Lot Nr. 102 -


Giovanni Battista Langetti


(Genua 1635–1676 Venedig)
Josef als Traumdeuter,
Öl auf Leinwand, 146 x 198,5 cm, gerahmt

Wir danken Anna Orlando, die die Zuschreibung bestätigt hat, für ihre Hilfe bei der Katalogisierung des vorliegenden Gemäldes.

Langettis Malweise, die sich im Lauf seines nur wenige Jahre umfassenden Schaffens nicht verändert hat, zeichnet sich durch dichte, ungewöhnlich schnell gesetzte Pinselstriche und eine Vorliebe für dunkle Töne aus. Seine Kompositionen räumen Akten eine zentrale Rolle ein und widmen sich der Intensität von Ausdruck und Gestik. Die häufige Entscheidung, den Rumpf der Figur diagonal ins Bild zu setzen, fordert den Betrachter heraus, seinen Blick über die Bildebene hinaus zu richten, was den Darstellungen Lebendigkeit und Dynamik verleiht.

Das vorliegende, äußerst qualitätsvolle und malerisches Selbstvertrauen ausstrahlende Bild ist bislang nicht publiziert worden. Orlando rechnet es den schönsten Werken des Meisters zu.

Dem der Bibel entstammenden Thema (Genesis 40, 18–19) hat sich Langetti verschiedentlich und in unterschiedlichen Formaten ‒ sowohl im Quer- als auch im Hochformat ‒ gewidmet. Er war ein Maler, der häufig zu Motiven zurückkehrte, mit denen er sich bereits auseinandergesetzt hatte. Der Grund dafür waren wahrscheinlich Aufträge von Förderern, die den Erfolg widerspiegeln, den er im Lauf seiner künstlerischen Tätigkeit genoss.

Auf weitere Versionen des Themas aus des Künstlers Hand trifft man in öffentlichen wie privaten Sammlungen, so etwa in der Bob Jones University in Greenville, South Carolina (132 x 166 cm), im Szépművészeti Múzeum in Budapest (135 x 111 cm), in der Collezione Borromeo, Isola Bella, Lago Maggiore (76 x 100 cm), in der Schönborn-Wiesentheid Gallery in Pommersfelden (130 x 105 cm, oval), im Palazzo Durazzo Pallavicini in Genua (109 x 99 cm) oder im Brukenthal Museum in Sibiu, Rumänien (109 x 125 cm). Eine weitere Fassung befand sich früher im Besitz der Galleria Lampronti in Rom (136 x 180 cm) (siehe Stefani Mantovanelli 2011, Kat.-Nr. 62, 63, 64, 113, 117, 119, 120, 157). Orlando zufolge ist es von Bedeutung, dass das vorliegende Gemälde größer ist als alle genannten, da dies seine herausragende Stellung bestätigt, die durch die außergewöhnliche Qualität des Werks unterstrichen wird.

Die elegante und durchkomponierte Anordnung der Figuren des vorliegenden Werks offenbart Langettis Qualitäten als Maler. Der üppige Farbauftrag ist ebenso bemerkenswert wie der Reichtum der Töne. Die Figur des Josef vermittelt einen klassizistischen Eindruck, ist sie doch so gestaltet, dass ihre skulptural angelegte Form in den Vordergrund tritt. Die ‒ von der Stellung der Beine abgesehen ‒ gleiche Haltung findet sich in Langettis Samson im Musée des Beaux-Arts in Nîmes. Josef als Traumdeuter zeigt eine „harmonische und runde Modellierung der Gliedmaßen“ sowie „den nackten Körper hervorhebende Glanzlichter“, wie sie Stefani Mantovanelli für den Samson beschreibt, was an der Bewunderung des Künstlers für das Werk Gian Lorenzo Berninis keinen Zweifel lässt (Stefani Mantovanelli 2011, S. 159f.).

Orlando schlägt eine Datierung des Werks in die 1650er- oder frühen 1660er-Jahre vor.

22.10.2019 - 17:00

Erzielter Preis: **
EUR 43.978,-
Schätzwert:
EUR 30.000,- bis EUR 40.000,-

Giovanni Battista Langetti


(Genua 1635–1676 Venedig)
Josef als Traumdeuter,
Öl auf Leinwand, 146 x 198,5 cm, gerahmt

Wir danken Anna Orlando, die die Zuschreibung bestätigt hat, für ihre Hilfe bei der Katalogisierung des vorliegenden Gemäldes.

Langettis Malweise, die sich im Lauf seines nur wenige Jahre umfassenden Schaffens nicht verändert hat, zeichnet sich durch dichte, ungewöhnlich schnell gesetzte Pinselstriche und eine Vorliebe für dunkle Töne aus. Seine Kompositionen räumen Akten eine zentrale Rolle ein und widmen sich der Intensität von Ausdruck und Gestik. Die häufige Entscheidung, den Rumpf der Figur diagonal ins Bild zu setzen, fordert den Betrachter heraus, seinen Blick über die Bildebene hinaus zu richten, was den Darstellungen Lebendigkeit und Dynamik verleiht.

Das vorliegende, äußerst qualitätsvolle und malerisches Selbstvertrauen ausstrahlende Bild ist bislang nicht publiziert worden. Orlando rechnet es den schönsten Werken des Meisters zu.

Dem der Bibel entstammenden Thema (Genesis 40, 18–19) hat sich Langetti verschiedentlich und in unterschiedlichen Formaten ‒ sowohl im Quer- als auch im Hochformat ‒ gewidmet. Er war ein Maler, der häufig zu Motiven zurückkehrte, mit denen er sich bereits auseinandergesetzt hatte. Der Grund dafür waren wahrscheinlich Aufträge von Förderern, die den Erfolg widerspiegeln, den er im Lauf seiner künstlerischen Tätigkeit genoss.

Auf weitere Versionen des Themas aus des Künstlers Hand trifft man in öffentlichen wie privaten Sammlungen, so etwa in der Bob Jones University in Greenville, South Carolina (132 x 166 cm), im Szépművészeti Múzeum in Budapest (135 x 111 cm), in der Collezione Borromeo, Isola Bella, Lago Maggiore (76 x 100 cm), in der Schönborn-Wiesentheid Gallery in Pommersfelden (130 x 105 cm, oval), im Palazzo Durazzo Pallavicini in Genua (109 x 99 cm) oder im Brukenthal Museum in Sibiu, Rumänien (109 x 125 cm). Eine weitere Fassung befand sich früher im Besitz der Galleria Lampronti in Rom (136 x 180 cm) (siehe Stefani Mantovanelli 2011, Kat.-Nr. 62, 63, 64, 113, 117, 119, 120, 157). Orlando zufolge ist es von Bedeutung, dass das vorliegende Gemälde größer ist als alle genannten, da dies seine herausragende Stellung bestätigt, die durch die außergewöhnliche Qualität des Werks unterstrichen wird.

Die elegante und durchkomponierte Anordnung der Figuren des vorliegenden Werks offenbart Langettis Qualitäten als Maler. Der üppige Farbauftrag ist ebenso bemerkenswert wie der Reichtum der Töne. Die Figur des Josef vermittelt einen klassizistischen Eindruck, ist sie doch so gestaltet, dass ihre skulptural angelegte Form in den Vordergrund tritt. Die ‒ von der Stellung der Beine abgesehen ‒ gleiche Haltung findet sich in Langettis Samson im Musée des Beaux-Arts in Nîmes. Josef als Traumdeuter zeigt eine „harmonische und runde Modellierung der Gliedmaßen“ sowie „den nackten Körper hervorhebende Glanzlichter“, wie sie Stefani Mantovanelli für den Samson beschreibt, was an der Bewunderung des Künstlers für das Werk Gian Lorenzo Berninis keinen Zweifel lässt (Stefani Mantovanelli 2011, S. 159f.).

Orlando schlägt eine Datierung des Werks in die 1650er- oder frühen 1660er-Jahre vor.


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old.masters@dorotheum.at

+43 1 515 60 403
Auktion: Alte Meister I
Datum: 22.10.2019 - 17:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 12.10. - 22.10.2019


** Kaufpreis inkl. Käufergebühr und Mehrwertsteuer

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