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Lot Nr. 10


Meister des Palazzo d’Arco, Fra Battista Spagnoli, gen. Battista Mantovano (?)

[Saleroom Notice]

(Mantua dokumentiert 1447–1516)
Die heilige Katharina von Alexandrien; und
Die heilige Maria Magdalena,
Öl auf Holz, je 93 x 45 cm, Pendants (2)

Saleroom Notice:

Zusätzliche Literatur:
F. Giannini, in: F. Giannini/M. Minardi (Hg.), Tabula Picta: Italian Paintings from the late Gothic Age to the Renaissance, Mailand 2018, S. 94-99, Abb. (als Meister des Palazzo d’Arco, Fra Battista Spagnoli, gen. Battista Mantovano (?))
 

Provenienz:
Kunsthandel, Rom;
europäische Privatsammlung;
dort erworben durch den jetzigen Besitzer

Die vorliegenden Gemälde sind in der Fototeca Zeri unter den Nummern 21652 und 21653 verzeichnet (beide als „Anonimo veronese sec. XV“).

Wir danken Mattia Vinco, der die Zuschreibung nach Besichtigung der vorliegenden Gemälde im Original vorgeschlagen hat. Wir danken Mauro Lucco, der die Zuschreibung auf Grundlage von Digitalfotografien bestätigt hat. Ebenso danken wir Mauro Minardi für seine Hilfe bei der Katalogisierung der vorliegenden Gemälde.

Die beiden Bildtafeln, einst Teil eines Flügelaltars, zeigen die Heiligen Katharina von Alexandrien und Maria Magdalena in Dreiviertelansicht. Erstere ist durch den Palmzweig ihres Martyriums, aus dem zwei rote Triebe wachsen, sowie durch das Rad zu erkennen, auf dem ihre linke Hand ruht. Letztere weist das Salbgefäß auf einem Buch aus.

Der Meister des Palazzo d’Arco wurde nach einem seiner bedeutendsten Werke, Christus vor Pilatus, heute im Museo di Palazzo d’Arco in Mantua, benannt. Der Künstler ist höchstwahrscheinlich als Battista Spagnoli, auch bekannt als Battista Mantovano, zu identifizieren, der im Alter von 17 Jahren zum Karmelitermönch und schließlich zum Ordensprior wurde. Battista Spagnoli wird in der römisch-katholischen Kirche verehrt und wurde 1885 von Papst Leo XIII. seliggesprochen. Er ist auch für seine bedeutenden Dichtungen in lateinischer Sprache bekannt. Andrea De Marchi hat sein künstlerisches Schaffen auf Grundlage dokumentarischer Quellen zusammengefasst (siehe A. De Marchi, in Galleria Nazionale, Parma. Catalogo delle opere dall’Antico al Cinquecento, hrsg. von L. Fornari Schianchi, Mailand 1997, S. 97–99, Nr. 93),

Federico Zeri hat den Künstler besprochen und dabei zwei kleinformatige Gemälde – das Letzte Abendmahl und die Gefangennahme Christi in der Sammlung Altemps in Rom – analysiert sowie einen Nukleus von sechs Tafelbildern, darunter das oben erwähnte Gemälde im Palazzo d’Arco (siehe F. Zeri, Studies on Italian Paintings, II, in: The Journal of the Walters Art Gallery, 1966/67, S. 48–59), identifiziert. Er vermutete, dass beiden Gemälde mit ein und demselben Altarbild in Zusammenhang stünden, und schlug eine Zuschreibung an Antonio Della Corna, einen lombardischen Künstler, vor, der mit Vincenzo Foppa an der Ausstattung des Castello Sforzesco sowie im Gebiet um Cremona und Brescia arbeitete.

Alessandro Galli wandte ein, dass der Künstler eher unter dem Einfluss von Mantegnas Schaffen in Mantua als unter dem Eindruck Vincenzo Foppas stand (siehe A. Galli, Antonio Della Corna e il maestro di Palazzo d’Arco, in: Arte cristiana, 1995, 769, S. 278–280); er identifizierte den Künstler folglich als Meister des Palazzo d’Arco. Eine Reihe von bis dato nicht zugeschriebenen Gemälden wurden diesem Meister daraufhin zugewiesen, darunter die sechs von Zeri zu einer Gruppe zusammengefassten Bilder, die beiden Kompositionen mit den Heiligen Antonius und Paulus und den Heiligen Bernhardin und Hieronymus in der Pinacoteca Malaspina, Pavia, sowie eine Lünette mit einer Pietà, die sich heute im Städelschen Kunstinstitut in Frankfurt befindet. Andrea De Marchi fügte diesem Kern das abgenommene Fresko der Schutzmantelmadonna mit den Heiligen Albertus Siculus und Angelus dem Karmelit hinzu, das sich vormals in der Kirche Santa Maria del Carmine in Parma befand und heute zusammen mit weiteren Werken in der Galleria Nazionale aufbewahrt wird.

In seinem Aufsatz über das Fresko in Parma erwähnte De Marchi zwei alte Beschriftungen auf der Rückseite der Frankfurter Tafel: „Battista Mantovano Carm./pittore e poeta sacro (?)/1503“ und „Baptista Spagnoli Mantuanus/pinxit“. Sie bestätigten für De Marchi, was Ippolito Donesmondi bereits im Jahr 1616 schrieb: dass der berühmte Maler Battista Spagnoli, Theologe zu Bologna, auch ein „intendentissimo di pittura“ („ein hervorragender Meister der Malerei“) war und „veggonsi opere eccellenti in questa professione da lui fatte“ („man ausgezeichnete Werke von seiner Hand zu sehen bekommt“) (siehe I. Donesmondi, Dell’historia ecclesiastica di Mantova, II, Mantua 1616, S. 121f.). Die unter dem Namen des Meisters des Palazzo d’Arco zusammengefasste Gruppe von Gemälden kann daher schlüssig dem Karmelitermönch gegeben werden, der ein Vertrauter und Freund Isabella d’Estes und der am Hof von Mantua wirkenden Intellektuellen war, darunter Pietro Bembo, Giovanni Pontano, Pico della Mirandola und Andrea Mantegna.

Die stilistische Nähe zu Werken Andrea Mantegnas ist ein wichtiges Merkmal der Malweise dieses Künstlers: Es offenbart sich seine Kenntnis der Cappella Ovetari in Padua und der Raumlösungen, derer sich Mantegna bei seinem Altarbild für San Zeno in Verona bediente. Später zeigen sich neben dem Vorbild der Arbeiten Mantegnas in Mantua auch Bezugnahmen auf die venezianische Malerei, insbesondere auf das Schaffen Giovanni Bellinis, wie die oben erwähnte Frankfurter Pietà erkennen lässt. Mauro Minardi hat für die vorliegenden Gemälde eine Datierung um 1490 vorgeschlagen. Er erkennt den Einfluss der weiblichen Figuren aus den Triumphen Caesars, an denen Andrea Mantegna 1485 zu arbeiten begonnen hatte.

Experte: Mark MacDonnell Mark MacDonnell
+43 1 515 60 403

mark.macdonnell@dorotheum.at

09.06.2020 - 16:00

Erzielter Preis: **
EUR 38.400,-
Schätzwert:
EUR 60.000,- bis EUR 80.000,-

Meister des Palazzo d’Arco, Fra Battista Spagnoli, gen. Battista Mantovano (?)

[Saleroom Notice]

(Mantua dokumentiert 1447–1516)
Die heilige Katharina von Alexandrien; und
Die heilige Maria Magdalena,
Öl auf Holz, je 93 x 45 cm, Pendants (2)

Saleroom Notice:

Zusätzliche Literatur:
F. Giannini, in: F. Giannini/M. Minardi (Hg.), Tabula Picta: Italian Paintings from the late Gothic Age to the Renaissance, Mailand 2018, S. 94-99, Abb. (als Meister des Palazzo d’Arco, Fra Battista Spagnoli, gen. Battista Mantovano (?))
 

Provenienz:
Kunsthandel, Rom;
europäische Privatsammlung;
dort erworben durch den jetzigen Besitzer

Die vorliegenden Gemälde sind in der Fototeca Zeri unter den Nummern 21652 und 21653 verzeichnet (beide als „Anonimo veronese sec. XV“).

Wir danken Mattia Vinco, der die Zuschreibung nach Besichtigung der vorliegenden Gemälde im Original vorgeschlagen hat. Wir danken Mauro Lucco, der die Zuschreibung auf Grundlage von Digitalfotografien bestätigt hat. Ebenso danken wir Mauro Minardi für seine Hilfe bei der Katalogisierung der vorliegenden Gemälde.

Die beiden Bildtafeln, einst Teil eines Flügelaltars, zeigen die Heiligen Katharina von Alexandrien und Maria Magdalena in Dreiviertelansicht. Erstere ist durch den Palmzweig ihres Martyriums, aus dem zwei rote Triebe wachsen, sowie durch das Rad zu erkennen, auf dem ihre linke Hand ruht. Letztere weist das Salbgefäß auf einem Buch aus.

Der Meister des Palazzo d’Arco wurde nach einem seiner bedeutendsten Werke, Christus vor Pilatus, heute im Museo di Palazzo d’Arco in Mantua, benannt. Der Künstler ist höchstwahrscheinlich als Battista Spagnoli, auch bekannt als Battista Mantovano, zu identifizieren, der im Alter von 17 Jahren zum Karmelitermönch und schließlich zum Ordensprior wurde. Battista Spagnoli wird in der römisch-katholischen Kirche verehrt und wurde 1885 von Papst Leo XIII. seliggesprochen. Er ist auch für seine bedeutenden Dichtungen in lateinischer Sprache bekannt. Andrea De Marchi hat sein künstlerisches Schaffen auf Grundlage dokumentarischer Quellen zusammengefasst (siehe A. De Marchi, in Galleria Nazionale, Parma. Catalogo delle opere dall’Antico al Cinquecento, hrsg. von L. Fornari Schianchi, Mailand 1997, S. 97–99, Nr. 93),

Federico Zeri hat den Künstler besprochen und dabei zwei kleinformatige Gemälde – das Letzte Abendmahl und die Gefangennahme Christi in der Sammlung Altemps in Rom – analysiert sowie einen Nukleus von sechs Tafelbildern, darunter das oben erwähnte Gemälde im Palazzo d’Arco (siehe F. Zeri, Studies on Italian Paintings, II, in: The Journal of the Walters Art Gallery, 1966/67, S. 48–59), identifiziert. Er vermutete, dass beiden Gemälde mit ein und demselben Altarbild in Zusammenhang stünden, und schlug eine Zuschreibung an Antonio Della Corna, einen lombardischen Künstler, vor, der mit Vincenzo Foppa an der Ausstattung des Castello Sforzesco sowie im Gebiet um Cremona und Brescia arbeitete.

Alessandro Galli wandte ein, dass der Künstler eher unter dem Einfluss von Mantegnas Schaffen in Mantua als unter dem Eindruck Vincenzo Foppas stand (siehe A. Galli, Antonio Della Corna e il maestro di Palazzo d’Arco, in: Arte cristiana, 1995, 769, S. 278–280); er identifizierte den Künstler folglich als Meister des Palazzo d’Arco. Eine Reihe von bis dato nicht zugeschriebenen Gemälden wurden diesem Meister daraufhin zugewiesen, darunter die sechs von Zeri zu einer Gruppe zusammengefassten Bilder, die beiden Kompositionen mit den Heiligen Antonius und Paulus und den Heiligen Bernhardin und Hieronymus in der Pinacoteca Malaspina, Pavia, sowie eine Lünette mit einer Pietà, die sich heute im Städelschen Kunstinstitut in Frankfurt befindet. Andrea De Marchi fügte diesem Kern das abgenommene Fresko der Schutzmantelmadonna mit den Heiligen Albertus Siculus und Angelus dem Karmelit hinzu, das sich vormals in der Kirche Santa Maria del Carmine in Parma befand und heute zusammen mit weiteren Werken in der Galleria Nazionale aufbewahrt wird.

In seinem Aufsatz über das Fresko in Parma erwähnte De Marchi zwei alte Beschriftungen auf der Rückseite der Frankfurter Tafel: „Battista Mantovano Carm./pittore e poeta sacro (?)/1503“ und „Baptista Spagnoli Mantuanus/pinxit“. Sie bestätigten für De Marchi, was Ippolito Donesmondi bereits im Jahr 1616 schrieb: dass der berühmte Maler Battista Spagnoli, Theologe zu Bologna, auch ein „intendentissimo di pittura“ („ein hervorragender Meister der Malerei“) war und „veggonsi opere eccellenti in questa professione da lui fatte“ („man ausgezeichnete Werke von seiner Hand zu sehen bekommt“) (siehe I. Donesmondi, Dell’historia ecclesiastica di Mantova, II, Mantua 1616, S. 121f.). Die unter dem Namen des Meisters des Palazzo d’Arco zusammengefasste Gruppe von Gemälden kann daher schlüssig dem Karmelitermönch gegeben werden, der ein Vertrauter und Freund Isabella d’Estes und der am Hof von Mantua wirkenden Intellektuellen war, darunter Pietro Bembo, Giovanni Pontano, Pico della Mirandola und Andrea Mantegna.

Die stilistische Nähe zu Werken Andrea Mantegnas ist ein wichtiges Merkmal der Malweise dieses Künstlers: Es offenbart sich seine Kenntnis der Cappella Ovetari in Padua und der Raumlösungen, derer sich Mantegna bei seinem Altarbild für San Zeno in Verona bediente. Später zeigen sich neben dem Vorbild der Arbeiten Mantegnas in Mantua auch Bezugnahmen auf die venezianische Malerei, insbesondere auf das Schaffen Giovanni Bellinis, wie die oben erwähnte Frankfurter Pietà erkennen lässt. Mauro Minardi hat für die vorliegenden Gemälde eine Datierung um 1490 vorgeschlagen. Er erkennt den Einfluss der weiblichen Figuren aus den Triumphen Caesars, an denen Andrea Mantegna 1485 zu arbeiten begonnen hatte.

Experte: Mark MacDonnell Mark MacDonnell
+43 1 515 60 403

mark.macdonnell@dorotheum.at


Käufer Hotline Mo.-Fr.: 09.00 - 18.00
old.masters@dorotheum.at

+43 1 515 60 403
Auktion: Alte Meister
Datum: 09.06.2020 - 16:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 02.06. - 09.06.2020


** Kaufpreis inkl. Käufergebühr und Mehrwertsteuer

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