Lot Nr. 103 -


Abraham Brueghel und Francesco Solimena


(Antwerpen 1631–1697 Neapel)
(Canale di Serino 1657–1747 Barra)
Junge Frau, eine Blume aus einer Vase ziehend,
Öl auf Leinwand, 99 x 94,5 cm, gerahmt

Provenienz:
Kunsthandel, London;
Kunsthandel, Paris;
dort erworben durch den jetzigen Besitzer

Literatur:
N. Spinosa, Francesco Solimena (1657–1747) e le arti a Napoli, Rom 2018, Bd. I, S. 574, Nr. 302

Wir danken Nicola Spinosa, der die Zuschreibung des vorliegenden Gemäldes nach Prüfung des Originals bestätigt hat.

Ebenso danken wir Alberto Cottino, der die Zuschreibung des vorliegenden Gemäldes auf Grundlage einer hochaufgelösten Digitalfotografie bestätigt hat. Er wird das Werk in seine in Vorbereitung befindliche Abraham Brueghel gewidmete Monografie aufnehmen.

Zudem danken wir Klaus Ertz, der die Zuschreibung des vorliegenden Gemäldes nach dessen Untersuchung im Original unabhängig von den beiden anderen Gutachtern bestätigt hat (schriftliche Mitteilung).

Das Bild zeigt eine junge Frau, die ihren Blick auf einen Punkt außerhalb der Bildebene gerichtet hat. Sie nimmt Blumen aus einer Terrakottavase, die auf einem Steinsockel steht, und legt sie in einen geflochtenen Korb. Möglicherweise spielt das Gemälde auf die Blüte der Jugend, ein für den Barock typisches Thema, an, das damals in Europa weit verbreitet war und mit der von religiösen Vorstellungen getragenen Erinnerung an die Vergänglichkeit des Lebens als Ermahnung zu geziemendem Verhalten in Zusammenhang stand. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts begann dieser Topos allerdings zu verblassen.

Das Gemälde ist das Ergebnis der Zusammenarbeit zweier Künstler, wie sie im Barock bei Stillleben mit Figuren üblich war. Die in leuchtenden Farben äußerst realistisch dargestellten Blumen, darunter Tulpen, Anemonen und Chrysanthemen, stammen von Abraham Brueghel, während die junge Frau, die ‒ bereits auf das 18. Jahrhundert vorausweisend ‒ mit weichen Pinselstrichen in leuchtenden klaren Farben wiedergegeben ist, ein bemerkenswertes eigenhändiges Werk des jungen Francesco Solimena ist.

Die beiden Künstler arbeiteten Mitte der 1670er-Jahre in Neapel in mehreren Fällen zusammen. Tatsächlich lassen sich enge stilistische Parallelen zwischen dem vorliegenden Gemälde und anderen gemeinsamen Werken aus den frühen 1680er-Jahren wie etwa Junge Frau zwischen Früchten und Blumen, eine Weintraube pflückend oder Blumen, Früchte und eine junge Frau, eine Blume in eine Terrakottavase steckend erkennen, die sich beide zurzeit nicht lokalisieren lassen (see N. Spinosa 2018, S. 575, Nr. 303f.). Das gilt auch für die Figuren in einem Garten darstellenden Gemälde, die sich im Palazzo Interiano Pallavicino in Genua erhalten haben (siehe L. Trezzani, in: Il Palazzo Pallavicino e le sue raccolte, hg. von P. Boccardo, A. Orlando, Turin 2009, S. 118f.). Stilistische Vergleiche mit anderen Kompositionen Brueghels aus diesen Jahren bestätigen die Datierung des vorliegenden Gemäldes in die Zeit 1680‒1682. Die hübsche und anmutige Figur der jungen Frau, der eigentlichen Protagonistin der Komposition, weist die gleichen Formfindungen und farblichen Lösungen wie die gefeierten Bilder auf, die Francesco Solimena bald nach 1680 und fast gleichzeitig wie die Fresken im Chor der Kirche Santa Maria Donnaregina Nuova in Neapel schuf.

Mit der Komposition des vorliegenden Gemäldes greift Brueghel auf Lösungen von in Rom entstandenen Werken zurück, die junge Frauen, Früchte und Blumen darstellen und die er gemeinsam mit so wichtigen Figurenmalern wie Carlo Maratta, Giacinto Brandi und vor allem dem Il Borgognone genannten Guillaume Courtois schuf. Abraham Brueghel wurde in Antwerpen als Sohn von Jan Brueghel dem Jüngeren geboren und entstammte der gefeierten Familie flämischer Maler. In den späten 1640er-Jahren ging er nach Italien, wo er als in Sizilien tätig belegt ist. Später ließ er sich dann in Rom nieder, wo er sich ab 1659 nachweisen lässt. 1670 wurde er zum Mitglied der angesehenen Accademia di San Luca gewählt. In den frühen 1670er-Jahren ließ er sich dauerhaft in Neapel nieder und begründete dort die Stilllebenmalerei als eigenes Genre üppigen und theatralischen Gepräges. Was die in manche seiner Bilder eingesetzten Figuren betrifft, arbeitete er hier mit verschiedenen lokalen Künstlern wie Paolo De Matteis, Nicola Vaccaro und dem jungen Francesco Solimena zusammen. Nachdem er anfangs bei seinem Vater Angelo gelernt hatte, ging Solimena 1674 von Nocera nach Neapel, um seine Ausbildung abzuschließen. Solimena setzte sich noch in jungen Jahren als unabhängiger Künstler durch, und das sowohl als Freskenmaler wie auch mit Leinwandgemälden, figurativen Kompositionen religiösen wie weltlichen Inhalts. Er lieferte nicht nur wie im vorliegenden Fall Figuren für Stilllebenmaler, mit denen er zusammenarbeitete, sondern schuf auch selbst mehrere eigene Stillleben.

22.10.2019 - 17:00

Erzielter Preis: **
EUR 61.730,-
Schätzwert:
EUR 40.000,- bis EUR 60.000,-

Abraham Brueghel und Francesco Solimena


(Antwerpen 1631–1697 Neapel)
(Canale di Serino 1657–1747 Barra)
Junge Frau, eine Blume aus einer Vase ziehend,
Öl auf Leinwand, 99 x 94,5 cm, gerahmt

Provenienz:
Kunsthandel, London;
Kunsthandel, Paris;
dort erworben durch den jetzigen Besitzer

Literatur:
N. Spinosa, Francesco Solimena (1657–1747) e le arti a Napoli, Rom 2018, Bd. I, S. 574, Nr. 302

Wir danken Nicola Spinosa, der die Zuschreibung des vorliegenden Gemäldes nach Prüfung des Originals bestätigt hat.

Ebenso danken wir Alberto Cottino, der die Zuschreibung des vorliegenden Gemäldes auf Grundlage einer hochaufgelösten Digitalfotografie bestätigt hat. Er wird das Werk in seine in Vorbereitung befindliche Abraham Brueghel gewidmete Monografie aufnehmen.

Zudem danken wir Klaus Ertz, der die Zuschreibung des vorliegenden Gemäldes nach dessen Untersuchung im Original unabhängig von den beiden anderen Gutachtern bestätigt hat (schriftliche Mitteilung).

Das Bild zeigt eine junge Frau, die ihren Blick auf einen Punkt außerhalb der Bildebene gerichtet hat. Sie nimmt Blumen aus einer Terrakottavase, die auf einem Steinsockel steht, und legt sie in einen geflochtenen Korb. Möglicherweise spielt das Gemälde auf die Blüte der Jugend, ein für den Barock typisches Thema, an, das damals in Europa weit verbreitet war und mit der von religiösen Vorstellungen getragenen Erinnerung an die Vergänglichkeit des Lebens als Ermahnung zu geziemendem Verhalten in Zusammenhang stand. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts begann dieser Topos allerdings zu verblassen.

Das Gemälde ist das Ergebnis der Zusammenarbeit zweier Künstler, wie sie im Barock bei Stillleben mit Figuren üblich war. Die in leuchtenden Farben äußerst realistisch dargestellten Blumen, darunter Tulpen, Anemonen und Chrysanthemen, stammen von Abraham Brueghel, während die junge Frau, die ‒ bereits auf das 18. Jahrhundert vorausweisend ‒ mit weichen Pinselstrichen in leuchtenden klaren Farben wiedergegeben ist, ein bemerkenswertes eigenhändiges Werk des jungen Francesco Solimena ist.

Die beiden Künstler arbeiteten Mitte der 1670er-Jahre in Neapel in mehreren Fällen zusammen. Tatsächlich lassen sich enge stilistische Parallelen zwischen dem vorliegenden Gemälde und anderen gemeinsamen Werken aus den frühen 1680er-Jahren wie etwa Junge Frau zwischen Früchten und Blumen, eine Weintraube pflückend oder Blumen, Früchte und eine junge Frau, eine Blume in eine Terrakottavase steckend erkennen, die sich beide zurzeit nicht lokalisieren lassen (see N. Spinosa 2018, S. 575, Nr. 303f.). Das gilt auch für die Figuren in einem Garten darstellenden Gemälde, die sich im Palazzo Interiano Pallavicino in Genua erhalten haben (siehe L. Trezzani, in: Il Palazzo Pallavicino e le sue raccolte, hg. von P. Boccardo, A. Orlando, Turin 2009, S. 118f.). Stilistische Vergleiche mit anderen Kompositionen Brueghels aus diesen Jahren bestätigen die Datierung des vorliegenden Gemäldes in die Zeit 1680‒1682. Die hübsche und anmutige Figur der jungen Frau, der eigentlichen Protagonistin der Komposition, weist die gleichen Formfindungen und farblichen Lösungen wie die gefeierten Bilder auf, die Francesco Solimena bald nach 1680 und fast gleichzeitig wie die Fresken im Chor der Kirche Santa Maria Donnaregina Nuova in Neapel schuf.

Mit der Komposition des vorliegenden Gemäldes greift Brueghel auf Lösungen von in Rom entstandenen Werken zurück, die junge Frauen, Früchte und Blumen darstellen und die er gemeinsam mit so wichtigen Figurenmalern wie Carlo Maratta, Giacinto Brandi und vor allem dem Il Borgognone genannten Guillaume Courtois schuf. Abraham Brueghel wurde in Antwerpen als Sohn von Jan Brueghel dem Jüngeren geboren und entstammte der gefeierten Familie flämischer Maler. In den späten 1640er-Jahren ging er nach Italien, wo er als in Sizilien tätig belegt ist. Später ließ er sich dann in Rom nieder, wo er sich ab 1659 nachweisen lässt. 1670 wurde er zum Mitglied der angesehenen Accademia di San Luca gewählt. In den frühen 1670er-Jahren ließ er sich dauerhaft in Neapel nieder und begründete dort die Stilllebenmalerei als eigenes Genre üppigen und theatralischen Gepräges. Was die in manche seiner Bilder eingesetzten Figuren betrifft, arbeitete er hier mit verschiedenen lokalen Künstlern wie Paolo De Matteis, Nicola Vaccaro und dem jungen Francesco Solimena zusammen. Nachdem er anfangs bei seinem Vater Angelo gelernt hatte, ging Solimena 1674 von Nocera nach Neapel, um seine Ausbildung abzuschließen. Solimena setzte sich noch in jungen Jahren als unabhängiger Künstler durch, und das sowohl als Freskenmaler wie auch mit Leinwandgemälden, figurativen Kompositionen religiösen wie weltlichen Inhalts. Er lieferte nicht nur wie im vorliegenden Fall Figuren für Stilllebenmaler, mit denen er zusammenarbeitete, sondern schuf auch selbst mehrere eigene Stillleben.


Käufer Hotline Mo.-Fr.: 09.00 - 18.00
old.masters@dorotheum.at

+43 1 515 60 403
Auktion: Alte Meister I
Datum: 22.10.2019 - 17:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 12.10. - 22.10.2019


** Kaufpreis inkl. Käufergebühr und Mehrwertsteuer

Es können keine Kaufaufträge über Internet mehr abgegeben werden. Die Auktion befindet sich in Vorbereitung bzw. wurde bereits durchgeführt.