Lot Nr. 339 -


Kazuo Shiraga


Amagasaki/Japan 1924–2008)
GI (Das Spiel), 1991, signiert Shiraga(Japanisch), auf der Rückseite nochmals betitelt, signiert, datiert in japanischer und lateinischer Schrift Kazuo Shiraga 1991 Dezember 1991Öl auf Leinwand, 73 x 60,5 cm, gerahmt

Provenienz:
Galerie Nothelfer, Berlin (auf der Rückseite Galerieaufkleber)
Privatsammlung, Süddeutschland
Van Ham Kunstauktionen, Köln, 31. Mai, 2017, Los 332
dort vom jetzigen Besitzer erworben

Ausgestellt:
Galerie Nothelfer, Berlin 1992
Galerie Stadler, Paris 1992

Literatur:
Manfred de la Motte, Kazuo Shiraga, Berlin 1992, S. 108 (farbige Abb.)
Ausst.-Kat., Kazuo Shiraga, Galerie Stadler Paris 1992, S. 5 (farbige Abb.)

„Etwas kommt aus deinem Unterbewusstsein“
Kazuo Shiraga

Der japanische Künstler Kazuo Shiraga zählt zu den bedeutendsten Künstlern der japanischen Nachkriegsavantgarde und gehörte der Künstlervereinigung Gutai an, die 1954 in Osaka gegründet wurde. Die bis zu seinem Tod unverändert gebliebene Malweise mit den Füßen ist die Hauptcharakteristik von Kazuo Shiragas Werk. Bereits im Dezember 1953 begann der Künstler die Farbe und das Pigment nicht mehr mit den Händen auf die Leinwand aufzutragen, sondern er arbeitete fortan fast ausschließlich mit seinen Füßen.
Das Wort Gutai meint „konkret“ im Sinne von spontan, direkt, bezogen auf die Fähigkeit die eigenen Gedanken und Gefühle unreflektiert und unvermittelt auszudrücken. (GUTAI, japanische Avantgarde 1954-1965, Ausstellungskatalog Mathildenhöhe Darmstadt 1991, S. 20) Durch das Streben nach Unmittelbarkeit und Spontaneität offenbart sich das menschliche Seelenleben in seiner ganzen Tiefe und die jungen Künstler arbeiten mit dem Einsatz des ganzen Körpers und mit Hilfe ihrer geistigen Kraft die Kriegsgeschehnisse in ihren Kunstwerken auf. Die extrovertierten Arbeitsweisen der japanischen Künstler, das performative Malen mit Händen und Füßen, Happenings und Installationen visualisieren das Erlebte und die junge performative Kunst findet große Beachtung auch in Amerika und Europa.

Die von Jori Yoshihara, dem Ältesten der Gutai-Künstler und Begründer der Bewegung formulierten Leitsätze im Gutai Manifest „Schafft etwas was vor Euch noch niemand geschaffen hat – hütet Euch davor andere nachzuahmen“ (ebd.) legen nahe, dass die japanischen Künstler sich intensiv mit sich und ihrer eigenen Geschichte und Kultur auseinandersetzten. Michel Tapié, der Theoretiker des Informel, stellte die Arbeiten der Gutai schon Ende der fünfziger Jahre als das japanische Pendant des Informel in Europa der Öffentlichkeit vor.
Der Begriff des Informel dient als Oberbegriff für die verschiedenen Kunstrichtungen die sich auf die nicht-geometrische Traditionslinie abstrakter Malerei gründet. Dazu zählen unter anderem Abstract Expressionism, Minimal Art, Arte Povera, Art Brut und Tachismus.

Für die zeitgenössische Malerei war Gutai eine bedeutende Bewegung, die auf der einen Seite die Aktion des Künstlers selbst und auf der anderen Seite die Materialisierung der Malerei verkörperte. In den Werken von Kazuo Shiraga wird deutlich wie die Spuren der heftigen Aktion des Künstlers und die Materialität der Farbe, obgleich im Widerspruch zueinanderstehend, sich die Hände reichen. Diese beiden, die Aktion und die Materialität der Farbe, bilden in seinen Werken bis zu seinem Tod für immer eine Einheit. Im Jahr 1971 trat Kazuo Shiraga als Priesteranwärter der Tendai Sekte in den Buddhistischen Tempel Enryaku-ji auf dem Mount Hiei ein. Seine religiöse Bildung zum Buddhistischen Mönch hatte er 1974 abgeschlossen und begann sich bis zu seinem Tod 2008 noch intensiver mit der Malerei auseinanderzusetzen.

„Die künstlerische Technik war in Shiragas Streben, den Malvorgang neu zu erfinden, von zentraler Bedeutung. Das zeigen auch die ausgeklügelten Vorrichtungen und Szenerien, in die er seinen sich bewegenden Körper einzuspannen suchte. Dies ist auch später noch zu beobachten, als die Gruppe sich bereits aufgelöst hatte und Shiraga sich dem Zen-Asketismus der ‚Marathon-Mönche‘ der Tendai-Sekte zugewandt hatte. Die Schaffung eines Gemäldes war zu einer spirituellen Technik geworden.“ (Übersetzung des Textes in: Kazuo Shiraga, Axel Vervoordt Gallery, 2015, S. 272)
Seine Arbeiten, die häufig in schwarz, weiß und rot gehalten sind, stellen für Kazuo Shiraga das Finden und Vermitteln des lebendigen Ki dar. Es ist seine lebenslange Art der Meditation, seine Art mit sich, seinen Erlebnissen und seiner Umwelt ins Reine zu kommen.

„Schafft etwas, was vor Euch noch niemand geschaffen hat – hütet Euch davor andere nachzuahmen“.

Leitsätze der Gutai, von ihrem Gründer Jori Yoshihara 1956

Expertin: Dr. Petra Maria Schäpers Dr. Petra Maria Schäpers
+49-211-210 77 47

petra.schaepers@dorotheum.de

27.11.2019 - 18:00

Schätzwert:
EUR 240.000,- bis EUR 280.000,-

Kazuo Shiraga


Amagasaki/Japan 1924–2008)
GI (Das Spiel), 1991, signiert Shiraga(Japanisch), auf der Rückseite nochmals betitelt, signiert, datiert in japanischer und lateinischer Schrift Kazuo Shiraga 1991 Dezember 1991Öl auf Leinwand, 73 x 60,5 cm, gerahmt

Provenienz:
Galerie Nothelfer, Berlin (auf der Rückseite Galerieaufkleber)
Privatsammlung, Süddeutschland
Van Ham Kunstauktionen, Köln, 31. Mai, 2017, Los 332
dort vom jetzigen Besitzer erworben

Ausgestellt:
Galerie Nothelfer, Berlin 1992
Galerie Stadler, Paris 1992

Literatur:
Manfred de la Motte, Kazuo Shiraga, Berlin 1992, S. 108 (farbige Abb.)
Ausst.-Kat., Kazuo Shiraga, Galerie Stadler Paris 1992, S. 5 (farbige Abb.)

„Etwas kommt aus deinem Unterbewusstsein“
Kazuo Shiraga

Der japanische Künstler Kazuo Shiraga zählt zu den bedeutendsten Künstlern der japanischen Nachkriegsavantgarde und gehörte der Künstlervereinigung Gutai an, die 1954 in Osaka gegründet wurde. Die bis zu seinem Tod unverändert gebliebene Malweise mit den Füßen ist die Hauptcharakteristik von Kazuo Shiragas Werk. Bereits im Dezember 1953 begann der Künstler die Farbe und das Pigment nicht mehr mit den Händen auf die Leinwand aufzutragen, sondern er arbeitete fortan fast ausschließlich mit seinen Füßen.
Das Wort Gutai meint „konkret“ im Sinne von spontan, direkt, bezogen auf die Fähigkeit die eigenen Gedanken und Gefühle unreflektiert und unvermittelt auszudrücken. (GUTAI, japanische Avantgarde 1954-1965, Ausstellungskatalog Mathildenhöhe Darmstadt 1991, S. 20) Durch das Streben nach Unmittelbarkeit und Spontaneität offenbart sich das menschliche Seelenleben in seiner ganzen Tiefe und die jungen Künstler arbeiten mit dem Einsatz des ganzen Körpers und mit Hilfe ihrer geistigen Kraft die Kriegsgeschehnisse in ihren Kunstwerken auf. Die extrovertierten Arbeitsweisen der japanischen Künstler, das performative Malen mit Händen und Füßen, Happenings und Installationen visualisieren das Erlebte und die junge performative Kunst findet große Beachtung auch in Amerika und Europa.

Die von Jori Yoshihara, dem Ältesten der Gutai-Künstler und Begründer der Bewegung formulierten Leitsätze im Gutai Manifest „Schafft etwas was vor Euch noch niemand geschaffen hat – hütet Euch davor andere nachzuahmen“ (ebd.) legen nahe, dass die japanischen Künstler sich intensiv mit sich und ihrer eigenen Geschichte und Kultur auseinandersetzten. Michel Tapié, der Theoretiker des Informel, stellte die Arbeiten der Gutai schon Ende der fünfziger Jahre als das japanische Pendant des Informel in Europa der Öffentlichkeit vor.
Der Begriff des Informel dient als Oberbegriff für die verschiedenen Kunstrichtungen die sich auf die nicht-geometrische Traditionslinie abstrakter Malerei gründet. Dazu zählen unter anderem Abstract Expressionism, Minimal Art, Arte Povera, Art Brut und Tachismus.

Für die zeitgenössische Malerei war Gutai eine bedeutende Bewegung, die auf der einen Seite die Aktion des Künstlers selbst und auf der anderen Seite die Materialisierung der Malerei verkörperte. In den Werken von Kazuo Shiraga wird deutlich wie die Spuren der heftigen Aktion des Künstlers und die Materialität der Farbe, obgleich im Widerspruch zueinanderstehend, sich die Hände reichen. Diese beiden, die Aktion und die Materialität der Farbe, bilden in seinen Werken bis zu seinem Tod für immer eine Einheit. Im Jahr 1971 trat Kazuo Shiraga als Priesteranwärter der Tendai Sekte in den Buddhistischen Tempel Enryaku-ji auf dem Mount Hiei ein. Seine religiöse Bildung zum Buddhistischen Mönch hatte er 1974 abgeschlossen und begann sich bis zu seinem Tod 2008 noch intensiver mit der Malerei auseinanderzusetzen.

„Die künstlerische Technik war in Shiragas Streben, den Malvorgang neu zu erfinden, von zentraler Bedeutung. Das zeigen auch die ausgeklügelten Vorrichtungen und Szenerien, in die er seinen sich bewegenden Körper einzuspannen suchte. Dies ist auch später noch zu beobachten, als die Gruppe sich bereits aufgelöst hatte und Shiraga sich dem Zen-Asketismus der ‚Marathon-Mönche‘ der Tendai-Sekte zugewandt hatte. Die Schaffung eines Gemäldes war zu einer spirituellen Technik geworden.“ (Übersetzung des Textes in: Kazuo Shiraga, Axel Vervoordt Gallery, 2015, S. 272)
Seine Arbeiten, die häufig in schwarz, weiß und rot gehalten sind, stellen für Kazuo Shiraga das Finden und Vermitteln des lebendigen Ki dar. Es ist seine lebenslange Art der Meditation, seine Art mit sich, seinen Erlebnissen und seiner Umwelt ins Reine zu kommen.

„Schafft etwas, was vor Euch noch niemand geschaffen hat – hütet Euch davor andere nachzuahmen“.

Leitsätze der Gutai, von ihrem Gründer Jori Yoshihara 1956

Expertin: Dr. Petra Maria Schäpers Dr. Petra Maria Schäpers
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Käufer Hotline Mo.-Fr.: 09.00 - 18.00
kundendienst@dorotheum.at

+43 1 515 60 200
Auktion: Zeitgenössische Kunst I
Datum: 27.11.2019 - 18:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 16.11. - 27.11.2019