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Lot Nr. 88


Valerio Castello


(Genua 1624–1659)
Anbetung der Hirten,
Öl auf Leinwand, 125 x 187 cm, gerahmt

Provenienz:
Mrs. M. Campbell, London, bis 1985;
von ihr eingebracht zur Auktion, London, Sotheby’s, 19. Dezember 1985, Lot 46 (als Umkreis Valerio Castello);
dort erworben durch die Walpole Gallery, London;
Sammlung Steinberg, New York;
Sammlung Richard L. Feigen, New York (lt. rückseitigem Klebezettel mit Inv.-Nr. 20112-D);
Auktion, Sotheby’s, New York, 28. Januar 2010, Lot 185, (als Valerio Castello);
Kunsthandel;
dort erworben durch den jetzigen Besitzer, um 2015

Literatur:
C. Manzitti, Valerio Castello, Turin 2004, S. 169, Kat.-Nr. 166 (als Valerio Castello);
C. Manzitti, in: Milano – Genova andatA/Ritorno. Percorsi della pittura tra Manierismo e Barocco, Ausstellungskatalog, Mailand 2012, S. 78f. (als Valerio Castello)

Valerio Castello war einer der temperamentvollsten Künstler seiner Zeit. Als Maler hatte er eine erfindungsreiche und dekorative Ader, wobei seine Kunst von einer dynamisierten, bewegten Rhythmik sowie von einer von hellen Glanzlichtern bestimmten, fantastischen Farbigkeit geprägt war.

Castellos Malstil bestand in der Konstruktion von Formen durch eine überschäumende, spannungsreiche Farbstimmung. Er verstand es, Dinge zu evozieren, indem er seine Kompositionen entlang kontrastierender und sich einander wieder annähernder Linien aufbaute. Dabei erneuerte er Bildthemen wie die Anbetung der Hirten, welche traditionell als ruhig und statisch aufgefasst wurde, von Grund auf, indem er die in Anbetung begriffenen Protagonisten in die Betrachtung des Göttlichen eintauchen ließ. In der vorliegenden Komposition sind Muttergottes und Kind etwas aus dem Zentrum nach rechts gerückt, um Raum für die Einbindung lebensnaher Charaktere und Tiere zu schaffen, darunter zwei Bauersfrauen, die als Geschenke Stroh und zwei Hennen bringen, oder der sich der Muttergottes und dem Kind zuwendende Ochse.

Manzitti datiert das vorliegende Gemälde in die Mitte der 1650er-Jahre, als der Künstler Krippenszenen schuf, angeregt durch die Nachfrage nach Schöpfungen seiner erfindungsreichen malerischen Virtuosität. Castello schuf aus eigenen Stücken Varianten eines Themas, so die Anbetung der Hirten im Fine Arts Museum, San Francisco (Öl auf Leinwand, 66,5 x 103 cm; Inv.-Nr. 1980.47), ebenfalls eine in hellen Farben umgesetzte, vielfigurige Komposition. Offensichtlich entsprach das Thema dem Maler und gefiel seinen Auftraggebern; es erlaubte ihm, seine große Erfindungsgabe zu zeigen, die sich in neuen Lösungen des Bildthemas niederschlug.

Giovanni Benedetto Castiglione (Genua 1609–1664 Mantua) beeinflusste Castellos Schaffen dieser Zeit, ebenso wie das neovenezianische kulturelle Erbe, das die meisten der führenden Künstler der Zeit prägte. Tatsächlich scheint Castello mit dem vorliegenden Gemälde auf Castigliones 1645 für die Chiesa di San Luca in Genua ausgeführte Anbetung der Hirten zurückzugreifen. Geleitet und angeregt von diesen Neuerungen, trug Valerio Castello seinerseits dazu bei, indem er Elemente, die von van Dyck herrührten, mit farblichem Überschwang transformierte und verstärkte.

Der hier an den Tag gelegte Malstil Castellos demonstriert eine sichere Pinselführung in Verbindung mit einer kühnen Handhabung der Faltenwürfe zwecks Schaffung einer außergewöhnlichen melodramatischen und fantastischen Formensprache, die anmutet, als wäre sie für ein spektakuläres Bühnenbild bestimmt. Dieser Sinn für das Theatralische war nicht unwichtig in der damaligen Entwicklung der Malerei. Valerio Castello fand darin für sich die Möglichkeit der Erneuerung, und er schuf ein ästhetisches Konzept abseits jeder didaktischen Absicht. Laut Manzitti (siehe Literatur) entspricht die vorliegende Anbetung der Hirten diesen ästhetischen Kriterien und ist eine Vorwegnahme von Castellos Werken der Reifezeit wie Raub der Sabinerinnen oder Bethlehemitischer Kindermord.

Experte: Mark MacDonnell Mark MacDonnell
+43 1 515 60 403

mark.macdonnell@dorotheum.at

09.06.2020 - 16:00

Schätzwert:
EUR 150.000,- bis EUR 200.000,-

Valerio Castello


(Genua 1624–1659)
Anbetung der Hirten,
Öl auf Leinwand, 125 x 187 cm, gerahmt

Provenienz:
Mrs. M. Campbell, London, bis 1985;
von ihr eingebracht zur Auktion, London, Sotheby’s, 19. Dezember 1985, Lot 46 (als Umkreis Valerio Castello);
dort erworben durch die Walpole Gallery, London;
Sammlung Steinberg, New York;
Sammlung Richard L. Feigen, New York (lt. rückseitigem Klebezettel mit Inv.-Nr. 20112-D);
Auktion, Sotheby’s, New York, 28. Januar 2010, Lot 185, (als Valerio Castello);
Kunsthandel;
dort erworben durch den jetzigen Besitzer, um 2015

Literatur:
C. Manzitti, Valerio Castello, Turin 2004, S. 169, Kat.-Nr. 166 (als Valerio Castello);
C. Manzitti, in: Milano – Genova andatA/Ritorno. Percorsi della pittura tra Manierismo e Barocco, Ausstellungskatalog, Mailand 2012, S. 78f. (als Valerio Castello)

Valerio Castello war einer der temperamentvollsten Künstler seiner Zeit. Als Maler hatte er eine erfindungsreiche und dekorative Ader, wobei seine Kunst von einer dynamisierten, bewegten Rhythmik sowie von einer von hellen Glanzlichtern bestimmten, fantastischen Farbigkeit geprägt war.

Castellos Malstil bestand in der Konstruktion von Formen durch eine überschäumende, spannungsreiche Farbstimmung. Er verstand es, Dinge zu evozieren, indem er seine Kompositionen entlang kontrastierender und sich einander wieder annähernder Linien aufbaute. Dabei erneuerte er Bildthemen wie die Anbetung der Hirten, welche traditionell als ruhig und statisch aufgefasst wurde, von Grund auf, indem er die in Anbetung begriffenen Protagonisten in die Betrachtung des Göttlichen eintauchen ließ. In der vorliegenden Komposition sind Muttergottes und Kind etwas aus dem Zentrum nach rechts gerückt, um Raum für die Einbindung lebensnaher Charaktere und Tiere zu schaffen, darunter zwei Bauersfrauen, die als Geschenke Stroh und zwei Hennen bringen, oder der sich der Muttergottes und dem Kind zuwendende Ochse.

Manzitti datiert das vorliegende Gemälde in die Mitte der 1650er-Jahre, als der Künstler Krippenszenen schuf, angeregt durch die Nachfrage nach Schöpfungen seiner erfindungsreichen malerischen Virtuosität. Castello schuf aus eigenen Stücken Varianten eines Themas, so die Anbetung der Hirten im Fine Arts Museum, San Francisco (Öl auf Leinwand, 66,5 x 103 cm; Inv.-Nr. 1980.47), ebenfalls eine in hellen Farben umgesetzte, vielfigurige Komposition. Offensichtlich entsprach das Thema dem Maler und gefiel seinen Auftraggebern; es erlaubte ihm, seine große Erfindungsgabe zu zeigen, die sich in neuen Lösungen des Bildthemas niederschlug.

Giovanni Benedetto Castiglione (Genua 1609–1664 Mantua) beeinflusste Castellos Schaffen dieser Zeit, ebenso wie das neovenezianische kulturelle Erbe, das die meisten der führenden Künstler der Zeit prägte. Tatsächlich scheint Castello mit dem vorliegenden Gemälde auf Castigliones 1645 für die Chiesa di San Luca in Genua ausgeführte Anbetung der Hirten zurückzugreifen. Geleitet und angeregt von diesen Neuerungen, trug Valerio Castello seinerseits dazu bei, indem er Elemente, die von van Dyck herrührten, mit farblichem Überschwang transformierte und verstärkte.

Der hier an den Tag gelegte Malstil Castellos demonstriert eine sichere Pinselführung in Verbindung mit einer kühnen Handhabung der Faltenwürfe zwecks Schaffung einer außergewöhnlichen melodramatischen und fantastischen Formensprache, die anmutet, als wäre sie für ein spektakuläres Bühnenbild bestimmt. Dieser Sinn für das Theatralische war nicht unwichtig in der damaligen Entwicklung der Malerei. Valerio Castello fand darin für sich die Möglichkeit der Erneuerung, und er schuf ein ästhetisches Konzept abseits jeder didaktischen Absicht. Laut Manzitti (siehe Literatur) entspricht die vorliegende Anbetung der Hirten diesen ästhetischen Kriterien und ist eine Vorwegnahme von Castellos Werken der Reifezeit wie Raub der Sabinerinnen oder Bethlehemitischer Kindermord.

Experte: Mark MacDonnell Mark MacDonnell
+43 1 515 60 403

mark.macdonnell@dorotheum.at


Käufer Hotline Mo.-Fr.: 09.00 - 18.00
old.masters@dorotheum.at

+43 1 515 60 403
Auktion: Alte Meister
Datum: 09.06.2020 - 16:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 02.06. - 09.06.2020