Lot Nr. 84 -


Jacob Jordaens


(Antwerpen 1593–1678)
Die Gemahlin von König Kandaules,
Öl auf Leinwand, 66,5 x 54 cm, gerahmt

Provenienz:
möglicherweise Coenraad Baron Droste;
dessen Auktion, Den Haag, 21. Juli 1734, Lot 4;
vermutlich durch den vorhergehenden Besitzer erworben bei einer Auktion in Kalifornien, USA;
Auktion, Sotheby’s, London, 5. Juli 2017, Lot 51;
dort erworben vom jetzigen Besitzer

Das vorliegende Gemälde von Jacob Jordaens fängt jenen Moment ein, in dem die Königin von Lydien nur mit einem Spitzenhäubchen und einer Perlenkette bekleidet in ihr Bett steigt. Mit der Geschichte vertraute Betrachter wissen, dass sie insgeheim von ihrem Mann und einer seiner Wachen beobachtet wird. Bei dem Gemälde handelt es sich um ein modello für eine größere Komposition (welche die beiden Figuren miteinschließt) mit dem Titel Gyges und die Frau von König Kandaules im Nationalmuseum, Stockholm (siehe Abb. 1) .

Im Antwerpen der Gegenreformation zog man die Begebenheit um König Kandaules als moralische Unterweisung heran. Herodots Historien entnommen, diente sie als Beispiel für die Unantastbarkeit des ehelichen Schlafgemachs und das Schicksal jener, die damit brachen. Laut Herodot entschied sich Kandaules dafür, die Königin seinem liebsten Wachposten Gyges vorzuführen und sie damit zu entehren. Kandaules bestand darauf, dass sich Gyges hinter einem Vorhang versteckte. Er und sein Diener sind auf dem Stockholmer Bild rechts zu erkennen, wie sie die entkleidete Königin anstarren.

Herodot berichtet, dass die Königin Gyges beim Verlassen ihres Schlafgemachs erblickte und ihn später damit konfrontierte. Sie ließ ihn wählen zwischen der eigenen Hinrichtung oder der Ermordung ihres Mannes und der Regentschaft als Gemahl an ihrer Seite. Gyges willigte ein, den treuelosen Kandaules zu töten. Wie das vorliegende modello zeigt, nähert sich Jordaens dem Thema auf eine ganz neue Art und Weise: Die Königin blickt uns mit einem verschwörerischen Lächeln aus dem Bild entgegen, sich ihrer historischen und sinnlichen Macht offenbar bewusst.

Jordaens war wie Peter Paul Rubens ein Schüler des Antwerpener Malers Adam van Noort. Er arbeitete mit Rubens 1634 bei den Dekorationen des feierlichen Einzugs des Kardinalinfanten Ferdinand und 1637/1638 am Gemäldezyklus für die Ausstattung der Torre de la Parada in Madrid zusammen. Das vorliegende Gemälde entstand auf dem Höhepunkt von Jordaens’ Schaffenskraft, als er nach dem Tod Rubens’ und van Dycks 1640 bzw. 1641 zum wichtigsten Maler des südniederländischen Barocks wurde.

Bei dem vorliegenden Gemälde handelt es sich wahrscheinlich um dasselbe Bild, das als Werk Jordaens’ mit identischen Maßen (23 duim x 19 duim) bei der Versteigerung der Sammlung Baron Drostes in Den Haag 1734 als Darstellung der Königin Tomyris geführt wurde.

Experte: Damian Brenninkmeyer Damian Brenninkmeyer
+43 1 515 60 403

damian.brenninkmeyer@dorotheum.at

22.10.2019 - 17:00

Erzielter Preis: **
EUR 75.385,-
Schätzwert:
EUR 60.000,- bis EUR 80.000,-

Jacob Jordaens


(Antwerpen 1593–1678)
Die Gemahlin von König Kandaules,
Öl auf Leinwand, 66,5 x 54 cm, gerahmt

Provenienz:
möglicherweise Coenraad Baron Droste;
dessen Auktion, Den Haag, 21. Juli 1734, Lot 4;
vermutlich durch den vorhergehenden Besitzer erworben bei einer Auktion in Kalifornien, USA;
Auktion, Sotheby’s, London, 5. Juli 2017, Lot 51;
dort erworben vom jetzigen Besitzer

Das vorliegende Gemälde von Jacob Jordaens fängt jenen Moment ein, in dem die Königin von Lydien nur mit einem Spitzenhäubchen und einer Perlenkette bekleidet in ihr Bett steigt. Mit der Geschichte vertraute Betrachter wissen, dass sie insgeheim von ihrem Mann und einer seiner Wachen beobachtet wird. Bei dem Gemälde handelt es sich um ein modello für eine größere Komposition (welche die beiden Figuren miteinschließt) mit dem Titel Gyges und die Frau von König Kandaules im Nationalmuseum, Stockholm (siehe Abb. 1) .

Im Antwerpen der Gegenreformation zog man die Begebenheit um König Kandaules als moralische Unterweisung heran. Herodots Historien entnommen, diente sie als Beispiel für die Unantastbarkeit des ehelichen Schlafgemachs und das Schicksal jener, die damit brachen. Laut Herodot entschied sich Kandaules dafür, die Königin seinem liebsten Wachposten Gyges vorzuführen und sie damit zu entehren. Kandaules bestand darauf, dass sich Gyges hinter einem Vorhang versteckte. Er und sein Diener sind auf dem Stockholmer Bild rechts zu erkennen, wie sie die entkleidete Königin anstarren.

Herodot berichtet, dass die Königin Gyges beim Verlassen ihres Schlafgemachs erblickte und ihn später damit konfrontierte. Sie ließ ihn wählen zwischen der eigenen Hinrichtung oder der Ermordung ihres Mannes und der Regentschaft als Gemahl an ihrer Seite. Gyges willigte ein, den treuelosen Kandaules zu töten. Wie das vorliegende modello zeigt, nähert sich Jordaens dem Thema auf eine ganz neue Art und Weise: Die Königin blickt uns mit einem verschwörerischen Lächeln aus dem Bild entgegen, sich ihrer historischen und sinnlichen Macht offenbar bewusst.

Jordaens war wie Peter Paul Rubens ein Schüler des Antwerpener Malers Adam van Noort. Er arbeitete mit Rubens 1634 bei den Dekorationen des feierlichen Einzugs des Kardinalinfanten Ferdinand und 1637/1638 am Gemäldezyklus für die Ausstattung der Torre de la Parada in Madrid zusammen. Das vorliegende Gemälde entstand auf dem Höhepunkt von Jordaens’ Schaffenskraft, als er nach dem Tod Rubens’ und van Dycks 1640 bzw. 1641 zum wichtigsten Maler des südniederländischen Barocks wurde.

Bei dem vorliegenden Gemälde handelt es sich wahrscheinlich um dasselbe Bild, das als Werk Jordaens’ mit identischen Maßen (23 duim x 19 duim) bei der Versteigerung der Sammlung Baron Drostes in Den Haag 1734 als Darstellung der Königin Tomyris geführt wurde.

Experte: Damian Brenninkmeyer Damian Brenninkmeyer
+43 1 515 60 403

damian.brenninkmeyer@dorotheum.at


Käufer Hotline Mo.-Fr.: 09.00 - 18.00
old.masters@dorotheum.at

+43 1 515 60 403
Auktion: Alte Meister I
Datum: 22.10.2019 - 17:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 12.10. - 22.10.2019


** Kaufpreis inkl. Käufergebühr und Mehrwertsteuer

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