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Lot Nr. 25


Pieter Brueghel II.


(Brüssel 1564–1638 Antwerpen)
Ein Trunkenbold mit seiner Frau auf dem Heimweg,
Öl auf Holz, Tondo, Durchmesser 16,5 cm, gerahmt

Provenienz:
Privatsammlung, Genf, bis 2019

Wir danken Luuk Pijl, der die Zuschreibung des vorliegenden Gemäldes bestätigt hat. Ein schriftliches Gutachten (Oktober 2019) liegt vor.

Pijl schreibt: „Das vorliegende, schön erhaltene Rundbild, das einen Trunkenbold darstellt, der von seiner Frau angehalten wird, mit ihr nach Hause zu gehen, ist eine willkommene Hinzufügung zum Œuvre Pieter Brueghels des Jüngeren. Das Thema ist aus zwei weiteren Fassungen bekannt, die beide Querformate aufweisen; die größere Tafel mit den Maßen 76 x 104 cm war zuletzt 1989 im Pariser Kunsthandel zu sehen, die andere, 42 x 65 cm messende Tafel befindet sich im Montreal Museum of Arts. Letztere ist mit P. BREVGHEL signiert, was auf eine Entstehungszeit nach 1616 verweist. Wichtig ist der Hinweis, dass unser Gemälde von vornherein als Rundbild konzipiert war. Dafür spricht die abgeschrägte Kante der Rückseite des Bildträgers. Diese ziemlich raue Schräge wurde mit einem Meißel ausgeführt und ist bei Bildträgern aus Holz des frühen 17. Jahrhunderts üblich; sie ist auch bei anderen Rundbildern Pieter Breughels des Jüngeren anzutreffen. Die Größe des vorliegenden Gemäldes stimmt mit jener mehrerer Tondi Pieter Brueghels des Jüngeren mit der Darstellung von Sprichwörtern oder Handwerksberufen überein. Es fällt schwer, das vorliegende Werk zu datieren. Mit Sicherheit handelt es sich um keine Studie für die beiden anderen Werke dieses Bildthemas; eine Datierung in die 1620er-Jahre ist aber sicherlich denkbar. Auf unserem Bild kontrastieren die friedliche Kirche, die pickenden Vögel und die ihrer Arbeit nachgehenden Bauern mit dem Handgemenge Betrunkener vor dem Gasthof und der Frau, die ihren Mann auf dem Heimweg ausschimpft. Im Vordergrund mangelt es nicht an sexueller Symbolik: Brueghels Zeitgenossen hätten die schlampige Aufmachung und das gezogene Schwert des eingefangenen jungen Ehemanns, die Flöte des Knaben und den gespaltenen Baumstamm mit dem Holzstab sofort zu deuten verstanden.

Pieter Brueghel der Jüngere malte zahlreiche Kopien nach Werken seines Vaters, Pieter Breughels des Älteren, ebenso wie Originalkompositionen: Landschaften, religiöse Sujets, Sprichwörter und Dorfszenen. Er trug zur internationalen Verbreitung der Bildfindungen seines Vaters bei. Mehrere große Kunsthistoriker, denen die Fassung in Montreal bekannt war, zogen in Erwägung, dass Pieter der Jüngere hier ein verlorenes Gemälde seines Vaters kopiert hatte. Mir scheint es jedoch plausibler, dass es sich bei der vorliegenden Komposition um eine Erfindung des jüngeren Brueghel handelt, der den Einfällen seines berühmten Vaters nachzueifern suchte.“

Experte: Damian Brenninkmeyer Damian Brenninkmeyer
+43 1 515 60 403

damian.brenninkmeyer@dorotheum.at

09.06.2020 - 16:00

Schätzwert:
EUR 120.000,- bis EUR 180.000,-

Pieter Brueghel II.


(Brüssel 1564–1638 Antwerpen)
Ein Trunkenbold mit seiner Frau auf dem Heimweg,
Öl auf Holz, Tondo, Durchmesser 16,5 cm, gerahmt

Provenienz:
Privatsammlung, Genf, bis 2019

Wir danken Luuk Pijl, der die Zuschreibung des vorliegenden Gemäldes bestätigt hat. Ein schriftliches Gutachten (Oktober 2019) liegt vor.

Pijl schreibt: „Das vorliegende, schön erhaltene Rundbild, das einen Trunkenbold darstellt, der von seiner Frau angehalten wird, mit ihr nach Hause zu gehen, ist eine willkommene Hinzufügung zum Œuvre Pieter Brueghels des Jüngeren. Das Thema ist aus zwei weiteren Fassungen bekannt, die beide Querformate aufweisen; die größere Tafel mit den Maßen 76 x 104 cm war zuletzt 1989 im Pariser Kunsthandel zu sehen, die andere, 42 x 65 cm messende Tafel befindet sich im Montreal Museum of Arts. Letztere ist mit P. BREVGHEL signiert, was auf eine Entstehungszeit nach 1616 verweist. Wichtig ist der Hinweis, dass unser Gemälde von vornherein als Rundbild konzipiert war. Dafür spricht die abgeschrägte Kante der Rückseite des Bildträgers. Diese ziemlich raue Schräge wurde mit einem Meißel ausgeführt und ist bei Bildträgern aus Holz des frühen 17. Jahrhunderts üblich; sie ist auch bei anderen Rundbildern Pieter Breughels des Jüngeren anzutreffen. Die Größe des vorliegenden Gemäldes stimmt mit jener mehrerer Tondi Pieter Brueghels des Jüngeren mit der Darstellung von Sprichwörtern oder Handwerksberufen überein. Es fällt schwer, das vorliegende Werk zu datieren. Mit Sicherheit handelt es sich um keine Studie für die beiden anderen Werke dieses Bildthemas; eine Datierung in die 1620er-Jahre ist aber sicherlich denkbar. Auf unserem Bild kontrastieren die friedliche Kirche, die pickenden Vögel und die ihrer Arbeit nachgehenden Bauern mit dem Handgemenge Betrunkener vor dem Gasthof und der Frau, die ihren Mann auf dem Heimweg ausschimpft. Im Vordergrund mangelt es nicht an sexueller Symbolik: Brueghels Zeitgenossen hätten die schlampige Aufmachung und das gezogene Schwert des eingefangenen jungen Ehemanns, die Flöte des Knaben und den gespaltenen Baumstamm mit dem Holzstab sofort zu deuten verstanden.

Pieter Brueghel der Jüngere malte zahlreiche Kopien nach Werken seines Vaters, Pieter Breughels des Älteren, ebenso wie Originalkompositionen: Landschaften, religiöse Sujets, Sprichwörter und Dorfszenen. Er trug zur internationalen Verbreitung der Bildfindungen seines Vaters bei. Mehrere große Kunsthistoriker, denen die Fassung in Montreal bekannt war, zogen in Erwägung, dass Pieter der Jüngere hier ein verlorenes Gemälde seines Vaters kopiert hatte. Mir scheint es jedoch plausibler, dass es sich bei der vorliegenden Komposition um eine Erfindung des jüngeren Brueghel handelt, der den Einfällen seines berühmten Vaters nachzueifern suchte.“

Experte: Damian Brenninkmeyer Damian Brenninkmeyer
+43 1 515 60 403

damian.brenninkmeyer@dorotheum.at


Käufer Hotline Mo.-Fr.: 09.00 - 18.00
old.masters@dorotheum.at

+43 1 515 60 403
Auktion: Alte Meister
Datum: 09.06.2020 - 16:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 02.06. - 09.06.2020