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Lot Nr. 34


Tamara de Lempicka *


(Warschau 1898–1980 Cuernavaca /Mexiko)
Jeune fille au châle blanc – Mädchen mit weißem Tuch,
ca. 1952, auf dem Keilrahmen mit Cha bezeichnet, Öl auf Leinwand, 45,7 x 35,5 cm, auf der Rückseite der Leinwand Stempel des Lempicka-Nachlasses (schwer leserlich), gerahmt

Laut Tamaras Enkelin, Victoria de Lempicka, war das Bild ihrer Schwester Cha, der zweiten Enkelin von Tamara de Lempicka, gewidmet. Das hier dargestellte Mädchen ist Victoria de Lempicka unbekannt.

Wir danken Victoria de Lempicka für diese Information.

Fotozertifikat:
Alain Blondel, Paris, 14.10.2004

Provenienz:
Privatsammlung, Deutschland

Literatur:
Alain Blondel, Lempicka, Catalogue Raisonné 1921-1979, Lausanne 1999, S. 363, Nr. B.312 mit dem Vermerk, dass das
Gesicht nicht vollendet wurde.

Während einer Italienreise mit ihrer Großmutter setzt sich Tamara de Lempicka erstmalig im Jahr 1911 mit der Malerei der italienischen Renaissance auseinander, was ihre weitere künstlerische Entwicklung nachhaltig prägt. „Madame schleifte ihren Schützling durch die Museen von Florenz, Rom, Venedig, kommentierte und explizierte, zeigte ihr die Renaissancemaler, erläuterte Modellierungen einer Wange, die Verkürzung einer Hand, Bildkomposition, Chiaroscuro, Impasto. Es war eine Reise, die das junge Mädchen nie vergessen sollte.“ (Tamara de Lempicka, Femme fatale des Art déco, Ostfildern-Ruit 2004, S. 17)
In den nächsten Jahrzehnten folgen zahlreiche Reisen durch ganz Europa, bei denen sich die Künstlerin immer wieder zu ausgiebigen Bildbetrachtungen der Alten Meister in die Museen zurückzieht. Im Jahr 1939 übersiedelt Tamara de Lempicka gemeinsam mit ihrem ungarischen Ehemann Baron Kuffner nach New York, was nicht nur ihrer eigenen Psyche, sondern auch ihrem künstlerischen Schaffen einen neuen Aufschwung verleiht. In den folgenden Jahren finden Ausstellungen sowohl in Amerika als auch in Europa statt, und dort vornehmlich in Paris. Dabei zeigt die Künstlerin neue wie auch alte Werke, was von ihrem Bestreben zeugt, Kontinuitäten in ihrem Gesamtœuvre herzustellen, und zugleich ihre perfektionistischen Techniken demonstriert. Ende der 40er Jahre kehrt sie erstmals wieder nach Italien zurück und bezieht neue Inspiration durch die Kunst der italienischen Renaissance, die zu einer Wiederbelebung der italienisierenden Manier in ihren Gemälden führt.
Der Hang Tamara de Lempickas zu allem Expressiven bewegt sie, sich für Menschen zu interessieren, deren Körper und Gesicht deutliche Charakteristika aufweisen, um sie auf gezielte Weise in ihre Werke einbinden zu können. Sie spricht fremde Menschen auf der Straße an und bittet sie, für sie Modell zu stehen für ein Werk, das bereits in ihrem Kopf existiert. Die Künstlerin ist fasziniert vom menschlichen Körper, seiner Bewegung und der Darstellung der aus der italienischen Renaissance übernommenen ‚Serpentinata‘.
Das Profilbildnis des Mädchens, bei dem es sich um Tamara de Lempickas eigene Enkelin Victoria handeln könnte, ist nach den Vorbildern der Renaissance Porträts gestaltet. Nach Aussage von Alain Blondel ist das Gesicht des Mädchens unvollendet geblieben. Das Skulpturenhafte des Gesichtes rückt die Physiognomie des Mädchens in den Hintergrund, und das Augenmerk des Betrachters richtet sich primär auf das lange weiße Tuch. Der weiße, bauschige Schal ist leicht fließend um Kopf, Körper und Rückenlehne drapiert und in den verschiedensten hellen Farbnuancen gemalt. Die verschiedenen Pink-, Rot- und Brauntöne an Körper und Kleidung des Mädchens sowie des Stuhles stehen in starkem Kontrast zu dem in dunklen Grüntönen changierenden Hintergrund. Dieser extreme Kontrast führt in der gesamten Bildkomposition dazu, dass der weiße Schal zu einem beinahe greifbaren Element im Bild gerät. Tamara de Lempicka gelingt es durch diese Farbkomposition, die Plastizität des weißen Tuches ins augenscheinlich Dreidimensionale zu steigern.

Expertin: Dr. Petra Maria Schäpers Dr. Petra Maria Schäpers
+49-211-210 77 47

petra.schaepers@dorotheum.de

23.06.2020 - 16:00

Erzielter Preis: **
EUR 161.900,-
Schätzwert:
EUR 80.000,- bis EUR 120.000,-

Tamara de Lempicka *


(Warschau 1898–1980 Cuernavaca /Mexiko)
Jeune fille au châle blanc – Mädchen mit weißem Tuch,
ca. 1952, auf dem Keilrahmen mit Cha bezeichnet, Öl auf Leinwand, 45,7 x 35,5 cm, auf der Rückseite der Leinwand Stempel des Lempicka-Nachlasses (schwer leserlich), gerahmt

Laut Tamaras Enkelin, Victoria de Lempicka, war das Bild ihrer Schwester Cha, der zweiten Enkelin von Tamara de Lempicka, gewidmet. Das hier dargestellte Mädchen ist Victoria de Lempicka unbekannt.

Wir danken Victoria de Lempicka für diese Information.

Fotozertifikat:
Alain Blondel, Paris, 14.10.2004

Provenienz:
Privatsammlung, Deutschland

Literatur:
Alain Blondel, Lempicka, Catalogue Raisonné 1921-1979, Lausanne 1999, S. 363, Nr. B.312 mit dem Vermerk, dass das
Gesicht nicht vollendet wurde.

Während einer Italienreise mit ihrer Großmutter setzt sich Tamara de Lempicka erstmalig im Jahr 1911 mit der Malerei der italienischen Renaissance auseinander, was ihre weitere künstlerische Entwicklung nachhaltig prägt. „Madame schleifte ihren Schützling durch die Museen von Florenz, Rom, Venedig, kommentierte und explizierte, zeigte ihr die Renaissancemaler, erläuterte Modellierungen einer Wange, die Verkürzung einer Hand, Bildkomposition, Chiaroscuro, Impasto. Es war eine Reise, die das junge Mädchen nie vergessen sollte.“ (Tamara de Lempicka, Femme fatale des Art déco, Ostfildern-Ruit 2004, S. 17)
In den nächsten Jahrzehnten folgen zahlreiche Reisen durch ganz Europa, bei denen sich die Künstlerin immer wieder zu ausgiebigen Bildbetrachtungen der Alten Meister in die Museen zurückzieht. Im Jahr 1939 übersiedelt Tamara de Lempicka gemeinsam mit ihrem ungarischen Ehemann Baron Kuffner nach New York, was nicht nur ihrer eigenen Psyche, sondern auch ihrem künstlerischen Schaffen einen neuen Aufschwung verleiht. In den folgenden Jahren finden Ausstellungen sowohl in Amerika als auch in Europa statt, und dort vornehmlich in Paris. Dabei zeigt die Künstlerin neue wie auch alte Werke, was von ihrem Bestreben zeugt, Kontinuitäten in ihrem Gesamtœuvre herzustellen, und zugleich ihre perfektionistischen Techniken demonstriert. Ende der 40er Jahre kehrt sie erstmals wieder nach Italien zurück und bezieht neue Inspiration durch die Kunst der italienischen Renaissance, die zu einer Wiederbelebung der italienisierenden Manier in ihren Gemälden führt.
Der Hang Tamara de Lempickas zu allem Expressiven bewegt sie, sich für Menschen zu interessieren, deren Körper und Gesicht deutliche Charakteristika aufweisen, um sie auf gezielte Weise in ihre Werke einbinden zu können. Sie spricht fremde Menschen auf der Straße an und bittet sie, für sie Modell zu stehen für ein Werk, das bereits in ihrem Kopf existiert. Die Künstlerin ist fasziniert vom menschlichen Körper, seiner Bewegung und der Darstellung der aus der italienischen Renaissance übernommenen ‚Serpentinata‘.
Das Profilbildnis des Mädchens, bei dem es sich um Tamara de Lempickas eigene Enkelin Victoria handeln könnte, ist nach den Vorbildern der Renaissance Porträts gestaltet. Nach Aussage von Alain Blondel ist das Gesicht des Mädchens unvollendet geblieben. Das Skulpturenhafte des Gesichtes rückt die Physiognomie des Mädchens in den Hintergrund, und das Augenmerk des Betrachters richtet sich primär auf das lange weiße Tuch. Der weiße, bauschige Schal ist leicht fließend um Kopf, Körper und Rückenlehne drapiert und in den verschiedensten hellen Farbnuancen gemalt. Die verschiedenen Pink-, Rot- und Brauntöne an Körper und Kleidung des Mädchens sowie des Stuhles stehen in starkem Kontrast zu dem in dunklen Grüntönen changierenden Hintergrund. Dieser extreme Kontrast führt in der gesamten Bildkomposition dazu, dass der weiße Schal zu einem beinahe greifbaren Element im Bild gerät. Tamara de Lempicka gelingt es durch diese Farbkomposition, die Plastizität des weißen Tuches ins augenscheinlich Dreidimensionale zu steigern.

Expertin: Dr. Petra Maria Schäpers Dr. Petra Maria Schäpers
+49-211-210 77 47

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Käufer Hotline Mo.-Fr.: 09.00 - 18.00
kundendienst@dorotheum.at

+43 1 515 60 200
Auktion: Klassische Moderne
Datum: 23.06.2020 - 16:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 18.06. - 23.06.2020


** Kaufpreis inkl. Käufergebühr und Mehrwertsteuer

Es können keine Kaufaufträge über Internet mehr abgegeben werden. Die Auktion befindet sich in Vorbereitung bzw. wurde bereits durchgeführt.