Lot Nr. 109


Corrado Giaquinto


(Molfetta 1703–1765 Neapel)
Der Traum des heiligen Josef,
Öl auf Leinwand, 98,5 x 74,5 cm, gerahmt

Provenienz:
Sammlung Baronin de Maldá, Barcelona;
europäische Privatsammlung;
dort erworben durch den jetzigen Besitzer

Literatur:
A. Griseri, Due „ritratti“ romani: un Giaquinto e un Guglielmi, in: Paragone, VII, 83, 1956, S. 64, Abb. 39a (Ausschnitt);
A. E. Pérez Sánchez, Algunas obras de Giaquinto en colecciones españolas, in: Atti Convegno di Studi su Corrado Giaquinto, 3.–5. Januar 1969, Molfetta 1971, S. 98, Abb. 43

Corrado Giaquinto wurde in Molfetta in Apulien in Süditalien geboren. 1721 ging er nach Neapel, wo er in die bottega des Nicola Maria Rossi, eines Schülers von Francesco Solimena, eintrat. Hier konnte er sich von den Werken Solimenas und den Fresken Luca Giordanos für die Certosa di San Martino anregen lassen. Seine frühe Ausbildung in Neapel sollte sich für die Entwicklung seines reifen Stils wesentlich erweisen. 1727 ging er nach Rom und trat dort in die Werkstatt des Sebastiano Conca ein. Bald wurden seine Talente anerkannt. Giaquinto verbrachte auch einige Zeit in Turin, wo er unter Filippo Juvarra für den savoyischen Hof arbeitete. 1739 kehrte er nach Rom zurück, wo er ihm Jahr darauf in die angesehene Accademia di San Luca aufgenommen wurde.

Giaquinto wurde 1753 von Ferdinand VI. nach Madrid eingeladen, um von Jacopo Amigoni die Rolle des Hofmalers zu übernehmen. Er unterbrach seine Reise in Saragossa, um seinen ehemaligen Schüler Antonio González Velázquez zu besuchen. In Madrid avancierte er bald zum „primer pintor de Cámara“ und wurde noch am Ende desselben Jahres zum Direktor der Academia de San Fernando ernannt und damit beauftragt, alle laufenden Arbeiten für den neuen Königspalast in Madrid zu beaufsichtigen. War er anfangs damit befasst, Werke Luca Giordanos im Palast Buen Retiro zu restaurieren, begann er 1754 im Palast von Aranjuez zu arbeiten, wo er drei mythologische Szenen und vier Episoden aus dem Leben Josefs für den Speisesaal vollendete.

Das vorliegende, den Traum des heiligen Josef darstellende Gemälde schuf Giaquinto in den Jahren, in denen er in Spanien lebte (1753–1762). Wir kennen zwei weitere Fassungen des Themas, eine in der Pinacoteca Civica Fortunato Duranti in Montefortino in Italien, eine andere im Palazzo Vescovile in Taranto, ursprünglich in der Kirche von San Domenico. Im Vordergrund sieht man Josef, dem sich ein Engel nähert. Der Engel, der seinen rechten Arm gehoben hat und mit der linken den Heiligen hält, ermutigt diesen, mit Maria und Kind, die links im Hintergrund dargestellt sind, zu fliehen. Man weiß, dass Giaquinto in seinen Kompositionen Motive und Figuren wiederholt hat ‒ so auch im Fall der hier zur Diskussion stehenden Josefsfigur, der man in genau dieser Form in einer anderen Komposition begegnet, welche Die Rast auf der Flucht nach Ägypten beschreibt (The Institute of Arts, Detroit). Die Wolken, die Engel und das die Komposition durchflutende weiche gedämpfte Licht verstärken die traumhafte Atmosphäre. Es war in Spanien, wo der Künstler sein Können als einer der brillantesten Koloristen des Settecento unter Beweis stellte. Vielleicht ist es gesundheitlichen Problemen oder der Ankunft Giovanni Battista Tiepolos und Anton Raphael Mengs’ in Madrid zuzuschreiben, dass sich Giaquinto veranlasst sah, den spanischen Hof zu verlassen und 1762 nach Neapel zurückzukehren, wo er bis zu seinem Tod lebte.

22.10.2019 - 17:00

Erzielter Preis: **
EUR 56.550,-
Schätzwert:
EUR 20.000,- bis EUR 30.000,-

Corrado Giaquinto


(Molfetta 1703–1765 Neapel)
Der Traum des heiligen Josef,
Öl auf Leinwand, 98,5 x 74,5 cm, gerahmt

Provenienz:
Sammlung Baronin de Maldá, Barcelona;
europäische Privatsammlung;
dort erworben durch den jetzigen Besitzer

Literatur:
A. Griseri, Due „ritratti“ romani: un Giaquinto e un Guglielmi, in: Paragone, VII, 83, 1956, S. 64, Abb. 39a (Ausschnitt);
A. E. Pérez Sánchez, Algunas obras de Giaquinto en colecciones españolas, in: Atti Convegno di Studi su Corrado Giaquinto, 3.–5. Januar 1969, Molfetta 1971, S. 98, Abb. 43

Corrado Giaquinto wurde in Molfetta in Apulien in Süditalien geboren. 1721 ging er nach Neapel, wo er in die bottega des Nicola Maria Rossi, eines Schülers von Francesco Solimena, eintrat. Hier konnte er sich von den Werken Solimenas und den Fresken Luca Giordanos für die Certosa di San Martino anregen lassen. Seine frühe Ausbildung in Neapel sollte sich für die Entwicklung seines reifen Stils wesentlich erweisen. 1727 ging er nach Rom und trat dort in die Werkstatt des Sebastiano Conca ein. Bald wurden seine Talente anerkannt. Giaquinto verbrachte auch einige Zeit in Turin, wo er unter Filippo Juvarra für den savoyischen Hof arbeitete. 1739 kehrte er nach Rom zurück, wo er ihm Jahr darauf in die angesehene Accademia di San Luca aufgenommen wurde.

Giaquinto wurde 1753 von Ferdinand VI. nach Madrid eingeladen, um von Jacopo Amigoni die Rolle des Hofmalers zu übernehmen. Er unterbrach seine Reise in Saragossa, um seinen ehemaligen Schüler Antonio González Velázquez zu besuchen. In Madrid avancierte er bald zum „primer pintor de Cámara“ und wurde noch am Ende desselben Jahres zum Direktor der Academia de San Fernando ernannt und damit beauftragt, alle laufenden Arbeiten für den neuen Königspalast in Madrid zu beaufsichtigen. War er anfangs damit befasst, Werke Luca Giordanos im Palast Buen Retiro zu restaurieren, begann er 1754 im Palast von Aranjuez zu arbeiten, wo er drei mythologische Szenen und vier Episoden aus dem Leben Josefs für den Speisesaal vollendete.

Das vorliegende, den Traum des heiligen Josef darstellende Gemälde schuf Giaquinto in den Jahren, in denen er in Spanien lebte (1753–1762). Wir kennen zwei weitere Fassungen des Themas, eine in der Pinacoteca Civica Fortunato Duranti in Montefortino in Italien, eine andere im Palazzo Vescovile in Taranto, ursprünglich in der Kirche von San Domenico. Im Vordergrund sieht man Josef, dem sich ein Engel nähert. Der Engel, der seinen rechten Arm gehoben hat und mit der linken den Heiligen hält, ermutigt diesen, mit Maria und Kind, die links im Hintergrund dargestellt sind, zu fliehen. Man weiß, dass Giaquinto in seinen Kompositionen Motive und Figuren wiederholt hat ‒ so auch im Fall der hier zur Diskussion stehenden Josefsfigur, der man in genau dieser Form in einer anderen Komposition begegnet, welche Die Rast auf der Flucht nach Ägypten beschreibt (The Institute of Arts, Detroit). Die Wolken, die Engel und das die Komposition durchflutende weiche gedämpfte Licht verstärken die traumhafte Atmosphäre. Es war in Spanien, wo der Künstler sein Können als einer der brillantesten Koloristen des Settecento unter Beweis stellte. Vielleicht ist es gesundheitlichen Problemen oder der Ankunft Giovanni Battista Tiepolos und Anton Raphael Mengs’ in Madrid zuzuschreiben, dass sich Giaquinto veranlasst sah, den spanischen Hof zu verlassen und 1762 nach Neapel zurückzukehren, wo er bis zu seinem Tod lebte.


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Auktion: Alte Meister I
Datum: 22.10.2019 - 17:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 12.10. - 22.10.2019


** Kaufpreis inkl. Käufergebühr und Mehrwertsteuer

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