Lot Nr. 25


Giacomo Balla *


(Turin 1871–1958 Rom)
Paesaggio estivo (Villa Borghese), 1926, signiert FUTURBALLA, auf der Rückseite signiert und betitelt Balla Pittore „Paesaggio estivo“ VILLA BORGHESE, Öl auf Holztafel, 125 x 125 cm, gerahmt

Fotozertifikat:
Luce Balla, Tochter des Künstlers
Archivio Elena Gigli, Rom, Nr. 2019/884

Provenienz:
Atelier Balla, Rom (verzeichnet im Familiennotizbuch mit der Nr. 228, rückseitig Orig.-Etikett)
1971 durch den jetzigen Besitzer von den Töchtern des Künstlers erworben, seitdem im Erbgang
Privatsammlung, Italien

Literatur:
T. Fiori/M. Drudi Gambillo, Archivi del Futurismo, De Luca, Rom, 1962, Bd. II, S. 172, Nr. 358 mit Abb. auf S. 79
Elica Balla, Con Balla, Multipla Edizioni, Rom 1986, S. 79 mit Abb.

Gegen Mitte des 19. Jahrhunderts, nachdem Japan seinen Markt der restlichen Welt gegenüber geöffnet hatte, begann man in den Vereinigten Staaten und Europa eine gewisse Leidenschaft für japanische Ästhetik und Kultur zu entwickeln.

So wie im achtzehnten Jahrhundert die Welt von der „Chinoiserie“ aus China fasziniert war, so war es vom Ende des neunzehnten Jahrhunderts bis zu den ersten Jahrzehnten des zwanzigsten Jahrhunderts Japan, das einen erheblichen Einfluss auf die westliche Kunst und Kultur ausübte.
Der geübte französische Kupferstecher Philippe Burty prägte den Begriff „Japonisme“, um diesen neuen Trend zu beschreiben, und 1878 feierte die Weltausstellung von Paris offiziell ihre Gründung mit der Präsentation vieler Werke japanischer Künstler.

Besonders in Mode kam es, „Ukiyo-e“-Druckgrafiken zu sammeln, welche den Europäern dank der East India Company interessanterweise bereits bekannt waren. Diese wertvollen grafischen Arbeiten wurden jahrzehntelang als „Verpackung“ für Porzellanprodukte aus Japan verwendet. Oft waren es Holzschnitte von bedeutenden japanischen Künstlern wie Utamaro, Hokusai, Hiroshige, Kunisada - Meister ihrer Zeit und heute weithin bekannt.

Der Stil japanischer Drucke zeichnet sich durch Zweidimensionalität und einen beinahe „fotografischen“ Stil aus, bei dem das Motiv oft aus ungewöhnlichen Blickwinkeln betrachtet wird, welche die Regeln der Perspektive vernachlässigen – eine neue und originelle Vision für westliche Künstler. Grafisch wird Bewegung mithilfe weicher, geschwungener Linien wiedergegeben, welche mangels Chiaroscuro-Technik Felder reiner Farbe definieren.
Ab der Pariser Ausstellung prägte dieser „Japonisme“ ganz Europa stilistisch. Die Impressionisten und Post-Impressionisten (insbesondere Vincent van Gogh) wurden ebenfalls zu leidenschaftlichen Sammlern japanischer Kunst und Grafik.

Der Gründer der Wiener Sezession, Gustav Klimt (dessen Stilisierungen eindeutig vom ornamentalen Charakter japanischer Druckgrafiken inspiriert sind) und seine Kollegen veranstalteten eine Ausstellung über Kunst aus Fernost, während in den Ateliers der Wiener Werkstätte die japanische Technik des Schablonendrucks, welche auf dem Effekt des Zusammenspiels zwischen Positiv und Negativ basiert, erfolgreich nachgebaut wurde.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts, mit dem Aufkommen des Jugendstils und der modernistischen Kultur in ganz Europa, wurde der Trend des „Japonismus“ noch zusätzlich durch die Ablehnung der Stile der Vergangenheit und die Inspiration durch die dekorative Eleganz der Natur unterstrichen.
Auch der junge Giacomo Balla, der in den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts in Paris war, war nicht unempfindlich gegenüber dem Charme dieser neuen Darstellungsweise. Seine Themen, die oft von der Natur inspiriert waren, standen in engem Bezug zu den Gedanken dieses revolutionären Künstlers, der einst erklärte: „Der vollkommene Maler liebt die ewige Wahrheit im Ausdruck der NATUR“.

Expertin: Maria Cristina Corsini Maria Cristina Corsini
+39-06-699 23 671

maria.corsini@dorotheum.it

26.11.2019 - 17:00

Schätzwert:
EUR 180.000,- bis EUR 220.000,-

Giacomo Balla *


(Turin 1871–1958 Rom)
Paesaggio estivo (Villa Borghese), 1926, signiert FUTURBALLA, auf der Rückseite signiert und betitelt Balla Pittore „Paesaggio estivo“ VILLA BORGHESE, Öl auf Holztafel, 125 x 125 cm, gerahmt

Fotozertifikat:
Luce Balla, Tochter des Künstlers
Archivio Elena Gigli, Rom, Nr. 2019/884

Provenienz:
Atelier Balla, Rom (verzeichnet im Familiennotizbuch mit der Nr. 228, rückseitig Orig.-Etikett)
1971 durch den jetzigen Besitzer von den Töchtern des Künstlers erworben, seitdem im Erbgang
Privatsammlung, Italien

Literatur:
T. Fiori/M. Drudi Gambillo, Archivi del Futurismo, De Luca, Rom, 1962, Bd. II, S. 172, Nr. 358 mit Abb. auf S. 79
Elica Balla, Con Balla, Multipla Edizioni, Rom 1986, S. 79 mit Abb.

Gegen Mitte des 19. Jahrhunderts, nachdem Japan seinen Markt der restlichen Welt gegenüber geöffnet hatte, begann man in den Vereinigten Staaten und Europa eine gewisse Leidenschaft für japanische Ästhetik und Kultur zu entwickeln.

So wie im achtzehnten Jahrhundert die Welt von der „Chinoiserie“ aus China fasziniert war, so war es vom Ende des neunzehnten Jahrhunderts bis zu den ersten Jahrzehnten des zwanzigsten Jahrhunderts Japan, das einen erheblichen Einfluss auf die westliche Kunst und Kultur ausübte.
Der geübte französische Kupferstecher Philippe Burty prägte den Begriff „Japonisme“, um diesen neuen Trend zu beschreiben, und 1878 feierte die Weltausstellung von Paris offiziell ihre Gründung mit der Präsentation vieler Werke japanischer Künstler.

Besonders in Mode kam es, „Ukiyo-e“-Druckgrafiken zu sammeln, welche den Europäern dank der East India Company interessanterweise bereits bekannt waren. Diese wertvollen grafischen Arbeiten wurden jahrzehntelang als „Verpackung“ für Porzellanprodukte aus Japan verwendet. Oft waren es Holzschnitte von bedeutenden japanischen Künstlern wie Utamaro, Hokusai, Hiroshige, Kunisada - Meister ihrer Zeit und heute weithin bekannt.

Der Stil japanischer Drucke zeichnet sich durch Zweidimensionalität und einen beinahe „fotografischen“ Stil aus, bei dem das Motiv oft aus ungewöhnlichen Blickwinkeln betrachtet wird, welche die Regeln der Perspektive vernachlässigen – eine neue und originelle Vision für westliche Künstler. Grafisch wird Bewegung mithilfe weicher, geschwungener Linien wiedergegeben, welche mangels Chiaroscuro-Technik Felder reiner Farbe definieren.
Ab der Pariser Ausstellung prägte dieser „Japonisme“ ganz Europa stilistisch. Die Impressionisten und Post-Impressionisten (insbesondere Vincent van Gogh) wurden ebenfalls zu leidenschaftlichen Sammlern japanischer Kunst und Grafik.

Der Gründer der Wiener Sezession, Gustav Klimt (dessen Stilisierungen eindeutig vom ornamentalen Charakter japanischer Druckgrafiken inspiriert sind) und seine Kollegen veranstalteten eine Ausstellung über Kunst aus Fernost, während in den Ateliers der Wiener Werkstätte die japanische Technik des Schablonendrucks, welche auf dem Effekt des Zusammenspiels zwischen Positiv und Negativ basiert, erfolgreich nachgebaut wurde.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts, mit dem Aufkommen des Jugendstils und der modernistischen Kultur in ganz Europa, wurde der Trend des „Japonismus“ noch zusätzlich durch die Ablehnung der Stile der Vergangenheit und die Inspiration durch die dekorative Eleganz der Natur unterstrichen.
Auch der junge Giacomo Balla, der in den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts in Paris war, war nicht unempfindlich gegenüber dem Charme dieser neuen Darstellungsweise. Seine Themen, die oft von der Natur inspiriert waren, standen in engem Bezug zu den Gedanken dieses revolutionären Künstlers, der einst erklärte: „Der vollkommene Maler liebt die ewige Wahrheit im Ausdruck der NATUR“.

Expertin: Maria Cristina Corsini Maria Cristina Corsini
+39-06-699 23 671

maria.corsini@dorotheum.it


Käufer Hotline Mo.-Fr.: 09.00 - 18.00
kundendienst@dorotheum.at

+43 1 515 60 200
Auktion: Klassische Moderne
Datum: 26.11.2019 - 17:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 16.11. - 26.11.2019