der um ein Vielfaches heißer geheizt wurde als üblich. Durch göttliches Einschreiten konnten die drei jedoch unversehrt durch die Flammen schreiten, wohingegen ihre Peiniger, die sie ins Feuer geworfen hatten, in den Ofen fielen und bei lebendigem Leib verbrannten.

In Anbetracht der Bildgröße und Vielfigurigkeit der Komposition war dieses Werk zweifellos ein bedeutendes Unterfangen und ein wichtiger Auftrag für den Meister von Fontanarosa, den man glaubhaft als Giuseppe di Guido identifiziert hat (siehe G. Porzio, La scuola di Ribera, Neapel 2014, S. 22–24, 33f., 48–57, 212–216). Der Meister von Fontanarosa (dessen Hilfsname von einem Letzten Abendmahl in der Pfarrkirche von Fontanarosa in der Provinz Avellino herrührt) war ein bedeutender Künstler, der mit Sicherheit in der dritten und vierten Dekade des 17. Jahrhunderts tätig war. Aus einem von Porzio 2014 veröffentlichten Dokument geht hervor, dass Giuseppe di Guido im Jahr 1641 noch am Leben war.

Ein Meisterwerk wie das Letzte Abendmahl in Fontanarosa sowie weitere Werke wie das Martyrium des heiligen Blasius in einer Florentiner Privatsammlung und der Heilige Hieronymus, ebenfalls in einer Privatsammlung, reichen aus, um Giuseppe di Guido eine führende Rolle in der neapolitanischen realistischen Malerei zuzuweisen. Diese Werke verraten eine stilistische Nähe zum Schaffen von Battista Caracciolo (welcher di Guidos Lehrer gewesen sein könnte) sowie zu Filippo Vitale und dem Kreis von Ribera. Dank seiner ganz und gar eigenständigen Malweise unterscheiden sich die Werke dieses Künstlers jedoch deutlich von der Kunst seiner Vorbilder. Sein Werkverzeichnis ist immer noch relativ klein, sodass diese neue Hinzufügung von besonderer Bedeutung ist.

Eine Bestätigung für die Eigenhändigkeit des vorliegenden Gemäldes von Giuseppe di Guido, gen. Meister von Fontanarosa, liefert der Vergleich von bestimmten für sein Werk typischen Figurengruppen: In unserem Fall lassen sich beispielsweise der den jungen Mann ins Feuer werfende Peiniger rechts oder der stehende Soldat, der auf das goldene Standbild des Königs zeigt, in ihrer kompakten Malweise und ihren Gesichtszügen mit den Aposteln im Letzten Abendmahl, den Peinigern im Martyrium des heiligen Blasius und den Aposteln in der Himmelfahrt Mariens in San Giorgio Armeno, Neapel, vergleichen, welche di Guido in Zusammenarbeit mit Teodoro d’Errico (im oberen Abschnitt) schuf.

Die kunstvollen Faltenwürfe mit abgerundeten Kanten – etwa des ockerfarbenen Mantels im Vordergrund des vorliegenden Werks – sind typisch für den Meister von Fontanarosa und tauchen auch in Werken wie Der heilige Johannes der Täufer am Brunnen (unbekannter Aufbewahrungsort) auf, das kürzlich von Porzio (2014) und Viviana Farina (siehe V. Farina, Per Giuseppe di Guido alias il Maestro di Fontanarosa, in: Davanti al naturale. Contributi sul movimento caravaggesco a Napoli, hg. von F. de Luca und G. Papi, Mailand 2017, S. 84–103) veröffentlicht wurde. Die jugendlichen Gesichtszüge des Heiligen lassen auch eine große Nähe zu den drei jungen Hebräern erkennen, sodass davon auszugehen ist, dass auf dasselbe Modell zurückgegriffen wurde. Selbst die Züge der im Profil dargestellten Delilah des Bildes Samson und Delilah in einer römischen Privatsammlung, das von Farina 2017 richtig dem Meister von Fontanarosa zugewiesen wurde, entsprechen nahezu exakt jenen des im Profil nach links dargestellten jungen Mannes im vorliegenden Bild.

Das vorliegende Werk ist in die 1630er-Jahre zu datieren, in zeitliche Nähe zu dem Gemälde des Meisters von Fontanarosa für San Giorgio Armeno, das für das Jahr 1632 belegt ist.


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+43 1 515 60 403
Auktion: Alte Meister I
Datum: 22.10.2019 - 17:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 12.10. - 22.10.2019