Lot Nr. 328


Pablo Atchugarry *


(Uruguay 1954 geb.)
Via Crucis, 1993, Carrara-Marmor, 390 x 150 x 90 cm

Provenienz:
Europäische Privatsammlung

Ausgestellt:
Brüssel FIAL ’94, Parc des Expositions, 21. bis 25. September 1994

Literature:
Pablo Atchugarry, Palma Arte Gallery, Fidenza 1994
(mit Abb. auf dem Vorderumschlag und im Katalog ohne Seitenangabe)
AA.VV., Alla ricerca del sublime, Museo Pablo Atchugarry, Lecco 1999, S. 102
C. Pirovano, Atchugarry. Catalogo generale della scultura, Bd. I, 1971 – 2002, Mondadori Electa, Mailand 2012, S. 132 Nr. 1993 6 mit Abb.
AA.VV., Le infinite evoluzioni del marmo, 2001, S. 44-45
T.-H Borchert, A Journey between matter and light, Pablo Atchugarry, Oostkamp 2006, S. 112-113
L.M. Barbero, Lo spazio plastico della luce, in Pablo Atchugarry, Brescia 2007, S. 8-23

Auch wenn sich Atchugarrys Kunst in einer Vielzahl von Materialien, von Bronze bis hin zu Hochglanzfarben, ausdrückt, bevorzugt er den Marmor. Von Michelangelo inspiriert, untersucht und hinterfragt der Künstler das Material, bis er die im Stein verborgene Form freigibt und durch das einfallende Licht zwischen den Falten des Marmors ein Spiel von Reflexionen schafft, das mit seinen Skulpturen in Dialog tritt und deren Plastizität betont.
Atchugarry erklärt seine eigene ästhetische Welt und insbesondere die Entdeckung des Marmors mit diesen Worten: „Es war 1979 und ich hatte zum ersten Mal die Gelegenheit, damit zu arbeiten, es war Liebe auf den ersten Blick. Marmor ist das Material, das ich bevorzuge, in seinen vier Varianten, die ich gerne als ‚Pinselstriche der Natur‘ bezeichne: der weiße Statuario aus Carrara, rosa, grauer und schwarzer Marmor aus Belgien. Ich habe auch mit Bronze, Stahl und Holz gearbeitet. Tatsächlich wird eine Art Dialog zwischen dem Material und dem Künstler hergestellt: Es ist nicht nur der Künstler, der das Material wählt, sondern umgekehrt, es ist auch das Material, das den Künstler wählt, ihn leitet, durch seine Schönheit und seine Unvollkommenheiten. Wie Michelangelo behauptete, ist die Idee, die mich bei der Bildhauerei leitet, dass das Werk nur aus dem vor mir liegenden Materialblock herausgenommen werden soll.“

Die monumentale Skulptur Via Crucis wurde ebenfalls aus Marmor gefertigt. An ihr arbeitete Pablo Atchugarry kurz nach seinem Umzug nach Lecco, wo er das Ehepaar Bonetti kennenlernte, Kunstliebhaber und erste Sammler seiner Skulpturen in Italien. Das Paar beauftragte den Künstler mit einem großen Werk, dessen Thema an die Hauptstationen des Kreuzwegs erinnert. Die Arbeit an Via Crucis begann in den 1980er Jahren, wurde aber erst 1993, im Jahr der Übergabe an das Ehepaar Bonetti, der Öffentlichkeit vorgestellt. Es ist das Ergebnis einer langen Entwicklung, motiviert durch das Band der dauerhaften Freundschaft zwischen dem Künstler und seinen Kunden. Die geschickte Verflechtung der Linien und die unerwartete Entwicklung des kraftvollen Volumens offenbaren die Meisterschaft des Künstlers in der Gestaltung des Materials. So wird die kraftvolle Energie des Materials ebenso wahrgenommen wie die Leichtigkeit, die die seidige Glätte dem weißen Carrara Marmor verleiht.

„Das Herausschälen der Schichten des Marmors [...], der unendlich von Schluchten und Abgründen der Dunkelheit durchzogen wird, aus denen schließlich die schillernde Reinheit des Steins hervorgeht, ist fast ein rettender Vorgang, der aus der Dunkelheit den Geist zum Himmel erhebt.
Aus diesem Grund kann man bei der Bewunderung seiner Werke die Energie der Schöpfung in einer mystischen Inspiration von sinnlichem Weiß und verstörender Tiefe erfassen.“
G. Folco

Experte: Alessandro Rizzi Alessandro Rizzi
+39-02-303 52 41

alessandro.rizzi@dorotheum.it

27.11.2019 - 18:00

Schätzwert:
EUR 140.000,- bis EUR 180.000,-

Pablo Atchugarry *


(Uruguay 1954 geb.)
Via Crucis, 1993, Carrara-Marmor, 390 x 150 x 90 cm

Provenienz:
Europäische Privatsammlung

Ausgestellt:
Brüssel FIAL ’94, Parc des Expositions, 21. bis 25. September 1994

Literature:
Pablo Atchugarry, Palma Arte Gallery, Fidenza 1994
(mit Abb. auf dem Vorderumschlag und im Katalog ohne Seitenangabe)
AA.VV., Alla ricerca del sublime, Museo Pablo Atchugarry, Lecco 1999, S. 102
C. Pirovano, Atchugarry. Catalogo generale della scultura, Bd. I, 1971 – 2002, Mondadori Electa, Mailand 2012, S. 132 Nr. 1993 6 mit Abb.
AA.VV., Le infinite evoluzioni del marmo, 2001, S. 44-45
T.-H Borchert, A Journey between matter and light, Pablo Atchugarry, Oostkamp 2006, S. 112-113
L.M. Barbero, Lo spazio plastico della luce, in Pablo Atchugarry, Brescia 2007, S. 8-23

Auch wenn sich Atchugarrys Kunst in einer Vielzahl von Materialien, von Bronze bis hin zu Hochglanzfarben, ausdrückt, bevorzugt er den Marmor. Von Michelangelo inspiriert, untersucht und hinterfragt der Künstler das Material, bis er die im Stein verborgene Form freigibt und durch das einfallende Licht zwischen den Falten des Marmors ein Spiel von Reflexionen schafft, das mit seinen Skulpturen in Dialog tritt und deren Plastizität betont.
Atchugarry erklärt seine eigene ästhetische Welt und insbesondere die Entdeckung des Marmors mit diesen Worten: „Es war 1979 und ich hatte zum ersten Mal die Gelegenheit, damit zu arbeiten, es war Liebe auf den ersten Blick. Marmor ist das Material, das ich bevorzuge, in seinen vier Varianten, die ich gerne als ‚Pinselstriche der Natur‘ bezeichne: der weiße Statuario aus Carrara, rosa, grauer und schwarzer Marmor aus Belgien. Ich habe auch mit Bronze, Stahl und Holz gearbeitet. Tatsächlich wird eine Art Dialog zwischen dem Material und dem Künstler hergestellt: Es ist nicht nur der Künstler, der das Material wählt, sondern umgekehrt, es ist auch das Material, das den Künstler wählt, ihn leitet, durch seine Schönheit und seine Unvollkommenheiten. Wie Michelangelo behauptete, ist die Idee, die mich bei der Bildhauerei leitet, dass das Werk nur aus dem vor mir liegenden Materialblock herausgenommen werden soll.“

Die monumentale Skulptur Via Crucis wurde ebenfalls aus Marmor gefertigt. An ihr arbeitete Pablo Atchugarry kurz nach seinem Umzug nach Lecco, wo er das Ehepaar Bonetti kennenlernte, Kunstliebhaber und erste Sammler seiner Skulpturen in Italien. Das Paar beauftragte den Künstler mit einem großen Werk, dessen Thema an die Hauptstationen des Kreuzwegs erinnert. Die Arbeit an Via Crucis begann in den 1980er Jahren, wurde aber erst 1993, im Jahr der Übergabe an das Ehepaar Bonetti, der Öffentlichkeit vorgestellt. Es ist das Ergebnis einer langen Entwicklung, motiviert durch das Band der dauerhaften Freundschaft zwischen dem Künstler und seinen Kunden. Die geschickte Verflechtung der Linien und die unerwartete Entwicklung des kraftvollen Volumens offenbaren die Meisterschaft des Künstlers in der Gestaltung des Materials. So wird die kraftvolle Energie des Materials ebenso wahrgenommen wie die Leichtigkeit, die die seidige Glätte dem weißen Carrara Marmor verleiht.

„Das Herausschälen der Schichten des Marmors [...], der unendlich von Schluchten und Abgründen der Dunkelheit durchzogen wird, aus denen schließlich die schillernde Reinheit des Steins hervorgeht, ist fast ein rettender Vorgang, der aus der Dunkelheit den Geist zum Himmel erhebt.
Aus diesem Grund kann man bei der Bewunderung seiner Werke die Energie der Schöpfung in einer mystischen Inspiration von sinnlichem Weiß und verstörender Tiefe erfassen.“
G. Folco

Experte: Alessandro Rizzi Alessandro Rizzi
+39-02-303 52 41

alessandro.rizzi@dorotheum.it


Käufer Hotline Mo.-Fr.: 09.00 - 18.00
kundendienst@dorotheum.at

+43 1 515 60 200
Auktion: Zeitgenössische Kunst I
Datum: 27.11.2019 - 18:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 16.11. - 27.11.2019