Lot Nr. 66 V


1983 Lancia Rally 037 Evo 2


Chassis: ZLA151ARO*00000118*,
Motor: 232 AR4 6403,
Papiere: Österreichische Einzelgenehmigung, FIA Papiere Periode J1, Klasse GTS 42, gültig bis 2028

30 Jahre beim Erstbesitzer
Nur drei Besitzer bis heute
Nie im Rennbetrieb geschunden
Zertifiziert von Abarth Classiche


Für die Rallye-Weltmeisterschaft 1982 kündigte die FIA ein neues Reglement an. Die Gruppe B ersetzte die Gruppe 4. Wesentliche Änderung war die um die Hälfte auf 200 Stück gesunkene Mindestzahl an produzierten Fahrzeugen, die zur Homologation genügte. Das eröffnete den Herstellern ganz neue Möglichkeiten und was folgte, war ein Wettrüsten, das es so davor und danach nie mehr wieder geben sollte.

Die plötzlichen neuen Freiheiten holten einen Hersteller aus dem Dornröschenschlaf, der schon ein paar Jahre zuvor der Welt zeigte, wo es lang ging. Drei Weltmeistertitel hatte Lancia mit dem Stratos in Folge eingefahren und selbst Jahre, nachdem das Werksengagement von der Konzernmutter zugunsten der eigenen, unterlegenen Fiat 131 Abarth abgedreht worden war, fuhren sie vorne mit. So überlegen waren die Stratos, so überlegen war Lancia. Nun stand das Comeback vor der Tür, mit Martini als neuem Hauptsponsor.

Weil die Ansprüche entsprechend waren, durfte das Unternehmen nicht am Renngerät gebrechen. Ab 1980 wurde im Geheimen am Projekt SE037 entwickelt. Das Kürzel verrät dabei, wer sich hier verwirklichen durfte, denn die Bezeichnung entsprach den Projektnamen von Abarth. Und dass die dortigen Ingenieurskünstler wussten, was sie taten, hatten sie in der Vergangenheit schon zur Genüge bewiesen.

Für die Basis weckte man die Fahrgastzelle des Beta Montecarlo von den Toten und baute nochmals 200 Stück. Rundherum montierte man einen Stahlrohrgeflecht, wie man es von der Formel 1 gelernt hatte. Gewicht stand schließlich ganz oben im Lastenheft. Dieselbe Aufgabe stellte man Pininfarina, wenn es um die Hülle ging. Die griffen zu den leichtesten Materialien, die die Wissenschaft kannte, und obwohl die Form der Funktion folgte, war deren Entwurf auch noch richtig schön.

Darunter ging es ums Eingemachte. Der Lampredi-DOHC-Vierzylinder wurde mit Roots-Kompressor aufgeblasen. Der Motor saß natürlich wieder hinter dem Fahrer, aber vor dem Getriebe, links und rechts davon zwei Tanks Das alles versteckte sich unter einer gewaltigen Haube, die in Sekunden weg war und wunderbar alles freilegte. In acht Minuten war etwa das Getriebe getauscht. Audi brauchte dafür eine Stunde.

Am Ende war eine Waffe geschaffen, die nur 960 Kilo wog und bis zu 335 PS leistete. Den Saisonstart 1982 hatte man verpasst. Erst bei der fünften Station in Frankreich rollten erstmals die weißen 037 mit den grazilen blauen und roten Streifen entlang ihres Hüftschwungs an den Start. Der Versuch ging daneben, doch bekam die Konkurrenz ein Gefühl dafür, dass man sich nun warm anziehen musste. Lancia war zurück und mit Ausnahme von Audi wirkte der Mitbewerb geradezu lächerlich antiquiert.

Vereinzelte Einsätze bis zum Saisonfinale sollten das Messer schärfen und für 1983 holte man sich den Besten der Besten ins Team. Der lange Tedesco, Walter Röhrl, zwei Mal schon Weltmeister, sollte zeigen, was der 037 konnte. Dabei wollte Röhrl gar keinen dritten Titel, der Rummel war im zuviel geworden, und unterschrieb für nur fünf Rallyes. Am Ende wurden es sechs und die Hälfte davon gewann er, einen Sieg schenkte er dem Teamkollegen Markku Alén, der die Weltmeisterschaft holen sollte, dazu noch ein zweiter und ein dritter Platz. Weltmeister wurde am Ende der falsche Finne, Hannu Mikkula auf Audi, doch die Konstrukteurswertung holte sich Lancia mit dem 037. Im Jahr darauf war der Quattro von Audi schon übermächtig. Erst mit dem monströsen Delta S4 mischte Lancia wieder ganz vorne mit. Der 037 sollte der letzte Hecktriebler sein, der Weltmeister wurde. Und selbst Röhrl bezeichnet ihn als das Beste, was er jemals gefahren ist.

Dieser Lancia Rally 037 ist ob seiner Geschichte ein ganz außergewöhnliches Exemplar. Sein erste Besitzer war ein Geschäftsmann und Gelegenheitsrennfahrer aus dem sizilianischen Enna, der nicht nur die finanziellen Möglichkeiten sondern auch die entsprechenden Kontakte gehabt haben muss. Schon in frühen Jahren war der als Stradale ausgelieferte 037 zum Evo 2 in die letzte Ausbaustufe aufgerüstet worden sein. Sogar die Wassereinspritzung ist vorhanden, jedoch stillgelegt, weil sie doch die Lebenszeit des Triebwerks deutlich verkürzt. Jegliche materialmordende Renneinsätze blieben dem 037 erspart und er überdauerte ganze drei Jahrzehnte unversehrt bei seinem Erstbesitzer, während es die Werks- und späteren Privatwagen in Fetzen riss.

Über einen kurzen Zwischenstopp in Norditalien, kam der 037 Anfang 2013 zu seinem erst dritten Besitzer nach Österreich. Um ihn in Schuss zu halten, ließ er nur Meister ihres Faches an seinen 037. Ein solcher war es dann aber auch, der für eine größere Revision sorgte. Als Walter Röhrl am Rossfeld am Steuer saß, trat ein Pleuel die Flucht an. Nicht der Großmeister sondern das Material war schuld gewesen, aber das 10 cm Loch im Block war nunmehr da. Ein neuer Block musste her und tatsächlich wurde einer von einer Handvoll originaler gefunden und darauf von den Ingenieuren von damals der Motor neu aufgebaut. Vollbrachte Tat war Anlass genug den 037 bei Abarth Classiche zur Zertifikation vorzuführen. Ohne Wenn und Aber gab es den Sanktus. Derart heiliggesprochen, gab es von der FIA auch die Zulassung zur historischen Gruppe B und die empfindliche Rechnung tat gleich etwas weniger weh.

Diesen Maschinen begegnet man heute mit einer Mischung aus Respekt, Faszination und Ehrfurcht. Sie waren die Besten ihrer Zeit und schrieben Rennsportgeschichte. Vor uns steht eine solche lebende Legende, sofort rennbereit, zertifiziert und dank einzigartiger Historie noch dazu gänzlich unversehrt!

19.10.2019 - 16:00

Erzielter Preis: **
EUR 406.200,-
Schätzwert:
EUR 370.000,- bis EUR 510.000,-

1983 Lancia Rally 037 Evo 2


Chassis: ZLA151ARO*00000118*,
Motor: 232 AR4 6403,
Papiere: Österreichische Einzelgenehmigung, FIA Papiere Periode J1, Klasse GTS 42, gültig bis 2028

30 Jahre beim Erstbesitzer
Nur drei Besitzer bis heute
Nie im Rennbetrieb geschunden
Zertifiziert von Abarth Classiche


Für die Rallye-Weltmeisterschaft 1982 kündigte die FIA ein neues Reglement an. Die Gruppe B ersetzte die Gruppe 4. Wesentliche Änderung war die um die Hälfte auf 200 Stück gesunkene Mindestzahl an produzierten Fahrzeugen, die zur Homologation genügte. Das eröffnete den Herstellern ganz neue Möglichkeiten und was folgte, war ein Wettrüsten, das es so davor und danach nie mehr wieder geben sollte.

Die plötzlichen neuen Freiheiten holten einen Hersteller aus dem Dornröschenschlaf, der schon ein paar Jahre zuvor der Welt zeigte, wo es lang ging. Drei Weltmeistertitel hatte Lancia mit dem Stratos in Folge eingefahren und selbst Jahre, nachdem das Werksengagement von der Konzernmutter zugunsten der eigenen, unterlegenen Fiat 131 Abarth abgedreht worden war, fuhren sie vorne mit. So überlegen waren die Stratos, so überlegen war Lancia. Nun stand das Comeback vor der Tür, mit Martini als neuem Hauptsponsor.

Weil die Ansprüche entsprechend waren, durfte das Unternehmen nicht am Renngerät gebrechen. Ab 1980 wurde im Geheimen am Projekt SE037 entwickelt. Das Kürzel verrät dabei, wer sich hier verwirklichen durfte, denn die Bezeichnung entsprach den Projektnamen von Abarth. Und dass die dortigen Ingenieurskünstler wussten, was sie taten, hatten sie in der Vergangenheit schon zur Genüge bewiesen.

Für die Basis weckte man die Fahrgastzelle des Beta Montecarlo von den Toten und baute nochmals 200 Stück. Rundherum montierte man einen Stahlrohrgeflecht, wie man es von der Formel 1 gelernt hatte. Gewicht stand schließlich ganz oben im Lastenheft. Dieselbe Aufgabe stellte man Pininfarina, wenn es um die Hülle ging. Die griffen zu den leichtesten Materialien, die die Wissenschaft kannte, und obwohl die Form der Funktion folgte, war deren Entwurf auch noch richtig schön.

Darunter ging es ums Eingemachte. Der Lampredi-DOHC-Vierzylinder wurde mit Roots-Kompressor aufgeblasen. Der Motor saß natürlich wieder hinter dem Fahrer, aber vor dem Getriebe, links und rechts davon zwei Tanks Das alles versteckte sich unter einer gewaltigen Haube, die in Sekunden weg war und wunderbar alles freilegte. In acht Minuten war etwa das Getriebe getauscht. Audi brauchte dafür eine Stunde.

Am Ende war eine Waffe geschaffen, die nur 960 Kilo wog und bis zu 335 PS leistete. Den Saisonstart 1982 hatte man verpasst. Erst bei der fünften Station in Frankreich rollten erstmals die weißen 037 mit den grazilen blauen und roten Streifen entlang ihres Hüftschwungs an den Start. Der Versuch ging daneben, doch bekam die Konkurrenz ein Gefühl dafür, dass man sich nun warm anziehen musste. Lancia war zurück und mit Ausnahme von Audi wirkte der Mitbewerb geradezu lächerlich antiquiert.

Vereinzelte Einsätze bis zum Saisonfinale sollten das Messer schärfen und für 1983 holte man sich den Besten der Besten ins Team. Der lange Tedesco, Walter Röhrl, zwei Mal schon Weltmeister, sollte zeigen, was der 037 konnte. Dabei wollte Röhrl gar keinen dritten Titel, der Rummel war im zuviel geworden, und unterschrieb für nur fünf Rallyes. Am Ende wurden es sechs und die Hälfte davon gewann er, einen Sieg schenkte er dem Teamkollegen Markku Alén, der die Weltmeisterschaft holen sollte, dazu noch ein zweiter und ein dritter Platz. Weltmeister wurde am Ende der falsche Finne, Hannu Mikkula auf Audi, doch die Konstrukteurswertung holte sich Lancia mit dem 037. Im Jahr darauf war der Quattro von Audi schon übermächtig. Erst mit dem monströsen Delta S4 mischte Lancia wieder ganz vorne mit. Der 037 sollte der letzte Hecktriebler sein, der Weltmeister wurde. Und selbst Röhrl bezeichnet ihn als das Beste, was er jemals gefahren ist.

Dieser Lancia Rally 037 ist ob seiner Geschichte ein ganz außergewöhnliches Exemplar. Sein erste Besitzer war ein Geschäftsmann und Gelegenheitsrennfahrer aus dem sizilianischen Enna, der nicht nur die finanziellen Möglichkeiten sondern auch die entsprechenden Kontakte gehabt haben muss. Schon in frühen Jahren war der als Stradale ausgelieferte 037 zum Evo 2 in die letzte Ausbaustufe aufgerüstet worden sein. Sogar die Wassereinspritzung ist vorhanden, jedoch stillgelegt, weil sie doch die Lebenszeit des Triebwerks deutlich verkürzt. Jegliche materialmordende Renneinsätze blieben dem 037 erspart und er überdauerte ganze drei Jahrzehnte unversehrt bei seinem Erstbesitzer, während es die Werks- und späteren Privatwagen in Fetzen riss.

Über einen kurzen Zwischenstopp in Norditalien, kam der 037 Anfang 2013 zu seinem erst dritten Besitzer nach Österreich. Um ihn in Schuss zu halten, ließ er nur Meister ihres Faches an seinen 037. Ein solcher war es dann aber auch, der für eine größere Revision sorgte. Als Walter Röhrl am Rossfeld am Steuer saß, trat ein Pleuel die Flucht an. Nicht der Großmeister sondern das Material war schuld gewesen, aber das 10 cm Loch im Block war nunmehr da. Ein neuer Block musste her und tatsächlich wurde einer von einer Handvoll originaler gefunden und darauf von den Ingenieuren von damals der Motor neu aufgebaut. Vollbrachte Tat war Anlass genug den 037 bei Abarth Classiche zur Zertifikation vorzuführen. Ohne Wenn und Aber gab es den Sanktus. Derart heiliggesprochen, gab es von der FIA auch die Zulassung zur historischen Gruppe B und die empfindliche Rechnung tat gleich etwas weniger weh.

Diesen Maschinen begegnet man heute mit einer Mischung aus Respekt, Faszination und Ehrfurcht. Sie waren die Besten ihrer Zeit und schrieben Rennsportgeschichte. Vor uns steht eine solche lebende Legende, sofort rennbereit, zertifiziert und dank einzigartiger Historie noch dazu gänzlich unversehrt!


Käufer Hotline Mo.-Fr.: 10.00 - 16.00
oldtimer@dorotheum.at

+43 1 515 60 428
Auktion: Klassische Fahrzeuge
Datum: 19.10.2019 - 16:00
Auktionsort: Messezentrum Salzburg
Besichtigung: 18.10. - 19.10.2019


** Kaufpreis inkl. Käufergebühr und Mehrwertsteuer

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