Lot Nr. 107 -


Giacomo Ceruti


(Mailand 1698–1767)
Soldaten beim Kartenspiel,
Öl auf Leinwand, 196 x 143 cm, gerahmt

Provenienz:
Sammlung Steffanoni, Bergamo, frühes 19. Jahrhundert;
Sammlung Suardo, Rom, 1953;
Galleria Sestieri, Rom, 1968;
Kunsthandel Algranti, Mailand, 1969;
Privatsammlung, Schweiz

Ausgestellt:
Mailand, Palazzo Reale and Museo del Duomo, Settecento Lombardo, 1. Februar – 28. April 1991, S. 139f., Kat.-Nr. I.105, Abb. S. 141 (als Giacomo Ceruti);
Mailand, Robilant + Voena, Giacomo Ceruti 1698–1767. Popolo e Nobiltà alla vigilia dell’età dei Lumi, 30. Oktober – 13. Dezember 2013, S. 44–46, Kat.-Nr. 9 (als Giacomo Ceruti)

Literatur:
R. Cipriani, R. Longhi, G. Testori (Hg.), I pittori della realtà in Lombardia, Ausstellungskatalog, Mailand 1953, Erwähnung unter Kat.-Nr. 121, S. 67 (als Giacomo Ceruti);
R. Bassi-Rathgeb, Un ritratto aulico del Pitocchetto, in: Bollettino del Museo Civico di Padova, 1965, Nr. 54, S. 117 (als Giacomo Ceruti);
M. Gregori, Giacomo Ceruti, Cinisello Balsamo 1982, S. 431 Kat.-Nr. 45 (als Giacomo Ceruti);
F. Noris, Bartolomeo Nazari, in: I Pittori Bergamaschi dal XIII al XIX secolo. Il Settecento, Bergamo 1982, Bd. I, S. 237, Kat.-Nr. 53, Abb. S. 245 (als Bartolomeo Nazari);
M. Bona Castellotti, La pittura lombarda del Settecento. Repertori fotografici, Mailand 1986, Taf. 169 (als Giacomo Ceruti);
F. Frangi, in: R. Bossagli, V. Terraroli (Hg.), Settecento Lombardo, Ausstellungskatalog, Mailand 1991, S. 139f., Kat.-Nr. I.105, Abb. S. 141 (als Giacomo Ceruti);
S. Zuffi, Pittura in Lombardia: dall’età Spagnola al Neoclassicismo, Mailand 2000, Abb. S. 200 (als Giacomo Ceruti);
F. Frangi, in: E. Lucchesi Ragni, R. Stradiotti (Hg.), Da Romanino e Moretto a Ceruti. Tesori ritrovati della Pinacoteca Tosio Martinengo, Ausstellungskatalog, Brescia 2005 und Conegliano 2006, S. 165, Abb. S. 164 (Erwähnung unter Kat.-Nr. 24, als Giacomo Ceruti);
E. Lucchesi Ragni, in: M. Bona Castellotti, E. Lucchesi Ragni (Hg.), Pinacoteca Tosio Matrinengo. Catalogo delle opere. Seicento e Settecento, Ausstellungskatalog, Venedig 2011, S. 145 (Erwähnung unter Kat.-Nr. 67, als Giacomo Ceruti);
F. Frangi, in: F. Frangi, A. Morandotti (Hg.), Giacomo Ceruti 1698–1767. Popolo e Nobiltà alla vigilia dell’età dei Lumi, Ausstellungskatalog, Mailand 2013, S. 44-46, Kat.-Nr. 9 (als Giacomo Ceruti)

Das vorliegende Gemälde ist in der Fototeca Zeri unter Nr. 72248 (als Giacomo Ceruti) verzeichnet.

Die vorliegende Komposition zeigt eine Gruppe bei einem Tor ausspannender Soldaten. Sie bedienen sich einer Trommel der Armee, die sie zu einem Tisch umfunktioniert haben, um Karten zu spielen ‒ vermutlich eine Partie Scopa, wie das trevisanisch-venezianische Blatt nahelegt. Diese Besonderheit und andere Details des Gemäldes mögen auf die Örtlichkeit des Schauplatzes sowie die Identität der Protagonisten dieses genreartigen Gruppenporträts verweisen. Ihre eigentümliche Aufmachung lässt darauf schließen, dass es sich um sogenannte Oltremarini oder Schiavoni handelt, um Fußsoldaten der venezianischen und ab Beginn des 18. Jahrhunderts auch der kaiserlichen Armee. Es sind Angehörige der Grenzinfanterie, die sich aus Bauern rekrutierte, die mit Geschenken oder Entschädigungen für ihren Militärdienst entlohnt wurden. Solche Soldaten wurden vor allem an der Peripherie des Territoriums verpflichtet. Sie waren ganz unterschiedlicher Herkunft, und so versammelten sich in ihren Rängen Georgier, Slawen, Dalmatiner, Kroaten, Balkanstämmige sowie Menschen aus Transsilvanien und Ungarn, die sich in der Mehrzahl durch einen freien, ungebundenen Geist auszeichneten. Da sie keine Uniformen hatten, trugen sie die für ihre unterschiedlichen Ethnien typischen Trachten, was die Verschiedenartigkeit ihrer Kleidung in der vorliegenden Komposition erklärt. Die Farben konnten ganz verschieden sein: Kroaten und Slawen zum Beispiel hatten dunkelbraune Jacken, während die Soldaten aus deutschen Landen ‒ ähnlich wie die jüngste Figur links im Bild ‒ einen hellen Mantel und einen Dreispitz trugen. Die traditionellen Hüte der Slawen waren zylindrisch oder abgeflacht, üblicherweise aus Filz oder Bären- beziehungsweise Kalbsleder gefertigt und manchmal mit schwarzen Straußenfedern oder ‒ wie in diesem Fall ‒ einer leuchtend roten Wollmütze aufgeputzt.

Die als Oltremarini bekannten Soldaten galten als widerstandsfähig und stark, hatten aber für Disziplin nicht viel übrig. Die auf dem vorliegenden Gemälde dargestellten Soldaten scheinen diese Beschreibung perfekt widerzuspiegeln: Die Kleidung, vor allem die des sich in seinen Umhang wickelnden Soldaten im Hintergrund, lässt keinen Zweifel daran, dass es kalt ist. Sie wirken erschöpft, und ihre Erscheinung fügt sich gut in das Spektrum der von Giacomo Ceruti bevorzugten Themen.

Ceruti muss in der Region von Mailand und Brescia sowie im Veneto Soldaten wie den hier dargestellten begegnet sein, und er stellte diese auch bei anderen Gelegenheiten dar; so etwa auf dem Bildnis eines Rauchers in der Galleria Nazionale d’Arte Antica im Palazzo Barberini in Rom (Inv.-Nr. 1987).

Eine weitere Soldaten beim Kartenspiel darstellende Komposition findet sich in der Pinacoteca Tosio Martinengo in Brescia (Inv.-Nr. 2383). Soldaten dieser Art kämpften im Polnischen Thronfolgekrieg (1733–1738), und Longhi hat das Gemälde in diese Zeit datiert.

Das vorliegende Gemälde verrät, dass der Künstler Werke deutscher Künstler aus dem 15. und 16. Jahrhundert kannte, deren Darstellungen von Kartenspielen mit Gilden verbunden waren. Das hier besprochene Bild steht in enger Beziehung zu einem Holzschnitt Hans Sebald Behams aus dem Jahr 1512, Auf einer Trommel Karten spielende Landsknechte oder Glücksspiel im Ashmolean Museum in Oxford (siehe M. Gregori in Literatur). Das Thema des Kartenspiels war im Bereich der Genreszenen weit verbreitet, woran nicht zuletzt Caravaggios 1594 entstandenes Gemälde Falschspieler im Kimbell Art Museum in Fort Worth erinnert.

Die lombardische Herkunft Caravaggios spielte für die Entwicklung der kulturellen und künstlerischen Aspekte der sogenannten „Pittori della realtà“ im Norditalien des 18. Jahrhunderts eine entscheidende Rolle. Auch wenn die Kunst Caravaggios in Rom und Süditalien ihre größten Erfolge feierte, sollte sie die Poesie der Künstler auch in der Lombardei für immer prägen. Die lombardischen Künstler des 18. Jahrhunderts entwickelten ihren Stil auf Grundlage der Bildsprache Caravaggios, der Arme, Bettler und Zigeuner in seine Darstellungen aufnahm. Sie schufen eine Kunst, welche die Wirklichkeit ins Bild setzt und der Natur folgt. Angehörige der untersten Schichten und ihr Alltag sind das Hauptthema des lombardischen Realismus, zu dessen wichtigsten Vertretern Antonio Cifrondi, Giacomo Cipper und Giacomo Ceruti zählen.

Giacomo Ceruti wurde in Mailand geboren, war aber vor allem in Brescia, im Veneto und in Padua tätig. Er war auch unter dem Pseudonym „Il Pitocchetto“ bekannt, ein Name, der vor allem seinen Darstellungen der unteren gesellschaftlichen Schichten geschuldet ist. Cerutis Malerei wurde in Nordeuropa und besonders in Österreich sehr geschätzt, und das nicht zuletzt aufgrund der Beziehungen, die durch Aufträge seitens Matthias Johann von der Schulenburg, des großen Sammlers und Liebhabers von Genreszenen des Malers, zustande kamen.

Technischer Bericht von Gianluca Poldi:

Infrarotaufnahmen des Werks zeigen eine interessante kompositorische Veränderung. Die kartenspielende Figur hinter der Trommel und die Figur direkt dahinter dürften vom Künstler später hinzugefügt worden sein. Ursprünglich malte Ceruti zwischen diesen beiden Figuren einen frontal positionierten Mann, der direkt aus dem Bild herausschaut. Die kleine Figur links wurde vermutlich ebenso später hinzugefügt, um den ursprünglich vorgesehenen Mann zu ersetzen. Die Verwendung von Figuren, die aus dem Bild herausschauen, wie um den Betrachter in die Darstellung einzubeziehen, war ein kompositorisches Mittel, dessen sich Ceruti häufig bediente. In diesem Fall erachtete der Künstler sein ursprüngliches Konzept, eine Figur ins Zentrum seiner Komposition zu stellen, als der Wirkung des Gemäldes nicht zuträglich – wahrscheinlich deshalb, weil sie von den Karten spielenden Figuren abgelenkt hätte. Der Soldat im Hintergrund scheint über den Zaun gemalt worden zu sein. Einige Details wie das Gewehr und der braune Ärmel des Spielers sind im Lauf der Zeit durchscheinend geworden.

Wie für Werke Cerutis typisch wurde das Gemälde mit ziemlich schnellen, mit großem Geschick gesetzten Pinselstrichen ausgeführt.

Unter dem grauen Wolkenhimmel, der mit Bleiweiß und einem schwarzen Pigment angelegt wurde, kommt ein braun-roter Grund zum Vorschein. Die mittels Reflexionsspektroskopie festgestellten Pigmente umfassen Erdfarben – Ockertöne von Gelb über Rot bis Braun –, ein leuchtendes Zinnoberrot und Indigo für die Blautöne. Mit Indigo ließ sich ein tiefer wie ein heller Ton erzielen, und man verwendete es zur Darstellung von blauen Kleidern, die ja tatsächlich auch mit diesem Pigment gefärbt wurden.

22.10.2019 - 17:00

Erzielter Preis: **
EUR 377.535,-
Schätzwert:
EUR 300.000,- bis EUR 500.000,-

Giacomo Ceruti


(Mailand 1698–1767)
Soldaten beim Kartenspiel,
Öl auf Leinwand, 196 x 143 cm, gerahmt

Provenienz:
Sammlung Steffanoni, Bergamo, frühes 19. Jahrhundert;
Sammlung Suardo, Rom, 1953;
Galleria Sestieri, Rom, 1968;
Kunsthandel Algranti, Mailand, 1969;
Privatsammlung, Schweiz

Ausgestellt:
Mailand, Palazzo Reale and Museo del Duomo, Settecento Lombardo, 1. Februar – 28. April 1991, S. 139f., Kat.-Nr. I.105, Abb. S. 141 (als Giacomo Ceruti);
Mailand, Robilant + Voena, Giacomo Ceruti 1698–1767. Popolo e Nobiltà alla vigilia dell’età dei Lumi, 30. Oktober – 13. Dezember 2013, S. 44–46, Kat.-Nr. 9 (als Giacomo Ceruti)

Literatur:
R. Cipriani, R. Longhi, G. Testori (Hg.), I pittori della realtà in Lombardia, Ausstellungskatalog, Mailand 1953, Erwähnung unter Kat.-Nr. 121, S. 67 (als Giacomo Ceruti);
R. Bassi-Rathgeb, Un ritratto aulico del Pitocchetto, in: Bollettino del Museo Civico di Padova, 1965, Nr. 54, S. 117 (als Giacomo Ceruti);
M. Gregori, Giacomo Ceruti, Cinisello Balsamo 1982, S. 431 Kat.-Nr. 45 (als Giacomo Ceruti);
F. Noris, Bartolomeo Nazari, in: I Pittori Bergamaschi dal XIII al XIX secolo. Il Settecento, Bergamo 1982, Bd. I, S. 237, Kat.-Nr. 53, Abb. S. 245 (als Bartolomeo Nazari);
M. Bona Castellotti, La pittura lombarda del Settecento. Repertori fotografici, Mailand 1986, Taf. 169 (als Giacomo Ceruti);
F. Frangi, in: R. Bossagli, V. Terraroli (Hg.), Settecento Lombardo, Ausstellungskatalog, Mailand 1991, S. 139f., Kat.-Nr. I.105, Abb. S. 141 (als Giacomo Ceruti);
S. Zuffi, Pittura in Lombardia: dall’età Spagnola al Neoclassicismo, Mailand 2000, Abb. S. 200 (als Giacomo Ceruti);
F. Frangi, in: E. Lucchesi Ragni, R. Stradiotti (Hg.), Da Romanino e Moretto a Ceruti. Tesori ritrovati della Pinacoteca Tosio Martinengo, Ausstellungskatalog, Brescia 2005 und Conegliano 2006, S. 165, Abb. S. 164 (Erwähnung unter Kat.-Nr. 24, als Giacomo Ceruti);
E. Lucchesi Ragni, in: M. Bona Castellotti, E. Lucchesi Ragni (Hg.), Pinacoteca Tosio Matrinengo. Catalogo delle opere. Seicento e Settecento, Ausstellungskatalog, Venedig 2011, S. 145 (Erwähnung unter Kat.-Nr. 67, als Giacomo Ceruti);
F. Frangi, in: F. Frangi, A. Morandotti (Hg.), Giacomo Ceruti 1698–1767. Popolo e Nobiltà alla vigilia dell’età dei Lumi, Ausstellungskatalog, Mailand 2013, S. 44-46, Kat.-Nr. 9 (als Giacomo Ceruti)

Das vorliegende Gemälde ist in der Fototeca Zeri unter Nr. 72248 (als Giacomo Ceruti) verzeichnet.

Die vorliegende Komposition zeigt eine Gruppe bei einem Tor ausspannender Soldaten. Sie bedienen sich einer Trommel der Armee, die sie zu einem Tisch umfunktioniert haben, um Karten zu spielen ‒ vermutlich eine Partie Scopa, wie das trevisanisch-venezianische Blatt nahelegt. Diese Besonderheit und andere Details des Gemäldes mögen auf die Örtlichkeit des Schauplatzes sowie die Identität der Protagonisten dieses genreartigen Gruppenporträts verweisen. Ihre eigentümliche Aufmachung lässt darauf schließen, dass es sich um sogenannte Oltremarini oder Schiavoni handelt, um Fußsoldaten der venezianischen und ab Beginn des 18. Jahrhunderts auch der kaiserlichen Armee. Es sind Angehörige der Grenzinfanterie, die sich aus Bauern rekrutierte, die mit Geschenken oder Entschädigungen für ihren Militärdienst entlohnt wurden. Solche Soldaten wurden vor allem an der Peripherie des Territoriums verpflichtet. Sie waren ganz unterschiedlicher Herkunft, und so versammelten sich in ihren Rängen Georgier, Slawen, Dalmatiner, Kroaten, Balkanstämmige sowie Menschen aus Transsilvanien und Ungarn, die sich in der Mehrzahl durch einen freien, ungebundenen Geist auszeichneten. Da sie keine Uniformen hatten, trugen sie die für ihre unterschiedlichen Ethnien typischen Trachten, was die Verschiedenartigkeit ihrer Kleidung in der vorliegenden Komposition erklärt. Die Farben konnten ganz verschieden sein: Kroaten und Slawen zum Beispiel hatten dunkelbraune Jacken, während die Soldaten aus deutschen Landen ‒ ähnlich wie die jüngste Figur links im Bild ‒ einen hellen Mantel und einen Dreispitz trugen. Die traditionellen Hüte der Slawen waren zylindrisch oder abgeflacht, üblicherweise aus Filz oder Bären- beziehungsweise Kalbsleder gefertigt und manchmal mit schwarzen Straußenfedern oder ‒ wie in diesem Fall ‒ einer leuchtend roten Wollmütze aufgeputzt.

Die als Oltremarini bekannten Soldaten galten als widerstandsfähig und stark, hatten aber für Disziplin nicht viel übrig. Die auf dem vorliegenden Gemälde dargestellten Soldaten scheinen diese Beschreibung perfekt widerzuspiegeln: Die Kleidung, vor allem die des sich in seinen Umhang wickelnden Soldaten im Hintergrund, lässt keinen Zweifel daran, dass es kalt ist. Sie wirken erschöpft, und ihre Erscheinung fügt sich gut in das Spektrum der von Giacomo Ceruti bevorzugten Themen.

Ceruti muss in der Region von Mailand und Brescia sowie im Veneto Soldaten wie den hier dargestellten begegnet sein, und er stellte diese auch bei anderen Gelegenheiten dar; so etwa auf dem Bildnis eines Rauchers in der Galleria Nazionale d’Arte Antica im Palazzo Barberini in Rom (Inv.-Nr. 1987).

Eine weitere Soldaten beim Kartenspiel darstellende Komposition findet sich in der Pinacoteca Tosio Martinengo in Brescia (Inv.-Nr. 2383). Soldaten dieser Art kämpften im Polnischen Thronfolgekrieg (1733–1738), und Longhi hat das Gemälde in diese Zeit datiert.

Das vorliegende Gemälde verrät, dass der Künstler Werke deutscher Künstler aus dem 15. und 16. Jahrhundert kannte, deren Darstellungen von Kartenspielen mit Gilden verbunden waren. Das hier besprochene Bild steht in enger Beziehung zu einem Holzschnitt Hans Sebald Behams aus dem Jahr 1512, Auf einer Trommel Karten spielende Landsknechte oder Glücksspiel im Ashmolean Museum in Oxford (siehe M. Gregori in Literatur). Das Thema des Kartenspiels war im Bereich der Genreszenen weit verbreitet, woran nicht zuletzt Caravaggios 1594 entstandenes Gemälde Falschspieler im Kimbell Art Museum in Fort Worth erinnert.

Die lombardische Herkunft Caravaggios spielte für die Entwicklung der kulturellen und künstlerischen Aspekte der sogenannten „Pittori della realtà“ im Norditalien des 18. Jahrhunderts eine entscheidende Rolle. Auch wenn die Kunst Caravaggios in Rom und Süditalien ihre größten Erfolge feierte, sollte sie die Poesie der Künstler auch in der Lombardei für immer prägen. Die lombardischen Künstler des 18. Jahrhunderts entwickelten ihren Stil auf Grundlage der Bildsprache Caravaggios, der Arme, Bettler und Zigeuner in seine Darstellungen aufnahm. Sie schufen eine Kunst, welche die Wirklichkeit ins Bild setzt und der Natur folgt. Angehörige der untersten Schichten und ihr Alltag sind das Hauptthema des lombardischen Realismus, zu dessen wichtigsten Vertretern Antonio Cifrondi, Giacomo Cipper und Giacomo Ceruti zählen.

Giacomo Ceruti wurde in Mailand geboren, war aber vor allem in Brescia, im Veneto und in Padua tätig. Er war auch unter dem Pseudonym „Il Pitocchetto“ bekannt, ein Name, der vor allem seinen Darstellungen der unteren gesellschaftlichen Schichten geschuldet ist. Cerutis Malerei wurde in Nordeuropa und besonders in Österreich sehr geschätzt, und das nicht zuletzt aufgrund der Beziehungen, die durch Aufträge seitens Matthias Johann von der Schulenburg, des großen Sammlers und Liebhabers von Genreszenen des Malers, zustande kamen.

Technischer Bericht von Gianluca Poldi:

Infrarotaufnahmen des Werks zeigen eine interessante kompositorische Veränderung. Die kartenspielende Figur hinter der Trommel und die Figur direkt dahinter dürften vom Künstler später hinzugefügt worden sein. Ursprünglich malte Ceruti zwischen diesen beiden Figuren einen frontal positionierten Mann, der direkt aus dem Bild herausschaut. Die kleine Figur links wurde vermutlich ebenso später hinzugefügt, um den ursprünglich vorgesehenen Mann zu ersetzen. Die Verwendung von Figuren, die aus dem Bild herausschauen, wie um den Betrachter in die Darstellung einzubeziehen, war ein kompositorisches Mittel, dessen sich Ceruti häufig bediente. In diesem Fall erachtete der Künstler sein ursprüngliches Konzept, eine Figur ins Zentrum seiner Komposition zu stellen, als der Wirkung des Gemäldes nicht zuträglich – wahrscheinlich deshalb, weil sie von den Karten spielenden Figuren abgelenkt hätte. Der Soldat im Hintergrund scheint über den Zaun gemalt worden zu sein. Einige Details wie das Gewehr und der braune Ärmel des Spielers sind im Lauf der Zeit durchscheinend geworden.

Wie für Werke Cerutis typisch wurde das Gemälde mit ziemlich schnellen, mit großem Geschick gesetzten Pinselstrichen ausgeführt.

Unter dem grauen Wolkenhimmel, der mit Bleiweiß und einem schwarzen Pigment angelegt wurde, kommt ein braun-roter Grund zum Vorschein. Die mittels Reflexionsspektroskopie festgestellten Pigmente umfassen Erdfarben – Ockertöne von Gelb über Rot bis Braun –, ein leuchtendes Zinnoberrot und Indigo für die Blautöne. Mit Indigo ließ sich ein tiefer wie ein heller Ton erzielen, und man verwendete es zur Darstellung von blauen Kleidern, die ja tatsächlich auch mit diesem Pigment gefärbt wurden.


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+43 1 515 60 403
Auktion: Alte Meister I
Datum: 22.10.2019 - 17:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 12.10. - 22.10.2019


** Kaufpreis inkl. Käufergebühr und Mehrwertsteuer

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