Lot Nr. 69


Renato Guttuso *


(Bagheria/Palermo 1912–1987 Rom)
Lamento per la morte di Picasso, 1973, signiert und datiert, Öl und Collage auf Leinwand, 114 x 85 cm, gerahmt

Im Jahre 1981 wurde das Gemälde anlässlich des 100. Geburtstages Picassos von der Republik San Marino auf einer Briefmarke (L. 200) abgebildet (Briefmarke liegt bei).

Provenienz:
Sammlung Pellin, Varese
Galleria Toninelli, Rom
Europäische Privatsammlung

Ausgestellt:
Palermo, Renato Guttuso, Galleria La Tavolozza, 2. – 30. Mai 1974, Ausst.-Kat. Nr. 9 mit Abb.
Berlin, Renato Guttuso: Erinnerungen an Picasso, Akademie der Künste der Deutschen Demokratischen Republik, 7. März – 6. April 1975, Ausst.-Kat. Nr. 7
Todi, Opere scelte di Renato Guttuso, Palazzo del Popolo, 16. Mai – 13. Juni 1976, Ausst.-Kat. S. 42 mit Abb.
Sofia, Guttuso, Galleria d’Arte della Città di Sofia 1976, Ausst.-Kat. mit Abb.
Breslau, National Museum, Italienische Malerei 1950–1970, 1. Dezember 1976 – 9. Januar 1977, Wanderausstellung in Wien, Künstlerhaus, 6. Oktober – 6. November 1977, Ausst.-Kat. mit Abb.
Saint-Étienne, Guttuso: peintures, gouaches, dessins, Maison de la culture et des loisirs, 10. Januar – 15. Februar 1979, Ausst.-Kat. mit Abb.
Molfetta, Renato Guttuso: antologica 1938–1979, Sala dei Templari, März 1980, Ausst.-Kat. mit Abb.

Literatur:
„L’Ora“, Palermo, 30. April 1974, mit Abb.
F. Borsi, Arte a Roma: dal Liberty a oggi, Editalia, Rom, 1981, S. 206, mit Abb.
Omaggio a Renato Guttuso, Graphis Arte-Toninelli Arte Moderna, 1982, S. 62 mit Abb.
E. Crispolti, Catalogo ragionato generale dei dipinti di Renato Guttuso, Mondadori, Mailand 1985, S. 181, nr. 73/28 mit Abb.
E. Crispolti, Renato Guttuso. Opere della Fondazione Francesco Pellin, Ed. Mazzotta, Mailand 2005, S. 136 Nr. 38, mit Abb.

„Ein Kunstwerk ist immer die Summe der Freuden und Leiden des Menschen, der es geschaffen hat. Ich meine, dass es nicht notwendig ist, dass ein Maler der einen oder anderen Partei angehört, Krieg führt oder eine Revolution beginnt, aber es ist notwendig, dass er in der Malerei so handelt, wie diejenigen, die einen Krieg oder eine Revolution beginnen.“
Renato Guttuso

Guttusos Kunst war schon immer von einem starken sozialen Engagement geprägt. Unter Beibehaltung eines oft intimen und privaten lyrischen Eindrucks privilegierte Guttuso immer ein öffentliches Bild, also ein Bild, das Ausdruck sozialer Probleme ist. Darüberhinaus argumentierte er, dass Kunst in erster Linie eine didaktische Funktion haben muss.
Guttusos Expressionismus beschränkt sich nicht auf die innere Welt. In seinen Werken ist es die Realität, die sich in ihrer kraftvollen Schärfe, ihren Farben und rohen Details manifestiert. Es ist die Realität, die den emotionalen Schub liefert, der zur Entscheidung führt, soziales Engagement und den Einsatz von gewalttätigen Farben zu bevorzugen.
Es ist daher auch kein Zufall, dass Pablo Picasso das größte moralische und stilistische Modell Guttusos ist. Die Beziehung zu Picasso zeigt sich in den Werken des sizilianischen Künstlers wie Colazione con la Dama di Cranach (1973) oder La spiaggia (1955–1956). In letzterem zeigt Guttuso Pablo Picasso an einem überfüllten Strand von Ostia im Profil und gebräunt, wobei er mit den Bewegungen eines Stierkämpfers ein grünes Tuch über sich reibt. Aber es ist nicht nur ein Band der Freundschaft, das Guttuso mit dem Bild Picassos hervorruft: Im ergreifenden Lamento per la morte di Picasso, das 1973 nach dem Tod des spanischen Meisters entstand, inszeniert der Künstler eine Reihe von Variationen zum Thema des Beerdigungsbanketts, wobei Picasso von Figuren aus seinen Bildern umgeben ist. So komponiert er ein Epitaph, das die Ernüchterung für ein Jahrhundert ausdrückt, das noch lange nicht vorbei ist, aber bereits unwiderruflich vom Gefühl der Niederlage geprägt ist.

Experte: Alessandro Rizzi Alessandro Rizzi
+39-02-303 52 41

alessandro.rizzi@dorotheum.it

26.11.2019 - 17:00

Schätzwert:
EUR 40.000,- bis EUR 60.000,-

Renato Guttuso *


(Bagheria/Palermo 1912–1987 Rom)
Lamento per la morte di Picasso, 1973, signiert und datiert, Öl und Collage auf Leinwand, 114 x 85 cm, gerahmt

Im Jahre 1981 wurde das Gemälde anlässlich des 100. Geburtstages Picassos von der Republik San Marino auf einer Briefmarke (L. 200) abgebildet (Briefmarke liegt bei).

Provenienz:
Sammlung Pellin, Varese
Galleria Toninelli, Rom
Europäische Privatsammlung

Ausgestellt:
Palermo, Renato Guttuso, Galleria La Tavolozza, 2. – 30. Mai 1974, Ausst.-Kat. Nr. 9 mit Abb.
Berlin, Renato Guttuso: Erinnerungen an Picasso, Akademie der Künste der Deutschen Demokratischen Republik, 7. März – 6. April 1975, Ausst.-Kat. Nr. 7
Todi, Opere scelte di Renato Guttuso, Palazzo del Popolo, 16. Mai – 13. Juni 1976, Ausst.-Kat. S. 42 mit Abb.
Sofia, Guttuso, Galleria d’Arte della Città di Sofia 1976, Ausst.-Kat. mit Abb.
Breslau, National Museum, Italienische Malerei 1950–1970, 1. Dezember 1976 – 9. Januar 1977, Wanderausstellung in Wien, Künstlerhaus, 6. Oktober – 6. November 1977, Ausst.-Kat. mit Abb.
Saint-Étienne, Guttuso: peintures, gouaches, dessins, Maison de la culture et des loisirs, 10. Januar – 15. Februar 1979, Ausst.-Kat. mit Abb.
Molfetta, Renato Guttuso: antologica 1938–1979, Sala dei Templari, März 1980, Ausst.-Kat. mit Abb.

Literatur:
„L’Ora“, Palermo, 30. April 1974, mit Abb.
F. Borsi, Arte a Roma: dal Liberty a oggi, Editalia, Rom, 1981, S. 206, mit Abb.
Omaggio a Renato Guttuso, Graphis Arte-Toninelli Arte Moderna, 1982, S. 62 mit Abb.
E. Crispolti, Catalogo ragionato generale dei dipinti di Renato Guttuso, Mondadori, Mailand 1985, S. 181, nr. 73/28 mit Abb.
E. Crispolti, Renato Guttuso. Opere della Fondazione Francesco Pellin, Ed. Mazzotta, Mailand 2005, S. 136 Nr. 38, mit Abb.

„Ein Kunstwerk ist immer die Summe der Freuden und Leiden des Menschen, der es geschaffen hat. Ich meine, dass es nicht notwendig ist, dass ein Maler der einen oder anderen Partei angehört, Krieg führt oder eine Revolution beginnt, aber es ist notwendig, dass er in der Malerei so handelt, wie diejenigen, die einen Krieg oder eine Revolution beginnen.“
Renato Guttuso

Guttusos Kunst war schon immer von einem starken sozialen Engagement geprägt. Unter Beibehaltung eines oft intimen und privaten lyrischen Eindrucks privilegierte Guttuso immer ein öffentliches Bild, also ein Bild, das Ausdruck sozialer Probleme ist. Darüberhinaus argumentierte er, dass Kunst in erster Linie eine didaktische Funktion haben muss.
Guttusos Expressionismus beschränkt sich nicht auf die innere Welt. In seinen Werken ist es die Realität, die sich in ihrer kraftvollen Schärfe, ihren Farben und rohen Details manifestiert. Es ist die Realität, die den emotionalen Schub liefert, der zur Entscheidung führt, soziales Engagement und den Einsatz von gewalttätigen Farben zu bevorzugen.
Es ist daher auch kein Zufall, dass Pablo Picasso das größte moralische und stilistische Modell Guttusos ist. Die Beziehung zu Picasso zeigt sich in den Werken des sizilianischen Künstlers wie Colazione con la Dama di Cranach (1973) oder La spiaggia (1955–1956). In letzterem zeigt Guttuso Pablo Picasso an einem überfüllten Strand von Ostia im Profil und gebräunt, wobei er mit den Bewegungen eines Stierkämpfers ein grünes Tuch über sich reibt. Aber es ist nicht nur ein Band der Freundschaft, das Guttuso mit dem Bild Picassos hervorruft: Im ergreifenden Lamento per la morte di Picasso, das 1973 nach dem Tod des spanischen Meisters entstand, inszeniert der Künstler eine Reihe von Variationen zum Thema des Beerdigungsbanketts, wobei Picasso von Figuren aus seinen Bildern umgeben ist. So komponiert er ein Epitaph, das die Ernüchterung für ein Jahrhundert ausdrückt, das noch lange nicht vorbei ist, aber bereits unwiderruflich vom Gefühl der Niederlage geprägt ist.

Experte: Alessandro Rizzi Alessandro Rizzi
+39-02-303 52 41

alessandro.rizzi@dorotheum.it


Käufer Hotline Mo.-Fr.: 09.00 - 18.00
kundendienst@dorotheum.at

+43 1 515 60 200
Auktion: Klassische Moderne
Datum: 26.11.2019 - 17:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 16.11. - 26.11.2019