Lot Nr. 58 V


1922 Gräf & Stift VK 7/20 PS


Chassis: 2799,
Motor: 2799,
Papiere: Österreichischer Kraftfahrzeugbrief von 1939 und Automobil-Prüfungs-Zeugnis von 1922

Lückenlose Historie einschließlich der Originalpapiere von 1922
Einer der letzten überlebenden VK 7/20 HP
Teil der Sammlung Boesch


Die Automobile von damals erzählen Geschichten, ihre eigenen, die ihrer Zeit, die ihrer Fahrer und Erbauer. Letztere beginnt bei diesem Wagen in den finalen Zügen des 19. Jahrhunderts. Drei Wiener Brüder, Franz, Heinrich und Carl Gräf, getrieben vom damaligen Zeit- und Pioniergeist, präsentieren 1897 ihre erste pferdelose Kutsche. Die Pferdestärken kommen nun aus einem wassergekühlten Vierzylindermotor, state-of-the-art würde man wohl heute sagen. Mit dem weltweit ersten Vorderradantrieb beweist man im Jahr darauf abermals großes Können. 1901 findet sich mit Wilhelm Stift ein Financier und Gönner. Gräf & Stift nennen sich die Automobile von nun an, ihr Markenzeichen, ein Löwe, ihre Heimat, Döbling.

Als Vorreiter in Sachen Technik zählt man von Anfang an zur Oberklasse. Wobei sich in jenen Tagen noch kaum einer den Luxus leisten kann. Man motorisiert das Kaiserhaus, den Wiener Bürgermeister, die oberste Klasse. Und das sind ganz wenige.

Dann am 28. Juni 1914 ist ein Gräf & Stift erster Zeuge, als das große Unheil seinen Lauf nimmt. Das Thronfolgerpaar, Franz Ferdinand und seine Sophie, stirbt in Graf Harrachs Wagen. In Döbling baut man nun Kriegsgerät, vornehmlich Lastwagen und Busse. Erst 1920 widmet man sich wieder der zivilen Fortbewegung und präsentiert erstmals einen Wagen für die Mittelklasse, den VK 7/20 PS. Der hat einen seitengesteuerten Motor mit 1.847 ccm und leistet 20 PS. Gebremst wird noch an den Hinterräder und an der Kardanwelle. In zeitgenössischer Werbung wird man nicht müde zu betonen, dass der “kleine Stadtwagen“ um nichts schlechter sei als seine luxuriösen Ahnen, nur eben ein wenig kleiner. Schon im Jahr darauf schöpft Gräf & Stift wieder aus dem Vollen und kehrt zu seinen Wurzeln in die Luxusklasse zurück.

Einer der letzten überlebenden VK ist dieser hier. Seine Geschichte beginnt 1922 und zunächst bleibt er im hauseigenen Fuhrpark. Waren die VK in der Regel Phaetons, also viertürige, mehrsitzige Cabriolets, so besitzt dieser einen abnehmbaren Aufbau für die Herrschaften im Fond. Trennscheibe und Gegensprechanlage zeugen vom Betrieb durch Chauffeurshand. 1924 wechselt er in die Dienste der Wiener Fabrik der Gebrüder Stollwerck AG. Fünf Jahre später übernimmt deren Geschäftsführer Alexander Russbacher den Gräf & Stift, um ihn nach nur zwei Jahren an Frau Olga Russbacher zu vererben. Der VK überlebt Krieg und Besitzerin und kommt Ende der 1960er in neue Hände.

Ein junger Ingenieur schickt sich an dem ehrwürdigen Wagen wieder den Glanz alter Tage zu verleihen. Kiloweise Rechnungen und Korrespondenz zeugen penibelst von Herzblut und monetärem Schmerz. Er ist in intensivem Austausch mit ÖAF – Gräf & Stift selbst, wo unter anderem das Getriebe überholt wird. Zu den Nachkommen der Firmengründer entwickelt sich enger und reger Kontakt. Bei der renommierten Firma Zechmeister & Sjögren im 17. Bezirk werden der Motor, Achsen und Bremsen überholt. Pedantisch sammelt er jede einzelne Rechnung, jedes Schriftstück bis hin zum Bierdeckel mit Notizen, was ein wunderbares Bild davon zeichnet, mit welchem Ehrgeiz er dem Projekt verbunden ist. Zwei dicke Ordner sind am Ende zum Bersten voll.

Trotz zahlreicher Rückschläge bringt sein Besitzer den Gräf & Stift nach zwei Jahren auf die Straße. Mehrmals versucht er den Wagen zuzulassen, doch weil ihm jegliches Papier fehlt, scheitert er an den Behörden. Die originalen Papiere sollten erst Jahrzehnte später auf Umwegen wieder auftauchen.

Im November 1981 folgt schließlich die Trennung von seinem Gräf & Stift. Der übersiedelt in eine der bedeutendsten Sammlungen von Vorkriegswagen in Österreich, jene von Harald Boesch. Der setzt mit derselben Akribie fort, wo sein Vorgänger aufgehört hat. Fotos von damals zeugen von weiteren Arbeiten am Gräf & Stift.

Knapp vier Jahrzehnte später sind die Protagonisten im Leben dieses Wagens allesamt verstorben und er sucht nun einen neuen Besitzer, der ihn im selben Sinne weiter bewahrt. Obwohl der Motor läuft, bedarf es nach so langer Zeit natürlich einer gründlichen Revision. Als einer der letzten VK 7/20 PS ist er ein einmaliger Zeitzeuge, der erhalten bleiben muss, um auch weiter seine Geschichte und die der einst großen Marke zu erzählen!

19.10.2019 - 16:00

Erzielter Preis: **
EUR 171.000,-
Schätzwert:
EUR 70.000,- bis EUR 100.000,-

1922 Gräf & Stift VK 7/20 PS


Chassis: 2799,
Motor: 2799,
Papiere: Österreichischer Kraftfahrzeugbrief von 1939 und Automobil-Prüfungs-Zeugnis von 1922

Lückenlose Historie einschließlich der Originalpapiere von 1922
Einer der letzten überlebenden VK 7/20 HP
Teil der Sammlung Boesch


Die Automobile von damals erzählen Geschichten, ihre eigenen, die ihrer Zeit, die ihrer Fahrer und Erbauer. Letztere beginnt bei diesem Wagen in den finalen Zügen des 19. Jahrhunderts. Drei Wiener Brüder, Franz, Heinrich und Carl Gräf, getrieben vom damaligen Zeit- und Pioniergeist, präsentieren 1897 ihre erste pferdelose Kutsche. Die Pferdestärken kommen nun aus einem wassergekühlten Vierzylindermotor, state-of-the-art würde man wohl heute sagen. Mit dem weltweit ersten Vorderradantrieb beweist man im Jahr darauf abermals großes Können. 1901 findet sich mit Wilhelm Stift ein Financier und Gönner. Gräf & Stift nennen sich die Automobile von nun an, ihr Markenzeichen, ein Löwe, ihre Heimat, Döbling.

Als Vorreiter in Sachen Technik zählt man von Anfang an zur Oberklasse. Wobei sich in jenen Tagen noch kaum einer den Luxus leisten kann. Man motorisiert das Kaiserhaus, den Wiener Bürgermeister, die oberste Klasse. Und das sind ganz wenige.

Dann am 28. Juni 1914 ist ein Gräf & Stift erster Zeuge, als das große Unheil seinen Lauf nimmt. Das Thronfolgerpaar, Franz Ferdinand und seine Sophie, stirbt in Graf Harrachs Wagen. In Döbling baut man nun Kriegsgerät, vornehmlich Lastwagen und Busse. Erst 1920 widmet man sich wieder der zivilen Fortbewegung und präsentiert erstmals einen Wagen für die Mittelklasse, den VK 7/20 PS. Der hat einen seitengesteuerten Motor mit 1.847 ccm und leistet 20 PS. Gebremst wird noch an den Hinterräder und an der Kardanwelle. In zeitgenössischer Werbung wird man nicht müde zu betonen, dass der “kleine Stadtwagen“ um nichts schlechter sei als seine luxuriösen Ahnen, nur eben ein wenig kleiner. Schon im Jahr darauf schöpft Gräf & Stift wieder aus dem Vollen und kehrt zu seinen Wurzeln in die Luxusklasse zurück.

Einer der letzten überlebenden VK ist dieser hier. Seine Geschichte beginnt 1922 und zunächst bleibt er im hauseigenen Fuhrpark. Waren die VK in der Regel Phaetons, also viertürige, mehrsitzige Cabriolets, so besitzt dieser einen abnehmbaren Aufbau für die Herrschaften im Fond. Trennscheibe und Gegensprechanlage zeugen vom Betrieb durch Chauffeurshand. 1924 wechselt er in die Dienste der Wiener Fabrik der Gebrüder Stollwerck AG. Fünf Jahre später übernimmt deren Geschäftsführer Alexander Russbacher den Gräf & Stift, um ihn nach nur zwei Jahren an Frau Olga Russbacher zu vererben. Der VK überlebt Krieg und Besitzerin und kommt Ende der 1960er in neue Hände.

Ein junger Ingenieur schickt sich an dem ehrwürdigen Wagen wieder den Glanz alter Tage zu verleihen. Kiloweise Rechnungen und Korrespondenz zeugen penibelst von Herzblut und monetärem Schmerz. Er ist in intensivem Austausch mit ÖAF – Gräf & Stift selbst, wo unter anderem das Getriebe überholt wird. Zu den Nachkommen der Firmengründer entwickelt sich enger und reger Kontakt. Bei der renommierten Firma Zechmeister & Sjögren im 17. Bezirk werden der Motor, Achsen und Bremsen überholt. Pedantisch sammelt er jede einzelne Rechnung, jedes Schriftstück bis hin zum Bierdeckel mit Notizen, was ein wunderbares Bild davon zeichnet, mit welchem Ehrgeiz er dem Projekt verbunden ist. Zwei dicke Ordner sind am Ende zum Bersten voll.

Trotz zahlreicher Rückschläge bringt sein Besitzer den Gräf & Stift nach zwei Jahren auf die Straße. Mehrmals versucht er den Wagen zuzulassen, doch weil ihm jegliches Papier fehlt, scheitert er an den Behörden. Die originalen Papiere sollten erst Jahrzehnte später auf Umwegen wieder auftauchen.

Im November 1981 folgt schließlich die Trennung von seinem Gräf & Stift. Der übersiedelt in eine der bedeutendsten Sammlungen von Vorkriegswagen in Österreich, jene von Harald Boesch. Der setzt mit derselben Akribie fort, wo sein Vorgänger aufgehört hat. Fotos von damals zeugen von weiteren Arbeiten am Gräf & Stift.

Knapp vier Jahrzehnte später sind die Protagonisten im Leben dieses Wagens allesamt verstorben und er sucht nun einen neuen Besitzer, der ihn im selben Sinne weiter bewahrt. Obwohl der Motor läuft, bedarf es nach so langer Zeit natürlich einer gründlichen Revision. Als einer der letzten VK 7/20 PS ist er ein einmaliger Zeitzeuge, der erhalten bleiben muss, um auch weiter seine Geschichte und die der einst großen Marke zu erzählen!


Käufer Hotline Mo.-Fr.: 10.00 - 16.00
oldtimer@dorotheum.at

+43 1 515 60 428
Auktion: Klassische Fahrzeuge
Datum: 19.10.2019 - 16:00
Auktionsort: Messezentrum Salzburg
Besichtigung: 18.10. - 19.10.2019


** Kaufpreis inkl. Käufergebühr und Mehrwertsteuer

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