Lot Nr. 230 -


Domenico Maria Canuti


(Bologna 1620–1684)
Die mystische Vermählung der heiligen Katharina,
Öl auf Leinwand, 111 x 145 cm, gerahmt

Provenienz:
Galleria Fondantico, Bologna;
dort erworben durch den jetzigen Besitzer

Wir danken Daniele Benati, der die Zuschreibung nach Prüfung des vorliegenden Gemäldes im Original vorgeschlagen hat, für seine Hilfe bei der Katalogisierung des Lots.

Das vorliegende Gemälde steht mit einer ähnlichen Komposition in Beziehung, die Simoneta Stagni in ihrer Monographie zu Domenico Maria Canuti (siehe S. Stagni, Domenico Maria Canuti pittore [1626–1684], Rimini 1988, S. 163f., Nr. 26) publiziert hat. Benati datiert das zur Diskussion stehende Bild in die Zeit um 1670.

Die Üppigkeit des pastosen Farbauftrags dient im vorliegenden Fall dazu, die sich in einer an Annibale Carracci erinnernden Manier von einem dunklen Hintergrund abhebenden Figuren zu beleuchten und ihre Formen zu umreißen. Gewissenhaft versuchte Canuti, jede sich aus dem Erbe Renis ergebende, fest in der Bologneser Tradition verankerte Idealisierung zu vermeiden. Insofern stellt sich sein Schaffen als persönliche Interpretation der Wiederbelebung der venezianischen Malerei und caravaggesker Werke durch Annibale Carracci in den 1590er-Jahren dar, deren wertvolle Qualitäten es einer neuen Lektüre unterzieht.

Die horizontale Anlage des vorliegenden Gemäldes ist eine Lösung, die sich bei Staffeleigemälden Canutis häufig findet; weitere Beispiele wären etwa Die Erziehung des Jesuskindes im Diözesanmuseum Imola (Stagni 1988, S. 145, Nr. 13) sowie die Heilige Familie mit der heiligen Elisabeth, Johannes dem Täufer als Kind und einem Engel im Museum der Johannes-Paul-II.-Sammlung in Warschau, das Benati zufolge fälschlich Alessandro Tiarini zugeschrieben wird (Europäische Malerei. Galerie „Johannes Paul II“. Sammlung Janina und Zbigniew Carroll-Porczynski, Warschau 1991, S. 191, Nr. 43).

Canutis Rom-Besuch trug entscheidend zur raschen stilistischen Entwicklung des Künstlers bei, wie sie sich in seinen um 1670 entstandenen Werken zeigt. Auch sein Aufenthalt in Mantua war prägend. Ab 1662 war Canuti an der Ausstattung der heute nicht mehr bestehenden Villa von Carlo II. Gonzaga, Herzog von Nevers, in Marmirolo beteiligt und konnte sich in dieser Zeit mit den Werken Peter Paul Rubens’ beschäftigen, die in Mantua zu sehen waren. Im Anschluss daran sollte Canuti Aufträge für den Hof in Mantua übernehmen. Das erste Bild war Die Verzückung der heiligen Theresia (1670), das letzte Schutzengel (1677) für den Dom der Stadt. Dazwischen entstand das Gemälde Die Kommunion des heiligen Hieronymus für die Kirche San Girolamo fuori Porto, das sich heute im Museum des Palazzo Ducale in Mantua befindet (siehe S. L’Occaso, Museo di Palazzo Ducale di Mantova. Catalogo generale, Mantua 2011, S. 364, Nr. 444).

22.10.2019 - 18:30

Schätzwert:
EUR 40.000,- bis EUR 60.000,-

Domenico Maria Canuti


(Bologna 1620–1684)
Die mystische Vermählung der heiligen Katharina,
Öl auf Leinwand, 111 x 145 cm, gerahmt

Provenienz:
Galleria Fondantico, Bologna;
dort erworben durch den jetzigen Besitzer

Wir danken Daniele Benati, der die Zuschreibung nach Prüfung des vorliegenden Gemäldes im Original vorgeschlagen hat, für seine Hilfe bei der Katalogisierung des Lots.

Das vorliegende Gemälde steht mit einer ähnlichen Komposition in Beziehung, die Simoneta Stagni in ihrer Monographie zu Domenico Maria Canuti (siehe S. Stagni, Domenico Maria Canuti pittore [1626–1684], Rimini 1988, S. 163f., Nr. 26) publiziert hat. Benati datiert das zur Diskussion stehende Bild in die Zeit um 1670.

Die Üppigkeit des pastosen Farbauftrags dient im vorliegenden Fall dazu, die sich in einer an Annibale Carracci erinnernden Manier von einem dunklen Hintergrund abhebenden Figuren zu beleuchten und ihre Formen zu umreißen. Gewissenhaft versuchte Canuti, jede sich aus dem Erbe Renis ergebende, fest in der Bologneser Tradition verankerte Idealisierung zu vermeiden. Insofern stellt sich sein Schaffen als persönliche Interpretation der Wiederbelebung der venezianischen Malerei und caravaggesker Werke durch Annibale Carracci in den 1590er-Jahren dar, deren wertvolle Qualitäten es einer neuen Lektüre unterzieht.

Die horizontale Anlage des vorliegenden Gemäldes ist eine Lösung, die sich bei Staffeleigemälden Canutis häufig findet; weitere Beispiele wären etwa Die Erziehung des Jesuskindes im Diözesanmuseum Imola (Stagni 1988, S. 145, Nr. 13) sowie die Heilige Familie mit der heiligen Elisabeth, Johannes dem Täufer als Kind und einem Engel im Museum der Johannes-Paul-II.-Sammlung in Warschau, das Benati zufolge fälschlich Alessandro Tiarini zugeschrieben wird (Europäische Malerei. Galerie „Johannes Paul II“. Sammlung Janina und Zbigniew Carroll-Porczynski, Warschau 1991, S. 191, Nr. 43).

Canutis Rom-Besuch trug entscheidend zur raschen stilistischen Entwicklung des Künstlers bei, wie sie sich in seinen um 1670 entstandenen Werken zeigt. Auch sein Aufenthalt in Mantua war prägend. Ab 1662 war Canuti an der Ausstattung der heute nicht mehr bestehenden Villa von Carlo II. Gonzaga, Herzog von Nevers, in Marmirolo beteiligt und konnte sich in dieser Zeit mit den Werken Peter Paul Rubens’ beschäftigen, die in Mantua zu sehen waren. Im Anschluss daran sollte Canuti Aufträge für den Hof in Mantua übernehmen. Das erste Bild war Die Verzückung der heiligen Theresia (1670), das letzte Schutzengel (1677) für den Dom der Stadt. Dazwischen entstand das Gemälde Die Kommunion des heiligen Hieronymus für die Kirche San Girolamo fuori Porto, das sich heute im Museum des Palazzo Ducale in Mantua befindet (siehe S. L’Occaso, Museo di Palazzo Ducale di Mantova. Catalogo generale, Mantua 2011, S. 364, Nr. 444).


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Auktion: Alte Meister II
Datum: 22.10.2019 - 18:30
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 12.10. - 22.10.2019