Lot Nr. 277 -


Johann Conrad Seekatz


(Grünstadt 1719–1768 Darmstadt)
Ein strickendes junges Mädchen,
Öl auf Holz, 15 x 11,9 cm, gerahmt

Wir danken Gerhard Kölsch für seine Hilfe bei der Bestimmung des Künstlers. Ein schriftliches Gutachten liegt vor.

Dieses Werk von Johann Conrad Seekatz repräsentiert eine spezielle Ausprägung jener Genregemälde mit Kindern, für die der Darmstädter Maler bereits zu Lebzeiten berühmt war. Der florierende Frankfurter Kunstmarkt und Privatsammler zahlten für seine Genrestücke im „holländischen Geschmack“ gutes Geld, und seine Werke bereicherten auch das Gemäldekabinett von Johann Caspar Goethe. 1759 bis 1763 arbeitete Seekatz für den „Königsleutnant“ François de Thoranc, der dessen Genrebilder als „natürliche und unschuldige Vorstellungen“ (Goethe, Dichtung und Wahrheit) besonders schätzte (vgl. die zwölf Monatsbilder für Thoranc; heute Goethe-Museum Frankfurt).

Die Genreszenen von Seekatz zeigen sich ausgesprochen vielgestaltig, wobei eine besondere Vorliebe für Szenen aus dem Leben von Hausierern, fahrendem Volk, Savoyarden und Räubern auffällt, die der Maler mit erzählerischen Details ausschmückte und in durchweg idealisierender Weise schildete. In allen diesen Szenen spielen Kinder eine Rolle, und zum Teil konzentriert sich der Maler ganz auf diese, meist gezeigt beim harmlos-fröhlichen Zeitvertreib – doch immer spielen niederländische Vorbilder des 17. Jahrhunderts, die bei zeitgenössischen Sammlern besonders gesucht waren, eine wichtige Rolle. Während sich Seekatz häufig auf die Leidener Feinmaler bezieht, fällt bei dem vorliegenden Werk seine im Vergleich lebendiger und spontaner wirkende Malweise auf, die insbesondere Details der Kleidung und die Haare mit Häubchen und Schleife in gezackt-bewegten Pinselzügen und mit leicht plastischen Höhungen umreißt. Die lebhafte Malweise und das aus feinabgestimmten, braunen, rosa, gelblichen und gebrochen weißen Tönen gebildete Kolorit des besprochenen Mädchens findet sich auch in weiteren Kindeszenen des Malers, etwa einem flüssig auf Eiche gemalten Lesenden Knaben aus dem Kunsthandel. Beide werden nach der Stilentwicklung des Malers wohl um 1760/65 entstanden sein. Eine entsprechende Malweise mit dynamischen Einzelformen und pastosem Farbauftrag zeigen auch eine ganze Reihe der virtuos ausgearbeiteten Ölstudien, mit denen Seekatz viele seiner Gemälde vorbereitete

Experte: Dr. Alexander Strasoldo Dr. Alexander Strasoldo
+43-1-515 60-556

alexander.strasoldo@dorotheum.at

22.10.2019 - 18:30

Schätzwert:
EUR 6.000,- bis EUR 8.000,-

Johann Conrad Seekatz


(Grünstadt 1719–1768 Darmstadt)
Ein strickendes junges Mädchen,
Öl auf Holz, 15 x 11,9 cm, gerahmt

Wir danken Gerhard Kölsch für seine Hilfe bei der Bestimmung des Künstlers. Ein schriftliches Gutachten liegt vor.

Dieses Werk von Johann Conrad Seekatz repräsentiert eine spezielle Ausprägung jener Genregemälde mit Kindern, für die der Darmstädter Maler bereits zu Lebzeiten berühmt war. Der florierende Frankfurter Kunstmarkt und Privatsammler zahlten für seine Genrestücke im „holländischen Geschmack“ gutes Geld, und seine Werke bereicherten auch das Gemäldekabinett von Johann Caspar Goethe. 1759 bis 1763 arbeitete Seekatz für den „Königsleutnant“ François de Thoranc, der dessen Genrebilder als „natürliche und unschuldige Vorstellungen“ (Goethe, Dichtung und Wahrheit) besonders schätzte (vgl. die zwölf Monatsbilder für Thoranc; heute Goethe-Museum Frankfurt).

Die Genreszenen von Seekatz zeigen sich ausgesprochen vielgestaltig, wobei eine besondere Vorliebe für Szenen aus dem Leben von Hausierern, fahrendem Volk, Savoyarden und Räubern auffällt, die der Maler mit erzählerischen Details ausschmückte und in durchweg idealisierender Weise schildete. In allen diesen Szenen spielen Kinder eine Rolle, und zum Teil konzentriert sich der Maler ganz auf diese, meist gezeigt beim harmlos-fröhlichen Zeitvertreib – doch immer spielen niederländische Vorbilder des 17. Jahrhunderts, die bei zeitgenössischen Sammlern besonders gesucht waren, eine wichtige Rolle. Während sich Seekatz häufig auf die Leidener Feinmaler bezieht, fällt bei dem vorliegenden Werk seine im Vergleich lebendiger und spontaner wirkende Malweise auf, die insbesondere Details der Kleidung und die Haare mit Häubchen und Schleife in gezackt-bewegten Pinselzügen und mit leicht plastischen Höhungen umreißt. Die lebhafte Malweise und das aus feinabgestimmten, braunen, rosa, gelblichen und gebrochen weißen Tönen gebildete Kolorit des besprochenen Mädchens findet sich auch in weiteren Kindeszenen des Malers, etwa einem flüssig auf Eiche gemalten Lesenden Knaben aus dem Kunsthandel. Beide werden nach der Stilentwicklung des Malers wohl um 1760/65 entstanden sein. Eine entsprechende Malweise mit dynamischen Einzelformen und pastosem Farbauftrag zeigen auch eine ganze Reihe der virtuos ausgearbeiteten Ölstudien, mit denen Seekatz viele seiner Gemälde vorbereitete

Experte: Dr. Alexander Strasoldo Dr. Alexander Strasoldo
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alexander.strasoldo@dorotheum.at


Käufer Hotline Mo.-Fr.: 09.00 - 18.00
old.masters@dorotheum.at

+43 1 515 60 403
Auktion: Alte Meister II
Datum: 22.10.2019 - 18:30
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 12.10. - 22.10.2019