Lot Nr. 110


Angelika Kauffmann (2)


(Chur 1741–1807 Rom)
Immortalia, die Nymphe der Unsterblichkeit, empfängt von zwei Schwänen Namenstafeln; und
Silvia, sich mit Blumen schmückend, von Daphne beoabachtet,
Öl auf Leinwand, aufgezogen auf Holz, 81,8 x 62,2 cm und 81,8 x 62,2 cm, gerahmt, Pendants

Provenienz:
vermutlich beauftragt durch Don Onorato Gaetani (auch Caetani) dell’Aquila d’Aragona, Duca di Miranda, Neapel, 1783;
A. Jandolo, Rom;
Sammlung H. Murray Haskard;
von diesem im Dezember 1898 erworben durch den Kunsthändler Agnew’s, London, Nr. 8650 [ohne Titel], 8662 [Immortalia], 8684, 8685 [vermutlich Silvia, Erminia oder Constanza];
erworben von Agnew’s durch A. Goldschmidt, London, am 21. Januar 1899;
im Erbgang an Edward Goldschmidt, London;
dessen Auktion, Christie’s, 19. Dezember 1930, Lot 64 (als A. Kauffmann, R. A. – drei Pendants);
Auktion, Christie’s, 20. November 1953, Lot 86 (als Kauffmann, Allegorische Sujets – drei Pendants);
dort erworben durch Bolton (handschriftliche Notiz im Katalog);
Sammlung Federico Zeri, Mentana, spätestens ab 1972;
europäische Privatsammlung

Dokumentation:
Vermutlich handelt es sich um die von Angelika Kauffmann beschriebenen Gemälde in: Memorie delle piture fatte: „1783 […] per sua Ecc.za Sig. D. Honorratto Gaettani a Napoli. Roma. [51] Un ovalle alto palmi 3.9 largo 3. Con figura Rappresentante la ninfa che presiede al Tempio dell’Imortalità in atto di racogliere le medaglie con li nomi di quelli che devono essere conservatti per sempre, quelli vengono dalli Cigni recatti alla detta ninfa che va in isponda del fiume lette per raccoglierli e riporseli nell Tempio situato sulla somità del monte; In distanza si vede il Tempo che getta tutta sorte di medaglie con li nomi nelle aque del detto fiume, e li cigni racolgono solo quelli che devono essere conservatti – preso dall’Ariosto- […]; Genaro, in Roma 1784. [54] Altro simile Rapresenta Silvia sedente ad una fonte in atto di acconciarsi li capeli inspechiandosi nella fonte, Dafane nascosta tra cespugli che la riguarda – preso dall’Aminta del Tasso“ (siehe A. Kauffmann, in: C. Knight [Hg.], La „Memoria delle piture“, Rom 1998, S. 17).

Ausgestellt:
Wien/Rom, Akademie der bildenden Künste/Museo di Roma Palazzo Braschi, Österreichische Künstler und Rom: vom Barock zur Secession, Mai – Juli 1972, Kat.-Nr. 151 (Nymphe der Unsterblichkeit) und Kat.-Nr. 152 (Flora);
London, The Royal Academy und The Victoria & Albert Museum, The Age of Neoclassicism, 9. September – 19. November 1972, Kat.-Nr. 161 (Flora) und Kat.-Nr. 162 (Nymphe Immortalia);
Bregenz, Vorarlberg Museum, Angelika Kauffmann – Unbekannte Schätze aus Vorarlberger Privatsammlungen, 15. Juni – 6. Oktober 2019, S. 177 (Silvia), S. 231f. (Immortalia)

Literatur:
V. Manners, G. C. Williamson, Angelica Kauffmann, R. A., Her Life and Her Works, London 1924, S. 190;
D. Moulton Mayer, Angelica Kauffmann, R. A. 1741–1807. A Biography, Gerrards Cross 1972, Abb. 21 (Immortalia);
S. Roettgen, in: Österreichische Künstler und Rom: vom Barock zur Secession, Ausstellungskatalog, hg. von J. Garms, Rom/Wien 1972, S. 139f., Kat.-Nr. 151, Taf. 65 (Nymphe der Unsterblichkeit) und Kat.-Nr. 152, Taf. 66 (fälschlicherweise als Flora anstatt Silvia und Daphne) (als Kauffmann A.);
H. Honour et al. (Hg.), The Age of Neoclassicism, Ausstellungskatalog, London 1972, S. 106f., Kat.-Nr. 161 (fälschlicherweise als Flora anstatt Silvia und Daphne) und Kat.-Nr. 162 (Die Nymphe der Unsterblichkeit);
B. Baumgärtel (Hg.), in: Angelika Kauffmann 1741–1807. Eine Retrospektive, Ausstellungskatalog, Düsseldorf 1998, S. 252, Erwähnung unter Kat.-Nr. 120, 121 (zum ersten Mal als Silvia und Daphne);
B. Baumgärtel (Hg.), in: Angelika Kauffmann – Unbekannte Schätze aus Vorarlberger Privatsammlungen, Ausstellungskatalog, München 2019, S. 177 (Silvia), S. 231f. (Immortalia)

Wir danken Bettina Baumgärtel, die die Zuschreibung der vorliegenden Gemälde nach deren Prüfung im Original bestätigt hat, für ihre Hilfe bei der Katalogisierung des Lots.

Die beiden vorliegenden ovalen Gemälde Angelika Kauffmanns zeigen zwei unterschiedlichen italienischen Gedichten des 16. Jahrhunderts entnommene Episoden.

Das eine, Immortalia darstellende Bild geht auf die Verse 12 bis 23 des 35. Gesangs von Ariosts Epos Orlando furioso zurück, das 1516 erschien. Immortalia zeigt, wie ein alter Mann mit den Namen Verstorbener beschriebene Tafeln in den Fluss Lethe, den Fluss des Vergessens, wirft. Nur zwei Schwäne vermögen einige der Namenstafeln zu retten und vertrauen diese der Nymphe der Unsterblichkeit an. Sie wird die Tafeln zum Tempel bringen und den Genannten zu ewigem Ruhm verhelfen.

Auf dem anderen Gemälde, Silvia, stellt Angelika Kauffmann eine Szene aus Torquato Tassos Hirtenspiel Aminta dar, dessen Uraufführung 1573 stattfand. Silvia sitzt an einem mit Bäumen bestandenen Ufer, während sich ihr die Nymphe Daphne aus dem rechten Hintergrund nähert: Syivia soll von ihrer Liebe zu Aminta überzeugt werden. Doch Silvia, ein weiblicher Narziss, betrachtet nur ihr Spiegelbild im Wasser, als ob sie in sich selbst verliebt wäre. Der obere Teil ihres Körpers spiegelt sich im Wasser, das unten im Bild zu sehen ist. Dass sie sich weiße Blüten ins Haar steckt, um sich zu schmücken, mag der Grund sein, dass man das Bild lange als Flora gewidmet missdeutet hat.

Angelika Kauffmann malte mehrere Werke für Don Onorato Gaetani dell’Aquila d’Aragona, Duca di Miranda (1749‒1835), den sie bereits im Sommer 1782 während ihres ersten Aufenthalts am Hof von Neapel kennengelernt haben könnte. Dieser war der zweite Sohn des Herzogs von Laurenzana und ein Vertrauter Ferdinandos von Bourbon, des Königs von Neapel . Angelika Kauffmanns Memorie delle pitture fatte (siehe Dokumentation) betitelten Werkliste zufolge malte sie in den Jahren 1783 und 1784 für den Herzog eine Serie von vier hochformatigen ovalen Bildern ‒ Immortalia, Erminia, Konstanza und Silvia mit Daphne ‒ sowie ein Telemach und Kallisto gewidmetes Gemälde (die alle zusammen 858 „ducati napoletani“ einbrachten). Baumgärtel zufolge könnten die vorliegenden beiden Werke Teil dieser Serie gewesen sein.

22.10.2019 - 17:00

Erzielter Preis: **
EUR 137.500,-
Schätzwert:
EUR 50.000,- bis EUR 70.000,-

Angelika Kauffmann (2)


(Chur 1741–1807 Rom)
Immortalia, die Nymphe der Unsterblichkeit, empfängt von zwei Schwänen Namenstafeln; und
Silvia, sich mit Blumen schmückend, von Daphne beoabachtet,
Öl auf Leinwand, aufgezogen auf Holz, 81,8 x 62,2 cm und 81,8 x 62,2 cm, gerahmt, Pendants

Provenienz:
vermutlich beauftragt durch Don Onorato Gaetani (auch Caetani) dell’Aquila d’Aragona, Duca di Miranda, Neapel, 1783;
A. Jandolo, Rom;
Sammlung H. Murray Haskard;
von diesem im Dezember 1898 erworben durch den Kunsthändler Agnew’s, London, Nr. 8650 [ohne Titel], 8662 [Immortalia], 8684, 8685 [vermutlich Silvia, Erminia oder Constanza];
erworben von Agnew’s durch A. Goldschmidt, London, am 21. Januar 1899;
im Erbgang an Edward Goldschmidt, London;
dessen Auktion, Christie’s, 19. Dezember 1930, Lot 64 (als A. Kauffmann, R. A. – drei Pendants);
Auktion, Christie’s, 20. November 1953, Lot 86 (als Kauffmann, Allegorische Sujets – drei Pendants);
dort erworben durch Bolton (handschriftliche Notiz im Katalog);
Sammlung Federico Zeri, Mentana, spätestens ab 1972;
europäische Privatsammlung

Dokumentation:
Vermutlich handelt es sich um die von Angelika Kauffmann beschriebenen Gemälde in: Memorie delle piture fatte: „1783 […] per sua Ecc.za Sig. D. Honorratto Gaettani a Napoli. Roma. [51] Un ovalle alto palmi 3.9 largo 3. Con figura Rappresentante la ninfa che presiede al Tempio dell’Imortalità in atto di racogliere le medaglie con li nomi di quelli che devono essere conservatti per sempre, quelli vengono dalli Cigni recatti alla detta ninfa che va in isponda del fiume lette per raccoglierli e riporseli nell Tempio situato sulla somità del monte; In distanza si vede il Tempo che getta tutta sorte di medaglie con li nomi nelle aque del detto fiume, e li cigni racolgono solo quelli che devono essere conservatti – preso dall’Ariosto- […]; Genaro, in Roma 1784. [54] Altro simile Rapresenta Silvia sedente ad una fonte in atto di acconciarsi li capeli inspechiandosi nella fonte, Dafane nascosta tra cespugli che la riguarda – preso dall’Aminta del Tasso“ (siehe A. Kauffmann, in: C. Knight [Hg.], La „Memoria delle piture“, Rom 1998, S. 17).

Ausgestellt:
Wien/Rom, Akademie der bildenden Künste/Museo di Roma Palazzo Braschi, Österreichische Künstler und Rom: vom Barock zur Secession, Mai – Juli 1972, Kat.-Nr. 151 (Nymphe der Unsterblichkeit) und Kat.-Nr. 152 (Flora);
London, The Royal Academy und The Victoria & Albert Museum, The Age of Neoclassicism, 9. September – 19. November 1972, Kat.-Nr. 161 (Flora) und Kat.-Nr. 162 (Nymphe Immortalia);
Bregenz, Vorarlberg Museum, Angelika Kauffmann – Unbekannte Schätze aus Vorarlberger Privatsammlungen, 15. Juni – 6. Oktober 2019, S. 177 (Silvia), S. 231f. (Immortalia)

Literatur:
V. Manners, G. C. Williamson, Angelica Kauffmann, R. A., Her Life and Her Works, London 1924, S. 190;
D. Moulton Mayer, Angelica Kauffmann, R. A. 1741–1807. A Biography, Gerrards Cross 1972, Abb. 21 (Immortalia);
S. Roettgen, in: Österreichische Künstler und Rom: vom Barock zur Secession, Ausstellungskatalog, hg. von J. Garms, Rom/Wien 1972, S. 139f., Kat.-Nr. 151, Taf. 65 (Nymphe der Unsterblichkeit) und Kat.-Nr. 152, Taf. 66 (fälschlicherweise als Flora anstatt Silvia und Daphne) (als Kauffmann A.);
H. Honour et al. (Hg.), The Age of Neoclassicism, Ausstellungskatalog, London 1972, S. 106f., Kat.-Nr. 161 (fälschlicherweise als Flora anstatt Silvia und Daphne) und Kat.-Nr. 162 (Die Nymphe der Unsterblichkeit);
B. Baumgärtel (Hg.), in: Angelika Kauffmann 1741–1807. Eine Retrospektive, Ausstellungskatalog, Düsseldorf 1998, S. 252, Erwähnung unter Kat.-Nr. 120, 121 (zum ersten Mal als Silvia und Daphne);
B. Baumgärtel (Hg.), in: Angelika Kauffmann – Unbekannte Schätze aus Vorarlberger Privatsammlungen, Ausstellungskatalog, München 2019, S. 177 (Silvia), S. 231f. (Immortalia)

Wir danken Bettina Baumgärtel, die die Zuschreibung der vorliegenden Gemälde nach deren Prüfung im Original bestätigt hat, für ihre Hilfe bei der Katalogisierung des Lots.

Die beiden vorliegenden ovalen Gemälde Angelika Kauffmanns zeigen zwei unterschiedlichen italienischen Gedichten des 16. Jahrhunderts entnommene Episoden.

Das eine, Immortalia darstellende Bild geht auf die Verse 12 bis 23 des 35. Gesangs von Ariosts Epos Orlando furioso zurück, das 1516 erschien. Immortalia zeigt, wie ein alter Mann mit den Namen Verstorbener beschriebene Tafeln in den Fluss Lethe, den Fluss des Vergessens, wirft. Nur zwei Schwäne vermögen einige der Namenstafeln zu retten und vertrauen diese der Nymphe der Unsterblichkeit an. Sie wird die Tafeln zum Tempel bringen und den Genannten zu ewigem Ruhm verhelfen.

Auf dem anderen Gemälde, Silvia, stellt Angelika Kauffmann eine Szene aus Torquato Tassos Hirtenspiel Aminta dar, dessen Uraufführung 1573 stattfand. Silvia sitzt an einem mit Bäumen bestandenen Ufer, während sich ihr die Nymphe Daphne aus dem rechten Hintergrund nähert: Syivia soll von ihrer Liebe zu Aminta überzeugt werden. Doch Silvia, ein weiblicher Narziss, betrachtet nur ihr Spiegelbild im Wasser, als ob sie in sich selbst verliebt wäre. Der obere Teil ihres Körpers spiegelt sich im Wasser, das unten im Bild zu sehen ist. Dass sie sich weiße Blüten ins Haar steckt, um sich zu schmücken, mag der Grund sein, dass man das Bild lange als Flora gewidmet missdeutet hat.

Angelika Kauffmann malte mehrere Werke für Don Onorato Gaetani dell’Aquila d’Aragona, Duca di Miranda (1749‒1835), den sie bereits im Sommer 1782 während ihres ersten Aufenthalts am Hof von Neapel kennengelernt haben könnte. Dieser war der zweite Sohn des Herzogs von Laurenzana und ein Vertrauter Ferdinandos von Bourbon, des Königs von Neapel . Angelika Kauffmanns Memorie delle pitture fatte (siehe Dokumentation) betitelten Werkliste zufolge malte sie in den Jahren 1783 und 1784 für den Herzog eine Serie von vier hochformatigen ovalen Bildern ‒ Immortalia, Erminia, Konstanza und Silvia mit Daphne ‒ sowie ein Telemach und Kallisto gewidmetes Gemälde (die alle zusammen 858 „ducati napoletani“ einbrachten). Baumgärtel zufolge könnten die vorliegenden beiden Werke Teil dieser Serie gewesen sein.


Käufer Hotline Mo.-Fr.: 09.00 - 18.00
old.masters@dorotheum.at

+43 1 515 60 403
Auktion: Alte Meister I
Datum: 22.10.2019 - 17:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 12.10. - 22.10.2019


** Kaufpreis inkl. Käufergebühr und Mehrwertsteuer

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