Lot Nr. 639


Bela *


(Fort-Archambault (heute Sarh), ? -1968 Brazzaville)
Ohne Titel, ca. 1955, signiert Bela, Öl auf Tafel, 64 x 84 cm, gerahmt

Provenienz:
Sammlung Pierre Loos, Belgien
dort im Jahr 2002 vom heutigen Besitzer erworben

Sammlungen Pierre Loos und Jo Van Severen

Die Werke der Schule von Élisabethville gehörten früher zu diesen beiden bedeutenden und bekannten Sammlungen.

Pierre Loos ist eine weltweite Referenz für afrikanische Malerei aus dieser Zeit, und es ist sein Verdienst, dass die Werke vieler Schüler von Pierre Romain-Desfossés von der europäischen Öffentlichkeit wiederentdeckt wurden und heute anerkannt und geschätzt werden. Seine Sammlung ist eine der bedeutendsten weltweit, sowohl was die Quantität als auch die Qualität der Werke anbelangt.

Jo Van Severen lebte und arbeitete von 1953 bis 1963 im Kongo und von seiner Rückkehr nach Belgien bis zu seinem Tod sammelte er die Gemälde, welche das Land repräsentieren, das er sein ganzes Leben lang liebte. Er kaufte mit scharfem Blick für Qualität, was zu einer riesigen und wichtigen, wohl einzigartigen Kollektion führte.

Die Schule von Élisabethville und der Hangar

1940 verließ Pierre Romain-Desfossés Frankreich, um sich General de Gaulle in England anzuschließen, und er begab sich auf eine Mission in den Tschad; er blieb in Fort Archambault (heute Sarh) und traf dort seine Ordonnanz Bela, aus dem Stamm der Saras, der von da an immer an seiner Seite bleiben und einer seiner treuesten Schüler sein würde.
1944 aus der Armee entlassen und vom außergewöhnlichen künstlerischen Potenzial der Einheimischen verführt, ließ er sich im Kongo nieder und gründete bald die Volkskunstakademie von Élisabethville oder „Le Hangar“ (das Lagerhaus), ein Atelier für einige sorgfältig ausgewählte Studenten. Er wollte in seinen Schülern die alte, unveränderliche Ästhetik der Erinnerung erwecken und ihnen nicht unbedingt beibringen, wie man auf europäische Weise malt. Um seine Schüler auszuwählen, würde er sie einem einfachen Test unterziehen: „Setz dich unter diesen Baum und male, was du siehst“. Er behauptete, dass er auf diese Weise Talente erkennen könne. Romain-Desfossés bat sie dann, „ihre Welt und alles, was mit den Augen zu ihrem Inneren sprach, zu erkunden“. Aus diesem Grund bildeten die Arbeiten jener Schüler, die auf diese Weise ausgebildet wurden (Pilipili, Bela, Ilunga und Mwenze) vor allem die Natur ab: Jagd-, Tanz- und Initiationsszenen in einem narrativen und figurativen Stil mit stark dekorativem Charakter.
Es ist eine Welt mit einem teilweise naiven Charakter, in der die Farben explodieren und die Abwesenheit von Perspektive der Schwerkraft trotzt, in der die Vögel am Himmel schwimmen und die Fische in der Tiefe des Ozeans fliegen.

Obwohl die Motive monoton erscheinen mögen, entwickelt jeder Künstler seinen eigenen persönlichen Stil und seine eigene Technik.
Bela, den er den Gutenberg des Buschs nannte, schuf Werke von Vögeln und Wildkatzen in Drucktechnik mit Hilfe von kleinen Holzplatten auf einem floralen Hintergrund aus kleinen Strichen wie jenen von Van Gogh. Mwenze entwickelte sehr schnell seinen eigenen Stil, der auf der Technik des Schraffierens basiert; und wenn er die Natur malt, so erhält der Mensch einen wichtigen Platz in ihr und wird bei der Jagd oder beim Angeln, in seinem täglichen Leben, beim Kampf oder beim ausgelassenen Tanz gezeigt. Pilipili, ein talentierter Künstler, der sich von den lokalen Legenden und traditionellen Geschichten inspirieren ließ und dessen Bilder mit kleinen und intensiven Farbakzenten gefüllt sind. Mode Muntu, „der bescheidene Mann“, war zu schüchtern, um seine Pinsel selbst zu kaufen, aber sein Talent nahm die Europäer, die in Lubumbashi ankamen, sofort gefangen. Seine Technik, bunt und abstrakt zugleich, macht ihn in vielen seiner Werke fast zu einem afrikanischen Keith Haring.
Jeder dieser Künstler hat einen spezifischen Stil und eine spezifische Technik, aber alle ihre Gemälde zelebrieren das Leben und die Natur, manchmal gutartig, manchmal bedrohlich, endlos anders und veränderlich, aber immer präsent und beeindruckend.

Beauté Congo – 1926-2015 – Congo Kitoko, Fondation Cartier pour l’art contemporain, Paris, 11. Juli 2015 – 10. Januar 2016

Expertin: Mag. Patricia Pálffy Mag. Patricia Pálffy
+43-1-515 60-386

patricia.palffy@dorotheum.at

28.11.2019 - 16:00

Schätzwert:
EUR 6.000,- bis EUR 8.000,-

Bela *


(Fort-Archambault (heute Sarh), ? -1968 Brazzaville)
Ohne Titel, ca. 1955, signiert Bela, Öl auf Tafel, 64 x 84 cm, gerahmt

Provenienz:
Sammlung Pierre Loos, Belgien
dort im Jahr 2002 vom heutigen Besitzer erworben

Sammlungen Pierre Loos und Jo Van Severen

Die Werke der Schule von Élisabethville gehörten früher zu diesen beiden bedeutenden und bekannten Sammlungen.

Pierre Loos ist eine weltweite Referenz für afrikanische Malerei aus dieser Zeit, und es ist sein Verdienst, dass die Werke vieler Schüler von Pierre Romain-Desfossés von der europäischen Öffentlichkeit wiederentdeckt wurden und heute anerkannt und geschätzt werden. Seine Sammlung ist eine der bedeutendsten weltweit, sowohl was die Quantität als auch die Qualität der Werke anbelangt.

Jo Van Severen lebte und arbeitete von 1953 bis 1963 im Kongo und von seiner Rückkehr nach Belgien bis zu seinem Tod sammelte er die Gemälde, welche das Land repräsentieren, das er sein ganzes Leben lang liebte. Er kaufte mit scharfem Blick für Qualität, was zu einer riesigen und wichtigen, wohl einzigartigen Kollektion führte.

Die Schule von Élisabethville und der Hangar

1940 verließ Pierre Romain-Desfossés Frankreich, um sich General de Gaulle in England anzuschließen, und er begab sich auf eine Mission in den Tschad; er blieb in Fort Archambault (heute Sarh) und traf dort seine Ordonnanz Bela, aus dem Stamm der Saras, der von da an immer an seiner Seite bleiben und einer seiner treuesten Schüler sein würde.
1944 aus der Armee entlassen und vom außergewöhnlichen künstlerischen Potenzial der Einheimischen verführt, ließ er sich im Kongo nieder und gründete bald die Volkskunstakademie von Élisabethville oder „Le Hangar“ (das Lagerhaus), ein Atelier für einige sorgfältig ausgewählte Studenten. Er wollte in seinen Schülern die alte, unveränderliche Ästhetik der Erinnerung erwecken und ihnen nicht unbedingt beibringen, wie man auf europäische Weise malt. Um seine Schüler auszuwählen, würde er sie einem einfachen Test unterziehen: „Setz dich unter diesen Baum und male, was du siehst“. Er behauptete, dass er auf diese Weise Talente erkennen könne. Romain-Desfossés bat sie dann, „ihre Welt und alles, was mit den Augen zu ihrem Inneren sprach, zu erkunden“. Aus diesem Grund bildeten die Arbeiten jener Schüler, die auf diese Weise ausgebildet wurden (Pilipili, Bela, Ilunga und Mwenze) vor allem die Natur ab: Jagd-, Tanz- und Initiationsszenen in einem narrativen und figurativen Stil mit stark dekorativem Charakter.
Es ist eine Welt mit einem teilweise naiven Charakter, in der die Farben explodieren und die Abwesenheit von Perspektive der Schwerkraft trotzt, in der die Vögel am Himmel schwimmen und die Fische in der Tiefe des Ozeans fliegen.

Obwohl die Motive monoton erscheinen mögen, entwickelt jeder Künstler seinen eigenen persönlichen Stil und seine eigene Technik.
Bela, den er den Gutenberg des Buschs nannte, schuf Werke von Vögeln und Wildkatzen in Drucktechnik mit Hilfe von kleinen Holzplatten auf einem floralen Hintergrund aus kleinen Strichen wie jenen von Van Gogh. Mwenze entwickelte sehr schnell seinen eigenen Stil, der auf der Technik des Schraffierens basiert; und wenn er die Natur malt, so erhält der Mensch einen wichtigen Platz in ihr und wird bei der Jagd oder beim Angeln, in seinem täglichen Leben, beim Kampf oder beim ausgelassenen Tanz gezeigt. Pilipili, ein talentierter Künstler, der sich von den lokalen Legenden und traditionellen Geschichten inspirieren ließ und dessen Bilder mit kleinen und intensiven Farbakzenten gefüllt sind. Mode Muntu, „der bescheidene Mann“, war zu schüchtern, um seine Pinsel selbst zu kaufen, aber sein Talent nahm die Europäer, die in Lubumbashi ankamen, sofort gefangen. Seine Technik, bunt und abstrakt zugleich, macht ihn in vielen seiner Werke fast zu einem afrikanischen Keith Haring.
Jeder dieser Künstler hat einen spezifischen Stil und eine spezifische Technik, aber alle ihre Gemälde zelebrieren das Leben und die Natur, manchmal gutartig, manchmal bedrohlich, endlos anders und veränderlich, aber immer präsent und beeindruckend.

Beauté Congo – 1926-2015 – Congo Kitoko, Fondation Cartier pour l’art contemporain, Paris, 11. Juli 2015 – 10. Januar 2016

Expertin: Mag. Patricia Pálffy Mag. Patricia Pálffy
+43-1-515 60-386

patricia.palffy@dorotheum.at


Käufer Hotline Mo.-Fr.: 09.00 - 18.00
kundendienst@dorotheum.at

+43 1 515 60 200
Auktion: Zeitgenössische Kunst II
Datum: 28.11.2019 - 16:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 16.11. - 28.11.2019