Sie nutzen einen veralteten Browser!

Um unsere Website voll funktionsfähig nutzen zu können, sollten Sie eine aktuelle Browserversion installieren. Eine Auflistung von empfohlenen Browserversionen finden Sie gleich hier.



Lot Nr. 122 -


Filippo Lippi, Nachfolger des 15. Jahrhunderts


Maria lehrt dem Jesuskind das Lesen,
Tempera auf Holz, Goldgrund, 54,5 x 37 cm, ungerahmt

Provenienz:
Godefroy Brauer (1857–1923), Nizza (als Pintoricchio);
Privatsammlung, Paris, 1930;
Privatsammlung, Schweiz

Das Gemälde zeigt eine ungewöhnliche Variante des Themas der das Jesuskind lesen lehrenden Maria. Sie ist mit dem Kind im Arm dargestellt, das nur mit einem Tuch bekleidet ist und schlafend an ihrer Schulter lehnt, wobei es ein geöffnetes Buch hält. Der Blick der Madonna und die beschützende Geste ihrer linken Hand unterstreichen die Intimität der Darstellung, die beinahe eine Interpretation der Renaissance des Bildthemas der „liebkosenden Madonna“der byzantinischen Maltradition zu sein scheint. Das Bild galt einst als Werk Pintoricchios, vermutlich aufgrund des „kunstvollen“ und etwas profanen Stils. Es lässt sich jedoch mit dem raren Schaffen der Werkstatt Filippino Lippis aus dessen römischer Zeit zwischen 1488 und 1494 vergleichen. Figurentyp und Bildaufbau entsprechen Filippinos Reifestil, wobei es Bezugnahmen zu Vorbildern in den Fresken der Carafa-Kapelle in Santa Maria sopra Minerva in Rom gibt, die 1493 vollendet wurden.

Der nach spanischem Geschmack reich verzierte Goldgrund, der Florentiner Kunst fremd, weist auf einen in Rom vorherrschenden Malstil. Das Werk weist eine Nähe zum Schaffen mehrerer umbrisch-römischer Künstler auf, die am Hof der Borgia tätig waren, darunter Pintoricchio, Antoniazzo Romano, Piermatteo d’Amelia, Antonio da Viterbo, gen. Pastura, der „Meister der Liverpool-Madonna“ und der „Meister der Madonna di Orte“. Das vorliegende Gemälde mag von einem Werkstattmitarbeiter Filippino Lippis stammen, zumal es große stilistische Gemeinsamkeiten mit der Werkgruppe aufweist, die unter dem Namen „Meister von Memphis“ zusammengefasst wurde (auf Grundlage der Zeichnung eines Altarbildes der Kirche Ognissanti, Florenz, die heute als Teil der Sammlung Kress im Brooks Museum of Art in Memphis aufbewahrt wird [Nr. 61.190] – siehe P. Zambrano, J. K. Nelson, Filippino Lippi, Mailand 2004, S. 610f.), welcher neben Raffaellino del Garbo als Filippino Lippis bedeutendster Schüler gilt.

Experte: Mark MacDonnell Mark MacDonnell
+43 1 515 60 403

mark.macdonnell@dorotheum.at

09.06.2020 - 16:00

Erzielter Preis: **
EUR 24.861,-
Schätzwert:
EUR 20.000,- bis EUR 30.000,-

Filippo Lippi, Nachfolger des 15. Jahrhunderts


Maria lehrt dem Jesuskind das Lesen,
Tempera auf Holz, Goldgrund, 54,5 x 37 cm, ungerahmt

Provenienz:
Godefroy Brauer (1857–1923), Nizza (als Pintoricchio);
Privatsammlung, Paris, 1930;
Privatsammlung, Schweiz

Das Gemälde zeigt eine ungewöhnliche Variante des Themas der das Jesuskind lesen lehrenden Maria. Sie ist mit dem Kind im Arm dargestellt, das nur mit einem Tuch bekleidet ist und schlafend an ihrer Schulter lehnt, wobei es ein geöffnetes Buch hält. Der Blick der Madonna und die beschützende Geste ihrer linken Hand unterstreichen die Intimität der Darstellung, die beinahe eine Interpretation der Renaissance des Bildthemas der „liebkosenden Madonna“der byzantinischen Maltradition zu sein scheint. Das Bild galt einst als Werk Pintoricchios, vermutlich aufgrund des „kunstvollen“ und etwas profanen Stils. Es lässt sich jedoch mit dem raren Schaffen der Werkstatt Filippino Lippis aus dessen römischer Zeit zwischen 1488 und 1494 vergleichen. Figurentyp und Bildaufbau entsprechen Filippinos Reifestil, wobei es Bezugnahmen zu Vorbildern in den Fresken der Carafa-Kapelle in Santa Maria sopra Minerva in Rom gibt, die 1493 vollendet wurden.

Der nach spanischem Geschmack reich verzierte Goldgrund, der Florentiner Kunst fremd, weist auf einen in Rom vorherrschenden Malstil. Das Werk weist eine Nähe zum Schaffen mehrerer umbrisch-römischer Künstler auf, die am Hof der Borgia tätig waren, darunter Pintoricchio, Antoniazzo Romano, Piermatteo d’Amelia, Antonio da Viterbo, gen. Pastura, der „Meister der Liverpool-Madonna“ und der „Meister der Madonna di Orte“. Das vorliegende Gemälde mag von einem Werkstattmitarbeiter Filippino Lippis stammen, zumal es große stilistische Gemeinsamkeiten mit der Werkgruppe aufweist, die unter dem Namen „Meister von Memphis“ zusammengefasst wurde (auf Grundlage der Zeichnung eines Altarbildes der Kirche Ognissanti, Florenz, die heute als Teil der Sammlung Kress im Brooks Museum of Art in Memphis aufbewahrt wird [Nr. 61.190] – siehe P. Zambrano, J. K. Nelson, Filippino Lippi, Mailand 2004, S. 610f.), welcher neben Raffaellino del Garbo als Filippino Lippis bedeutendster Schüler gilt.

Experte: Mark MacDonnell Mark MacDonnell
+43 1 515 60 403

mark.macdonnell@dorotheum.at


Käufer Hotline Mo.-Fr.: 09.00 - 18.00
old.masters@dorotheum.at

+43 1 515 60 403
Auktion: Alte Meister
Datum: 09.06.2020 - 16:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 02.06. - 09.06.2020


** Kaufpreis inkl. Käufergebühr und Mehrwertsteuer

Es können keine Kaufaufträge über Internet mehr abgegeben werden. Die Auktion befindet sich in Vorbereitung bzw. wurde bereits durchgeführt.