Lot Nr. 301


Lucio Fontana *


(Rosario di Santa Fe, Argentinien 1899–1968 Comabbio)
Concetto Spaziale (Teatrino), 1965-1966, auf der Rückseite signiert und betitelt L. Fontana, Concetto Spaziale, Dispersionsfarbe auf Leinwand und lackiertem Holz, 110 x 110 cm

Die vorliegende Arbeit ist bei der Fondazione Lucio Fontana, Mailand registriert. Ein Fotozertifikat liegt bei.

Provenienz:
Der Künstler
Alfred Otto Müller, Köln (in den 1960er Jahren direkt vom Künstler erworben)
Sotheby’s London, Contemporary Art Part I, 9. Dezember 1999, Los 17
Privatsammlung
Europäische Privatsammlung

Ausgestellt:
Wuppertal, Kunst-und Museumverein, Hommage à Fontana, 1969, Ausst.-Kat. Nr. 41, mit Abb. (rückseitig Aufkleber)

Literatur:
Rheinische Post, 30. Oktober 1969 mit Abb.
Christ und die Welt, Nr. 44, 31. Oktober 1969, S. 12 mit Abb.
E. Crispolti, Lucio Fontana, Catalogue Raisonné des peintures, sculptures et environnements spatiaux, Bd. II, La Connaissance, Brüssel 1974, S. 176, Nr. 66TE29 mit Abb.
E. Lucie-Smith, Art Today, Phaidon Press, Oxford 1977, S. 190 mit Abb.
E. Crispolti, Lucio Fontana, Catalogo Generale 1, Band II, Electa, Mailand 1986, S. 623, Nr. 66TE 29 mit Abb.
E. Crispolti, Lucio Fontana, Catalogo Ragionato di Sculture, Dipinti, Ambientazioni, Band II, Skira, Mailand 2006, S. 812, Nr. 66 TE 29 mit Abb.

Die 1964 entstandene Serie der „Teatrini“ leitet ihren Namen von der figurativen Struktur ab. Diese ergibt sich durch Rahmen aus lackiertem, einheitlich gefärbtem Holz, die an architektonische „Kulissen“ erinnern. Ein großteils monochromer, perforierter Hintergrund stellt eine Art „Himmel“ dar, der als Hintergrund für ein durch unterschiedliche Profile gekennzeichnetes Quadrat dient. Die Beziehung zwischen Rahmen und Leinwand wird durch die chromatische Auswahl betont, die von Ton in Ton bis zum ausgeprägtesten Bichromatismus reicht, während die Formen (Bäume, Wolken und Landschaften) auf die organische und natürliche Welt verweisen.
Fontana betrachtete diese Serie als Höhepunkt seiner Concetti Spaziali, Werke, die konzipiert wurden, um die Wahrnehmung des Raumes durch den Betrachter zu beeinflussen. Er definierte diese späte Entwicklung seines theoretischen Ansatzes als realistischen Spatialismus.
Wie Enrico Crispolti feststellte, arbeitete Fontana in den 1950er und 1960er Jahren an der „Erweiterung der Bandbreite möglicher Formulierungen in Bezug auf die Sprache. Dies äußerte sich zum einen in seiner Beteiligung basierend auf dem Informel-Problem Ende der vierziger Jahre und während der fünfziger Jahre (deren wichtigster europäischer Vertreter der französische Kritiker Michel Tapié war). In den sechziger Jahren war er dann an der Fortentwicklung der neuen europäischen Avantgardebewegungen im Kontext der bewussten ‚Post-Informel‘-Forschung mitbeteiligt (von der Monochromatik über die Auslöschung der Geste - wie in den Werken der mitteleuropäischen Gruppen Zero und Nul - bis hin zu einer der Pop-Art ähnlichen Essenz der Figuration, die in der Konstruktion von Skulpturen mit einem ‚Raketenakzent‘, einer kosmischen imaginativen Projektion mündete).“ (Crispolti, 2006, Bd. I, S. 16)
In den „Teatrini“ wird die Sensibilität und das Interesse des Künstlers für bildende Kunst, Theater und Design deutlich, das er in den 60er Jahren in Italien entwickelt hatte. Die für dieses Concetto Spaziale gewählten Farben, Blau und Tiefblau, sind in der Tat ein Beweis für Fontanas wachsendes Interesse an der Entwicklung der Pop Art in England und den USA: „Die ‚Teatrini‘ waren eine Art ‚realistischer Spatialismus‘, auch ein wenig im Stil der Pop Art... aber immer in meinem Stil. Es waren Formen, die sich der Mensch im Raum vorstellt.“ Die Anspielung auf den Raum zeigt sich vor allem auch durch die Löcher, die entlang der Leinwand verlaufen, und die Idee von menschlichen Spuren am Himmel erwecken sollen.
Fontana übernimmt die brillante Konsumästhetik der 1960er Jahre und bewahrt in seinen Werken dieser Zeit kontrollierte Eleganz und die Charakteristik seines unverwechselbaren Stils.

Experte: Alessandro Rizzi Alessandro Rizzi
+39-02-303 52 41

alessandro.rizzi@dorotheum.it

27.11.2019 - 18:00

Schätzwert:
EUR 240.000,- bis EUR 320.000,-

Lucio Fontana *


(Rosario di Santa Fe, Argentinien 1899–1968 Comabbio)
Concetto Spaziale (Teatrino), 1965-1966, auf der Rückseite signiert und betitelt L. Fontana, Concetto Spaziale, Dispersionsfarbe auf Leinwand und lackiertem Holz, 110 x 110 cm

Die vorliegende Arbeit ist bei der Fondazione Lucio Fontana, Mailand registriert. Ein Fotozertifikat liegt bei.

Provenienz:
Der Künstler
Alfred Otto Müller, Köln (in den 1960er Jahren direkt vom Künstler erworben)
Sotheby’s London, Contemporary Art Part I, 9. Dezember 1999, Los 17
Privatsammlung
Europäische Privatsammlung

Ausgestellt:
Wuppertal, Kunst-und Museumverein, Hommage à Fontana, 1969, Ausst.-Kat. Nr. 41, mit Abb. (rückseitig Aufkleber)

Literatur:
Rheinische Post, 30. Oktober 1969 mit Abb.
Christ und die Welt, Nr. 44, 31. Oktober 1969, S. 12 mit Abb.
E. Crispolti, Lucio Fontana, Catalogue Raisonné des peintures, sculptures et environnements spatiaux, Bd. II, La Connaissance, Brüssel 1974, S. 176, Nr. 66TE29 mit Abb.
E. Lucie-Smith, Art Today, Phaidon Press, Oxford 1977, S. 190 mit Abb.
E. Crispolti, Lucio Fontana, Catalogo Generale 1, Band II, Electa, Mailand 1986, S. 623, Nr. 66TE 29 mit Abb.
E. Crispolti, Lucio Fontana, Catalogo Ragionato di Sculture, Dipinti, Ambientazioni, Band II, Skira, Mailand 2006, S. 812, Nr. 66 TE 29 mit Abb.

Die 1964 entstandene Serie der „Teatrini“ leitet ihren Namen von der figurativen Struktur ab. Diese ergibt sich durch Rahmen aus lackiertem, einheitlich gefärbtem Holz, die an architektonische „Kulissen“ erinnern. Ein großteils monochromer, perforierter Hintergrund stellt eine Art „Himmel“ dar, der als Hintergrund für ein durch unterschiedliche Profile gekennzeichnetes Quadrat dient. Die Beziehung zwischen Rahmen und Leinwand wird durch die chromatische Auswahl betont, die von Ton in Ton bis zum ausgeprägtesten Bichromatismus reicht, während die Formen (Bäume, Wolken und Landschaften) auf die organische und natürliche Welt verweisen.
Fontana betrachtete diese Serie als Höhepunkt seiner Concetti Spaziali, Werke, die konzipiert wurden, um die Wahrnehmung des Raumes durch den Betrachter zu beeinflussen. Er definierte diese späte Entwicklung seines theoretischen Ansatzes als realistischen Spatialismus.
Wie Enrico Crispolti feststellte, arbeitete Fontana in den 1950er und 1960er Jahren an der „Erweiterung der Bandbreite möglicher Formulierungen in Bezug auf die Sprache. Dies äußerte sich zum einen in seiner Beteiligung basierend auf dem Informel-Problem Ende der vierziger Jahre und während der fünfziger Jahre (deren wichtigster europäischer Vertreter der französische Kritiker Michel Tapié war). In den sechziger Jahren war er dann an der Fortentwicklung der neuen europäischen Avantgardebewegungen im Kontext der bewussten ‚Post-Informel‘-Forschung mitbeteiligt (von der Monochromatik über die Auslöschung der Geste - wie in den Werken der mitteleuropäischen Gruppen Zero und Nul - bis hin zu einer der Pop-Art ähnlichen Essenz der Figuration, die in der Konstruktion von Skulpturen mit einem ‚Raketenakzent‘, einer kosmischen imaginativen Projektion mündete).“ (Crispolti, 2006, Bd. I, S. 16)
In den „Teatrini“ wird die Sensibilität und das Interesse des Künstlers für bildende Kunst, Theater und Design deutlich, das er in den 60er Jahren in Italien entwickelt hatte. Die für dieses Concetto Spaziale gewählten Farben, Blau und Tiefblau, sind in der Tat ein Beweis für Fontanas wachsendes Interesse an der Entwicklung der Pop Art in England und den USA: „Die ‚Teatrini‘ waren eine Art ‚realistischer Spatialismus‘, auch ein wenig im Stil der Pop Art... aber immer in meinem Stil. Es waren Formen, die sich der Mensch im Raum vorstellt.“ Die Anspielung auf den Raum zeigt sich vor allem auch durch die Löcher, die entlang der Leinwand verlaufen, und die Idee von menschlichen Spuren am Himmel erwecken sollen.
Fontana übernimmt die brillante Konsumästhetik der 1960er Jahre und bewahrt in seinen Werken dieser Zeit kontrollierte Eleganz und die Charakteristik seines unverwechselbaren Stils.

Experte: Alessandro Rizzi Alessandro Rizzi
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Auktion: Zeitgenössische Kunst I
Datum: 27.11.2019 - 18:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 16.11. - 27.11.2019