Lot Nr. 300


Dirck van Baburen


(Utrecht um 1590 – nach 1623)
Der Apostel Jakobus der Ältere,
Öl auf Leinwand, 76,5 x 63 cm, gerahmt

Provenienz:
Auktion, Finarte, Mailand, 20. November 1955, Lot 537 (als Dirck van Baburen);
Privatsammlung, Italien;
dort erworben durch den jetzigen Besitzer

Literatur:
W. Franits, The Paintings of Dirck van Baburen, Amsterdam 2012, S. 249 Nr. U1 (als unidentifiziert und daher „ohne endgültige Einschätzung“)

Wir danken Paul Huys Janssen, der für das vorliegende Gemälde nach dessen Prüfung im Original eine Zuschreibung an Dirck van Baburen vorgeschlagen hat. Er schätzt es als Frühwerk des Künstlers ein, entstanden während seines Aufenthalts in Italien.

Wayne Franits hat die Zuschreibung an Dirck van Baburen nach Beurteilung auf Grundlage einer hochaufgelösten Digitalfotografie nicht anerkannt.

Im Jahr 1611 ist Dirck van Baburen in Utrecht als Schüler von Paulus Moreelse (1571–1638) verzeichnet; nur ein Jahr darauf brach er nach Italien auf. Einen seiner wichtigsten Aufträge führte er 1615 aus, als er sich in Parma aufhielt, um das Altarbild der Kirche Santa Maria dei Servi zu malen. Er verbrachte die folgenden Jahre bis 1621 in Rom und kehrte dann nach Utrecht zurück, wo er 1624 starb.

Baburen gehört zusammen mit Hendrick ter Brugghen (1588–1629) und Gerard van Honthorst (1592–1656) einem wichtigen Kreis früher holländischer Caravaggisten an. Der Caravaggismus war in den 1610er-Jahre die verbreitetste Kunstströmung Italiens. Angeregt durch Caravaggio und seine frühen Nachfolger, zeichnet sich Baburens Malstil durch viel Ausdruckskraft, eine breite Pinselführung und starke Glanzlichter aus, die hier vor allem im Kopf des Heiligen deutlich hervortreten. Das vorliegende Gemälde des hl. Jakobus des Älteren verrät die klassischen Züge von Baburens Malstil und kann laut Paul Huys Janssen in die römische Zeit des Künstlers zwischen 1616/1617 und 1620 oder vielleicht auch ein wenig später datiert werden, als sich der Künstler noch in Parma aufhielt. In dieser Zeit stand sein Schaffen unter dem großen Einfluss der Gemälde des gebürtigen Spaniers Jusepe de Ribera (1591–1656), der um 1611 an einem Altarbild für die Kirche San Prospero in Parma gearbeitet hatte. Ribera hielt sich außerdem von 1612 bis Mai oder Juli 1616 in Rom auf und ging dann nach Neapel. Möglicherweise kannten Baburen und Ribera einander oder standen auf die eine oder andere Art und Weise miteinander in Verbindung (siehe X. F. Salomon, The Young Ribera, in: The Burlington Magazine 153, 2011, S. 475–478).

18.12.2019 - 14:00

Schätzwert:
EUR 20.000,- bis EUR 30.000,-

Dirck van Baburen


(Utrecht um 1590 – nach 1623)
Der Apostel Jakobus der Ältere,
Öl auf Leinwand, 76,5 x 63 cm, gerahmt

Provenienz:
Auktion, Finarte, Mailand, 20. November 1955, Lot 537 (als Dirck van Baburen);
Privatsammlung, Italien;
dort erworben durch den jetzigen Besitzer

Literatur:
W. Franits, The Paintings of Dirck van Baburen, Amsterdam 2012, S. 249 Nr. U1 (als unidentifiziert und daher „ohne endgültige Einschätzung“)

Wir danken Paul Huys Janssen, der für das vorliegende Gemälde nach dessen Prüfung im Original eine Zuschreibung an Dirck van Baburen vorgeschlagen hat. Er schätzt es als Frühwerk des Künstlers ein, entstanden während seines Aufenthalts in Italien.

Wayne Franits hat die Zuschreibung an Dirck van Baburen nach Beurteilung auf Grundlage einer hochaufgelösten Digitalfotografie nicht anerkannt.

Im Jahr 1611 ist Dirck van Baburen in Utrecht als Schüler von Paulus Moreelse (1571–1638) verzeichnet; nur ein Jahr darauf brach er nach Italien auf. Einen seiner wichtigsten Aufträge führte er 1615 aus, als er sich in Parma aufhielt, um das Altarbild der Kirche Santa Maria dei Servi zu malen. Er verbrachte die folgenden Jahre bis 1621 in Rom und kehrte dann nach Utrecht zurück, wo er 1624 starb.

Baburen gehört zusammen mit Hendrick ter Brugghen (1588–1629) und Gerard van Honthorst (1592–1656) einem wichtigen Kreis früher holländischer Caravaggisten an. Der Caravaggismus war in den 1610er-Jahre die verbreitetste Kunstströmung Italiens. Angeregt durch Caravaggio und seine frühen Nachfolger, zeichnet sich Baburens Malstil durch viel Ausdruckskraft, eine breite Pinselführung und starke Glanzlichter aus, die hier vor allem im Kopf des Heiligen deutlich hervortreten. Das vorliegende Gemälde des hl. Jakobus des Älteren verrät die klassischen Züge von Baburens Malstil und kann laut Paul Huys Janssen in die römische Zeit des Künstlers zwischen 1616/1617 und 1620 oder vielleicht auch ein wenig später datiert werden, als sich der Künstler noch in Parma aufhielt. In dieser Zeit stand sein Schaffen unter dem großen Einfluss der Gemälde des gebürtigen Spaniers Jusepe de Ribera (1591–1656), der um 1611 an einem Altarbild für die Kirche San Prospero in Parma gearbeitet hatte. Ribera hielt sich außerdem von 1612 bis Mai oder Juli 1616 in Rom auf und ging dann nach Neapel. Möglicherweise kannten Baburen und Ribera einander oder standen auf die eine oder andere Art und Weise miteinander in Verbindung (siehe X. F. Salomon, The Young Ribera, in: The Burlington Magazine 153, 2011, S. 475–478).


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Auktion: Alte Meister
Datum: 18.12.2019 - 14:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 13.12. - 18.12.2019