Sie nutzen einen veralteten Browser!

Um unsere Website voll funktionsfähig nutzen zu können, sollten Sie eine aktuelle Browserversion installieren. Eine Auflistung von empfohlenen Browserversionen finden Sie gleich hier.



Lot Nr. 12 -


Meister der von Grooteschen Anbetung


(Antwerpen tätig 1510/20)
Die Heilige Dreifaltigkeit,
Öl auf Holz, 105,6 x 79,5 cm, gerahmt

Wir danken Peter van den Brink, der die Zuschreibung an den Meister der von Grooteschen Anbetung vorgeschlagen hat.

Farbenfroh, schön und üppig gestaltet – das vorliegende Gemälde ist ein charakteristisches Beispiel des Antwerpener Manierismus. Im 16. Jahrhundert wurde Antwerpen als wichtige Handelsmetropole zu einem führenden Kunstzentrum Nordeuropas. Zahlreiche Malergesellen vollendeten ihre Ausbildung auf Reisen entlang der Handelsrouten nach Italien, und die Druckereien der Stadt verbreiteten deren Entwürfe und künstlerischen Ideen. Unter den vielen Werkstätten gab es einige, die eng zusammenarbeiteten.

Der Begriff „Antwerpener Manierismus“ wurde Anfang des 20. Jahrhunderts von Max Friedländer geprägt, der damit auf eine Übergangsphase in der niederländischen Kunst zwischen Spätgotik und durch die italienische Renaissance inspirierte Werke verwies – einen Stil, der in Antwerpen florierte. Seine Werke haben bestimmte Merkmale gemeinsam: Die Kompositionen mit ihren oft der Schwerkraft trotzenden Faltenwürfen prächtiger oder exotischer Gewänder sind häufig bombastisch. Die Figuren sind für gewöhnlich in stark bewegter Haltung inmitten von Architekturruinen dargestellt (siehe P. van den Brink, P. J. Martens [Hrsg.], Extravagant! A Forgotten Chapter of Antwerp Painting, 1500–1530, Ausstellungskatalog, Antwerpen 2005). Frühere Werke beinhalteten gotische Architektur, in späteren Arbeiten gewannen Bauwerke der Renaissance Oberhand. Die Gemälde scheinen die Stilrichtungen der frühen niederländischen Malerei und der Renaissance des Nordens zu verbinden sowie flämische und italienische Traditionen in einer Bildfindung zu vereinen.

Der Meister der von Grooteschen Anbetung war einer der bedeutendsten Künstler dieser Periode. Die meisten Künstler des Antwerpener Manierismus sind anonym geblieben, nur wenige wurden identifiziert. 1915 war Friedländer der erste, der diese Manieristen, welche davor fälschlicherweise allesamt mit Herri met de Bles gleichgesetzt worden waren, auf unterschiedliche Werkstätten verteilte. Das Œuvre des Meisters der von Grooteschen Anbetung wurde um das Altarbild gruppiert, das sich einst im Besitz der Familie von Groote aus Kitzburg bei Bonn befand. Es zeigt auf der Mitteltafel eine Anbetung der Könige, während die Seitenflügel Die Boten vor König David und Die Ankunft der Königin von Saba darstellen (Städel Museum, Frankfurt am Main, Inv.-Nr. 2253; siehe M. J. Friedländer, Die Antwerpener Manieristen von 1520, in: Jahrbuch der königlich preußischen Kunstsammlungen 36 [1915], S. 65–91). Friedländer wies darauf hin, dass die Gruppe der 19 Werke, die er dem Meister der von Grooteschen Anbetung zugeschrieben hatte, unvollständig war.

Das vorliegende Gemälde ist ein charakteristisches und überaus ansprechendes Beispiel für das Schaffen des Meisters. Die feine, detaillierte Unterzeichnung (siehe Abb. 1) verrät einen versierten Künstler sowie eine originale Bildfindung. Der das Kreuz tragende Engel links sollte zum Beispiel ursprünglich hinaufblicken. Weitere Merkmale sind die scharfen, nahezu schwerelosen Faltenwürfe, der detailliert ausgeführte Fliesenboden, der sich auch auf den Seitenflügeln des Frankfurter Altarbildes findet, und die leuchtende Farbigkeit mit dem blassen Goldgelb. Es gibt auch Parallelen zum Meister der Antwerpener Anbetung, einem weiteren hochentwickelten, aber immer noch unbekannten Künstler, der im damaligen Antwerpen tätig war. Beide Künstler haben ein gemeinsames Vokabular. Das Gesicht der Maria in einem Werk des Meisters der Antwerpener Anbetung, des Triptychons mit der Anbetung der Könige (Musées royaux des Beaux-Arts de Belgique, Brüssel), ist oval und leicht geneigt, mit schön gezeichneten Lippen und Augen sowie Augenlidern, die sich über schwarze Pupillen senken – sehr ähnlich dem knienden Engel links unten auf dem vorliegenden Bild.

Experte: Dr. Alexander Strasoldo Dr. Alexander Strasoldo
+43-1-515 60-556

alexander.strasoldo@dorotheum.at

09.06.2020 - 16:00

Erzielter Preis: **
EUR 38.516,-
Schätzwert:
EUR 40.000,- bis EUR 60.000,-

Meister der von Grooteschen Anbetung


(Antwerpen tätig 1510/20)
Die Heilige Dreifaltigkeit,
Öl auf Holz, 105,6 x 79,5 cm, gerahmt

Wir danken Peter van den Brink, der die Zuschreibung an den Meister der von Grooteschen Anbetung vorgeschlagen hat.

Farbenfroh, schön und üppig gestaltet – das vorliegende Gemälde ist ein charakteristisches Beispiel des Antwerpener Manierismus. Im 16. Jahrhundert wurde Antwerpen als wichtige Handelsmetropole zu einem führenden Kunstzentrum Nordeuropas. Zahlreiche Malergesellen vollendeten ihre Ausbildung auf Reisen entlang der Handelsrouten nach Italien, und die Druckereien der Stadt verbreiteten deren Entwürfe und künstlerischen Ideen. Unter den vielen Werkstätten gab es einige, die eng zusammenarbeiteten.

Der Begriff „Antwerpener Manierismus“ wurde Anfang des 20. Jahrhunderts von Max Friedländer geprägt, der damit auf eine Übergangsphase in der niederländischen Kunst zwischen Spätgotik und durch die italienische Renaissance inspirierte Werke verwies – einen Stil, der in Antwerpen florierte. Seine Werke haben bestimmte Merkmale gemeinsam: Die Kompositionen mit ihren oft der Schwerkraft trotzenden Faltenwürfen prächtiger oder exotischer Gewänder sind häufig bombastisch. Die Figuren sind für gewöhnlich in stark bewegter Haltung inmitten von Architekturruinen dargestellt (siehe P. van den Brink, P. J. Martens [Hrsg.], Extravagant! A Forgotten Chapter of Antwerp Painting, 1500–1530, Ausstellungskatalog, Antwerpen 2005). Frühere Werke beinhalteten gotische Architektur, in späteren Arbeiten gewannen Bauwerke der Renaissance Oberhand. Die Gemälde scheinen die Stilrichtungen der frühen niederländischen Malerei und der Renaissance des Nordens zu verbinden sowie flämische und italienische Traditionen in einer Bildfindung zu vereinen.

Der Meister der von Grooteschen Anbetung war einer der bedeutendsten Künstler dieser Periode. Die meisten Künstler des Antwerpener Manierismus sind anonym geblieben, nur wenige wurden identifiziert. 1915 war Friedländer der erste, der diese Manieristen, welche davor fälschlicherweise allesamt mit Herri met de Bles gleichgesetzt worden waren, auf unterschiedliche Werkstätten verteilte. Das Œuvre des Meisters der von Grooteschen Anbetung wurde um das Altarbild gruppiert, das sich einst im Besitz der Familie von Groote aus Kitzburg bei Bonn befand. Es zeigt auf der Mitteltafel eine Anbetung der Könige, während die Seitenflügel Die Boten vor König David und Die Ankunft der Königin von Saba darstellen (Städel Museum, Frankfurt am Main, Inv.-Nr. 2253; siehe M. J. Friedländer, Die Antwerpener Manieristen von 1520, in: Jahrbuch der königlich preußischen Kunstsammlungen 36 [1915], S. 65–91). Friedländer wies darauf hin, dass die Gruppe der 19 Werke, die er dem Meister der von Grooteschen Anbetung zugeschrieben hatte, unvollständig war.

Das vorliegende Gemälde ist ein charakteristisches und überaus ansprechendes Beispiel für das Schaffen des Meisters. Die feine, detaillierte Unterzeichnung (siehe Abb. 1) verrät einen versierten Künstler sowie eine originale Bildfindung. Der das Kreuz tragende Engel links sollte zum Beispiel ursprünglich hinaufblicken. Weitere Merkmale sind die scharfen, nahezu schwerelosen Faltenwürfe, der detailliert ausgeführte Fliesenboden, der sich auch auf den Seitenflügeln des Frankfurter Altarbildes findet, und die leuchtende Farbigkeit mit dem blassen Goldgelb. Es gibt auch Parallelen zum Meister der Antwerpener Anbetung, einem weiteren hochentwickelten, aber immer noch unbekannten Künstler, der im damaligen Antwerpen tätig war. Beide Künstler haben ein gemeinsames Vokabular. Das Gesicht der Maria in einem Werk des Meisters der Antwerpener Anbetung, des Triptychons mit der Anbetung der Könige (Musées royaux des Beaux-Arts de Belgique, Brüssel), ist oval und leicht geneigt, mit schön gezeichneten Lippen und Augen sowie Augenlidern, die sich über schwarze Pupillen senken – sehr ähnlich dem knienden Engel links unten auf dem vorliegenden Bild.

Experte: Dr. Alexander Strasoldo Dr. Alexander Strasoldo
+43-1-515 60-556

alexander.strasoldo@dorotheum.at


Käufer Hotline Mo.-Fr.: 09.00 - 18.00
old.masters@dorotheum.at

+43 1 515 60 403
Auktion: Alte Meister
Datum: 09.06.2020 - 16:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 02.06. - 09.06.2020


** Kaufpreis inkl. Käufergebühr und Mehrwertsteuer

Es können keine Kaufaufträge über Internet mehr abgegeben werden. Die Auktion befindet sich in Vorbereitung bzw. wurde bereits durchgeführt.