Lot Nr. 83


Mattia Preti und Gregorio Preti (2)


(Taverna 1613–1699 Valetta)
(Taverna 1603–1672 Rom)
Konzert einer Klavichordspielerin; und
Konzert eines Geigenspielers,
Öl auf Leinwand, je 95 x 131,5 cm, gerahmt, Pendants

Provenienz:
Privatsammlung, Italien

Ausgestellt (Konzert einer Klavichordspielerin):
San Secondo di Pinerolo, Castello di Miradolo, Caravaggio e il suo tempo, 21. November 2015 – 10. April 2016, Nr. 26 (als Mattia Preti);
Rom, Galleria Nazionale d’Arte Antica in Palazzo Corsini, Mattia Preti. Un giovane nella Roma dopo Caravaggio, 28. Oktober 2015 – 18. Januar 2016 (als Mattia Preti)

Literatur (Konzert einer Klavichordspielerin):
G. Leone, in: V. Sgarbi (Hg.), Caravaggio e il suo tempo, Ausstellungskatalog, San Secondo di Pinerolo 2015, S. 124–127, Nr. 26 (als Mattia Preti);
G. Leone (Hg), Mattia Preti. Un giovane nella Roma dopo Caravaggio, Ausstellungskatalog, Soveria Mannelli 2015, S. 135, Nr. 60, Abb. S. 144 (als Mattia Preti);
Y. Primarosa, in: Il trionfo dei sensi. Nuova luce su Mattia e Gregorio Preti, Ausstellungskatalog, hg. von Y. Primarosa, Rom 2019, Erwähnung auf S. 22, S. 23, Abb. 17 (vermutlich Mattia Preti und Werkstatt oder ein Gemeinschaftswerk mit Gregorio Preti).

Das vorliegende Gemäldepaar zählt zu den frühesten von Mattia Preti in Rom ausgeführten Werken und stammt aus den frühen 1630er-Jahren, in denen er sehr eng mit seinem Bruder Gregorio Preti zusammenarbeitete. Obgleich uns keine zeitgenössischen Dokumente zu den vorliegenden Gemälden bekannt sind, legen deren Größe und Art nahe, dass sie gemeinsam als quadri di galleria in Auftrag gegeben wurden. Kompositionen dieses Typs fanden bei privaten Auftraggebern in Rom Gefallen, die im Helldunkel angesiedelte caravaggeske Szenen in Tavernen, concertini und (manchmal in Bilder religiöser Thematik eingebettete) Darstellungen von sich dem Spiel widmenden Personen sammelten. Beide Werke sind wichtige Beispiele für das Schaffen Mattia Pretis, und das nicht zuletzt wegen des Bezugs von Konzert einer Klavichordspielerin zu dem eindrucksvollsten seiner frühen Bilder, dem monumentalen Gemälde Konzert (oder Musikstunde) in der Galleria Doria Pamphilij in Rom (Maße: 245 x 410 cm).

Das Konzert eines Geigenspielers ist bislang nicht publiziert: Das Konzert einer Klavichordspielerin wurde erstmals von Giorgio Leone veröffentlicht (siehe Literatur), der das Werk mit etwa 1638/39 datiert, wohingegen Keith Sciberras mit 1630‒1635 eine etwas frühere Entstehungszeit annimmt.

Das Datum der Ankunft Mattia Pretis in Rom ist nicht ganz gesichert. Der erste Hinweis auf seine Anwesenheit in der Stadt betrifft die Jahre 1633‒1636. In Rom hätte sich der junge Künstler von verschiedensten Quellen anregen lassen können, entwickelte sich jedoch im Wesentlichen in Richtung eines caravaggesken „Naturalismus“. Er wurde von den in den 1620er-Jahren in Rom tätigen Caravaggisten beeinflusst. Dieser Einfluss wurde auch über seinen Bruder Gregorio wirksam, der in caravaggesker Manier malte. Die Brüder Preti bewunderten die frühen Werke von Jusepe de Ribera, Bartolomeo Manfredi und Valentin de Boulogne. Mattia war einer der jüngsten von diesem Malstil beeinflussten Künstler, und seine Generation war die letzte, die stark an dieser Auffassung festhielt. Bilder wie die vorliegenden schlossen das Kapitel des Caravaggismus in Rom gewissermaßen ab.

Die Qualität des Konzerts einer Klavichordspielerin verweist darauf, dass in erster Linie Mattia für die Ausführung des Werks verantwortlich war, und legt nahe, das Gemälde, auch wenn es eine gewisse Nähe zur Malweise Gregorios erkennen lässt, der ersten Gruppe unabhängiger Werke des jüngeren Bruders zuzurechnen. Die drei halbfigurigen auf der vorderen Bildebene angeordneten Personen, die fast den gesamten Bildraum füllen, bilden eine horizontal komponierte, eng verbundene Gruppe, in der ein prächtig gekleideter alter Mann von einer jungen Frau am Klavichord und einem singenden Knaben unterhalten zu werden scheint. Was auf dem Bild geschieht, ist äußerst unklar, da sich der Mann der dargebotenen Musik nicht gerade zu widmen scheint und die junge Frau sich nach rechts dreht und dem Betrachter zuwendet. Die Komposition könnte auf ein moralisches Thema Bezug nehmen, steht sie doch mit einem größeren und komplexeren Gemälde in der Galleria Doria Pamphilij in Rom in Zusammenhang. Die drei Figuren finden sich auch auf dem späteren Bild, wo sie in eine neue Erzählung eingebunden erscheinen. Die Nähe von Mann und Frau ist die gleiche, aber der Knabe ist im größeren Bild weiter rechts positioniert und wird von einem weiteren Sänger begleitet.

Eine lavierte Rötelzeichnung für ein Konzert, die sich im Cabinet des Dessins des Musée du Louvre in Paris erhalten hat, verweist auf eine weitere, kompakte Fassung des Doria-Pamphilij-Konzerts. Die Zeichnung zeigt allerdings eine breit angelegte fünffigurige Gruppe; das entsprechende Gemälde kennen wir, sofern es überhaupt jemals ausgeführt wurde, nicht.

Man hat die Ansicht vertreten, dass das Konzert eines Geigenspielers ein Werk Mattia Pretis ist, welches dieser mithilfe seines Bruders ausführte. Sciberras zufolge sind jedoch Zuschreibungen, an welchen der beiden Brüder auch immer, aufgrund der Nähe ihrer Arbeiten wie etwa der Würfelspieler im Nationalmuseum in Krakau in der betreffenden Zeit fragwürdig.

Das vorliegende Konzert eines Geigenspielers findet an einem dunklen Ort statt, der von einem von links kommenden Licht stark beleuchtet wird. Ein Knabe spielt Geige, während eine junge Frau auf der anderen Seite der Komposition die Noten hält. Ein älterer Mann mit Bart, der einen Turban trägt und in der Mitte zwischen den beiden Figuren platziert ist, wendet sich gestikulierend der Frau zu und hält in der rechten Hand ein zusammengerolltes Blatt Papier ‒ vermutlich ein Notenblatt ‒ hoch. Der Geigenspieler ist gut gekleidet; über einem weißen Hemd mit Halskrause trägt er ein Wams mit einem massiv wirkenden gewellten braunen Kragen. Der Stil der Kleidung der weiblichen Figur ist für die Zeit ebenso charakteristisch wie ihre Haartracht.

Beide Kompositionen lassen ein Interesse an der Darstellung der natürlichen Welt und realen, deutlich mit Licht und Schatten modellierten Figuren erkennen. Gemälde wie Das Damespiel im Ashmolean Museum in Oxford oder die Concertino-Bilder im Palazzo Comunale in Alba, dem Museo Thyssen-Bornemisza in Madrid, der Eremitage in St. Petersburg oder der Fondazione Longhi in Florenz und das bereits erwähnte monumentale Konzert in der Galleria Dorija Pamphilij zeigen sich einer Typologie verpflichtet, die als Manfrediana Methodus bekannt wurde und sich unschwer in ähnliche Sujets darstellenden Bildern von Bartolomeo Manfredi und Valentin de Boulogne wiederfinden lässt.

22.10.2019 - 17:00

Erzielter Preis: **
EUR 271.700,-
Schätzwert:
EUR 250.000,- bis EUR 300.000,-

Mattia Preti und Gregorio Preti (2)


(Taverna 1613–1699 Valetta)
(Taverna 1603–1672 Rom)
Konzert einer Klavichordspielerin; und
Konzert eines Geigenspielers,
Öl auf Leinwand, je 95 x 131,5 cm, gerahmt, Pendants

Provenienz:
Privatsammlung, Italien

Ausgestellt (Konzert einer Klavichordspielerin):
San Secondo di Pinerolo, Castello di Miradolo, Caravaggio e il suo tempo, 21. November 2015 – 10. April 2016, Nr. 26 (als Mattia Preti);
Rom, Galleria Nazionale d’Arte Antica in Palazzo Corsini, Mattia Preti. Un giovane nella Roma dopo Caravaggio, 28. Oktober 2015 – 18. Januar 2016 (als Mattia Preti)

Literatur (Konzert einer Klavichordspielerin):
G. Leone, in: V. Sgarbi (Hg.), Caravaggio e il suo tempo, Ausstellungskatalog, San Secondo di Pinerolo 2015, S. 124–127, Nr. 26 (als Mattia Preti);
G. Leone (Hg), Mattia Preti. Un giovane nella Roma dopo Caravaggio, Ausstellungskatalog, Soveria Mannelli 2015, S. 135, Nr. 60, Abb. S. 144 (als Mattia Preti);
Y. Primarosa, in: Il trionfo dei sensi. Nuova luce su Mattia e Gregorio Preti, Ausstellungskatalog, hg. von Y. Primarosa, Rom 2019, Erwähnung auf S. 22, S. 23, Abb. 17 (vermutlich Mattia Preti und Werkstatt oder ein Gemeinschaftswerk mit Gregorio Preti).

Das vorliegende Gemäldepaar zählt zu den frühesten von Mattia Preti in Rom ausgeführten Werken und stammt aus den frühen 1630er-Jahren, in denen er sehr eng mit seinem Bruder Gregorio Preti zusammenarbeitete. Obgleich uns keine zeitgenössischen Dokumente zu den vorliegenden Gemälden bekannt sind, legen deren Größe und Art nahe, dass sie gemeinsam als quadri di galleria in Auftrag gegeben wurden. Kompositionen dieses Typs fanden bei privaten Auftraggebern in Rom Gefallen, die im Helldunkel angesiedelte caravaggeske Szenen in Tavernen, concertini und (manchmal in Bilder religiöser Thematik eingebettete) Darstellungen von sich dem Spiel widmenden Personen sammelten. Beide Werke sind wichtige Beispiele für das Schaffen Mattia Pretis, und das nicht zuletzt wegen des Bezugs von Konzert einer Klavichordspielerin zu dem eindrucksvollsten seiner frühen Bilder, dem monumentalen Gemälde Konzert (oder Musikstunde) in der Galleria Doria Pamphilij in Rom (Maße: 245 x 410 cm).

Das Konzert eines Geigenspielers ist bislang nicht publiziert: Das Konzert einer Klavichordspielerin wurde erstmals von Giorgio Leone veröffentlicht (siehe Literatur), der das Werk mit etwa 1638/39 datiert, wohingegen Keith Sciberras mit 1630‒1635 eine etwas frühere Entstehungszeit annimmt.

Das Datum der Ankunft Mattia Pretis in Rom ist nicht ganz gesichert. Der erste Hinweis auf seine Anwesenheit in der Stadt betrifft die Jahre 1633‒1636. In Rom hätte sich der junge Künstler von verschiedensten Quellen anregen lassen können, entwickelte sich jedoch im Wesentlichen in Richtung eines caravaggesken „Naturalismus“. Er wurde von den in den 1620er-Jahren in Rom tätigen Caravaggisten beeinflusst. Dieser Einfluss wurde auch über seinen Bruder Gregorio wirksam, der in caravaggesker Manier malte. Die Brüder Preti bewunderten die frühen Werke von Jusepe de Ribera, Bartolomeo Manfredi und Valentin de Boulogne. Mattia war einer der jüngsten von diesem Malstil beeinflussten Künstler, und seine Generation war die letzte, die stark an dieser Auffassung festhielt. Bilder wie die vorliegenden schlossen das Kapitel des Caravaggismus in Rom gewissermaßen ab.

Die Qualität des Konzerts einer Klavichordspielerin verweist darauf, dass in erster Linie Mattia für die Ausführung des Werks verantwortlich war, und legt nahe, das Gemälde, auch wenn es eine gewisse Nähe zur Malweise Gregorios erkennen lässt, der ersten Gruppe unabhängiger Werke des jüngeren Bruders zuzurechnen. Die drei halbfigurigen auf der vorderen Bildebene angeordneten Personen, die fast den gesamten Bildraum füllen, bilden eine horizontal komponierte, eng verbundene Gruppe, in der ein prächtig gekleideter alter Mann von einer jungen Frau am Klavichord und einem singenden Knaben unterhalten zu werden scheint. Was auf dem Bild geschieht, ist äußerst unklar, da sich der Mann der dargebotenen Musik nicht gerade zu widmen scheint und die junge Frau sich nach rechts dreht und dem Betrachter zuwendet. Die Komposition könnte auf ein moralisches Thema Bezug nehmen, steht sie doch mit einem größeren und komplexeren Gemälde in der Galleria Doria Pamphilij in Rom in Zusammenhang. Die drei Figuren finden sich auch auf dem späteren Bild, wo sie in eine neue Erzählung eingebunden erscheinen. Die Nähe von Mann und Frau ist die gleiche, aber der Knabe ist im größeren Bild weiter rechts positioniert und wird von einem weiteren Sänger begleitet.

Eine lavierte Rötelzeichnung für ein Konzert, die sich im Cabinet des Dessins des Musée du Louvre in Paris erhalten hat, verweist auf eine weitere, kompakte Fassung des Doria-Pamphilij-Konzerts. Die Zeichnung zeigt allerdings eine breit angelegte fünffigurige Gruppe; das entsprechende Gemälde kennen wir, sofern es überhaupt jemals ausgeführt wurde, nicht.

Man hat die Ansicht vertreten, dass das Konzert eines Geigenspielers ein Werk Mattia Pretis ist, welches dieser mithilfe seines Bruders ausführte. Sciberras zufolge sind jedoch Zuschreibungen, an welchen der beiden Brüder auch immer, aufgrund der Nähe ihrer Arbeiten wie etwa der Würfelspieler im Nationalmuseum in Krakau in der betreffenden Zeit fragwürdig.

Das vorliegende Konzert eines Geigenspielers findet an einem dunklen Ort statt, der von einem von links kommenden Licht stark beleuchtet wird. Ein Knabe spielt Geige, während eine junge Frau auf der anderen Seite der Komposition die Noten hält. Ein älterer Mann mit Bart, der einen Turban trägt und in der Mitte zwischen den beiden Figuren platziert ist, wendet sich gestikulierend der Frau zu und hält in der rechten Hand ein zusammengerolltes Blatt Papier ‒ vermutlich ein Notenblatt ‒ hoch. Der Geigenspieler ist gut gekleidet; über einem weißen Hemd mit Halskrause trägt er ein Wams mit einem massiv wirkenden gewellten braunen Kragen. Der Stil der Kleidung der weiblichen Figur ist für die Zeit ebenso charakteristisch wie ihre Haartracht.

Beide Kompositionen lassen ein Interesse an der Darstellung der natürlichen Welt und realen, deutlich mit Licht und Schatten modellierten Figuren erkennen. Gemälde wie Das Damespiel im Ashmolean Museum in Oxford oder die Concertino-Bilder im Palazzo Comunale in Alba, dem Museo Thyssen-Bornemisza in Madrid, der Eremitage in St. Petersburg oder der Fondazione Longhi in Florenz und das bereits erwähnte monumentale Konzert in der Galleria Dorija Pamphilij zeigen sich einer Typologie verpflichtet, die als Manfrediana Methodus bekannt wurde und sich unschwer in ähnliche Sujets darstellenden Bildern von Bartolomeo Manfredi und Valentin de Boulogne wiederfinden lässt.


Käufer Hotline Mo.-Fr.: 09.00 - 18.00
old.masters@dorotheum.at

+43 1 515 60 403
Auktion: Alte Meister I
Datum: 22.10.2019 - 17:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 12.10. - 22.10.2019


** Kaufpreis inkl. Käufergebühr und Mehrwertsteuer

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