Lot Nr. 49


Wifredo Lam *


(Kuba 1902–1982 Paris)
Imagine Nr. 4, 1964, Öl auf Leinwand, 85 x 110 cm

Zu diesem Werk liegt eine vom Künstler signierte Echtheitsbestätigung vor.

Wir danken Eskil Lam für die Bestätigung der Authentizität und die freundliche Unterstützung bei der Katalogisierung des vorliegenden Werkes.

Provenienz:
Privatsammlung, Mailand
Galerie Baukunst, Köln (rückseitig Aufkleber)
Galleria Arte Borgogna, Mailand (rücks. Klebezettel und Stempel)
Privatsammlung, Lecco
Europäische Privatsammlung

Ausgestellt:
Mailand, Galleria Arte Borgogna, Wifredo Lam, 1970, Ausst.-Kat. mit Abb.
London, Gimpel Fils Gallery, 6. – 24. Oktober 1971
New York, Gimpel Gallery, Dezember 1970 - Januar 1971
Zürich, Galerie Gimpel & Hannover, 27. Februar - 27. März 1971, Wifredo Lam, Ausst.-Kat. Nr. 6, mit Abb.
Köln, Baukunst Galerie, Der Geist des Surrealismus, Albin Brunovski, Gemälde, Druckgraphik, Wifredo Lam, Oelbilder, November 1971–Januar 1972

Literatur:
M.-P. Fouchet, Wifredo Lam, Erstausgabe, Poligrafa/Cercle d’Art, Barcelona/Paris, 1976, S. 122, Nr. 142, mit Abb.
M.-P. Fouchet, Wifredo Lam, 2. Ausgabe, Poligrafa/Cercle d’Art, Barcelona/Paris, 1976, S. 126, Nr. 142, mit Abb.
Wifredo Lam, Prearo Editore, Mailand 1992, Galleria Arte Borgogna, S. 41 mit Abb.
L. Laurin Lam, E. Lam, Wifredo Lam. Catalogue Raisonné of the Painted Work, Bd. II 1961–1982, Acatos, Lausanne 2002, S. 278, Nr. 64.15 mit Abb.

Wifredo Lam ist der Initiator der synkretistischen Malerei, die die westliche Moderne mit afrikanischen und karibischen Symbolen verbindet. Obwohl er mit vielen Avantgarde-Bewegungen seiner Zeit in Berührung kam, ließ er sich nie einer von ihnen zuordnen und schuf so eine einzigartige und originelle Sprache.

Der Grund für den Synkretismus seiner Kunst liegt in seiner persönlichen Geschichte: Er bekannte sich während des spanischen Bürgerkriegs zu den republikanischen Kräften, musste aber nach dem Sieg Francos 1938 nach Paris fliehen. Dort traf er über seinen Freund Picasso auf André Breton, Joan Miró, Benjamin Péret und Pierre Mabille. Er experimentierte mit dem Kubismus und zeigte ein Interesse am surrealistischen Automatismus und an der Erforschung des Unbewussten, auch wenn er später sagen würde: „Der Surrealismus gab mir Inspiration, aber ich habe nicht surrealistisch gemalt.“
Die in diesen Jahren entstandenen Kompositionen sind geprägt vom Trauma des spanischen Bürgerkriegs, das sich in der Darstellung von großen und chaotischen Figurengruppen in Bewegung widerspiegelt. Es zeigt sich aber auch der Einfluss der afrikanischen Kunst der französischen Hauptstadt, in der Wahl einfacher Motive und geometrischer, stilisierter Formen.

Ein Aufenthalt in seiner Heimat Kuba zu Beginn der 1940er Jahre erzeugte ein tiefes Gefühl der Verzweiflung über die Lage, in der sich sein Heimatland befand, ein Gefühl, das ihn dazu brachte, das karibische Archipel zu verlassen, um nach Europa zurückzukehren und sich Anfang der 1950er Jahre in Paris niederzulassen.
In dieser Phase erreichen seine Werke eine Reife, die sie der abstrakten Kunst näher bringt: Die Kompositionen werden größer und weniger dicht, die Farben sind kalt, die Gesichtszüge angespannt. Die der karibischen Symbolik entlehnten Formen, die er sich während seines kurzen Aufenthalts auf Kuba angeeignet hat, werden stilisiert; der Hintergrund beginnt zu verblassen, ohne sich jedoch ganz der nicht-gegenständlichen Malerei hinzugeben.

Seine späteren Werke, darunter Bild Nr. 4, sind vielleicht die komplexesten. In der kleinen ligurischen Stadt Albissola Marina, in der er sich zwischen den 1950er und 1960er Jahren niederließ, experimentierte der Künstler neben der Malerei auch mit anderen Techniken und begeisterte sich zunehmend für Keramik: Die Freiheit, die das Material Terrakotta bietet, weil bei der Verarbeitung vom Künstler unbeeinflussbare Faktoren mitwirken, erlaubt es ihm, seinen Ideen eine andere Form zu geben. In den Werken dieser Zeit werden die Figuren hybrider und bedrohlicher, die Hintergründe tendieren zum Monochromen und Details sind nicht klar erkennbar; die Linie dominiert die Figur und die Kompositionen erhalten einen scharfen Charakter.

Experte: Alessandro Rizzi Alessandro Rizzi
+39-02-303 52 41

alessandro.rizzi@dorotheum.it

26.11.2019 - 17:00

Schätzwert:
EUR 250.000,- bis EUR 350.000,-

Wifredo Lam *


(Kuba 1902–1982 Paris)
Imagine Nr. 4, 1964, Öl auf Leinwand, 85 x 110 cm

Zu diesem Werk liegt eine vom Künstler signierte Echtheitsbestätigung vor.

Wir danken Eskil Lam für die Bestätigung der Authentizität und die freundliche Unterstützung bei der Katalogisierung des vorliegenden Werkes.

Provenienz:
Privatsammlung, Mailand
Galerie Baukunst, Köln (rückseitig Aufkleber)
Galleria Arte Borgogna, Mailand (rücks. Klebezettel und Stempel)
Privatsammlung, Lecco
Europäische Privatsammlung

Ausgestellt:
Mailand, Galleria Arte Borgogna, Wifredo Lam, 1970, Ausst.-Kat. mit Abb.
London, Gimpel Fils Gallery, 6. – 24. Oktober 1971
New York, Gimpel Gallery, Dezember 1970 - Januar 1971
Zürich, Galerie Gimpel & Hannover, 27. Februar - 27. März 1971, Wifredo Lam, Ausst.-Kat. Nr. 6, mit Abb.
Köln, Baukunst Galerie, Der Geist des Surrealismus, Albin Brunovski, Gemälde, Druckgraphik, Wifredo Lam, Oelbilder, November 1971–Januar 1972

Literatur:
M.-P. Fouchet, Wifredo Lam, Erstausgabe, Poligrafa/Cercle d’Art, Barcelona/Paris, 1976, S. 122, Nr. 142, mit Abb.
M.-P. Fouchet, Wifredo Lam, 2. Ausgabe, Poligrafa/Cercle d’Art, Barcelona/Paris, 1976, S. 126, Nr. 142, mit Abb.
Wifredo Lam, Prearo Editore, Mailand 1992, Galleria Arte Borgogna, S. 41 mit Abb.
L. Laurin Lam, E. Lam, Wifredo Lam. Catalogue Raisonné of the Painted Work, Bd. II 1961–1982, Acatos, Lausanne 2002, S. 278, Nr. 64.15 mit Abb.

Wifredo Lam ist der Initiator der synkretistischen Malerei, die die westliche Moderne mit afrikanischen und karibischen Symbolen verbindet. Obwohl er mit vielen Avantgarde-Bewegungen seiner Zeit in Berührung kam, ließ er sich nie einer von ihnen zuordnen und schuf so eine einzigartige und originelle Sprache.

Der Grund für den Synkretismus seiner Kunst liegt in seiner persönlichen Geschichte: Er bekannte sich während des spanischen Bürgerkriegs zu den republikanischen Kräften, musste aber nach dem Sieg Francos 1938 nach Paris fliehen. Dort traf er über seinen Freund Picasso auf André Breton, Joan Miró, Benjamin Péret und Pierre Mabille. Er experimentierte mit dem Kubismus und zeigte ein Interesse am surrealistischen Automatismus und an der Erforschung des Unbewussten, auch wenn er später sagen würde: „Der Surrealismus gab mir Inspiration, aber ich habe nicht surrealistisch gemalt.“
Die in diesen Jahren entstandenen Kompositionen sind geprägt vom Trauma des spanischen Bürgerkriegs, das sich in der Darstellung von großen und chaotischen Figurengruppen in Bewegung widerspiegelt. Es zeigt sich aber auch der Einfluss der afrikanischen Kunst der französischen Hauptstadt, in der Wahl einfacher Motive und geometrischer, stilisierter Formen.

Ein Aufenthalt in seiner Heimat Kuba zu Beginn der 1940er Jahre erzeugte ein tiefes Gefühl der Verzweiflung über die Lage, in der sich sein Heimatland befand, ein Gefühl, das ihn dazu brachte, das karibische Archipel zu verlassen, um nach Europa zurückzukehren und sich Anfang der 1950er Jahre in Paris niederzulassen.
In dieser Phase erreichen seine Werke eine Reife, die sie der abstrakten Kunst näher bringt: Die Kompositionen werden größer und weniger dicht, die Farben sind kalt, die Gesichtszüge angespannt. Die der karibischen Symbolik entlehnten Formen, die er sich während seines kurzen Aufenthalts auf Kuba angeeignet hat, werden stilisiert; der Hintergrund beginnt zu verblassen, ohne sich jedoch ganz der nicht-gegenständlichen Malerei hinzugeben.

Seine späteren Werke, darunter Bild Nr. 4, sind vielleicht die komplexesten. In der kleinen ligurischen Stadt Albissola Marina, in der er sich zwischen den 1950er und 1960er Jahren niederließ, experimentierte der Künstler neben der Malerei auch mit anderen Techniken und begeisterte sich zunehmend für Keramik: Die Freiheit, die das Material Terrakotta bietet, weil bei der Verarbeitung vom Künstler unbeeinflussbare Faktoren mitwirken, erlaubt es ihm, seinen Ideen eine andere Form zu geben. In den Werken dieser Zeit werden die Figuren hybrider und bedrohlicher, die Hintergründe tendieren zum Monochromen und Details sind nicht klar erkennbar; die Linie dominiert die Figur und die Kompositionen erhalten einen scharfen Charakter.

Experte: Alessandro Rizzi Alessandro Rizzi
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Auktion: Klassische Moderne
Datum: 26.11.2019 - 17:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 16.11. - 26.11.2019