Lot Nr. 330


Fabio Mauri *


(Rom 1926–2009)
Warum ein Gedanke einen Raum verpestet? aus „Warum ein Gedanke einen Raum verpestet?“, 1972, Eisen, Papier mit Letraset, 71 x 43 x 6 cm

Fotozertifikat:
Studio Fabio Mauri, Rom, Nr. 984

Provenienz:
Sammlung Gemma und Alberto Boatto (direkt vom Künstler)

Literatur:
Fabio Mauri Der Politische Ventilator, 1/11/1973 S. 75 mit Abb.

Fabio Mauri erstellte seine ersten Leinwände in den späten 1950er Jahren. Die Idee der Leinwand ging über alle ideologischen Vorstellungen hinaus, (...) und stellten den Ort einer jeder möglichen Projektion dar (...) durch Projektionen kann man die gängigen Wege der Interpretation der Realität isolieren: Jede Projektion umfasst eine individuelle Handlung. (Aus: en.fabiomauri.com/works/screens.html)

Fabio Mauri setzte die Entwicklung von Bildschirmen („Schermi“) in den 60er Jahren fort und begann Anfang der 70er Jahre mit der Ausführung der so genannten Bildschirme zweiter Generation.

1972 schuf er insgesamt 40 Leinwände, davon waren 11 aus Papier und der Rest aus Leinen. Die erste Serie, die in Rom in der Galleria Seconda Scala ausgestellt wurde, bestand aus Papier und trug den Titel „Warum ein Gedanke einen Raum verpestet“.

Mauri hatte 1971 begonnen, die gotisch-deutsche Schrift zu verwenden; er glaubte fest daran, dass das Deutsche, als Sprache von Luther, Kant, Goethe, Hegel, Nietzsche, Marx, Engels, Freud, Planck und Einstein die Mutter der europäischen Kultur war: „Das Deutsche umfasst den tiefen Gedanken einer Sprache und einer leidenschaftlichen Rationalität“, schrieb er in einem seiner Essays.

Angesichts der Bedeutung dieser Leinwand, die wir hier anbieten, und die der gesamte Serie ihren Namen gab, wollte Mauri, dass sein guter Freund Alberto Boatto, der renommierte Kunstkritiker und Schriftsteller, sie in seine persönliche Sammlung aufnahm. Mauri und Boatto hatten sich in den sechziger Jahren kennengelernt und sie arbeiteten oft zusammen und pflegten seitdem eine enge Freundschaft. Die Liste der Ausstellungen, an denen sie mitgewirkt haben, ist lang: von „Ghenos Eros Thanatos“, 1974 von Alberto Boatto in Bologna kuratiert (Galleria de Foscherari) und in Rom (Galleria La Salita, wo die Performance stattfand) ausgestellt; „Oscuramento“, 1975 in der Galleria Cannaviello in Rom, für die Boatto auch den Ausstellungskatalog kuratierte; sowie der Text in „Fabio Mauri, D.P.V. Der Politische Ventilator“, geschrieben von Boatto 1973, und später im Jahre 1990  der Artikel für den „Interno -Esterno“ in der Galleria Anna D’Ascanio in Rom und der Galleria Carini in Florenz.

Im Jahre 1976 finanzierte Fabio Mauri das viermonatige Kunstmagazin „La Città di Riga“ (Die Stadt Riga) mit Alberto Boatto, Maurizio Calvesi, Jannis Kounellis und Umberto Silva.  Die erste Ausgabe hatte Beiträge von Künstlern wie Mario Merz, Eliseo Mattiacci, Jannis Kounellis, Giulio Paolini, Michelangelo Pistoletto, Alighiero Boetti. Gemma Vincenzini Boatto, eine italienische Fernsehjournalistin und Ehefrau von Alberto, nahm immer an den Treffen für die Zeitschrift Città di Riga bei Fabio Mauri in Rom teil. Sie verpasste nie eins. Über Fabio Mauri sagt sie: „Ich erinnere mich an Fabio als visionären Denker, den Autor von Performances, die oft ideologisch waren, einen gründlichen Künstler, der wirklich eine ‚Berufung‘ hatte, und der menschlich zu einer Höflichkeit neigte, die wir immer wahrgenommen haben, die er aber nie vor sich hergetragen hat.“
(Gemma Boatto, Oktober 2019)

Experten: Flaminia Allvin Flaminia Allvin
+390669923671

flaminia.allvin@dorotheum.it

27.11.2019 - 18:00

Schätzwert:
EUR 50.000,- bis EUR 70.000,-

Fabio Mauri *


(Rom 1926–2009)
Warum ein Gedanke einen Raum verpestet? aus „Warum ein Gedanke einen Raum verpestet?“, 1972, Eisen, Papier mit Letraset, 71 x 43 x 6 cm

Fotozertifikat:
Studio Fabio Mauri, Rom, Nr. 984

Provenienz:
Sammlung Gemma und Alberto Boatto (direkt vom Künstler)

Literatur:
Fabio Mauri Der Politische Ventilator, 1/11/1973 S. 75 mit Abb.

Fabio Mauri erstellte seine ersten Leinwände in den späten 1950er Jahren. Die Idee der Leinwand ging über alle ideologischen Vorstellungen hinaus, (...) und stellten den Ort einer jeder möglichen Projektion dar (...) durch Projektionen kann man die gängigen Wege der Interpretation der Realität isolieren: Jede Projektion umfasst eine individuelle Handlung. (Aus: en.fabiomauri.com/works/screens.html)

Fabio Mauri setzte die Entwicklung von Bildschirmen („Schermi“) in den 60er Jahren fort und begann Anfang der 70er Jahre mit der Ausführung der so genannten Bildschirme zweiter Generation.

1972 schuf er insgesamt 40 Leinwände, davon waren 11 aus Papier und der Rest aus Leinen. Die erste Serie, die in Rom in der Galleria Seconda Scala ausgestellt wurde, bestand aus Papier und trug den Titel „Warum ein Gedanke einen Raum verpestet“.

Mauri hatte 1971 begonnen, die gotisch-deutsche Schrift zu verwenden; er glaubte fest daran, dass das Deutsche, als Sprache von Luther, Kant, Goethe, Hegel, Nietzsche, Marx, Engels, Freud, Planck und Einstein die Mutter der europäischen Kultur war: „Das Deutsche umfasst den tiefen Gedanken einer Sprache und einer leidenschaftlichen Rationalität“, schrieb er in einem seiner Essays.

Angesichts der Bedeutung dieser Leinwand, die wir hier anbieten, und die der gesamte Serie ihren Namen gab, wollte Mauri, dass sein guter Freund Alberto Boatto, der renommierte Kunstkritiker und Schriftsteller, sie in seine persönliche Sammlung aufnahm. Mauri und Boatto hatten sich in den sechziger Jahren kennengelernt und sie arbeiteten oft zusammen und pflegten seitdem eine enge Freundschaft. Die Liste der Ausstellungen, an denen sie mitgewirkt haben, ist lang: von „Ghenos Eros Thanatos“, 1974 von Alberto Boatto in Bologna kuratiert (Galleria de Foscherari) und in Rom (Galleria La Salita, wo die Performance stattfand) ausgestellt; „Oscuramento“, 1975 in der Galleria Cannaviello in Rom, für die Boatto auch den Ausstellungskatalog kuratierte; sowie der Text in „Fabio Mauri, D.P.V. Der Politische Ventilator“, geschrieben von Boatto 1973, und später im Jahre 1990  der Artikel für den „Interno -Esterno“ in der Galleria Anna D’Ascanio in Rom und der Galleria Carini in Florenz.

Im Jahre 1976 finanzierte Fabio Mauri das viermonatige Kunstmagazin „La Città di Riga“ (Die Stadt Riga) mit Alberto Boatto, Maurizio Calvesi, Jannis Kounellis und Umberto Silva.  Die erste Ausgabe hatte Beiträge von Künstlern wie Mario Merz, Eliseo Mattiacci, Jannis Kounellis, Giulio Paolini, Michelangelo Pistoletto, Alighiero Boetti. Gemma Vincenzini Boatto, eine italienische Fernsehjournalistin und Ehefrau von Alberto, nahm immer an den Treffen für die Zeitschrift Città di Riga bei Fabio Mauri in Rom teil. Sie verpasste nie eins. Über Fabio Mauri sagt sie: „Ich erinnere mich an Fabio als visionären Denker, den Autor von Performances, die oft ideologisch waren, einen gründlichen Künstler, der wirklich eine ‚Berufung‘ hatte, und der menschlich zu einer Höflichkeit neigte, die wir immer wahrgenommen haben, die er aber nie vor sich hergetragen hat.“
(Gemma Boatto, Oktober 2019)

Experten: Flaminia Allvin Flaminia Allvin
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Käufer Hotline Mo.-Fr.: 09.00 - 18.00
kundendienst@dorotheum.at

+43 1 515 60 200
Auktion: Zeitgenössische Kunst I
Datum: 27.11.2019 - 18:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 16.11. - 27.11.2019