Lot Nr. 341


Markus Lüpertz *


(Liberec 1941 geb.)
Frau + Hund - Mädchen, Baum + Tod - Rumänische Landschaft, 2005, Künstlermonogramm ML, auf der Rückseite betitelt und zweifach signiert M Lüpertz, Öl auf Leinwand, 200 x 162 cm, 217 x 182 cm (gerahmt), Künstlerrahmen aus Blei

Provenienz:
Privatsammlung, Deutschland

Ausgestellt:
Muzeul National de Arta Cluj, Rumänien, April/Mai 2005
Markus Lüpertz führte das vorliegende Werk speziell für die Ausstellung in Rumänien aus.

Markus Lüpertz hat die zeitgenössische Malerei seit den 1960er Jahren entscheidend mitgeprägt und zählt zu den zentralen Künstlern der deutschen Nachkriegszeit. Er schuf den Begriff der „dithyrambischen Malerei“, in Anlehnung an Nietzsches Dionysos-Dithyramben und mit dem Verweis darauf, dass Dionysos als der Gott der ewigen Wiederkehr und der Lebensbejahung angesehen wird.
Die monumentalen Gemälde Markus Lüpertz sind als sichtbares nur Fragmente von etwas Großem, das nur der Maler selbst im Gesamten kennt. Die Werke tragen in ihrem Inneren opponierende Formauffassungen und verweisen häufig auf kunstgeschichtliche Kontexte, die bewusst den Betrachter irritieren sollen und ihn dazu anregen tiefer in das Werk einzudringen. Mit jedem seiner Werke gibt Markus Lüpertz uns, als Betrachter, ein Rätsel an die Hand. Die augenscheinlich klar strukturierten Gemälde mit den ausschweifenden Bildtiteln, wie auch Frau + Hund - Mädchen, Baum + Tod - Rumänische Landschaft vermitteln zugleich Monumentalität und Präsenz, Eindeutigkeit und Relativismus, sie sind voller Kraft und alltäglichen Formen und beinhalten auf der anderen Seite archaische Elemente. Der Baumstamm markiert beispielsweise die Kraft, die menschliche Energie, die aber gleichzeitig durch den Schädel schon wieder gehemmt wird.
„Malen besteht für mich aus Linien, Farben, Formen. Und aus der professionellen Überzeugung. Der Maler malt. Und da der Maler auch beim Malen noch lebt, begegnen ihm Dinge. Er findet Gegenstände, außerhalb und innerhalb des Bildes. Das ist einer der Hauptgründe meiner Neugierde, immer wieder zu malen. Weil ich Dinge unterbringen kann, die mich beschäftigen, ob Gegenstände, Gesichter, Hände oder die Bilder anderer Maler. Dazu kommt noch jene besondere Fähigkeit von mir, durch zufällig entstehende Prozesse, heruntertropfende Farbe z.B., eine Erinnerung zu beschwören, der ich weiter nachgehe, um zu einem vertrauten, intakten oder deformierten Gegenstand zu gelangen. … Ich fange mit dem Unvertrauten an, um das Vertraute zu finden und mich dann wieder ins Unvertraute zu lösen. Grob gesprochen ist es wie ein Puzzle. Es gibt tausend Teile, und plötzlich stimmt das Bild. Kaum einer weiß den Grund. Vielleicht weiß ich ihn oder auch du. Nur wenn das Bild nicht stimmt, weiß es unmittelbar jeder.“
Auszug aus: Markus Lüpertz im Gespräch mit Hans Peter Schwerfel, 1989, in Ausstellungskatalog Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien, Markus Lüpertz, 2.7.-18.9.1994, Klagenfurt 1994, S. 160

Expertin: Dr. Petra Maria Schäpers Dr. Petra Maria Schäpers
+49-211-210 77 47

petra.schaepers@dorotheum.de

27.11.2019 - 18:00

Schätzwert:
EUR 40.000,- bis EUR 50.000,-

Markus Lüpertz *


(Liberec 1941 geb.)
Frau + Hund - Mädchen, Baum + Tod - Rumänische Landschaft, 2005, Künstlermonogramm ML, auf der Rückseite betitelt und zweifach signiert M Lüpertz, Öl auf Leinwand, 200 x 162 cm, 217 x 182 cm (gerahmt), Künstlerrahmen aus Blei

Provenienz:
Privatsammlung, Deutschland

Ausgestellt:
Muzeul National de Arta Cluj, Rumänien, April/Mai 2005
Markus Lüpertz führte das vorliegende Werk speziell für die Ausstellung in Rumänien aus.

Markus Lüpertz hat die zeitgenössische Malerei seit den 1960er Jahren entscheidend mitgeprägt und zählt zu den zentralen Künstlern der deutschen Nachkriegszeit. Er schuf den Begriff der „dithyrambischen Malerei“, in Anlehnung an Nietzsches Dionysos-Dithyramben und mit dem Verweis darauf, dass Dionysos als der Gott der ewigen Wiederkehr und der Lebensbejahung angesehen wird.
Die monumentalen Gemälde Markus Lüpertz sind als sichtbares nur Fragmente von etwas Großem, das nur der Maler selbst im Gesamten kennt. Die Werke tragen in ihrem Inneren opponierende Formauffassungen und verweisen häufig auf kunstgeschichtliche Kontexte, die bewusst den Betrachter irritieren sollen und ihn dazu anregen tiefer in das Werk einzudringen. Mit jedem seiner Werke gibt Markus Lüpertz uns, als Betrachter, ein Rätsel an die Hand. Die augenscheinlich klar strukturierten Gemälde mit den ausschweifenden Bildtiteln, wie auch Frau + Hund - Mädchen, Baum + Tod - Rumänische Landschaft vermitteln zugleich Monumentalität und Präsenz, Eindeutigkeit und Relativismus, sie sind voller Kraft und alltäglichen Formen und beinhalten auf der anderen Seite archaische Elemente. Der Baumstamm markiert beispielsweise die Kraft, die menschliche Energie, die aber gleichzeitig durch den Schädel schon wieder gehemmt wird.
„Malen besteht für mich aus Linien, Farben, Formen. Und aus der professionellen Überzeugung. Der Maler malt. Und da der Maler auch beim Malen noch lebt, begegnen ihm Dinge. Er findet Gegenstände, außerhalb und innerhalb des Bildes. Das ist einer der Hauptgründe meiner Neugierde, immer wieder zu malen. Weil ich Dinge unterbringen kann, die mich beschäftigen, ob Gegenstände, Gesichter, Hände oder die Bilder anderer Maler. Dazu kommt noch jene besondere Fähigkeit von mir, durch zufällig entstehende Prozesse, heruntertropfende Farbe z.B., eine Erinnerung zu beschwören, der ich weiter nachgehe, um zu einem vertrauten, intakten oder deformierten Gegenstand zu gelangen. … Ich fange mit dem Unvertrauten an, um das Vertraute zu finden und mich dann wieder ins Unvertraute zu lösen. Grob gesprochen ist es wie ein Puzzle. Es gibt tausend Teile, und plötzlich stimmt das Bild. Kaum einer weiß den Grund. Vielleicht weiß ich ihn oder auch du. Nur wenn das Bild nicht stimmt, weiß es unmittelbar jeder.“
Auszug aus: Markus Lüpertz im Gespräch mit Hans Peter Schwerfel, 1989, in Ausstellungskatalog Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien, Markus Lüpertz, 2.7.-18.9.1994, Klagenfurt 1994, S. 160

Expertin: Dr. Petra Maria Schäpers Dr. Petra Maria Schäpers
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Käufer Hotline Mo.-Fr.: 09.00 - 18.00
kundendienst@dorotheum.at

+43 1 515 60 200
Auktion: Zeitgenössische Kunst I
Datum: 27.11.2019 - 18:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 16.11. - 27.11.2019