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Lot Nr. 160


Carla Accardi *


Carla Accardi * - Zeitgenössische Kunst I

(Trapani 1924–2014 Rom)
Integrazione n. 2, 1957, signiert und datiert; rückseitig signiert, Kasein auf Leinwand, 63 x 88 cm, gerahmt

Die vorliegende Arbeit ist beim Studio Accardi, Rome, unter der Nr. 91/10 registriert. Ein vom Studio Accardi ausgestelltes, von der Künstlerin signiertes Fotozertifikat liegt vor.

Provenienz:
Porro & C., Mailand, 16. November 2010, Los 76
Europäische Privatsammlung

In der ersten Hälfte der 1950er Jahre wurde der Grundstein für eine tiefgreifende Internationalisierung der künstlerischen Kultur Italiens gelegt: Während italienische Galeristen immer mehr Ausstellungen im Ausland veranstalteten, hielt Venturi Vorträge über die New Yorker Avantgarde und die Kunstwelt bewunderte Pollocks erste Fotos, auf denen er seine Tropfbilder anfertigte.
Carla Accardi sah ihre Karriere in dieser Zeit des Wandels reifen. In Sizilien geboren, zog sie nach Florenz, um ihre Studien fortzusetzen, und anschließend nach Rom, wo sie Antonio Sanfilippo heiratete und sich der Gruppo Forma anschloss.
Das Jahrzehnt von 1950 bis 1960 war für Accardi eine entscheidende Periode des Experimentierens und der künstlerischen Reifung. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sich ihr Werk im Bereich der konkreten Malerei entwickelt, die sie insbesondere in Paris aufgriff und übernahm. Ab 1953 folgte ihre Arbeit einer neuen, auf der Poetik des Zeichens basierenden Richtung. Ursprünglich verfolgte sie noch die Idee einer ‚Figur‘ und setzte vor allem auf erdige Farbtöne. In den folgenden Jahren entwickelte sie sich zu einer Reihe von Segmenten, die durch trockene, abwechselnde Anordnungen von Schwarz und Weiß, manchmal mit Rotzusatz, artikuliert wurden. „Ich habe Weiß auf Schwarz verwendet“, erklärte sie, „weil Schwarz auf Weiß mich nicht erregt hat, weil es zu offensichtlich war; in diesem besonderen Moment muss der Künstler einen Sinn für Einzigartigkeit, für Neuartigkeit haben, der ihn anspornt.“
Die Fotografien, die Accardi bei der Arbeit zeigen, verewigen sie oft auf dem Boden oder auf einem Tisch, aber nie an einer Staffelei; die Zeichen auf ihren Leinwänden müssen sich unbegrenzt ausdehnen können, ohne räumliche Zwänge, sich ineinander verschlingen oder sich frei bewegen können. Genau dies ist bei der Integrazione n. 2 der Fall. In diesem Stück erweckt ein Energiekern, der durch eine Reihe von einzelnen Elementen im Dialog miteinander erzeugt wird, geheimnisvolle zweidimensionale abstrakte Schriften zum Leben, die die Distanz zwischen Hintergrund und Zeichen negieren.
In Accardis Oeuvre sind die Zeichen nie zufällig, sondern immer einer bestimmten formalen Argumentation unterworfen. So wird die Form ihrer Werke durch die verschiedenen Gruppierungen von Zeichen bestimmt, und die Kraft ihrer Kompositionen ergibt sich aus der Komplexität und Vielfalt der Aggregationen der Zeichen.
In den fünfziger Jahren fanden Accardis Werke große Unterstützung in Form des Kritikers und Propheten des Informel, Michel Tapié, der ihr künstlerisches Schaffen und das ihres Mannes Sanfilippo in bahnbrechenden Publikationen wie Esthétique en devenir (1956) und Morphologie autre (1960) dokumentierte. Er förderte ihre Werke auch in wichtigen Ausstellungen an der Seite der etabliertesten amerikanischen, europäischen und japanischen Maler, was dazu führte, dass sie als Exponentin der art autre zur Gänze akzeptiert wurde.
In den 50er und 60er Jahren ist Accardis Werk von der Idee einer Art Anti-Malerei aus Kontrasten geprägt, von Umkehrungen, die darauf abzielen, die Hierarchie der Formen und Farben zu unterwandern, von den Beziehungen zwischen absoluter und individueller Vision, die die Auflösung und Krise der Tradition durchläuft. Ihr idiosynkratischer Stil ist durch einen zentralen Kern zentripetaler Energie definiert, der die Ränder der Bildfläche als Hintergrund erscheinen lässt. Jedes Zeichen existiert in Beziehung zu anderen Zeichen, und gemeinsam bilden sie eine Struktur, die durch das Ganze Bedeutung erhält und selbst zum künstlerischen Ausdruck wird.

Experte: Alessandro Rizzi Alessandro Rizzi
+39-02-303 52 41

alessandro.rizzi@dorotheum.it

24.06.2020 - 16:00

Erzielter Preis: **
EUR 106.550,-
Schätzwert:
EUR 75.000,- bis EUR 100.000,-

Carla Accardi *


(Trapani 1924–2014 Rom)
Integrazione n. 2, 1957, signiert und datiert; rückseitig signiert, Kasein auf Leinwand, 63 x 88 cm, gerahmt

Die vorliegende Arbeit ist beim Studio Accardi, Rome, unter der Nr. 91/10 registriert. Ein vom Studio Accardi ausgestelltes, von der Künstlerin signiertes Fotozertifikat liegt vor.

Provenienz:
Porro & C., Mailand, 16. November 2010, Los 76
Europäische Privatsammlung

In der ersten Hälfte der 1950er Jahre wurde der Grundstein für eine tiefgreifende Internationalisierung der künstlerischen Kultur Italiens gelegt: Während italienische Galeristen immer mehr Ausstellungen im Ausland veranstalteten, hielt Venturi Vorträge über die New Yorker Avantgarde und die Kunstwelt bewunderte Pollocks erste Fotos, auf denen er seine Tropfbilder anfertigte.
Carla Accardi sah ihre Karriere in dieser Zeit des Wandels reifen. In Sizilien geboren, zog sie nach Florenz, um ihre Studien fortzusetzen, und anschließend nach Rom, wo sie Antonio Sanfilippo heiratete und sich der Gruppo Forma anschloss.
Das Jahrzehnt von 1950 bis 1960 war für Accardi eine entscheidende Periode des Experimentierens und der künstlerischen Reifung. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sich ihr Werk im Bereich der konkreten Malerei entwickelt, die sie insbesondere in Paris aufgriff und übernahm. Ab 1953 folgte ihre Arbeit einer neuen, auf der Poetik des Zeichens basierenden Richtung. Ursprünglich verfolgte sie noch die Idee einer ‚Figur‘ und setzte vor allem auf erdige Farbtöne. In den folgenden Jahren entwickelte sie sich zu einer Reihe von Segmenten, die durch trockene, abwechselnde Anordnungen von Schwarz und Weiß, manchmal mit Rotzusatz, artikuliert wurden. „Ich habe Weiß auf Schwarz verwendet“, erklärte sie, „weil Schwarz auf Weiß mich nicht erregt hat, weil es zu offensichtlich war; in diesem besonderen Moment muss der Künstler einen Sinn für Einzigartigkeit, für Neuartigkeit haben, der ihn anspornt.“
Die Fotografien, die Accardi bei der Arbeit zeigen, verewigen sie oft auf dem Boden oder auf einem Tisch, aber nie an einer Staffelei; die Zeichen auf ihren Leinwänden müssen sich unbegrenzt ausdehnen können, ohne räumliche Zwänge, sich ineinander verschlingen oder sich frei bewegen können. Genau dies ist bei der Integrazione n. 2 der Fall. In diesem Stück erweckt ein Energiekern, der durch eine Reihe von einzelnen Elementen im Dialog miteinander erzeugt wird, geheimnisvolle zweidimensionale abstrakte Schriften zum Leben, die die Distanz zwischen Hintergrund und Zeichen negieren.
In Accardis Oeuvre sind die Zeichen nie zufällig, sondern immer einer bestimmten formalen Argumentation unterworfen. So wird die Form ihrer Werke durch die verschiedenen Gruppierungen von Zeichen bestimmt, und die Kraft ihrer Kompositionen ergibt sich aus der Komplexität und Vielfalt der Aggregationen der Zeichen.
In den fünfziger Jahren fanden Accardis Werke große Unterstützung in Form des Kritikers und Propheten des Informel, Michel Tapié, der ihr künstlerisches Schaffen und das ihres Mannes Sanfilippo in bahnbrechenden Publikationen wie Esthétique en devenir (1956) und Morphologie autre (1960) dokumentierte. Er förderte ihre Werke auch in wichtigen Ausstellungen an der Seite der etabliertesten amerikanischen, europäischen und japanischen Maler, was dazu führte, dass sie als Exponentin der art autre zur Gänze akzeptiert wurde.
In den 50er und 60er Jahren ist Accardis Werk von der Idee einer Art Anti-Malerei aus Kontrasten geprägt, von Umkehrungen, die darauf abzielen, die Hierarchie der Formen und Farben zu unterwandern, von den Beziehungen zwischen absoluter und individueller Vision, die die Auflösung und Krise der Tradition durchläuft. Ihr idiosynkratischer Stil ist durch einen zentralen Kern zentripetaler Energie definiert, der die Ränder der Bildfläche als Hintergrund erscheinen lässt. Jedes Zeichen existiert in Beziehung zu anderen Zeichen, und gemeinsam bilden sie eine Struktur, die durch das Ganze Bedeutung erhält und selbst zum künstlerischen Ausdruck wird.

Experte: Alessandro Rizzi Alessandro Rizzi
+39-02-303 52 41

alessandro.rizzi@dorotheum.it


Käufer Hotline Mo.-Fr.: 09.00 - 18.00
kundendienst@dorotheum.at

+43 1 515 60 200
Auktion: Zeitgenössische Kunst I
Datum: 24.06.2020 - 16:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 18.06. - 24.06.2020


** Kaufpreis inkl. Käufergebühr und Mehrwertsteuer

Es können keine Kaufaufträge über Internet mehr abgegeben werden. Die Auktion befindet sich in Vorbereitung bzw. wurde bereits durchgeführt.